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Theumaer Fruchtschiefer mit relativ großen Cordierit-Porphyroblasten
Theumaer Fruchtschiefer, geschliffene Oberfläche
Künstlerische Gestaltung mit Theumaer Fruchtschiefer an einer Säule in Dresden (gefertigt um 1960)

Fruchtschiefer sind Kontaktmetamorphite, welche aus Tonsteinen hervorgegangen sind.

Entstehung und MineralbestandBearbeiten

Sie entstehen schon bei recht geringen Drücken (niedrigmetamorphe Gesteine) und bei Temperaturen um ca. 500 °C. Bei dieser Temperatur entwickelt sich Cordierit bis zur Getreidekorngröße, was sich namensprägend auswirkte. Zum Mineralbestand gehören Cordierit, Muskovit, Kalifeldspat, Quarz, Biotit und Hornblende.

VorkommenBearbeiten

Fruchtschiefer treten in Deutschland als kontaktmetamorphes Gestein im Harz, Erzgebirge, Odenwald und Vogtland auf. Bei dem bekanntesten Vorkommen handelt es sich um die Lagerstätten bei Theuma und Tirpersdorf (beide im Vogtland), in denen tonige Sedimentgesteine des Ordoviziums in unmittelbarer Nachbarschaft zum variszischen Bergener Granitpluton kontaktmetamorph überprägt wurden.[1] Der Theumaer und Tirpendorfer Fruchtschiefer hat über die Region hinaus verbreitet Anwendung gefunden.

VerwendungBearbeiten

Die traditionelle Hauptanwendung besteht in Form spaltrauher Produkte zu Mauerwerk verschiedener Art. Der Theumaer Fruchtschiefer wird ferner gespalten oder geschliffen als Fassadenplatte, Fußbodenplatte und Sockelverblendung eingesetzt. Zu den architektonischen Bauteilen gehören weiterhin Fenster- und Türgewände, Säulen und Stufen. Vereinzelt kommen auch künstlerisch-bildhauerische Anwendungen vor.
Aus dem Theumaer Fruchtschiefer produzierte man früher Schleusen- und Brunnenabdeckungen sowie Behältnisse für galvanische Bäder und Säuren.

Die Anwendung des Theumaer Fruchtschiefers kann bis in das Mittelalter zurückverfolgt werden. Ein Beispiel sind Platten in der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Gruft der Johanniskirche (1122) von Plauen.

WeblinksBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen: Die Bezirke Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1990. ISBN 3-422-03016-6 (unveränderter Nachdruck der 1965 in Leipzig erschienenen Ausgabe)
  • Carl Gäbert, Alexander Steuer, Karl Weiss: Die nutzbaren Gesteinsvorkommen Deutschlands. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1915 (= Handbuch der Steinindustrie, Band 1), darin Kapitel 7: Königreich Sachsen (von Carl Gäbert), S. 147–174
  • Plauen und das mittlere Vogtland (= Werte unserer Heimat. Band 44). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1986.
  • Walter Maresch, Olaf Medenbach: Gesteine. Mosaik Verlag, München 1987, ISBN 3-576-10699-5. S. 252.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ulrich Sebastian: Die Geologie des Erzgebirges. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8274-2976-6, S. 246 f.