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Daimler und Benz Stiftung

Stiftung der Daimler AG zur Förderung von Wissenschaft und Forschung

Die Daimler und Benz Stiftung (ehemals Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung) ist eine rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts und wurde 1986 von der Daimler-Benz AG (heute Daimler AG) gegründet. Als wissenschaftliche und operativ tätige Stiftung fördert sie Wissenschaft und Forschung im Themenfeld Mensch, Umwelt und Technik. Ein besonderes Anliegen der Stiftung ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Daimler und Benz Stiftung
Logo Daimler und Benz Stiftung.jpg
Rechtsform: Stiftung bürgerlichen Rechts
Zweck: Förderung von Wissenschaft und Forschung
Vorsitz: Eckard Minx
Lutz Gade
Geschäftsführung: Jörg Klein
Bestehen: seit 8. August 1986
Stifter: Daimler AG (vormals Daimler-Benz AG)
Stiftungskapital: ca. 125 Mio. Euro (2019)
Sitz: Stuttgart bzw. Ladenburg
Website: www.daimler-benz-stiftung.de
Das ehemalige Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg bei Heidelberg ist heute Sitz der Geschäftsstelle der Stiftung.

Der Sitz ist Stuttgart, die Geschäftsstelle der Stiftung befindet sich im ehemaligen Wohnhaus der Familie Benz in Ladenburg bei Heidelberg. Zudem gibt es ein Hauptstadtbüro im Berliner Haus Huth am Potsdamer Platz.

Geschichte und AufgabeBearbeiten

 
Bertha und Carl Benz

Die Stiftung wurde 1986 aus Anlass des 100. Jubiläums der Erfindung des Automobils (Carl Benz meldete am 29. Januar 1886 sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an) als „Gottlieb Daimler- und Karl Benz-Stiftung“ von der Daimler-Benz AG (heute Daimler AG) gegründet. Sie ist benannt nach den beiden Unternehmensgründern Gottlieb Daimler und Carl Benz. Durch einen Beschluss des Kuratoriums der Stiftung wurde im März 2010 der Name in „Daimler und Benz Stiftung“ geändert. Mit der Bereitstellung wissenschaftlicher Ergebnisse versucht die Stiftung, frei von politischen Zuordnungen Beiträge zur künftigen Entwicklung der Gesellschaft zu leisten. Dabei sieht sie sich als Impulsgeber der Wissensgesellschaft und ist bestrebt, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung zu erzeugen.

OrganisationBearbeiten

Organe der Stiftung sind der Vorstand und der Stiftungsrat. Diese sollen die Umsetzung des Stiftungsauftrags gewährleisten, indem sie das Förderprogramm gestalten beziehungsweise darüber entscheiden. Der Vorstand besteht aus einem Vorsitzenden – zurzeit Eckard Minx – und wenigstens einem weiteren Mitglied – zurzeit Lutz Gade – und wird für eine Amtsdauer von fünf Jahren gewählt. Der Stiftungsrat hat laut Satzung sieben Mitglieder, wovon drei Mitglieder vom Vorstand der Daimler AG und ein Mitglied vom Gesamtbetriebsrat der Daimler AG benannt werden. Drei weitere Mitglieder werden kooptiert. Sie werden ebenfalls für eine Amtszeit von fünf Jahren berufen. Aktuell setzt sich der Stiftungsrat zusammen aus:[1]

Ehrenvorsitzender des Stiftungsrats ist Prof. Dr. e. h. Werner Breitschwerdt.

Diskussion und ForschungBearbeiten

In unterschiedlichen Formaten geht die Stiftung neue Wege der fachübergreifenden Forschung. In den Förderprojekten verbindet sich die Suche nach Lösungen gesellschaftlich relevanter Fragen mit neuen, in Netzwerke eingebundenen Forschungsmethoden. Als aktiv operierende Stiftung entwickelt die Daimler und Benz Stiftung die Forschungsthemen in einem ständigen Diskursprozess mit Wissenschaftlern und Experten der Praxis.

