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Global Location Number

Identifikator für die Bezeichnung von Unternehmen

Die Global Location Number (GLN) ist eine Nummer aus dem GS1 System (vormals EAN System), die die eindeutige und überschneidungsfreie Identifikation jeglicher Art von Lokation ermöglicht.

Sie wird von den GS1-Organisationen in Deutschland[1], Österreich[2] und in der Schweiz[3] vergeben und hieß früher International Location Number (ILN).

Inhaltsverzeichnis

AllgemeinesBearbeiten

GS1 stellt ein weltweit eindeutiges Identifikationssystem zur Verfügung und hat weite Verbreitung in der Wirtschaft, um Waren, Dienstleistungen, Lokationen, Transporteinheiten etc. zu identifizieren. Die GLN kann dabei als Datenbankenschlüssel dienen, die auf lokationsspezifische Informationen, die wiederholt benötigt werden, verweisen. Der Einsatz von strukturierten weltweit eindeutigen Identifikationsnummern ermöglicht es, Eingabefehler zu reduzieren und die Effizienz zu steigern.

Jedes Unternehmen oder jede Organisation, kann bei einer GS1 Mitgliedsorganisation eine sogenannte GS1 Basisnummer lizenzieren, und daraus GLNs für seine Standorte und Abteilungen etc. vergeben.

Die GS1 Basisnummer ist eine eindeutige Zeichenfolge von vier bis zwölf Ziffern, die notwendig sind, um GS1 Identifikationsschlüssel zu vergeben. Die GS1 Basisnummern werden von GS1 Mitgliedsorganisationen zugewiesen. Für Deutschland ist dies GS1 Germany, für Österreich GS1 Austria, für die Schweiz GS1 Switzerland.

Die GLN besteht aus 13 Ziffern. Der Schlüssel setzt sich aus der GS1 Basisnummer, dem Lokationsbezug und der Prüfziffer zusammen.

   GS1 Basisnummer

    ───────────────›

Lokationsbezug

‹─────────────── 

Prüfziffer
N1    N2    N3    N4    N5    N6    N7    N8    N9    N10    N11    N12 N13

Anwendungsbereiche der GLNBearbeiten

Die Global Location Number (GLN) sorgt für eine eindeutige und einzigartige Identifikation von:

  1. Physischen Lokationen: Ein Standort (ein Bereich, ein Gebäude oder eine Gruppe von Gebäuden) oder ein Bereich in diesem Standort, wo etwas war, ist oder sein wird. Die Identifikation von physischen Lokationen in der Wertschöpfungskette ist essentiell für die Transparenz. Eine GLN, die einer physischen Lokation zugewiesen ist, hat immer eine gleichbleibende und identifizierbare geographische Adresse, unabhängig von den Rollen, die dieser Standort in den Geschäftsprozessen spielt.
  2. Digitalen Lokationen: Eine digitale Lokation stellt eine elektronische (nicht-physische) Adresse dar, die zur Kommunikation zwischen Computern verwendet wird. Genau wie der Austausch von physischen Waren ein Geschäftsvorgang zwischen Unternehmen ist, ist der Austausch von Daten ein Geschäftsvorgang zwischen Systemen, beispielsweise die Übermittlung einer Rechnung via EDI oder Email an ein Abrechnungssystem.
  3. Juristischen Entitäten: Jedes Unternehmen, jede öffentliche Behörde, Abteilung, gemeinnützige Organisation, Einpersonenunternehmen, Gewerbe oder Institution, die gesetzlich anerkannt ist und auch die Befugnis hat, Verträge abzuschließen und Vereinbarungen zu unterzeichnen.
  4. Funktionen: Eine organisatorische Unterabteilung oder Abteilung, die bestimmte Aufgaben, entsprechend der Zuweisung der Organisation zu erledigen hat.

Einsatz der GLNBearbeiten

Die GLN kann eingesetzt werden, um eine physische Lokation, dargestellt in einem Datenträger an der entsprechenden Lokation, zu identifizieren. Physische Lokationen können zum Beispiel ein Raum, ein Tor zu einem Warenlager, ein Röntgenraum in einem Krankenhaus, oder auch ein Kontrollpunkt, sein.

Die Lokationsnummer kann sich auf die Anschrift beziehen, an die eine bestimmte Transporteinheit, die mit einem SSCC (Serial Shipping Container Code) gekennzeichnet ist, zu liefern ist. Eine Transporteinheit kann mit der GLN ihres Bestimmungsorts im Strichcode gekennzeichnet werden. Wird dieses Datenelement gescannt, können die übertragenen Daten dazu verwendet werden, die entsprechende Anschrift abzurufen und/oder die Gegenstände nach dem Bestimmungsort zu sortieren.

In Geschäftsprozessen werden die Lokationsnummern mit den Eigenschaften der Geschäftsbeziehungen verknüpft. Diese Eigenschaften sollten als Teil des Stammdatenmanagements festgelegt werden.

EDIBearbeiten

Im elektronischen Datenaustausch (Electronic Data Interchange) spielt die GLN eine Schlüsselrolle. EDI nutzt die GLN, um die beteiligten Handelspartner und physischen Lokationen zu identifizieren. Dabei wird die GLN auch eingesetzt, um EDI Mailboxen und Netzwerkadressen von Unternehmen zu identifizieren. Die im GS1 System zur Verfügung gestellten EDI Standards (EANCOM®, GS1 XML) verwenden die GLN, um die automatisierte Zustellung von Geschäftsnachrichten zu vereinfachen.

