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Heinz Kroehl

deutscher Designer und Hochschullehrer
Heinz Kroehl

Heinz F. Kroehl (* 5. Mai 1935 in Mainz) ist ein deutscher Universitätsprofessor, Leiter eines Instituts für Strategische Identitäts- und Kommunikationsberatung und Mitbegründer der "Written Art Foundation".[1]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Schule und AusbildungBearbeiten

Aufgrund des Krieges und der Zerstörung der Stadt Mainz besuchte Heinz Kroehl verschiedene Grundschulen. Der Vater Franz Heinrich Kroehl ist in den letzten Tagen des Krieges gefallen. Die Witwe Christine Kroehl geb. Wilbert musste die drei Kinder alleine großziehen. Um als ältester Sohn seine Familie zu unterstützen, begann er daher 1949 mit 14 Jahren eine vierjährige Lehre als Schriftsetzer im Verlag Philipp von Zabern in Mainz. Nach der Ausbildung arbeitete er dort als Schriftsetzer und Buchdrucker, wobei seine künstlerische Begabung entdeckt wurde. So wurde er in die Landeskunstschule Rheinland-Pfalz aufgenommen und studierte Malerei, Bildhauerei und Grafik. In den Abend- und Nachtstunden arbeitete er von 1954 bis 1958 in der Verlagsdruckerei, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Während seines Studiums gewann er zahlreiche Preise und wurde zum Studentensprecher und ASTA-Vorsitzenden gewählt. Aufgrund besonderer Leistungen und seines Prädikatsexamens im Jahr 1959 erhielt er von der Landesregierung ein mehrjähriges Auslandsstipendium.

Kroehl entschied sich für die Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel, und absolvierte dort von 1960 bis 1964 ein Designstudium, das er mit Erfolg abschloss. Danach arbeitete er in Basel und Zürich als freischaffender Designer und gewann mehrere Auszeichnungen, u. a. „Die besten Plakate der Schweiz“.

Im Jahr 1965 kehrte er nach Deutschland zurück und präsentierte auf Einladung des Gutenberg-Museums in Mainz seine Werke. Unternehmen und Institutionen, wie Hoechst, Schott, ZDF, Boehringer, BASF, erteilten ihm Aufträge. Er gründete 1965 die Kroehl Gruppe, die mit einem europäischen Team weltweit agierende Unternehmen in Kommunikations- und Designfragen berät.

Neben seiner Tätigkeit als Leiter der Kroehl Gruppe arbeitete Heinz Kroehl als freier Journalist für verschiedene Medien. Die Verlagsgruppe Rhein Main verpflichtete ihn, als Korrespondent des Kulturressorts regelmäßig über Kunst, Architektur und Design zu berichten. 2011 erhielt er die Ehrennadel des Deutschen Journalisten-Verbandes.

Der DesignerBearbeiten

Heinz Kroehl hat das Erscheinungsbild vieler öffentlicher Einrichtungen in Deutschland wie Bibliotheken, Banken und Kliniken mitgeprägt. Dabei haben für ihn bei der Innenarchitektur Orientierungssysteme, Interiordesign und Farbgebung eine wesentliche Rolle gespielt. Besonders mit folgenden Architekturbüros ist eine Zusammenarbeit zu nennen: Thiede Meßthaler, Düsseldorf; Behnisch & Partner, Stuttgart; Novotny + Mähner, Frankfurt; Matteo Thun, Mailand oder Pei Cobb Freed, New York.

Heinz Kroehl hatte Einzelausstellungen 1973 in Wiesbaden, 1981 in Frankfurt am Main und 1991 in Mainz. Die Ausstellung „Kroehl Images“ 1991 im Landesmuseum Mainz präsentierte auch Videos und Filme von ihm, u. a. „So entsteht eine Zeitung“ mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, „Days in your life“ mit der Oetker Gruppe, „Take a stand“ mit Hochtief. Letzterer wurde 1990 als bester Industriefilm ausgezeichnet. Außerdem nahm Kroehl an den Gruppenausstellungen „Schweizer Designer“ in Philadelphia und Chicago teil.

Arbeiten von ihm befinden sich in der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art in New York, dem Stedelijk Museum in Amsterdam und der Neuen Sammlung in München.

Zu den Auszeichnungen und Wettbewerbserfolgen zählen u. a.

