Großsteingräber bei Caldenhof

Die Großsteingräber bei Caldenhof waren ursprünglich drei megalithische Grabanlagen der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur bei Hitzhausen, einem Ortsteil von Ostercappeln im Landkreis Osnabrück, Niedersachsen

Die Großsteingräber bei Caldenhof waren ursprünglich drei megalithische Grabanlagen der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur bei Hitzhausen, einem Ortsteil von Ostercappeln im Landkreis Osnabrück, Niedersachsen. Von diesen existiert heute nur noch eines.

Großsteingräber bei Caldenhof
Großsteingräber bei Caldenhof (Niedersachsen)
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Koordinaten 52° 19′ 58,5″ N, 8° 15′ 3,7″ OKoordinaten: 52° 19′ 58,5″ N, 8° 15′ 3,7″ O
Ort Ostercappeln OT Hitzhausen (Gut Caldenhof), Niedersachsen, Deutschland
Entstehung 3500 bis 2800 v. Chr.

LageBearbeiten

Das erhaltene Grab 1 befindet sich nordwestlich von Hitzhausen in der Biegung des Caldenhofer Wegs. Das zerstörte Grab 2 lag weiter nördlich, etwa 350 m nördlich der Hitzhauser Straße auf einem Feld auf dem Flurstück „Auf der Horst“. Das zerstörte Grab 3 lag nordwestlich des Caldenhofs bei der Hitzhauser Straße.

ForschungsgeschichteBearbeiten

Das zerstörte Grab 3 wurde erstmals 1883 von Ludwig Gramon erwähnt. Vermutlich wurde es wenig später zerstört. Grab 2 wurde 1974 mit einem Bagger zerstört. Bei einer Feldbegehung im Jahr 1993 konnten noch mehrere kleinere Steine festgestellt werden. Grab 1 wurde 1976 entdeckt und die Fundstelle von Wolfgang Schlüter dokumentiert. 2009 erfolgte eine archäologische Grabung unter Leitung von Sebastian Möllers. Das Fundmaterial wurde 2014 von Aylin Polzer im Rahmen einer Magisterarbeit wissenschaftlich aufgearbeitet.

BeschreibungBearbeiten

Das erhaltene Grab 1Bearbeiten

ArchitekturBearbeiten

Von der stark beschädigten Anlage sind noch 17 größere Steine erhalten, von denen einer erst bei der Grabung im Jahr 2009 entdeckt wurde. Die Steine verteilen sich auf einer Fläche von etwa 20 × 30 m. Die Grabung konnte keine sicheren Erkenntnisse über die ursprüngliche Anzahl der Steine sowie das ursprüngliche Aussehen der Anlage erbringen. Reste eines Kammerpflasters aus Granit-Grus und sandige Verfärbungen, die als Standspuren von Wandsteinen interpretiert wurden, ließen aber die ungefähre Orientierung und Ausdehnung der Grabkammer erahnen. Nach einem Rekonstruktionsversuch von Sebastian Möllers handelte es sich demnach um eine nordwest-südöstlich orientierte Kammer mit einer Länge von 13 m, die ursprünglich aus zehn Wandsteinpaaren und zehn Decksteinen bestanden hatte. Bei dieser Größe dürfte es sich entweder um einen Großdolmen oder um ein Ganggrab gehandelt haben. Ob die Anlage ursprünglich eine Hügelschüttung und eine steinerne Umfassung besessen hatte, konnte durch die Grabung nicht geklärt werden.

BestattungenBearbeiten

Die 81 aufgefundenen Knochen sind alle stark fragmentiert und kalziniert. Ob es sich um Menschen- oder Tierknochen handelt, wurde bislang nicht untersucht.