Das Forum hierfür sind die „Ladenburger Diskurse“, in denen die Eignung vorgeschlagener Themen für eine weitergehende Förderung in „Ladenburger Kollegs“ diskutiert wird. In Kollegs bearbeiten Wissenschaftler aus verschiedenen Instituten und Disziplinen für drei bis fünf Jahre ein gemeinsam entwickeltes Forschungsprogramm.

 
„AVENUE21 - Autonomer Verkehr: Entwicklungen des urbanen Europa im 21. Jahrhundert“

Gegenwärtige Förderschwerpunkte der Stiftung:

  1. Mit dem Förderprojekt „AVENUE21 – Autonomer Verkehr: Entwicklungen des urbanen Europa im 21. Jahrhundert“ unterstützt die Daimler und Benz Stiftung ein interdisziplinäres Forschungsteam an der Technischen Universität Wien, das der Frage nachgeht, wie sich Städte und Stadtgesellschaften durch das autonome Fahren entwickeln könnten und wie bestehende Stadtstrukturen auf die Entwicklung des automatisierten Straßenverkehrs wirken. Darüber hinaus werden internationale Vorreiterregionen, in denen autonomes Fahren bereits intensiv gefördert wird, über die gesamte Projektlaufzeit betrachtet. Mit Blick auf die zu erwartenden Zukunftsszenarien interessiert die Wissenschaftler etwa, auf welche Art und Weise die Qualität von Standorten neu bewertet werden kann, wenn es möglich ist, die Fahrzeit im autonom agierenden Auto anderweitig produktiv zu nutzen. Erforscht werden soll weiterhin, ob durch effizientere Fahrzeug- und Infrastrukturnutzung frei gewordene städtische Flächen für neues und wertvolles Gestaltungspotenzial in der Stadtentwicklung sorgen könnten.
  2. Die Einführung des Internets veränderte nicht nur das Privat- und Berufsleben der Menschen in erheblichem Maße, sondern auch deren Wahrnehmungen, Gefühle und Art der Kommunikation. Welchen Einfluss diese technologische Umwälzung auf die seelische Gesundheit nimmt, wird seitdem intensiv diskutiert. Die Psychiatrie sollte bei dieser Diskussion eigentlich eine Expertenfunktion übernehmen, doch aufgrund des Mangels an empirischen Daten ist das psychiatrische Wissen über die kausalen Zusammenhänge zwischen Internetnutzung und seelischer Gesundheit immer noch unzureichend. Das 2016 initiierte Förderprojekt „Internet und seelische Gesundheit“ geht der Frage nach, ob die Technologie „Internet“ psychische Erkrankungen hervorruft oder negativ beeinflusst. Das interdisziplinäre Wissenschaftlerteam erforscht überdies, ob tief greifende technische Entwicklungen mit bestimmten Belastungsreaktionen in der Bevölkerung einhergehen und wie diesen begegnet werden kann.
  3. Das seit Oktober 2014 geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt „Sprachstandsermittlung bei Kindern mit Migrationshintergrund“ (Wissenschaftlicher Leiter: Jörg Roche) hat zum Ziel, ein Verfahren zur Sprachstandsmessung bei Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von vier bis fünf Jahren zu entwickeln. Da rund ein Drittel aller derzeit in Deutschland eingeschulten Kinder einen Migrationshintergrund besitzt, ist es von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung, diese optimal zu fördern. Die heute existierenden Sprachtests sind aber zumeist gar nicht auf Kinder mit Migrationshintergrund ausgelegt. So können diesen Kindern – aufgrund einer mangelhaften Diagnose – Nachteile für ihren Lebensweg entstehen. Der Sprachtest soll als Spiel auf einem Tablet-Computer durchgeführt werden. Dabei wird eine für die Kinder entspannte Spielumgebung angestrebt, die Daten werden digital erfasst und teilautomatisiert ausgewertet. Der Test soll nicht nur präzise Ergebnisse liefern, sondern auch in der Praxis einfach anzuwenden sein.

