Freilichtmuseum Maria Saal

Museum in Maria Saal (12927)
Gedächtnisstein zu Ehren des Gründers Oskar Moser

Das Freilichtmuseum Maria Saal ist ein Freilichtmuseum am östlichen Rand des Zollfelds in Kärnten und in Österreich eines der ersten Museen seiner Art. Es beherbergt mit dem „Bodnerhaus“ (erbaut 1470) das derzeit älteste in Blockbauweise errichtete Gebäude Österreichs.[1]

GeschichteBearbeiten

1936 leistete die Kärntner Landsmannschaft eine Anzahlung für den Ankauf des „Bodnerhauses“ in St. Oswald (Gemeinde Bad Kleinkirchheim). Erst 1951 wurde der Ankauf abgeschlossen, und das Gebäude wurde 1952 auf das Klagenfurter Kreuzbergl übertragen. Der dortige Standort wurde rasch zu klein, so wurden in den 1960er-Jahren die bis dahin in Klagenfurt aufgestellten Objekte nach Maria Saal übertragen, wo das heutige Museumsgelände am 22. August 1972 eröffnet wurde.[2]

Es erstreckt sich über eine Fläche von vier Hektar und ist in vier Terrassen gegliedert. Es zeigt verschiedene Formen von Bauernhäusern und Höfen aus verschiedenen Teilen Kärntens und vermittelt dem Besucher die Lebensformen und -bedingungen, Möbel, Handwerksgeräte, Mühlen und Öfen der ländlichen Bewohner Kärntens in unterschiedlichen Zeitepochen. Weiters ist auf dem Gelände ein Naturlehrpfad angelegt, der Informationen über die lokale Flora vermittelt.

Das Museum wird vom Landesmuseum Kärnten in Klagenfurt wissenschaftlich betreut.

AusstellungsobjekteBearbeiten

BodnerhausBearbeiten

 
„Bodnerhaus“ (13.–14. Jahrhundert) mit erkennbaren Bauphasen nach dem Additionsprinzip
 
Essplatz im „Bodnerhaus“

Das „Bodnerhaus“ stammt ursprünglich aus St. Oswald bei Bad Kleinkirchheim und stand dort nahe der Kirche. Es ist ein Rauchstubenhaus, wo alle weiteren Räume der Rauchstube als Haupt-, Mehrzweck- und Wirtschaftsraum untergeordnet sind. Das Haus ist ein hölzerner in Blockbauweise errichteter zweigeschossiger Bau. Im Erdgeschoss befindet sich die Rauchstube mit einem gemauerten Backofen, einem offenen Herd mit Funkenhut, einem großen Haustisch für mehr als 8 Personen und an der Hauswand umlaufenden Holzbänken. An die Rauchstube anschließend befindet sich eine Kammer mit einem Bett für die Magd und Utensilien für die Milchverarbeitung. Über den Vorraum kommt man in eine weitere Stube, die als „Winterkuchl“ bezeichnet wird. Zusätzlich befindet sich im Erdgeschoss noch eine Ofenstube und eine Kammer. Im Obergeschoss befindet sich über der Rauchstube eine geräumige Kachelstube mit Vorratskammer und eine Schlaf- und Gerätekammer. Das Dach ist ein Schersparrendach mit Schopfwalm und ist mit Lärchenschindeln gedeckt.[1]

Das Haus wurde nach dem Additionsprinzip (Erweiterung nach Bedarf) in mehreren Bauphasen errichtet. Der älteste Hausteil bestehend aus Rauchstube und Nebenkammer wurde ursprünglich auf den Beginn des 17. Jahrhunderts datiert. Eine dendrochronologische Untersuchung im Jahr 2018 ergab allerdings, dass dieser Teil des Gebäudes aus Fichtenstämmen errichtet wurde, die 1469 gefällt worden waren. Damit ist das Bauwerk das derzeit älteste datierte Haus in Blockbauweise in Österreich. Als erste Erweiterung wurde nach 1500 die „Winterkuchl“ angebaut. Eine größere Erweiterung folgte dann im Jahr 1585/86.[1] Zum Erbauungszeitpunkt des Ursprungsgebäudes und der Ursache der Erweiterungen gibt es unterschiedliche Theorien. Schinnerl[1] sieht den Zweck der „Winterkuchl“ als Auszugsstube. Eichert[2], der sich mit den Besitzern des Hauses beschäftigte, nennt die Zeit um 1197 als Entstehungszeitpunkt der Rodung bei St. Oswald. Er vermutet, dass das Anwesen schon um diese Zeit bestand, aber baufällig war oder abbrannte, sodass man 1470 ein neues Haus errichtete. Er führt auch die Errichtung der „Winterkuchl“ um 1500 auf die 1501 dokumentierte Heirat der Besitzerswitwe mit einem Weber zurück, da dieser wohl Platz für seine Gerätschaften brauchte.[2]

HanebauerhausBearbeiten

 
Hanebauer-Kogler 2007

Die Altform des Unterkärntner Bauernhauses repräsentiert das Hanebauer-Haus aus St. Jakob ob Gurk.[3] Die Nebenräume wie Schlaf- und Zeugkammer sind, verbunden durch schmale Flurgänge die Labn, um eine große Rauchstube gruppiert. Ein Spezifikum der Unterkärntner Rauchstubenhäuser ist eine besonders mächtige Rauchstube als Ausgangsraum, an den die übrigen Hausräume „völlig irregulär vielfach ohne konstruktiven Zusammenhang“ als eigene Blockhausräume angezimmert wurden.[4] Das langsame additive Wachstum einer urtümlichen Blockbauweise über Generationen wird hier gut sichtbar. Das Haus verfügt über eine mächtige Doppelfeuerstelle, Herd und Backofen, entsprechend sind Funkengewölbe, der Rauchkogel und die Einheiz ausgeführt und in ihrer Konstruktion deutlich anders als die Rauchöfen Oberkärntens. Wegen ihrer überdimensionierten Spannweite und der mit einer Erdschicht isolierten Decke gibt es eine stützende Holzsäule in der Mitte der Rauchstube. Neben dem Backofen diente eine primitive Liebepritsche als Ruhelager und darunter als Kleinviehstall. Ebenfalls anders als in Oberkärnten ist die Dachkonstruktion. An einem mächtigen Firstbaum hängt ein Lattenrost mit einem dichten Strohscharendach, das 2002 erneuert wurde.[5] Charakteristisch für diese Dachform ist eine starke Abwalmung der beiden Giebel. Auf einer Seite steht der Giebel drei Meter vor und überdeckt einen Außenkeller für Feldfrüchte, ebenfalls typisch für diese urtümliche Hausanlage.

LiteraturBearbeiten

  • Karl Eisner: Das Kärntner Freilichtmuseum in Maria Saal. Selbstverlag des Kärntner Freilichtmuseums, 1992

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Heimo Schinnerl: Das Bodnerhaus – der derzeit älteste datierte Blockbau in Kärnten (1470). In: Carinthia I. 209. Jahrgang. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, 2019, ISSN 0008-6606, S. 173–184.
  2. a b c Joachim Eichert: Der Bodnerhof im Kärntner Freilichtmuseum Maria Saal. Von der mittelalterlichen Schwaige zum Museumsobjekt. In: Carinthia I. 209. Jahrgang. Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, 2019, ISSN 0008-6606, S. 185–198.
  3. Hanebauerhaus. Freilichtmuseum Maria Saal, abgerufen am 9. November 2019.
  4. Oskar Moser: Das Kärntner Freilichtmuseum in Maria Saal. Museumsführer. Klagenfurt 1971, S. 31, hier 18−21 (31 S.).
  5. Johann Schwertner: Bericht der einzelnen Kustodiate. Abteilung für Volkskunde. In: Rudolfinum - Jahrbuch des Landesmuseums für Kärnten. 2002, OCLC 225160012 (zobodat.at [PDF; abgerufen am 9. November 2019]).

WeblinksBearbeiten

 Commons: Kärntner Freilichtmuseum Maria Saal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 46° 41′ 8,4″ N, 14° 20′ 50,1″ O