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Halban´sche Faszie, nach der Nomenklatur auch Septum vesicovaginale, zwischen Urethra bzw. Harnblase, Vesica urinaria und (oberhalb bzw. ventral der) Vagina (rosa eingefärbt) gelegener Bindegewebsraum, Sagitalschnittebene

Die Halban-Faszie, auch Septum vesicovaginale, ist ein Bindegewebsraum, der nach dem Gynäkologen Josef von Halban als Beschreiber benannt ist und sich zwischen dem Trigonum vesica der Harnblase dorsal und dem vorderen, ventralen Teil der Vagina ausspannt.[1][2] Nach ventral, von der Blase und der Vagina kommend, setzt er sich dann als Septum uretrovaginale zwischen der weiblichen Harnröhre und Vagina bzw. in den Scheidenvorhof, Vestibulum vaginae, fort.

Inhaltsverzeichnis

Embryogenese, Anatomie und FunktionBearbeiten

Das Septum vesicovaginale ist eine mesenchymale Lamina mit einer fibroelastischen Schicht aus kollagenen, elastischen und glattmuskulösen Fasern, einer reichlichen Blutversorgung (Kapillarisierung) und einer Nervenversorgung mit Krause-Körperchen sowie pseudokorpuskulären Nervenenden.[3][4] Nach beidseits seitlich (lateral) geht sie in die Fascia endopelvina über – diese inseriert wiederum an der Beckenwand am Arcus tendineus. Man vermutet, dass diese Struktur in der frühen embryonalen Differenzierung sich aus dem gleichen mesenchymalen Ursprungsgewebe heraus entwickelt wie das Schwellkörpergewebe um die Harnröhre, Corpus spongiosum urethrae.[5]

Im Bereich der Halban-Faszie sollen sich zwei weibliche intravaginale erogene Zonen befinden:

  • G-Punkt oder Gräfenberg-Zone im vorderen vaginalen Drittel[6]
  • A-Punkt[7] im Bereich des vorderen Gebärmutterhalsgewölbes, Fornix cervicalis anterior (engl. „anterior fornix zone“ abgekürzt „AFE-zone“)

Bei der Stimulation dieses Bindegewebsraumes kommt es zu einer Vasokonstriktion und angenehmen erotischen Empfindungen[8] sowie mitunter weiblicher Ejakulation.

Gynäkologisch-chirurgische BedeutungBearbeiten

Das Septum vesicovaginale wird im Rahmen einer interventionellen Therapie bei der Behebung eines Descensus uteri oder Descensus vaginae (siehe auch Beckenboden) dargestellt und gerafft.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  • Skizze einiger anatomischer Strukturen, so des Kobelt´sche Venenplexus, des Septum uretrovaginale oder Halban-Faszie zwischen der weiblichen Harnröhre und Vagina bzw. in den Scheidenvorhof, Vestibulum vaginae in sagittaler Schnittebene[3]
  • Die Klitoris und der männliche Penis; Skizze mit dem Kobelt´schen Venenplexus.[4]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Angelika Strunk: Fasziale Osteopathie: Grundlagen und Techniken. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-830-47922-2, S. 74
  2. Beate Carrière: Beckenboden. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-1317-0332-3, S. 536
  3. Per Olov Lundberg: Die periphere Innervation der weiblichen Genitalorgane. Sexuologie 9 (3) 2002 98–106 [1]
  4. Smadja A Minh, JPH de Sigalony, JF Aetherr: Role du fascia de Halban dans la physiologie orgasmique feminime. Cahiers de Sexuol Clin 1981; 7: 169
  5. dem weiblichen Analogon zum Corpus spongiosum penis
  6. Ernest Gräfenberg: The Role of Urethra in Female Orgasm. The International Journal of Sexology, Februar 1950 [2]
  7. Chua Chee Ann: A proposal for a radical new sex therapy technique for the management of vasocongestive and orgasmic dysfunction in women: The AFE Zone Stimulation Technique. In: Sexual and Marital Therapy. 12, 1997, S. 357, doi:10.1080/02674659708408179.
  8. Minh MH, Smadja A, De Sigalony JPH, Aetherr JF.: Role du fascia de Halban dans la physiologie orgasmique feminime. Cahiers de Sexuol Clin 1981; 7: 169.