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Frohbotschaftskirche (Hamburg-Dulsberg)

Kirchengebäude in Deutschland
Ansicht von Süden
Ansicht von Südosten

Die evangelisch-lutherische Frohbotschaftskirche liegt zentral am Straßburger Platz in Hamburg-Dulsberg.

Inhaltsverzeichnis

Bau der KircheBearbeiten

 
Innenraum mit Altar

Das Grundstück war bereits seit 1903 als Platz für eine Kirche durch den Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher geplant und durch die Straßenführung entsprechend hervorgehoben.

Erbaut wurde die Kirche dann aber erst 1935–1937 als Teil der vollständig durchgeplanten Bebauung von Dulsberg durch das Architekturbüro Friedrich Dyrssen und Peter Averhoff. Die Architekten entwarfen eine große Saalkirche mit seitlich angefügtem Turm der ein ungewöhnliches zwiebelförmiges Dach erhielt. Das Kirchenschiff selber bekam ein klassisches Satteldach und streng gegliederte Backsteinfassaden mit neoklassizistischen Anklängen. Dagegen wurde der Innenraum für die Bauzeit sehr modern mit parabelförmigen Betonpfeilern gestaltet.

Im Jahre 1943 wurde die Kirche durch die Bombardierung Hamburgs weitgehend zerstört, jedoch nach dem Kriegsende bereits 1953 unter der Leitung von Dyrssen & Averhoff in relativ ursprünglicher Form neu aufgebaut. Daher stellt sie sich heute noch weitgehend so dar, wie sie in den 1930er-Jahren geplant worden war. Die einzige große Veränderung gab es im Innenraum, dort wurde eine flache Decke eingezogen.

An der Südseite des Innenraums steht heute ein großes aus Holz gefertigtes Altarbild von Otto Flath.

OrgelBearbeiten

Von 1937 bis 1955 stand eine Orgel aus der Werkstatt von Orgelbau Sauer in der Kirche, die allerdings ebenfalls so schwer beschädigt wurde, dass man sie beim Wiederaufbau der Kirche ersetzen musste.[1] Eine neue Orgel wurde 1955 von Emanuel Kemper & Sohn gebaut und zweimal 1975 und 1983 durch die Orgelbaufirma Hinrich Otto Paschen überarbeitet und erweitert. Ende 2015 wurde das Instrument an eine polnische Gemeinde verkauft.[2] Ihre Disposition lautet:[3]

I Hauptwerk
1. Pommer 16′
2. Prinzipal 8′
3. Spitzflöte 8′
4. Oktave 4′
5. Koppelflöte 4′
6. Nasat 223
7. Flachflöte 2′
8. Mixtur V–VI 2′
9. Trompete 8′
II Schwellwerk
10. Rohrflöte 8′
11. Quintade 8′
12. Prinzipal 4′
13. Nachthorn 4′
14. Waldflöte 2′
15. Sifflöte 113
16. Sesquialtera II
17. Scharff IV–V 12
18. Dulcian 8′
III Brustwerk
19. Gedackt 8′
20. Hohlflöte 4′
21. Prinzipal 2′
22. Quinte 113
23. Oktave 1′
24. Scharff III 2′
25. Vox Humana 8′
Pedal
26. Prinzipal 16′
27. Subbass 16′
28. Oktave 8′
29. Gedackt 8′
30. Oktave 4′
31. Nachthorn 2′
32. Rauschpfeife II
33. Mixtur VI
34. Posaune 16′
35. Holztrompete 8′
36. Trompete 4′
  • Koppeln: I/II, I/III II/III, I/P, II/P, III/P

Geplanter UmbauBearbeiten

Im Laufe der Jahrzehnte nach 1990 veränderte sich auch in Dulsberg durch sinkende Einnahmen und Mitgliederzahlen der Gemeinden die Nutzung der vorhandenen Kirchen. Als erste Reaktion wird bereits seit 2005 die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in der Straße Dulsberg-Süd nicht mehr für Gottesdienste genutzt. Für die Frohbotschaftskirche selber wurde in der Folge ein vollständiger Abriss diskutiert, der jedoch im Stadtteil teilweise auf Ablehnung stieß. Im Zuge der öffentlichen Diskussion[4] wurden die Abrisspläne verworfen[5][6] und ein Umbaukonzept[7] für das Gebäude erstellt.

Das Umbaukonzept des Architekturbüros WRS Architekten und Stadtplaner GmbH wird von der Gemeinde favorisiert und sieht vor, in den Innenraum der Kirche zwei kubische Baukörper zu integrieren, die als Gemeinderäume und Kindertagesstätte genutzt werden sollen. Der heutige Chor könnte weitgehend als Sakralraum erhalten bleiben, die Orgelempore würde anderen Nutzungszwecken als bisher zugeführt. Im Oktober 2014 gab der Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord bekannt, dass die Mittel für den geplanten Umbau zur Verfügung stehen und im Jahr 2015 mit dem Umbau begonnen werden könne. Die in unmittelbarer Umgebung der Kirche nicht mehr benötigten Gebäude der Gemeinde könnten abgerissen werden und die Gemeinde würde Teile des Grundstückes zur Finanzierung des Umbaus verkaufen. Die Planungen sehen vor, nach dem Umbau auf die jetzige große Orgel zu verzichten und das Holzfries von Otto Flath zu verkaufen.[8]

Fotografien und KarteBearbeiten

Koordinaten: 53° 34′ 52,4″ N, 10° 3′ 46,6″ O

 
Frohbotschaftskirche
Hamburg

LiteraturBearbeiten

  • Ralf Lange: Architektur in Hamburg. Junius Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-586-9, S. 200.
  • Friedhelm Grundmann, Thomas Helms: Wenn Steine predigen. Medien Verlag Schubert, Hamburg 1993, ISBN 3-929229-14-5, S. 126.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Frohbotschaftskirche (Hamburg-Dulsberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Historische Disposition der Orgel in der Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 25. November 2013.
  2. kirche-hamburg.de: Umbau der Frohbotschaftskirche in Dulsberg beginnt (Memento des Originals vom 28. Juli 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kirche-hamburg.de, abgerufen am 28. Juli 2016.
  3. Eintrag zu Geschichte und Disposition der Orgel in der Orgeldatenbank orgbase.nl. Abgerufen am 25. November 2013.
  4. Siehe z. B. eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bezirk Hamburg-Nord aus dem Januar 2013.
  5. Eintrag (Memento des Originals vom 12. April 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dulsbergblog.de im Dulsbergblog. Abgerufen am 13. Dezember 2013.
  6. Ergebnis (PDF) der Kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bezirk Hamburg-Nord. Abgerufen am 13. Dezember 2013.
  7. Machbarkeitsstudie (PDF) zum Umbau der Kirche; abgerufen am 13. Dezember 2013.
  8. Zur Umbauplanung 2014 siehe: Hanna-Lotte Mikuteit: Das wird aus Dulsbergs Wahrzeichen. In: Hamburger Abendblatt. 11. Oktober 2014.Kurzversion