GDSNBearbeiten

In Datenpools wird die verpflichtende Angabe der GLNs zur Identifikation aller Beteiligten, die Informationen in einen beliebigen Datenpool einstellen oder Informationen zu Produkten und Lokationen abrufen, verwendet.

EPCISBearbeiten

Electronic Product Code Information Services (EPCIS) ist ein GS1 Standard, der ein übergreifendes Datenmodell zur Erfassung und gemeinsamen Nutzung von transparenten Daten innerhalb eines Unternehmens und entlang der gesamten Versorgungskette definiert. EPCIS Umsetzungen verwenden die GLN zur Identifikation von Lesepunkten und Objektlokationen. Ein Lesepunkt weist auf einen spezifischen Standort hin, an dem ein Ereignis stattgefunden hat und gibt damit auch den zeitweiligen Aufenthaltsort von Gegenständen/Objekten zur Zeit des Ereignisses an. Eine Objektlokation gibt den genauen Standort der Objekte nach einem bestimmten Ereignis an.

GLN im Unternehmensregister (Österreich)Bearbeiten

Die Global Location Number (GLN), die in der Wirtschaft etabliert ist, wird seit 2012 in der Verwaltung verwendet und wurde im Unternehmensregister (UR) als eindeutige Identifikation für die Daten der zuliefernden Quellregister (Ergänzungsregister, Firmenbuch, Vereinsregister, GISA etc.) eingeführt. Die Statistik Austria weist diese Identifikation als einzig vergebende Stelle im Unternehmensregister zu. Das UR ist das zentrale Register im Unternehmensserviceportal.

Diese GLN kann von jedem Unternehmen verwendet werden, sei es im elektronischen Datenverkehr, als eindeutige Referenz zu den Stammdaten eines Unternehmens oder auch zur Identifikation in der elektronischen Rechnung.

Mit dieser GLN kann keine weitere Identifikationsnummer (GTIN, SSCC, GRAI, …) aus dem GS1 System gebildet werden, dazu ist eine lizenzierte GS1 Basisnummer erforderlich. Die GLN der öffentlichen Verwaltung dient rein zur Identifikation der juristischen Entität und kann im elektronischen Datenverkehr, für eine durchgängige elektronische Verfahrensabwicklung durch die Digitalisierung von Formularen genutzt werden. Damit können keine Hierarchien (z. B. Filialen, Standorte) gekennzeichnet werden.

Die Nutzung der GLN passt in die Vorgehensweise der Regierung zur Umsetzung der Digitalen Roadmap und den Verbesserungen im elektronischen Behördenverkehr. Jedes Unternehmen soll das Recht auf eine elektronische Identität im Datenverkehr und der digitalen Welt besitzen. Daten von Unternehmen, die bereits bei einer Behörde bekannt sind, können so einfach zwischen den Behörden ausgetauscht werden. Damit sollen Unternehmen bürokratisch entlastet werden.

GLN im Abfallrecht (Österreich)Bearbeiten

Die zuständigen österreichischen Behörden in der Abfallwirtschaft nutzen die GLN zur Identifikation aller beteiligten Unternehmen und deren Standorte und Anlagen. Dazu wurde auf der Grundlage des Abfallwirtschaftsgesetzes 2002 (AWG 2002) ein Register („EDM-Register“)[4] eingerichtet. Das Elektronische Datenmanagement EDM ist ein Verbundsystem von Internetanwendungen und Datenbanken zur Unterstützung komplexer Abläufe bei umweltschutzbezogenen Dokumentations-, Melde- und Berichtspflichten.

Den Unternehmen bietet das EDM eine rechtssichere Basis zur Erfüllung ihrer umfangreichen Verpflichtungen. Behörden aller Verwaltungsebenen ermöglicht die nachvollziehbare und transparente Darstellung der Ergebnisse den effizienten Vollzug einzelner Rechtsvorschriften und übergreifende Auswertungen schaffen die Grundlagen für Lenkungsmaßnahmen in Politik und Verwaltung.

Das EDM konnte in den vergangenen Jahren viele internetbasierte E-Gov-Anwendungen in Betrieb nehmen, deren inhaltliches Spektrum von „A“ wie Altfahrzeuge bis „Z“ wie Zentrale Strahlenschutzregister reicht. Bei aller Unterschiedlichkeit dieser Regelungen bietet das EDM mit seiner zentralen Stammdatenverwaltung die gemeinsame Basis für alle Anwendungen.

Erst die zentrale Verwaltung von (Rechts)Personen, Standorten und Anlagen ermöglicht die Nutzung vielfältiger Synergien und bietet Unternehmen, Verwaltung und auch der Öffentlichkeit eine transparente Informationsquelle zu Art und Ausmaß umweltbezogener Tätigkeiten.

Siehe auchBearbeiten

  • D-U-N-S (Data Universal Numbering System)
  • LEI (Legal Entity Identifier)
  • GTIN (Global Trade Item Number)
  • SSCC (Serial Shipping Container Code)

LiteraturBearbeiten

  • ECR, Efficient Consumer Response; Standards, Prozesse und Umsetzungen; mit Fachbeiträgen von Univ.-Prof. Dr. H. Kotzab, Dr. AC Steinbrecher, Univ.-Prof. Dr. P. Schnedlitz, Dr.Ch. Holweg; ECR – Efficient Consumer Response – ist die Zusammenarbeit aller an der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmen, um die Wünsche der Konsumenten besser, schneller und kostengünstiger zu erfüllen. 1. Auflage, Herausgeber: GS1 Austria GmbH/ECR Austria

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten