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Die G. Taubaldsche Buchhandlung, heute Buchhandlung Stangl & Taubald, ist ein Unternehmen in Weiden in der Oberpfalz. Gegründet wurde es 1864 von Edmund Straub, es zählt zu den ältesten ununterbrochen bestehenden Buchhandlungen Deutschlands.

Seit dem 19. Jahrhundert existiert zudem der Verlag Taubald, der Werke des Komponisten Max Reger verlegte. Darüber hinaus erschienen Veröffentlichungen über oberpfälzische Lokalhistorie, historische Postkarten, sowie regionale Kochbücher. Der Verlag brachte 1991 die historische Chronik der Stadt Weiden von Wilhelm Brenner-Schäffer (1814–1881)[1] und 2014 den Reprint der ersten gedruckten Chronik der Stadt Weiden von Forstmeister Josef Sintzel (* 1798 Weiden) heraus.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
G. Taubaldsche Buchhandlung in Weiden i. d. OPf. um 1900

Die Geschichte der Buchhandlung begann am 21. September 1864, als der Augsburger Edmund Straub seine Buchhandlung in der Türlgasse 2 eröffnete, was im Amtsblatt Nr. 76 des Bezirksgerichtes Weiden in der Oberpfalz bekannt gegeben wurde.

 
Amtsblatt für das königliche Bezirksgericht Weiden vom 21. September 1864

Schon am 9. Oktober 1867 meldete Straub an den Magistrat, „dass er an Herrn Gustav Taubald aus Bodenwöhr abgetreten habe“. Am 23. November 1867 wurde im Amtsblatt Nr. 94 die Übernahme der Buchhandlung durch den neuen Eigentümer bekannt gegeben. Bereits 1876 erschien die Topographie des königlichen Amtsbezirkes Vohenstrauß, verfasst von Sebastian Wallner. Wenig später wurden Albert Vierlings Erinnerungen aus der Oberpfalz verlegt.

 
Rechnung mit Unterschrift von Conrad Ogg

Der gebürtige Schweizer Conrad Ogg übernahm „wegen dauernder Kränklichkeit Gustav Taubalds“ am 1. Januar 1882 die Buchhandlung am Alten Rathaus. In den Jahren zwischen 1898 und 1901 ging der Komponist Max Reger fast täglich in Oggs Haus ein und aus. Nach seiner konfliktreichen Wiesbadener Zeit suchte er Entspannung in seinem Elternhaus in Weiden. Reger half jeden Freitag beim Auspacken der von Leipzig kommenden Bücherballen. „Was ihn aber besonders auf dem Gebiete der neueren Dichtung interessierte, wurde mit nach Hause geschleppt zur genaueren Durchsicht und gelegentlichen späteren Verwendung.“ Adalbert Lindner, Lehrer Regers während seiner Weidener Zeit, berichtet, dass Reger in der Taubaldschen Buchhandlung mit den Werken von Otto Julius Bierbaum, Detlev von Liliencron, Richard Dehmel, Karl Henkell und Arno Holz in Berührung kam, die ihm später das Rüstzeug für seine so zahlreichen Liederschöpfungen abgeben sollten.[3] Ogg verlegte auch eines der Lieder Regers, das Wiegenlied Schließe, mein Kind, die Äuglein zu, für eine mittlere Stimme mit Begleitung des Pianoforte, „Frau Elsa von Bercken, geb. von Bagenski, verehrungsvoll gewidmet“.[4] Berlin, 1910, komponiert 1898 in Weiden.[5] Lindner berichtet über Ogg und Regers letztes Zusammentreffen in der Taubaldschen Buchhandlung am 30. August 1901: So kam die unerbittlich … festgelegte Scheidestunde heran. ... Um neuneinhalb Uhr waren wir bei dem seit Jahren befreundeten Buchhändler Conrad Ogg, wo Reger jeden Freitag … auspacken half. Dieses Mal sollte es das letzte Mal sein. Mit größerem Humor als jemals zuvor tat er es heute. Es war wohl sehr viel Galgenhumor darunter.[6]

Neben verschiedenen lokalhistorischen Werken gab der Buchhändler und Verleger Ogg auch diverse Postkarten im Verlag der G. Taubaldschen Buchhandlung heraus. Zusätzlich gründete er den Verlag C. Ogg von dem Postkarten in der um 1900 üblichen Mondscheinkartenoptik erhalten sind.

