Central-Molkerei Hannover

ehemalige Molkerei und Unternehmen zum Herstellung und Vertrieb von Milchprodukten
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Central-Molkerei Hannover AG

Zentral-Molkerei, Hannover
Zentralmolkerei Hannover AG
Milch-Absatz-Genossenschaft (MAG)
Milchabsatzgenossenschaft
Hansano-Milchhof eG

Rechtsform anfangs Aktiengesellschaft,

später eingetragene Genossenschaft

Gründung 1884 oder 1885
Auflösung 1999
Auflösungsgrund Fusion zur Nordmilch eG
Sitz anfangs Hannover, später Isernhagen
Branche Milchprodukte

Vogelschau über die Gebäude der Zentralmolkerei an der Hildesheimer Straße 217/219; im Vordergrund neben Pferdefuhrwerken die auf das Betriebsgelände abzweigenden Gleise der hannoverschen Straßenbahn;
Ansichtskarte in geringer Auflösung, noch unidentifizierter Verlag, um 1910

Die Central-Molkerei Hannover AG,[1] auch Zentral-Molkerei[2] und Zentralmolkerei Hannover AG genannt,[3] war eine Molkerei und ein Unternehmen zur Herstellung und zum Vertrieb von Milchprodukten.[1]

GeschichteBearbeiten

In der Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs suchten verschiedene Landwirte nach Möglichkeiten für einen sicheren, vor allem regelmäßigen Absatz der von ihren Milchkühen produzierten Milch. Sie bildeten hierzu eine Vereinigung,[1] durch die sie 1884[3] oder 1885 die Central-Molkerei Hannover als Aktiengesellschaft gründen konnten.[1] Erster Standort war ein eigenständiger Bau unter der Adresse Clevertor 1.[3]

Nachdem die Forderungen an die Milchqualität durch Hygieniker, Ärzte und Milchfachleute, ähnlich wie auch die Nachfrage durch die Konsumenten, stetig gestiegen waren und eine weitere Ausdehnung des Betriebes am alten Standort nicht mehr möglich war,[3] erfolgte eine Verlegung des Unternehmens an die Hildesheimer Straße[1] 219.[2] Die dort hergestellten vielfältigen Milchprodukte wurden vor allem in sämtliche Stadtteile Hannovers ausgeliefert.[1]

Die Milch wurde von Bauern aus vielen Teilen der heutigen Region Hannover angeliefert, so beispielsweise mittels Ziegen und dann per Eisenbahn vom Bahnhof Lehrte aus, woran heute das Lehrter Ziegendenkmal erinnert.[4] In Gehrden verfügte der Landwirt Otto Mittendorf über Vordrucke, die er ausgefüllt an seine plombierten Milchkannen klebte, um sie mit der damaligen Straßenbahn-Linie 10 der Überlandwerke und Straßenbahnen Hannover AG (ÜSTRA) an die Molkerei in der Hildesheimer Straße liefern zu lassen.[5]

Noch zur Zeit der Weimarer Republik produzierte die Firma Werbekunst Epoche Reklame GmbH mit Sitz in Berlin im Jahr 1928 einen 4-minütigen Werbefilm unter dem Titel Central-Molkerei Hannover.[6]

Im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde die Molkerei 1933 umfirmiert in „Milch-Absatz-Genossenschaft“ (MAG),[1] auch Milchabsatzgenossenschaft genannt.[7]

Seit 1970 bot das Unternehmen im Verbund mit zahlreichen anderen Molkereien im norddeutschen Raum, die ebenfalls auf das Konzept der Regionalität ihrer Lebensmittel setzten, die Milch und deren Milchprodukte unter dem gemeinsamen Warenzeichen hansano an.[1]

1973 siedelte das Unternehmen nach Isernhagen in den Ortsteil der Niedernhägener Bauerschaft (NB) um. Die Isernhagener Molkerei mit Sitz in der Milchstraße firmierte als eingetragene Genossenschaft unter den Namen Hansano-Milchhof eG und fusionierte 1999 schließlich mit vier anderen norddeutschen Genossenschaften zur Nordmilch eG mit Sitz in Bremen.[1]

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Stadelmann (Bearb.): Hannover. Die Grossstadt im Grünen. Im Einvernehmen mit dem Magistrat der Stadt Hannover, hrsg. vom Verkehrs-Verein Hannover e.V., mit Buchschmuck nach Entwürfen von Hans-Günther Reinstein. Kunstbeilagen nach Original-Zeichnung von Georg Tronnier und H. Flecke, Hannover: Verkehrs-Verein Hannover E. V.; Schmorl & v. Seefeld Nachfolger, Hannover 1927, S. 320f.[1]

WeblinksBearbeiten

Commons: Zentralmolkerei Hannover – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j Waldemar R. Röhrbein: Central-Molkerei Hannover, in: Stadtlexikon Hannover, S. 110 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Verzeichnis der Mitglieder (Stand am 1. Juli 1912). In: Jahresbericht der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. 60–61, 1912, S. 12 (PDF auf ZOBODAT).
  3. a b c d Milchwirtschaftliches Zentralblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche und praktische Milchkunde, 43. Jahrgang, Hannover: M. & H. Schaper Verlagsbuchhandlung, 1914, S. 332 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Wilhelm Behre: Das Ziegendenkmal in Lehrte, in Armin Mandel (Hrsg.): Heimatbuch. Menschen und Landschaft um Hannover, Band 4, Verlag Th. Schäfer, Hannover 1986, ISBN 3-88746-144-4, S. 169–170.
  5. Vergleiche den Vordruck unter dem Titel Zentrale und Linie 10 auf der Seite gehrdener-ansichten.de von Rainer Piesch [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 24. September 2019.
  6. Angaben auf der Seite filmportal.de.
  7. Heinz Rievel: Praxiserfahrungen bei Untersuchungen milchliefernder Bestände auf Tuberkulose und Euterkrankheiten, in: Tierärztliche Rundschau. Organ für praktische Tierärzte. Band 41, Wittenberge, Bezirk Potsdam: Bischoff, 1935, S. 449ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

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