Großer Winterberg

Berg in der Sächsischen Schweiz

Der Große Winterberg mit 553,8 m ü. NHN[1] ist die zweithöchste Erhebung der Sächsischen Schweiz in Sachsen. Der Berg besteht in seinem oberen Teil aus Basalt, der Sockel wird aus Quadersandstein gebildet. Über die Südseite verläuft die Staatsgrenze zur Tschechischen Republik. Seit 1961 steht der Berg unter Naturschutz.[2]

Großer Winterberg
Die Schrammsteine mit dem Großen Winterberg im Hintergrund

Die Schrammsteine mit dem Großen Winterberg im Hintergrund

Höhe 553,8 m ü. NHN
Lage Sachsen (Deutschland)
Gebirge Elbsandsteingebirge
Koordinaten 50° 53′ 45″ N, 14° 15′ 35″ OKoordinaten: 50° 53′ 45″ N, 14° 15′ 35″ O
Großer Winterberg (Sachsen)
Großer Winterberg
Gestein Sandstein Stufe e
mit Basaltdurchbruch
Alter des Gesteins Kreide
Erschließung Bau der ersten Bergwirtschaft 1819
Besonderheiten Aussichtsturm
Blick auf den Großen Winterberg und die Silberwände von Janov aus

Entstehung des NamensBearbeiten

Bereits im Mittelalter wurde er als Winterberg bezeichnet. Bedingt durch seine relativ große Höhe trägt der Berg im Gegensatz zu seiner Umgebung länger und häufiger eine geschlossene Schneedecke.

Lage und UmgebungBearbeiten

Der Große Winterberg befindet sich in der Hinteren Sächsischen Schweiz in der Gemarkung Ostrau; die Flanken des Berges greifen auch in die benachbarte Böhmische Schweiz über. Am Fuße des Berges – an der Elbe gelegen – befinden sich die kleinen Orte Schmilka und Hřensko (Herrnskretschen). Der Große Winterberg ist Teil eines größeren, zusammenhängenden Bergmassivs, welches außer dem nördlich gelegenen Kleinen Winterberg auch die Felsgebiete der Affensteine und der Schrammsteine umfasst. In der Südostseite des Winterbergmassivs befindet sich das Prebischtor (tschech.: Pravčická brána), die größte natürliche Sandsteinfelsbrücke Europas.

GeschichteBearbeiten

Der Große Winterberg gehörte zur Herrschaft Wildenstein, später den Herren von Wartenberg. Diese gaben ihn 1492 gegen Zahlung von 1200 rheinischen Gulden ab, behielten aber den ganzen Südabhang bis zur Kamnitz. Diese Grenze – die heutige Staatsgrenze zu Tschechien – besteht nunmehr seit 1492 unverändert bis heute.

Schon 1819 wurde auf dem Südgipfel durch den Forstfiskus das erste Unterkunftshaus errichtet. Erster Pächter war ein Herr Peschke aus Lichtenhain. August von Goethe weilte im Juni 1819 hier und schrieb: „Es befindet sich hier ein kleines Häusgen, wo man gut bewirthet wird, das Bier, der Rum etc. sind gut. Auch trafen wir hier 2 böhmische Musikanten mit Harfen welche recht artig sangen und spielten und für die ganze Gesellschaft überraschend waren.“[3]

Doch bereits 1821 brannte das Haus ab, wurde jedoch wieder errichtet. 1827 wurde es von Friedrich Büttner betrieben. Das erste Aussichtsgerüst wurde auf dem Gipfel 1835 errichtet. In den Jahren 1840–1846 wurden das noch heute bestehende Berghotel im Schweizerhausstil mit dem Aussichtsturm auf dem Nordgipfel erbaut. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz.

1854 übernahm der Schwiegersohn Henker das Gasthaus und bewirtschaftete gleichzeitig das Gasthaus am Lichtenhainer Wasserfall. 1880 übernahm Hugo Lasch die Wirtschaft auf dem Großen Winterberg. 1898 ging Karl Prätorius auf den Großen Winterberg, er kam vom Hotel Anker in Schandau. 1918 übernahm sein Sohn Karl Prätorius den Betrieb. Nach dem Tode des Karl Prätorius 1929, bewirtschaftete die Witwe den Betrieb weiter.

Seit 1945 unterstand der Große Winterberg nicht mehr dem Forstfiskus, sondern dem Wirtschaftsverband Bad Schandau bzw. Kreis Pirna. Olly Prätorius war bis zum 1. Juli 1964 auf dem Berg, unterstützt durch den Geschäftsführer Robert Uhlig. Vom 1. Juli 1964 bis 1966 war die Gaststätte HO-Betrieb unter der Leitung von Heinz Hartig. Von 1966 bis 1968 war Weibert Geschäftsführer. Während der Niederschlagung des Prager Frühlings, vom August 1968 bis Mai/Juni 1969, war der Große Winterberg durch die Sowjetarmee besetzt. Danach diente er als Wohnheim für die Zollverwaltung. Pfingsten 1973 übernahm der VEB Verkehrs- und Tiefbau Dresden den Komplex als Betriebsferienheim. Zwischen 1990 und 1994 stand das Gebäude leer. Ab Mai 1994 bewirtschafteten es Marc Henkenjohann und Marcus Ziegler aus Dresden als Pächter, ab 1998 als Erbbauberechtigte. Seit Februar 2014 bewirtschaftet Marc Henkenjohann das Objekt allein. Wegen fehlender Rentabilität wurden Gaststätte, Hotel und Aussichtsturm jedoch zum Ende der Wandersaison am 31. Oktober 2016 vorübergehend geschlossen.[4] Da die Betriebserlaubnis für die Kläranlage verlängert wurde, sind der Turm und die Gaststätte in der Saison 2017 geöffnet.[5] Ende 2018 wurde der Betrieb eingestellt, nachdem durch den Pächter ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt wurde.[6] Im Jahr 2018 wurde bereits nur noch ein Imbiss anstelle des Gasthauses betrieben, da die Betriebserlaubnis erloschen war.[6]

 
Felssturz Poblätzschwände Juli 2020

In den 1990er Jahren wurde in einem leerstehenden Gebäude, dem Eishaus, eine Informationsstelle des Nationalparks Sächsische Schweiz eingerichtet.

