Geprüfter Technischer Betriebswirt

Der Geprüfte Technische Betriebswirt ist ein Aufstiegsfortbildungsabschluss des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), der staatlich anerkannt und geschützt ist. Er gehört wie der Geprüfte Betriebswirt, der Geprüfte Berufspädagoge und der Geprüfte Technische Industriemanager zur dritten Stufe des IHK-Aufstiegsfortbildungssystems.[1]

BerufsbildBearbeiten

Ziel der Prüfung ist der Nachweis der Qualifikation zum Geprüften Technischen Betriebswirt. Die Qualifikation umfasst die Befähigung, unternehmerisch kompetent, zielgerichtet und verantwortungsvoll Lösungen für betriebswirtschaftliche Problemstellungen der Unternehmen, insbesondere im Zusammenhang mit den Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs, entwickeln zu können und dabei die ökonomische, ökologische und soziale Dimension eines nachhaltigen Wirtschaftens zu berücksichtigen. Hierzu gehört, insbesondere nachfolgende Aufgaben ausüben zu können:

  1. Strategiefindung und -umsetzung im Rahmen einer nachhaltigen Unternehmensführung,
  2. Gestaltung der organisatorischen Rahmenbedingungen des Unternehmens unter Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechniken,
  3. Auswahl und Einsatz der personalwirtschaftlichen Instrumente zur Sicherung der Unternehmensziele,
  4. Leitung und Koordination der betrieblichen Leistungsprozesse unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen.

Der Betriebswirt soll auf der Basis eines an Werten orientierten, strategisch ausgerichteten Verständnisses des wirtschaftlichen Handelns diese Aufgaben mit betriebswirtschaftlicher Fachkompetenz, verbunden mit Methoden- und Sozialkompetenz wahrnehmen können.

ZulassungsvoraussetzungBearbeiten

Die Zulassungsvoraussetzungen sind hoch: Vorausgesetzt werden die Basisbestandteile der 3-jährigen bodenständigen und relevanten Berufsausbildung, eine anschließende mehrjährige Berufserfahrung (min. 2 Jahre) sowie eine darauf aufbauende bestandene Aufstiegsfortbildung auf Bachelor-Niveau (DQR & EQR Level 6):

Sowie als zusätzlicher, seltener Ausnahmefall für besonders qualifizierte Personen die:

  • Glaubhaftmachung durch Zeugnisse, dass man über die notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügt[2]

Die jeweilige IHK entscheidet über jeden Antrag individuell, es gibt keinen Anspruch auf Zulassung.

FortbildungsdauerBearbeiten

Es besteht offiziell keine Pflicht, einen Vorbereitungskurs zu besuchen. Die Stundenempfehlung des DIHK-Rahmenplans beträgt 620 Unterrichtsstunden. Kurse dauern in Vollzeit etwa vier Monate, in Teilzeit zwölf bis 24 Monate.

PrüfungsinhalteBearbeiten

Prüfungsfach Empfohlene Anzahl der
Unterrichtsstunden[3]
Prüfungsumfang
in Minuten
Prüfungsart
0. Lern- und Arbeitsmethodik 10
Teil A: Grundlagen wirtschaftlichen Handelns und betrieblicher Leistungsprozesse 300 630
1. Aspekte der Allgemeinen VWL und BWL 60 90 schriftlich
2. Rechnungswesen 80 180 schriftlich
3. Investition und Finanzierung 80 180 schriftlich
4. Material-, Produktions- und Absatzwirtschaft 80 180 schriftlich
Teil B: Management & Führung (inkl. situationsbezogenem Fachgespräch) 300 510
5. Personalmanagement 70 240 schriftlich
6. Informations- und Kommunikationstechniken 60 240 schriftlich
7. Organisation und Unternehmensführung 170 30 – 45 mündlich
Teil C: Projektarbeit (inkl. projektbezogenem Fachgespräch) 10 30
8. Projektarbeit 10 Hausarbeit
9. Projektbezogenes Fachgespräch 30 – 45 mündlich
Zusammenfassung 620

Die Projektarbeit wird als Hausarbeit geschrieben. Dabei soll der Prüfling nachweisen, dass er selbstständig ein komplexes Thema bearbeiten kann. Das Thema wird meist vom Prüfling vorgeschlagen und soll in maximal 30 Tagen erstellt werden und maximal 30 Seiten reinen Textteil (zuzüglich Deckblatt und Anlagen) haben.

QualifikationsniveauBearbeiten

Der DQR ordnet den Geprüften Technischen Betriebswirt auf Stufe 7 ein[4] und bewertet den Abschluss hinsichtlich seines Anspruchsniveaus damit als gleichwertig zum Master.