StipendienprogrammBearbeiten

 
Stipendienprogramm

Der Fokus des Stipendienprogramms liegt auf der Förderung exzellenter Postdoktoranden und Juniorprofessoren unterschiedlicher Fachdisziplinen, um ihren wissenschaftlichen Berufsweg während der meist besonders produktiven Phase nach der Promotion zu unterstützen. Die Fördersumme pro Stipendiat beträgt 20.000 Euro pro Jahr und kann zur Finanzierung wissenschaftlicher Hilfskräfte, technischer Ausrüstung, Forschungsreisen oder zur Teilnahme an Tagungen verwendet werden. Pro Jahr werden zwölf Stipendien vergeben, zwei davon werden von der Reinhard Frank-Stiftung finanziert.

Veranstaltungen und PreisBearbeiten

 
Bertha-Benz-Vorlesung
 
Haus Huth am Berliner Potsdamer Platz

Die Stiftung ist bestrebt, Wissenschaft bzw. wissenschaftliche Ergebnisse durch verschiedene Veranstaltungsformate in die Öffentlichkeit zu tragen:

  1. Beim „Berliner Kolloquium“ kommen seit 1997 einmal jährlich Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu einer fachübergreifenden Diskussion zusammen. Das Spektrum der Fragestellungen aus dem Spannungsfeld Mensch, Umwelt und Technik reicht von der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, der molekularen Medizin, den Neuro- und Kulturwissenschaften über die Psychologie, Ökologie, Urbanistik und Informatik bis hin zu Kommunikations- und Managemententwicklungen.
  2. Mit der Vortragsreihe „Bertha-Benz-Vorlesung“ erinnert die Stiftung an die Pioniertaten von Bertha Benz (1849–1944), die voller Energie ihren Ehemann Carl Benz bei der Erfindung des Automobils zur Seite stand. Zugleich würdigt die Stiftung die Bedeutung von Frauen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Rednerinnen der letzten Jahre waren:
    • Sonia Simmenauer (Professorin für Musikvermittlung an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, 2016)
    • Christiane Woopen (Geschäftsführende Direktorin Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Siences of Health, 2017)
    • Tanja C. Vollmer (Wissenschaftliche Direktorin des Architektur- und Forschungsbüros kopvol architecture & psychology in Rotterdam und Berlin, Gastprofessorin für Architekturpsychologie und Gesundheitsbau an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität München)
  3. Seit Sommer 2009 verleiht die Stiftung im Anschluss an die Vorlesung den „Bertha-Benz-Preis“ für eine herausragende ingenieurwissenschaftliche Promotion. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Bisherige Preisträgerinnen waren:
  4. Im Jahr 2008 hat die Stiftung das „Innovationsforum“ ins Leben gerufen, das sich speziell an den Nachwuchs aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden wendet. Aktuelle Organisationstheorien und Managementkonzepte werden hier auf den Prüfstand gestellt. Inhaltlicher Schwerpunkt ist aktuell das Thema „Organisierte Kreativität“.
  5. In Kooperation mit der Daimler AG und dem Mercedes-Benz Museum veranstaltet die Stiftung die Vortragsreihe „Dialog im Museum“. Im futuristischen Gebäude des Stuttgarter Museums stellen Wissenschaftler u. a. aus den Projekten und Programmen der Stiftung ihre Erkenntnisse einer interessierten Öffentlichkeit vor und treten mit ihr in Diskussion. Jeder Vortrag konzentriert sich auf ein Spezialthema, mit dem konkrete gesellschaftliche Implikationen oder wirtschaftliche Auswirkungen verknüpft sind. Referenten 2018 und 2019 waren:
    • Florian Röhrbein: „Neuroroboter – Über künstliche Dummheit und natürliche Intelligenz“
    • Michael Butter: „Faszination Verschwörung – Geschichte und Wirkungen von Verschwörungstheorien“
    • Hans-Georg Kräusslich: „Die Macht der Viren – Feinde, Weggefährten und Nützlinge“
    • Johannes Vogel: „Bedrohte Biodiversität? Was passieren muss, damit uns die Vielfalt des Lebens nicht verlorengeht“
  6. Am Potsdamer Platz in Berlin lädt die Daimler und Benz Stiftung regelmäßig zur akademischen Debatte. Das inhaltliche Portfolio dieser offenen Veranstaltungsreihe im historischen Haus Huth ist breit gefächert und bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, ihren Standpunkt engagiert zu vertreten und mit aktuellen Erkenntnissen ihrer Forschung zu begründen. Referenten 2018 waren:
  7. Gemeinsam mit dem Mercedes-Benz Werk Bremen richtet die Stiftung seit 2016 die Vortragsreihe „Mensch, Umwelt, Technik“ aus, in der Wissenschaftler und Wissenschaftspublizisten über aktuelle Forschungserkenntnisse zu den Wechselbeziehungen zwischen Mensch, Umwelt und Technik informieren und zu gesellschaftlich relevanten Fragen Position beziehen. Referenten 2016 und 2017 waren:
    • Dieter Hassenpflug: „Chinas Megastädte aus interkultureller Perspektive“ (2016)
    • Martin Faulstich: „Die Energieversorgung der Zukunft: Wege zur Stromgesellschaft“ (2016)
    • Bernhard Kegel: „Leben kann man nicht alleine: Die Körpermikroben von Mensch, Tier und Pflanze“ (2016)
    • Frank Kirchner: „Was ist Science Fiction, was Fakt? Robotik und Künstliche Intelligenz“ (2017)