Aufgrund eines Schlaganfalls musste Konrad Ogg am 1. Mai 1918 seinen Beruf aufgeben und übergab an den Münchner Buchhändler Gustav Hofmann. Bereits Anfang 1920 erfolgte der Wechsel zu Anton Winkler (* 12. September 1887, † 17. August 1952).

Am 1. Januar 1949 übergab Anton Winkler den Betrieb an seine Tochter Maria Mühlbauer, die die G. Taubaldsche Buchhandlung bis zum 1. Juli 1980 weiter führte. Aus Altersgründen verkaufte sie an den Weidener Kollegen Heinrich Stangl (1931–1986), der bereits in der zweiten Generation die 1926 gegründete Buchhandlung Stangl leitete. Während der Ära Winkler/Mühlbauer ist kaum eine nennenswerte Verlagstätigkeit zu verzeichnen.

Diese wurde von Anton Stangl (* 6. März 1907, † 26. Januar 1962) zusammen mit seiner Frau Maria (geb. Schnabl, * 21. Dezember 1906, † 3. September 1993) im Jahr 1926 gegründet. Dieser Betriebsgründung ging ein jahrelanger Vertrieb von Bibeln und katholischen Gebetbüchern im Nebenerwerb voraus. Der Sortimentsschwerpunkt dieser Buchhandlung war konfessionell bestimmt. Daraus erwuchsen Anton Stangl in der Zeit des Nationalsozialismus Schwierigkeiten, was die vorübergehende Schließung der Buchhandlung 1944 bedeutete. Unbeeindruckt davon führte er seine Geschäfte fort. In den Akten des Staatsarchiv Amberg zum Spruchkammerverfahren gegen Anton Stangl lässt sich nachlesen, dass der Geschäftsgründer keiner nationalsozialistischen Organisation angehörte. Die Urteilsbegründung lautete wörtlich: "Ohne jegliche Belastung."[7]

Die für diese Zeit ungewöhnliche katholische Sortimentsausrichtung bescherte dem Buchhändler in der traditionell katholischen Oberpfalz sehr großen Erfolg. Nach Kriegsende wurde die Amerikanische Militärregierung aber gerade deshalb misstrauisch (Kriegsgewinnler) und verweigerte ihm zunächst die zur Fortführung seines Geschäftes nötige Lizenz. Katholische Geistliche sowie Erich Kästner, Feuilleton-Chef von Die Neue Zeitung ermutigten den Buchhändler das Geschäft wieder zu öffnen. Erst am 9. April 1946 erhielt er die notwendige "Registration". Nach dem Krieg wurde Anton Stangl auch verlegerisch tätig. Neben dem Druck von Postkarten galt sein Hauptaugenmerk der Herausgabe von religiösen Schriften.

Im Jahr 1957 trat Sohn Dr. Heinrich Stangl (* 22. Mai 1931, † 20. August 1986), nach absolviertem Philosophiestudium und einer Buchhändlerlehre im Verlag Herder mit seiner Frau Clothilde (geb. Erle, *1935) in die Buchhandlung ein. Am 1. Juli 1976 erwarb dieser die von Alois Belzer am 8. November 1946 eröffnete gleichnamige Buchhandlung in der Schulgasse 21 und führte sie unter dem Namen Buchhandlung Stangl weiter. Nach dem Tod von Heinrich Stangl traten Andreas (* 30. März 1964, † 16. Juni 2014) und Martin Stangl (* 1961) mit Frau Alexandra (geb. Haynaly, *1962) die Nachfolge an.

Seit der Geschäftsleitung von Martin Stangl wurde die Verlagstätigkeit unter dem Namen Verlag Stangl & Taubald[8] erheblich ausgebaut. Mit dem Buch über das KZ Flossenbürg unter dem Titel "30.000 Tote mahnen – Die Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg und seiner 100 Außenlager von 1938 bis 1945"[9] wurde ein Standardwerk herausgegeben, das in mehreren Auflagen verlegt wurde. Ihm folgte 1986 eine Biographie über Max Reger von Eberhard Otto unter dem Namen "Max Reger – Von Weiden in die Welt. 1873–1916".[10] Die weiteren Veröffentlichungen drehen sich immer um regionale Aspekte der Oberpfalz und katholische Schriften wie Kreuzweg- und Maiandachten.

