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Fritz Breithaupt

deutscher Germanist und Publizist

Fritz Breithaupt (* 1967 in Meersburg) ist ein deutscher Literatur-, Kultur- und Kognitionswissenschaftler und Publizist.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Breithaupt wurde 1997 an der Johns Hopkins University promoviert.

Er ist Professor und Chair des Department of Germanic Studies an der Indiana University Bloomington (USA). Zu seinen Auszeichnungen gehören Stipendien der Fulbright Foundation und der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Er schreibt regelmäßig für Die Zeit und das Philosophie Magazin. Seit 2006 gestaltet er die Kolumne „Professoren und ihre Neurosen“ für Zeit Campus.

ForschungsschwerpunkteBearbeiten

  • Empathie: Breithaupt interessiert sich für die Auslöser und die Blockaden von Empathie. Zu viel Empathie, so Breithaupt, könne zu Selbstverlust führen wie im sogenannten Stockholm-Syndrom. Einen Empathie-Auslöser erblickt Breithaupt in sozialen Dreierszenen: Jemand beobachtet einen Konflikt und ergreift mental die Partei eines der Kontrahenten. Um seine Entscheidung zu legitimieren, beginnt der Beobachter die Perspektive des einen zu übernehmen, seine Vorgeschichte zu narrativieren – und entwickelt dabei Empathie. Breithaupt beschäftigt sich auch mit den „dunklen Seiten“ der Empathie. Dazu gehört der empathische Sadismus, in dem jemand einen anderen quält, um dessen Gefühle besser nachvollziehen zu können.
  • Narration: In jüngeren Arbeiten entwickelt Breithaupt einen Narrationsbegriff, der auf dem Akt des narrativen Denkens beruht. Narratives Denken bestehe darin, zu einer gegebenen Darstellung Variationen und Alternativen zu entwickeln. Auf die offene Zukunft gezogen bedeutet dies Spannung, auf die Vergangenheit Zweifel. Den Ursprung der „Viel-Versionalität“ des Erzählens sieht Breithaupt in evolutionärer Hinsicht im Akt der Ausrede: Wer seinen Kopf aus der Schlinge ziehen will, tut gut daran, die von anderen wahrgenommenen Zusammenhänge anders zu erzählen. Aufbauend auf dieser Definition des narrativen Denkens analysiert Breithaupt kulturelle Praktiken des Rechts, des Gewissens und der Identität (Alfred Adler).
  • Goethezeit: Ein dritter Schwerpunkt seiner Arbeiten besteht in der Literatur und Philosophie der Goethezeit. Breithaupt hat unter anderem zur Bildlichkeit, dem Geld, dem Gewissen und der Geschichte des Ich publiziert.
  • Experimentelle Geisteswissenschaften: Breithaupt leitet das Experimental Humanities Lab. Eines der Projekte des Labs besteht darin, durch Verfahren der seriellen Reproduktion von Erzählungen einen Katalog einfacher Narrative zu erzeugen. Einfach gesagt – mit Hilfe von Stille-Post-Spielen erzeugen Tausende von Freiwilligen einfache Formen von Erzählungen.

PublikationenBearbeiten

MonographienBearbeiten

Aufsätze (Auswahl)Bearbeiten

  • A Three-Person Model of Empathy. In: Emotion Review 4 (Januar 2012), S. 84–91.
  • Kindheit von einem, der nicht an Vögel glaubt. In: Aris Fioretos (Hrsg.): Babel. Für Werner Hamacher. Urs Engeler, Basel 2009, ISBN 3-938767-55-3, S. 55–62.
  • The Invention of Trauma in German Romanticism. In: Critical Inquiry, 2005, S. 77–101.
  • Rituals of Trauma: How the Media Fabricated 9/11. In: Steven Chermak, Frankie Y. Bailey und Michelle Brown, Hg.: Media Representations of September 11. Praeger Publishing, Westport, Connecticut, 2003, S. 67–81.

WeblinksBearbeiten