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Große Pyra
Winterabend im Tal der Großen Pyra

Winterabend im Tal der Großen Pyra

Daten
Gewässerkennzahl DE: 54112
Lage Sachsen, Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Zwickauer Mulde → Mulde → Elbe → Nordsee
Quelle bei Carlsfeld
50° 23′ 57″ N, 12° 34′ 27″ O
Quellhöhe ca. 930 m
Mündung bei Rautenkranz in die Zwickauer MuldeKoordinaten: 50° 27′ 30″ N, 12° 29′ 23″ O
50° 27′ 30″ N, 12° 29′ 23″ O
Mündungshöhe ca. 620 m
Höhenunterschied ca. 310 m

Abfluss am Pegel Sachsengrund[1]
AEo: 6,47 km²
Lage: 6,6 km oberhalb der Mündung
NNQ (20.02.1978)
MNQ 1971–2014
MQ 1971–2014
Mq 1971–2014
MHQ 1971–2014
HHQ (08.05.1978)
0 l/s
30 l/s
183 l/s
28,3 l/(s km²)
2,72 m³/s
10,7 m³/s

Die Große Pyra, früher auch Gr. Bühra genannt,[2][3] ist ein rechter Nebenfluss der Zwickauer Mulde in Sachsen.

Inhaltsverzeichnis

VerlaufBearbeiten

Sie entspringt am Kamm des Westerzgebirges auf etwa 930 m Höhe an der deutsch-tschechischen Grenze. Der Quellbach fließt in nordwestlicher Richtung zunächst durch den heute trocken liegenden Schwarzen Teich. Hier tritt er auf sächsische Seite über und nimmt als größere Zuflüsse auf der rechten Seite das Seerbächel und das Butterbächel auf. Linker Hand münden anschließend Schwerdtbach und Mordbach. Ein "Kleine Pyra" genannter rechter Zufluss, in den sächsischen Meilenblättern 1791 auch „die Rothe Bühre“[4] und später „Obere Kleine Pyra“ genannt,[5] ist nicht mit der eigentlichen Kleinen Pyra zu verwechseln, die weiter westlich fließt und ein eigenständiger Nebenfluss der Zwickauer Mulde ist.
Nach wenigen Kilometern passiert der Fluss die kleine Ortschaft Sachsengrund. Im Ortsteil Morgenröthe der Gemeinde Morgenröthe-Rautenkranz nimmt die Große Pyra unter anderem den Heroldsbach, den Markersbach und das Steinbächel auf. Im Bereich der Talweitung des Kohlangers zweigt der dann parallel verlaufende Hammergraben ab. In Rautenkranz schließlich mündet die Große Pyra auf etwa 620 m Höhe in die Zwickauer Mulde. In der Nähe der Mündung befindet sich eine Radiumquelle.

Geschichte der NutzungBearbeiten

Früher trieb das Wasser Hammerwerke, so das im oberen Ortsteil von Morgenröthe,[6] und die Heßmühle,[3] die Friedrichsmühle und die Pyramühle an.[6] Die Mühlgräben sind zum Teil noch heute sichtbar. Der Fluss wurde zum Abtransport des Holzes der umliegenden Wälder mittels Flößen genutzt.[7] Es gab die Floß-Inspection des sächsischen Kurfürsten für die Wilzsch- und Mulden-Flöße mit einem kurfürstlich-sächsischen Ober-Auffseher und einem kurfürstlich-sächsischen Floß-Meister, die schon im ersten erschienenen Hof- und Staatskalender von Sachsen des Jahres 1728 mit Namen aufgeführt sind.[8] Karl August Engelhardt berichtet 1804 in „Erdbeschreibung von Kursachsen“ über das Flößen auf der Großen Pyra und dessen überregionale Bedeutung für die Versorgung von Städten wie Leipzig und Halle mit Holz: Auf Grund langjähriger Verträge mit den Waldeigentümern der Grenzwaldungen würde im Sommer Holz geschlagen und im Winter mit Pferdeschlitten an den großen Pyrarer oder schwarzenTeich gebracht.