BeigabenBearbeiten

Bei der ersten Dokumentation der Anlage im Jahr 1976 wurden 71 teilweise tiefstichverzierte Keramikscherben der Trichterbecherkultur gefunden. Bei der Grabung von 2009 wurden weitere 873 Scherben gefunden. Wegen der starken Zerscherbung ließen sich nur eine Kragenflasche und eine flache Schale sicher rekonstruieren. Neben der Keramik wurden ein Feuerstein-Beil und 31 weitere Feuerstein-Artefakte (Klingen, Klingenkratzer, Schaber, Abschläge und eventuell Bohrer) entdeckt.

DatierungBearbeiten

Der schlechte Erhaltungszustand der Keramik erlaubte keine genaueren Aussagen zur Typochronologie der Gefäße. Aufschlussreicher waren die Verzierungen. Demnach gehört der Großteil der Keramik den Horizonten 4 und 5 gemäß dem typologischen System von Anna L. Brindley an, was dem Zeitraum 3250–3075 v. Chr. entspricht.[1] Dieser Zeitraum gibt allerdings nur die Hauptnutzungsphase der Anlage an. Einige seltener vorgefundene Verzierungsmuster belegen sowohl eine frühere Entstehungszeit als auch eine spätere, weniger intensive Nutzung des Grabes.

Das zerstörte Grab 2Bearbeiten

Grab 2 war nach Aussagen von Anwohnern fast vollständig in den Boden eingetieft und wurde 1974 zerstört. Eine 1987 durchgeführte Feldbegehung erbrachte keine Hinweise mehr. Bei einer weiteren Begehung im Jahr 1993 wurden hingegen zahlreiche bis zu kopfgroße Granit-Findlinge, Feuersteinknollen und Steine aus Keuperton entdeckt, dazu eine Keramikscherbe, ein Feuerstein-Abschlag und ein möglicher Obsidian-Abschlag. Angaben zur Orientierung und zu den Maßen der Anlage sowie zum genauen Grabtyp liegen nicht vor.

Das zerstörte Grab 3Bearbeiten

Grab 3 wurde von Gramon bereits als „verfallen“ beschrieben. Angaben zur Orientierung, zu den Maßen und zum genauen Grabtyp liegen nicht vor.

LiteraturBearbeiten

  • Axel Friederichs, Uwe Märtens: Fundchronik 1993. In: Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland. Band 17, 1994, S. 133.
  • Ludwig Gramon: Ostercappeln und seine romantischen Umgebungen. Nolte, Osnabrück 1883, S. 15, 25.
  • Sebastian Möllers: Ostercappeln-Hitz-Jöstinghausen: Großsteingrab? Grosßsteingrab! In: Heimat-Jahrbuch Osnabrücker Land. 2011 (2010) S. 45–49.
  • Gerd-Ulrich Piesch: Verschwundene Großsteingräber im Osnabrücker Land. In: Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland. Band 20, 1997, S. 19–20.
  • Aylin Polzer: Aufarbeitung des archäologischen Materials des spät- und endneolithischen Fundplatzes Hitz-Jöstinghausen, Gemeinde Ostercappeln, Landkreis Osnabrück. Magisterarbeit, Münster 2014 (PDF; 23,1 MB).
  • Friedrich-Wilhelm Wulf, Axel Friederichs: Archäologische Denkmale und Fundstellen im Landkreis Osnabrück. Teil 2 (= Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens. Band 43). Leidorf, Rahden/Westf. 2011, ISBN 978-3-89646-976-2, 510–511.
  • Friedrich-Wilhelm Wulf, Wolfgang Schlüter: Archäologische Denkmale in der kreisfreien Stadt und im Landkreis Osnabrück (= Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens. Reihe B, Inventare. Band 2). Hahn, Hannover 2000 ISBN 978-3-7752-5661-2, S. 462, 464–465.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anna L. Brindley: The typochronology of TRB West Group pottery. In: Palaeohistoria. Band 28, 1986, S. 93–132 (Online). Jahreszahlen korrigiert nach Moritz Mennenga: Zwischen Elbe und Ems. Die Siedlungen der Trichterbecherkultur in Nordwestdeutschland (= Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Band 13). Habelt, Bonn 2017, ISBN 978-3-7749-4118-2, S. 93 (Online).