  • 1. Preis im Wettbewerb "Broschüren und Prospekte für die Öffentlichkeitsarbeit" des ZDF 1966;
  • Diplom der 3. Internationalen Plakat Biennale Warschau 1970;
  • Blue Ribbon Certificate für vorbildliche Hotelwerbung 1972;
  • Bronze-Medaille Internationaler Prospekt-Wettbewerb Berlin 1974;
  • Ehrenpreis der Deutschen Zentrale für Tourismus Frankfurt 1975;
  • 1. Preis beim Wettbewerb zum Sonderpostwertzeichen "25 Jahre Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl" Bonn 1976;
  • 2. Preis beim 9. Wettbewerb der Goldenen Reisekutsche anl. der Internationalen Tourismusbörse Berlin 1978;
  • 1. Preis Wettbewerb „Signet für öffentliche Bibliotheken in Berlin und der Bundesrepublik Deutschland“ Berlin 1979;
  • Auszeichnung der Deutschen Marketinggesellschaft für hervorragendes Direktmarketing bei der „Brenners Park Hotel Spa Offensive“ 1989;
  • Silver Award beim 55. Kalenderwettbewerb für „Nord/LB Kalender – Words and Images in Modern Art“ 2005.

Der WissenschaftlerBearbeiten

Die Begegnung mit der Professorin Elisabeth Noelle-Neumann, die als die Begründerin der modernen Kommunikationsforschung in Deutschland gilt, beeinflusste seinen weiteren Werdegang. Sie schlug ihm vor, bei ihr zu studieren. Er stimmte nach einigem Zögern zu, musste jedoch erst das Abitur nachholen. 1971 erlangte er vor einem Prüfungsausschuss des Kultusministeriums die staatliche Hochschulreife. Er studierte Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Kunstwissenschaften und schloss sein Studium 1977 mit der Note „Magna cum laude“ ab. Bei seiner Dissertation „Der Buchumschlag als Gegenstand kommunikationswissenschaftlicher Untersuchungen“ arbeitete er eng mit dem damaligen Direktor des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung in Saarbrücken zusammen. Sein Interesse an Experimenten und Laborversuchen blieb bestehen und er arbeitete eine Zeitlang an dem dortigen Lehrstuhl von Werner Kroeber-Riel.

Die anschließende Berufung 1982 an die Universität Duisburg-Essen und die damit verbundene Professur für Kommunikationstheorie und -design (bis 2005) gab ihm die Möglichkeit, sich intensiv mit der Semiotik und der modernen Zeichentheorie zu beschäftigen und den Forschungsbereich zu intensivieren. So gehören zu den wichtigen Publikationen dieser Zeit „Moderne Semiotik – Zeichentheoretische Ansätze zur Analyse von Bildern“. Er war akademischer Beauftragter für deutsch-russische Beziehungen, die den Austausch von Professoren und Studenten der Staatlichen Universität Sankt Petersburg förderte.

Heinz Kroehl ging es darum, den Wissenschaftstransfer zwischen der Universität, den Unternehmen und der Öffentlichkeit zu fördern. Regelmäßige Veranstaltungen und Kolloquien belegen dies. Vor allem der interdisziplinäre Austausch und Freundschaften zu Kollegen aus Frankreich, wie Jean Baudrillard, Abraham Moles, oder aus Italien, wie Umberto Eco, waren ihm wichtig. Beim 6. Deutschen Kommunikationstag 1994 in der Alten Oper Frankfurt verpflichtete er zudem aufgrund seiner guten Kontakte zu den amerikanischen Universitäten als Gastredner die bekannten Soziologen Mancur Olson („The Rise and Decline of Nations“) und Francis Fukuyama („The End of the History“).

Der Kurator und KunstexperteBearbeiten

1999 bis 2007 gehörte Heinz Kroehl dem Vorstand der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft an. Im Jahr 2000 zum Gutenberg-Jubiläum der Städte Mainz und Eltville kuratierte Heinz Kroehl die vielbeachtete Ausstellung „Man of the Millennium“. Die Schau vermittelte die Erfindung der Druckkunst und die Folgen für die Menschheit.

Im Jahr 2010 zeigte Heinz Kroehl unter dem Titel „The Art of Writing“ in Wiesbaden den Einfluss der Schrift auf die Malerei. In der Ausstellung wurden Künstler aus Asien, Europa und der arabischen Welt gegenübergestellt. Für die Besucher sollen damit auch die gegenseitigen Anregungen, Adaptionen und Annäherungen nachvollziehbar werden. Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

Auch im Ausland engagierte sich Heinz Kroehl, besonders in Asien und Nordafrika. Seine letzte Ausstellung unter dem Titel „Symbiose de deux mondes“ fand große Beachtung in der arabischen Welt.[2] Die Ausstellung, aus Anlass der 100. Wiederkehr der Tunisreise von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet, zeigte europäische abstrakte Werke der Gegenwart in der Gegenüberstellung zur Kunst der arabischen Welt. Die Präsentation in Marokko wurde gefördert vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland.[3]

Engagement und PersönlichesBearbeiten

Soziales und gesellschaftliches EngagementBearbeiten

2009 wurde Heinz Kroehl einer der Gründungsväter der „Written Art Foundation“ in Frankfurt, einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich der Entwicklung und Bildung von Jugendlichen widmet. Dabei steht die Beherrschung von Schreiben und Lesen im Mittelpunkt. Ein weiteres Ziel ist, Brücken zu bauen zu anderen Nationen und Kulturen durch Symposien, Workshops und Ausstellungen. Dazu gehören auch Ausstellungsprojekte in China, Korea oder der arabischen Welt, die auch von der Bundesregierung unterstützt werden.