„Sobald im Frühjahr der Schnee schmilzt und der Teich davon anschwillt, nimmt die Flösse ihren Anfang. Jeden Floßtag werden tausend und mehr Klaftern die große Pyra hinunter bis auf den großen Rautenkranzer Holzanger, wo die Pyra in die Mulde fällt, geflößt. Hier sieht man alles in voller Thätigkeit, die Hölzer aus dem Wasser zu ziehen, in Stösse umzusetzen und zu numerieren. Ist das beim schwarzenTeich angefahrne Holz nach Rautenkranz geflößt, so wird nun im Herbste die sogenannte Verdingung vorgenommen. Da strömen denn fast aus dem ganzen Vogtlande Menschen mit Pferden und Ochsen herbei, um eine gewisse Menge Holz zu dingen d. h. an den sogenannten neuen Graben und den Gelenbach, 2 St. von dem Rautenkranzer Anger, zu fahren. Hier bleibt es nun wieder bis zum Thauwetter im Frühjahr liegen, wo es dann auf ienen Gräben in die Göltzsch und aus dieser bei Graiz der Elster zugeflößt wird. Auf diese Art erreicht das Holz den Ort seiner Bestimmung. Das erste Jahr kommt es nämlich aus Grund und Boden bis an den Floßteich, das andere Jahr bis auf den Rautenkranzer Holzanger und von da im Winter bis an die genannten Bäche und im dritten Jahr erst zur Hauptflösse, welche es bis Leipzig und Halle bringt.“[9]

August Schumann beschreibt 1815 fast wortgleich das Gleiche.[10]
Der Vogtländische Flößerverein Muldenberg e. V. erinnert mit einem jährlichen Schauflößen, das er seit der Wiedervereinigung durchführt, an das frühere Floßsystem.[11]

 
Die Große Pyra in Morgenröthe

NaturschutzBearbeiten

Die Wiesen am Unterlauf der Großen Pyra sind nach ihrer Naturausstattung von europäischer Bedeutung. Sie gehören zum Teilgebiet 9 „Wiesen an der Großen Pyra“ des Natura 2000-Gebietes „Oberes Zwickauer Muldetal“.[12] In der kontinentalen Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung der Europäischen Kommission hat es die EU-Melde-Nummer 5540-302.[13] Das Gesamtgebiet ist durch Verordnung der Landesdirektion Chemnitz vom 26. Januar 2011 geschützt.[13] Die Anlage der Verordnung nennt die Erhaltungsziele für das FFH-Gebiet im Ganzen.[13] Der nicht veröffentlichte Managementplan für dieses Gebiet enthält die Maßnahmen, die zur Erreichung der Erhaltungsziele geeignet sind.[13]

Nach einer Bestandserhebung in den Jahren von 1982 bis 1990 war die Große Pyra auf weiten Strecken ihres unteren Verlaufs Brutgebiet der Wasseramsel.[14]

SonstigesBearbeiten

 
1791 hieß ein Zufluss „die Rothe Bühre“, heute "Kleine Pyra"

Der Name Pyra wird in „Das östliche Vogtland“ der Reihe „Werte der deutschen Heimat“ so gedeutet: Er „gehört wohl zu altsorbisch pyr = Asche, Hitze“. Damit sei der Name als „Aschenbrennerbach“ zu verstehen.[15]
Der Oberlauf der Großen Pyra durchzieht ausschließlich Waldgebiete und entwässert das unter Naturschutz stehende Hochmoor des Großen Kranichsees in westlicher Richtung. Der moorige Untergrund färbt das Wasser des Flüsschens dunkel. Sie führt Huminstoffe mit sich, die in den Mooren und Wäldern entstehen, aus denen sie kommt, und alle aus diesem Bereich kommenden Bäche belasten. Unter bestimmten Umständen – bei starken Niederschlägen und während der Schneeschmelze – steigt der Huminstoffgehalt stark an.[16] Der Wanderweg, der durch das Tal der Großen Pyra verläuft, endet am Kammweg unweit der Quelle des Flusses.
Der „Kleine Pyra“ genannte Zufluss trug früher den Namen „Rote Pyra“, so noch in einer Veröffentlichung des Jahres 1833.[17] In den Sächsischen Meilenblättern aus dem Ende des 18. Jahrhunderts ist dieser Zufluss als „die Rothe Bühre“ bezeichnet.[18]
Sowohl 1954 als auch 2013 trat die Große Pyra nach Starkregen über ihre Ufer und verursachte Schäden durch Überschwemmungen wie Ufer- und Mauerabbrüche.[19]

GalerieBearbeiten

Die Große Pyra im oberen Teil von Morgenröthe.