Der DQR hat nur orientierenden Charakter und beeinflusst keine Hochschulzugangsregelungen. Exemplarisch bewertet die Universität Oldenburg vergleichbare Abschlüsse im Verbund mit ihren vorausgesetzten Abschlüssen insgesamt wie ein bis zu dreisemestriges berufsbegleitendes Bachelor-Teilstudium.[5]

Die IHK schaffte es, die Bezeichnung oder Übersetzungshilfe "Master of Technical Management (CCI)", bzw. "Master professional of Technical Management (CCI)" zu etablieren. Der Zusatz "professional" sollte die praxisorientierte, berufliche Qualifikation des Absolventen erkennen lassen, und zusammen mit dem Anhang "CCI" – chamber of commerce and industry (Industrie- und Handelskammer) von den Master-Grad-Bezeichnungen der Hochschulen abgrenzen. Es gelang wegen des erheblichen Widerstands der Hochschulen jedoch erst im Januar 2020, diese Bezeichnung offiziell zu etablieren, die Abschlusszeugnisse werden entsprechend mit den entsprechenden Berufsbezeichnungen ausgestellt. Ein Hauptargument der Akademiker war, dass im Ausland unter dem Master ausschließlich ein akademischer Abschluss verstanden wird, ein Gegenargument war die aufwendige Qualifizierungssteigerung, die ja bereits mit der Berufsausbildung beginnt und sich über den Meister-/Techniker-Abschluß fortsetzt, bis die Zulassungsvorrausetzungen zum Technischen Betriebswirt überhaupt erfüllt sind; sowie die damit verbundene stetige Steigerung der Berufspraxis, da die Qualifizierungen meist berufsbegleitend erfolgen. Eine gebräuchliche Bezeichnung für die dem technischen Betriebswirt vergleichbaren Abschlüsse wäre international etwa "higher-level professional certification".

WeiterbildungBearbeiten

Der Technische Betriebswirt ist derzeit die oberste Stufe des IHK-Aufstiegsfortbildungssystems und eine Weiterqualifizierung bei der IHK daher derzeit nicht verfügbar. Der deutsche Qualifikationsrahmen sieht ausdrücklich die Kompetenz zur "Entwicklung innovativer Lösungen und Verfahren in einem beruflichen Tätigkeitsfeld" als Alternative zur Promotion vor und als gleichwertig zu dieser an, die IHKen bieten jedoch im Aufstiegsfortbildungssystem einen solchen "Technisch-innovativen Betriebswirt" derzeit nicht an.

Analog zum Technischen Fachwirt hat die politische Gleichwertigkeit zum Master nur eine Auswirkung auf tarifliche Eingruppierungen, die akademische Bewertung (allgemeine Hochschulzugangsberechtigung) ändert sich dadurch nicht. Somit ist eine Bewerbung auf ein Promotionsstudium oder auch in einen normalen Masterstudiengang nicht möglich, sondern nur der Einstieg in ein grundständiges Studium. Eine Anrechnung des technischen Betriebswirts erfolgt dabei individuell durch die Hochschulen.

Eine Ausnahme sind Masterstudiengänge der IHK Akademie Westerham zusammen mit der Donau-Universität Krems, die sich speziell an Absolventinnen und Absolventen auf der Weiterbildungsebene IHK Betriebswirt bzw. technischer Betriebswirt und Operative IT Professionals richten. Das Studium endet mit dem Abschluss Master of Science (MSc) – Management und IT, bzw. Master of Business Administration (MBA).[6][7]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vom Meister bis zum Betriebswirt, abgerufen am 3. Mai 2016
  2. Geprüfter Technischer Betriebswirt auf: Webseite IHK Osnabrück/Emsland/Grafschaft Bentheim, abgerufen am 17. Januar 2016
  3. DIHK: Geprüfter Technischer Betriebswirt/Geprüfte Technische Betriebswirtin (IHK Weiterbildung). 1. Auflage. DIHK Publikationen Service, Meckenheim 2007
  4. Qualifikationen der beruflichen Aufstiegsfortbildung DQR-Niveau 7 zugeordnet, abgerufen am 3. Mai 2016.
  5. https://web.archive.org/web/20130202035140/http://www.ihk-oldenburg.de/aus-_und_weiterbildung/weiterbildung/pruefungsangebot_der_oldenburgischen_ihk/credit-points_fuer_ihk-fortbildungsabschluesse.php
  6. Lehrgänge mit IHK-Prüfung, Bachelor- und Masterstudiengänge. In: IHK-Zentrum für Weiterbildung GmbH, Heilbronn, ihk-weiterbildung.de. 2019, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  7. Masterstudiengänge. In: IHK Akademie München und Oberbayern gGmbH, München, ihk-akademie-muenchen.de. 2019, abgerufen am 21. Oktober 2019.