Zahlreiche dieser Vorträge finden sich als Audio-Video-Podcast auf der Homepage der Stiftung sowie auf deren Youtube-Channel.[2]

LiteraturBearbeiten

  • Rainer Dietrich/Kateri Jochum (Hrsg.): Teaming up: Components of Safety under High Risk. Ashgate, Aldershot, 2004; ISBN 0-7546-3435-3.
  • Meinolf Dierkes/Ariane Berthoin Antal/John Child/Ikujiro Nonaka (Hrsg.): Handbook of Organizational Learning and Knowledge. Oxford University Press, Oxford, 2001; ISBN 0-19-829583-9. (auf Chinesisch bei Shanghai’s People Publishing House, 2001; ISBN 7-208-03795-7; seit 2003 auch als Paperback bei Oxford University Press)
  • Axel Michaels: Rituale – Was unser Leben zusammenhält. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 1/11, Heidelberg, 2011; ISSN 0943-7096, ISBN 978-3-941205-64-2.
  • Arnim Falk: Wie entscheiden wir? Im Widerstreit von Vernunft und Bauchgefühl. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 1/12, Heidelberg, 2012; ISSN 2193-4452, ISBN 978-3-941205-90-1.
  • Bernhard Kegel/Rainer Riemann/Frank M. Spinath: Gene und Umwelt. Wie wir werden, was wir sind. Spektrum der Wissenschaft Spezial, 2/13, Heidelberg, 2013; ISSN 2193-4452, ISBN 978-3-943702-27-9.
  • Daimler und Benz Stiftung (Hrsg.): Macht. Haben wir genug davon? Edition UNIVERSITAS, Heidelberg, 2013; ISBN 978-3-943137-32-3.
  • Daimler und Benz Stiftung (Hrsg.): Gret Haller: Die Wurzeln der Freiheit im Zusammenwirken von Recht und Politik, 2013; ISSN 0938-0159
  • Markus Maurer/Chris Gerdes/Barbara Lenz/Hermann Winner (Hrsg.): Autonomes Fahren: Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte.Berlin und Heidelberg 2015; ISBN 978-3-662-45853-2.
  • Daimler und Benz Stiftung (Hrsg.): Eckard Minx/Rainer Dietrich: Autonomes Fahren – Wo wir heute stehen und was noch zu tun ist. München und Berlin 2015; ISBN 978-3-492-05780-6
  • Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH (Hrsg.): Mensch, Maschine, Visionen. Wie Biologie und Technik verschmelzen (= 18. Berliner Kolloquium). Spektrum der Wissenschaft Spezial 2/15, Heidelberg 2015.
  • Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH (Hrsg.): Burnout. Die gestresste Gesellschaft (= 19. Berliner Kolloquium). Gehirn & Geist. Dossier 1/16, Heidelberg 2016.
  • Oliver Bendel (Hrsg.): Pflegeroboter. Wiesbaden 2018; ISBN 978-3-658-22698-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Daimler und Benz Stiftung – Personen. Abgerufen am 8. April 2019.
  2. Daimler und Benz Stiftung – Youtube-Channel. Abgerufen am 8. April 2019.