LiteraturBearbeiten

  • Hydrologisches Handbuch. (PDF; 115 kB) Teil 2 – Gebietskennzahlen. Freistaat Sachsen – Landesamt für Umwelt und Geologie, S. 12, abgerufen am 25. Dezember 2017.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Große Pyra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Elbegebiet, Teil I 2014. (PDF) Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, S. 135, abgerufen am 3. November 2018 (deutsch, Auf: lhw.sachsen-anhalt.de).
  2. Höhen-Charte des Königreichs Sachsen und des anstossenden Theiles von Böhmen, entworfen und gezeichnet von Albert Schiffner. Lithographie-Anstalt Wenzel Pobuda, Verlag J. Scheible, Stuttgart 1839 Digitalisat, abgerufen am 18. Juli 2015
  3. a b Blatt 211 der Sächsischen Meilenblätter – Freiberger Exemplar -, Grundaufnahme im Jahr 1791, Nachträge bis zum Jahr 1876 Link zum Kartenblatt in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  4. Blatt 220 des Berliner Exemplars der Meilenblätter von Sachsen aus dem Jahr 1791 von Friedrich Ludwig Aster (Link zum Kartenblatt in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
  5. Carsten Lorz: Gewässerversauerung und Bodenzustand in einem Einzugsgebiet im Oberen Erzgebirge in: Bernd Cyffka, Joachim W. Härtling (Hrsg.): Bodenmanegement, Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg 2012, ISBN 978-3-540-42369-0, S. 132 Digitalisat, abgerufen am 26. Oktober 2015
  6. a b Wanderkarte von Sachsen, 1:25.000, Blatt 15 – Westerzgebirge – Eibenstock, Johanngeorgenstadt – Landesvermessungsamt Sachsen, 1. Auflage. Dresden 1996, ISBN 3-86170-717-9.
  7. Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreichs Sachsen. Erste Lieferung, den Zwickauer Directionsbezirk enthaltend, bei Friedrich Fleischer Leipzig 1839, S. 409 Digitalisat, abgerufen am 22. August 2015
  8. Königl. Polnischer und Churfürstl. Sächs. Hoff- und Staats-Kalender auf das Jahr 1728. Zu finden in Weidmannischen Buchladen, Leipzig 1728, unpag. (Digitalisat der relevanten Seite in den digitalen Sammlungen der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar)
  9. Karl August Engelhardt: Dankegott Immanuel Merkels Erdbeschreibung von Kursachsen und den ietzt dazu gehörenden Ländern. Dritter Band. Dritte, durchaus verbesserte und vermehrte Auflage, Dresden-Friedrichstadt beim Verfasser und Leipzig bei Barth, 1804, S. 59 Digitalisat
  10. [1]. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 2. Band. Schumann, Zwickau 1815, S. 420.
  11. Webseite des Vereins, abgerufen am 1. März 2016
  12. Übersichtskarte im Anhang und § 2 der Verordnung der Landesdirektion Chemnitz zur Bestimmung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Oberes Zwickauer Muldetal“ vom 26. Januar 2011 (SächsABl.SDr. S. S 120) [2]. Die Übersichtskarte ist nicht direkt erreichbar. Durch einen Klick auf Übersichtskarte am Ende der Verordnung kann diese als PDF-Datei heruntergeladen werden.
  13. a b c d Verordnung der Landesdirektion Chemnitz zur Bestimmung des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung „Oberes Zwickauer Muldetal“ vom 26. Januar 2011 (SächsABl.SDr. S. S 120) [3], abgerufen am 3. Januar 2015
  14. A.Günther: Zur Ökologie und Bestandssituation der Wasseramsel Cinclus cinclus aquaticus BECHSTEIN 1803, im Regierungsbezirk Chemnitz, in: Staatliches Umweltfachamt Chemnitz (Hrsg.): Ökologische Beurteilung von Gewässern im Regierungsbezirk Chemnitz, Redaktionsschluss am 30. Oktober 1993, 2. Auflage, Chemnitz o. J. (1994), S. 47
  15. Das östliche Vogtland (= Werte der deutschen Heimat. Band 59). 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, ISBN 3-7400-0938-1, S. 200.
  16. Pressemitteilung der Landestalsperrenverwaltung Sachsen 57/2010 vom 9. Dezember 2010 [4], abgerufen am 4. Oktober 2015
  17. Mitteilungen des Statistischen Vereins für das Königreich Sachsen, Dritte Lieferung, bei Friedrich Christian Wilhelm Vogel, Leipzig 1833, S. 4 Digitalisat
  18. Blatt 220 der Berliner Ausgabe von 1791 Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  19. Gero Fehlhauer: Hochwasser im Vogtland 1954 und 2013. Sutton-Verlag, Erfurt 2013, ISBN 978-3-95400-303-7, S. 18, 21 und 23. Digitalisat mit Abbildungen