In den Jahren seit der Gründung war das Unternehmen mehrfach zu größeren Veränderungen gezwungen. Einschneidend war der Umzug aus dem historischen Haus am Alten Rathaus in die heutige Mitte der modernen Fußgängerzone. Seit 1. Juli 1998 befindet sich die Buchhandlung Stangl & Taubald in dem von Freiherr Alexander von Branca 1954 geplanten und unter Denkmalschutz stehenden Gebäude der Volksbank Nordoberpfalz.

Heute engagiert sich die Buchhandlung für den Literaturbetrieb und bietet Veranstaltungen mit Nachwuchsschriftstellern an. Auch etablierte Vertreter der Autorenwelt wie Ephraim Kishon, Edzard Reuter, Franz Joachim Behnisch waren zu Lesungen engagiert.[11] Außerdem zeichnet sie mitverantwortlich für die Organisation der überregional veranstalteten Weidener Literaturtage (Literaturfestival seit 1984).[12] Seit 2009 wird ein Online-Versandshop für Hundebücher betrieben.[13]

Herausgaben des Verlages Taubald (Auswahl)Bearbeiten

  • Toni Siegert: 30.000 Tote mahnen – Die Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg. Weiden 1981.
  • Eberhard Otto: Max Reger – Von Weiden in die Welt (1874–1916). Weiden 1986.
  • Joseph Kardinal Ratzinger (Papst Benedikt XVI.): Der Kreuzweg des Weizenkorns. Weiden 2005[14]
  • Martin Stangl: Das Buch vom Zoigl – Geschichte – Wissenswertes – Zoiglstuben. Weiden 2008.
  • Martin Stangl (Hrsg.): Das große Kochbuch der Porzellanfabrik Bauscher. Reprint von 1930. Weiden 2013.[15]

LiteraturBearbeiten

  • Helene Hofmann: Die Geschichte der Taubaldschen Buchhandlung im Rahmen einer Weidener Stadtgeschichte. Weiden 1964.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wilhelm Brenner-Schäffer: Geschichte der Stadt Weiden. Reprint von 1853. Verlag der Taubaldschen Buchhandlung, Weiden 1991.
  2. Josef Sintzel: Versuch einer Chronik der Stadt Weiden. Reprint von 1819. Verlag der Buchhandlung Stangl & Taubald, Weiden 2014.
  3. Adalbert Lindner: Max Reger – Ein Bild seines Jugendlebens und künstlerischen Werdens. Verlag Gustav Bosse, Regensburg 1938, S. 193 f.
  4. Max-Reger-Institut (Memento des Originals vom 11. Februar 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.max-reger-institut.de Max Reger Werke – Vokalmusik.
  5. Elsa Reger: Mein Leben mit und für Max Reger. 1930. S. 22.
  6. Adalbert Lindner: Max Reger – Ein Bild seines Jugendlebens und künstlerischen Werdens. Verlag Gustav Bosse, Regensburg 1938, S. 312.
  7. Staatsarchiv Amberg Beschluss des Anklägers bei der Spruchkammer Weiden-Opf. vom 30. September 1946 Aktenzeichen IX A 33/5/46
  8. Verlag Stangl & Taubald.
  9. Toni Siegert 30.000 Tote mahnen – Die Geschichte des Konzentrationslagers Flossenbürg und seiner 100 Außenlager von 1938 bis 1945 Weiden, 1981.
  10. Eberhard Otto Max Reger – Von Weiden in die Welt. 1873–1916 Weiden, 1986.
  11. Franz Joachim Behnisch 1920–1983 in: Oberpfälzer Heimat 57. Jahrgang 2013 Verlag Bodner, Pressath 2012, S. 13.
  12. Organisation 2014 auf der Website der Weidener Literaturtage.
  13. hundefreunde24.de.
  14. Benedikt XVI. Der Kreuzweg des Weizenkorns Verlag Stangl & Taubald, Weiden 2007, ISBN 978-3-924783-40-2.
  15. Susanne Kempf: Kleiner Schatz vom Flohmarkt – Buchhändler entdeckt „Bauscher-Kochbuch“. Rezension. In: Oberpfälzer Wochenzeitung, 3. September 2014.