PrivatlebenBearbeiten

Heinz Kroehl ist seit 1965 mit Hildegard Leineweber verheiratet. Mit ihr hat er zwei Kinder, Raoul und Rixa Kroehl. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Burg-Hohenstein im Rheingau-Taunus-Kreis. Er ist Sammler afrikanischer und asiatischer Kunst.

EhrungenBearbeiten

  • 1968: Gutenberg-Plakette der Stadt Mainz für seine künstlerischen Leistungen
  • 2014: Bundesverdienstkreuz Erster Klasse verliehen durch den Bundespräsidenten

PublikationenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Heinz Kroehl, Buch und Umschlag im Test, Dortmund 1984, ISBN 3-88379-925-3.
  • Heinz Kroehl, Communication Design 2000 - A handbook / Ein Handbuch / Un manuel (in deutscher, englischer und französischer Sprache), Zürich 1987, ISBN 3-85504-106-7
  • Heinz Kroehl, Die Inszenierung von Unternehmen und Marken, 3 Bände, Mainz 1994, ISBN 3-87439-310-0
  • Heinz Kroehl, Corporate Identity als Erfolgskonzept im 21. Jahrhundert : CI 21, München 2000, ISBN 3-8006-2485-0
  • Heinz Kroehl, Geschriebene Kunst: eine kurze Geschichte des Schreibens, Frankfurt am Main 2008
  • Heinz Kroehl (Hg.), The Art of Writing - Bilder werden geschrieben, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-86828-212-2
  • Heinz Kroehl (Hg.), Symbiose de deux mondes, Ausstellungskatalog, Frankfurt am Main 2014, ISBN 3-9257-8280-X

Beiträge (Auswahl)Bearbeiten

  • Heinz Kroehl, „Der generative Prozess der Gestaltung“, in: Schmittel, Wolfgang: "Process Visual", Zürich 1978, ISBN 3-85504-052-4
  • Heinz Kroehl, „Die Umsetzung von Werbebotschaften“, in: Geffken, Michael (Hrsg.), Das große Handbuch der Werbung, Landsberg am Lech 1982
  • Heinz Kroehl, „Massenkommunikation und Zeichenentwicklung“, in: Gutenberg Jahrbuch 1982
  • Heinz Kroehl, "Buchumschlag", in: Lexikon des gesamten Buchwesens, Stuttgart 1987
  • Heinz Kroehl, „Textgestaltung - Textwirkung. Neue Erkenntnisse der Rezeptionsforschung“, in: Gutenberg-Jahrbuch 1989
  • Heinz Kroehl, "Hypermedien und die Zukunft", in: Gutenberg Jahrbuch 1993
  • Heinz Kroehl, "Lean Intelligence", in: absatzwirtschaft, 1. Mai 1994
  • Heinz Kroehl, "Corporate Identity: Dynamik im Marketing", in: HBM, H. Quartal 1994, 16. Jg., S. 25–31, 1994
  • Heinz Kroehl, "Hospitality verpflichtet - Corporate Identity für Krankenhäuser", in: KU krankenhaus umschau Januar 1994, Jhg. 63
  • Heinz Kroehl, "Die Bemühungen um die Unternehmenspersönlichkeit brauchen eine bessere theoretische Grundlage: Corporate Identity: Dynamik im Marketing", in: Harvard Business Manager, Ausgabe Februar 1994
  • Heinz Kroehl, „Die Corporate Identity lebt“, in: Welt am Sonntag, 10. Juni 2001[4]
  • Heinz Kroehl, „Die Markenwerbung kämpft mit der Flut der Bilder“, in: Welt am Sonntag, 22. September 2002[5]

LiteraturBearbeiten

  • Martin Ruppert, „Heinz Kroehl Kommunikation durch Design“, in: MAINZ, Herbst 1989
  • Josef Oehrlein, „Warum sind Visionen besser als Strategien, Professor Kroehl?“, in: FAZ-Magazin, 1993 Heft 706, 36. Woche, S. 54–55

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tausend Schüler schreiben (pdf, 521kB), Nachdruck des Artikels im Wiesbadener Kurier vom 6. Juni 2011, abgerufen am 6. März 2015
  2. Meldung des Magazins „Aujourd'hui Le Maroc“ über die Ausstellung (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aujourdhui.ma
  3. Ankündigung über die Ausstellung der Deutschen Botschaft in Rabat
  4. Artikel „Die Corporate Identity lebt“, in: Welt am Sonntag, 10. Juni 2001
  5. Artikel „Die Markenwerbung kämpft mit“, in: Welt am Sonntag, 22. September 2002