AussichtBearbeiten

Nachdem der 15,5 m hohe hölzerne Aussichtsturm in den 1970er Jahren wegen Baufälligkeit gesperrt werden musste, wurde 2007/2008 eine denkmalgerechte Sanierung durchgeführt, bei der die Plattform und die Turmspitze nach historischem Vorbild mit Lärchenholz rekonstruiert wurden.[7] Seit Ende 2008 ist der Turm wieder geöffnet und bietet einen weiten Rundblick über die einsamen Wald-Felslandschaften der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Im Osten schweift der Blick über die markanten Kegelformen der Berge im Lausitzer Gebirge bis zu der über 90 km entfernten Silhouette von Iser- und Riesengebirge. Nach Südwesten breitet sich die flachwellige Hochfläche des Erzgebirges aus, im Süden zeigt sich die Berglandschaft des Böhmischen Mittelgebirges mit dem schroffen Milešovka (Milleschauer). Nach Nordwesten blickt man über das Elbtal hinweg bis zum Collmberg bei Oschatz.

Auf der Südseite des Gipfels befindet sich die Kipphornaussicht mit Blick auf die Elbe. Sie ist eines der Motive des romantischen Malers Casper David Friedrich.[8] Die Aussicht liegt allerdings nicht direkt auf dem Malerweg – ist aber über die Winterbergstraße (roter Punkt) binnen weniger Minuten vom Gipfel des großen Winterberges erreichbar.

Im Nordwesten des großen Winterberges liegen die Poblätzschwände, wo sich im März 2019 ein Felssturz zugetragen hatte.[9] Seit 1986 ist dieses Gebiet zum Naturschutzgebiet erklärt worden, was das Betreten illegal macht.[2]

Wege zum GipfelBearbeiten

Günstiger Ausgangspunkt ist der kleine Ort Schmilka, von dort führen mehrere verschiedene Wege mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden zum Gipfel. Über den Großen Winterberg verläuft auch der Europäische Fernwanderweg E3[10], der Internationale Bergwanderweg Eisenach–Budapest und der blau markierte Fernwanderweg Zittau-Wernigerode. In jüngster Zeit wurde der Malerweg auf der historischen Route des einstigen Fremdenweges neu erschaffen; dieser führt auf seinem Verlauf von Pirna-Liebethal kommend über die Neumannmühle und den Großen Zschand über den Großen Winterberg in seiner 5. Etappe.[11] Ein weiterer Zugang aus dem Großen Zschand sind die Richterschlüchte (grüner Punkt) oder der Goldsteig, die am oberen Ende beim Krinitzgrab auf den Fremdenweg stoßen. Von benachbarten Felsgruppen gibt es ebenfalls zahlreiche Zugänge, wie der Aufstieg durchs Heringsloch von den Affensteinen oder der flache Reitsteig von den Schrammsteinen.

WeblinksBearbeiten

Commons: Großer Winterberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. a b Kerngebiete im Nationalpark Sächsische Schweiz. Kletter- und Wanderverein Fernblick (KVF), 2004, abgerufen am 10. Februar 2021.
  3. Gotthold Sobe: Die Reise August von Goethes 1819 in die Sächsische Schweiz. in: Sächsische Heimatblätter 16(1970)1, S. 43
  4. Abschied vom Großen Winterberg, Dresdner Neueste Nachrichten vom 22. August 2016
  5. Winterberg. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 4. Mai 2017; abgerufen am 14. April 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.elbsandstein.de
  6. a b Der Wirt vom Großen Winterberg gibt auf. Abgerufen am 4. Dezember 2018.
  7. Großer Winterberg – Hölzerner Aussichtsturm nach einer über 30-jährigen Sperrung wieder eröffnet. auf oberelbe.de, abgerufen am 16. Dezember 2014
  8. Kipphornaussicht - Entdecke Sachsen. In: Entdecke-Sachsen.de. Abgerufen am 18. Juli 2020: „Eines der Motive des berühmten romantischen Malers Casper David Friedrich ist die Kipphornaussicht.“
  9. Felssturz Poblätzschwände | Wandern in der Sächsischen Schweiz. 16. April 2019, abgerufen am 18. Juli 2020 (deutsch): „Im März 2019 wurde über einen Felssturz berichtet, der irgendwo im Schmilkaer Kessel passiert sein sollte.“
  10. Die Sächsische Variante des E3 - von Geising nach Bad Schandau. In: outdooractive. (outdooractive.com [abgerufen am 18. Juli 2020]): „Über die Talsperre Gottleuba, das Bielatal, Festung Königstein, Lilienstein, Hohnstein, Schrammsteine, Großer Winterberg bis zur Grenze nach Tschechien im Bad Schandauer Ortsteil Schmilka.“
  11. 5. Etappe - Wanderweg Malerweg Elbsandsteingebirge, Sächsische Schweiz. Von der Neumannmühle bis Schmilka. Abgerufen am 18. Juli 2020: „Von hier aus geht es aufwärts durch die Wolfsschlüchte, über den Roßsteig und den Katzstein bis auf den Gipfel des Großen Winterbergs.“