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Fortune Playhouse

Theater im Vereinigten Königreich
Das 1928 nach dem Vorbild des Fortune Theatre erbaute Tsubouchi Memorial Theatre Museum der Waseda-Universität in Tokio

Das Fortune Theatre war ein Theater in London. Es bestand von 1600 bis 1642 und darf nicht mit dem 1924 im Londoner West End eröffneten gleichnamigen Theater verwechselt werden.

GeschichteBearbeiten

 
Gedenktafel nahe dem früheren Standort des Fortune Theatre
 
zeichnerische Rekonstruktion des ehemaligen Fortune Theatre von Walter H. Godfrey aus dem Jahre 1911 anhand der überlieferten vertraglichen Bauunterlagen von 1600

Das Fortune Theatre wurde 1600 nördlich der Londoner Stadtgrenze als Konkurrenz zum Globe Theatre von dem Bauunternehmer Peter Streete im Auftrag von Edward Alleyn, einem der führenden Schauspieler des elisabethanischen Theaters und durchaus vermögendem Spekulanten, sowie Philipp Henslowe, einem kapitalstarken Entrepreneur, Impresario und Bühnenverleiher erbaut.

Seinen Namen erhielt das Theater nach der Göttina Fortuna, deren Statue über dem Vordereingang stand.[1]

 
Zeichnung des ursprünglichen Fortune Playhouse, entstanden um 1605

Das historisch überlieferte Vertragswerk über die Errichtung des Fortune Theatre enthält zwar exakte Angaben über das Bauvorhaben für die Zimmermänner, wobei jedoch durchgängig auf die Bauverhältnisse des ein Jahr zuvor fertiggestellten Globe Theatre Bezug genommen wird, ohne sie im Einzelnen genauer zu beschreiben, so dass aus heutiger Sicht zahlreiche Unklarheiten bestehen. Den einheimischen Londonern hingegen war der Theaterbetrieb und die Architektur des Globe wohlvertraut; eingehendere Beschreibungen erübrigten sich daher in dem Kontrakt, zumal auch der Neuaufbau des Globe 1599 unter Leitung Streetes gestanden[2]

Von 1600 bis 1621 agierte hier Alleyns Schauspieltruppe The Admiral’s Men, später umbenannt in Prince Henry’s Men bzw. Elector Palatine’s Men, welche die Hauptrivalen der Shakespeareschen Theatergruppe Lord Chamberlain’s Men waren.[3]

Die Bühne entsprach zwar derjenigen des Globe Theatre, die äußere Form des Hauses war dagegen im Unterschied zu allen anderen öffentlichen Bühnen – eventuell dem Vorbild der privaten Theater entsprechend – quadratisch statt rund. Der Kontrakt von 1600 zwischen Alleyn und Henslowe liefert nicht nur Aufschluss über den Bau des Fortune Theatre, sondern ist darüber hinaus eine der wesentlichen dokumentierten Informationsquellen über die Größe, Bauweise und Zuschauerkapazität der großen Volksbühnen des elisabethanischen Theaters insgesamt.[4]

Das Außenmaß des Fortune Theatres mit seinen drei Zuschauergalerien betrug knapp 25 Meter (etwa 80 Fuß), der des Hofes etwa 17 Meter (55 Fuß). In diesen Hof ragte die 43 Fuß breite und 27,5 Fuß tiefe, d. h. etwa 13 × 8,5 bis 9 Meter messende Plattformbühne hinein. Um den offenen Innenhof herum zogen sich dreistöckige überdachte Galerien, die vom Hof aus und durch eigene Eingänge von außen betreten werden konnten. Das Theater bot etwa 2340 Menschen Platz.[5]

Am 9. Dezember 1621 brannte das Fortune Theatre ab. Es wurde im März 1623 wiedereröffnet und nach dem Verbot öffentlicher Aufführungen und der Schließung der Volkstheater 1642 durch den puritanischen Londoner Magistrat nur noch gelegentlich für heimliche Aufführungen genutzt. Nach der Rückkehr von Charles II wurde das ehemalige Fortune Theatre abgerissen, um Raum für den Bau von 23 Häusern zu schaffen.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Manfred Brauneck, Gérard Schneilin (Hg.): Theaterlexikon 1. Begriffe und Epochen, Bühnen und Ensembles. Rowohlt Taschenbuch Verlag Reinbek bei Hamburg, 5. vollständig überarbeitete Neuausgabe August 2007, ISBN 978-3-499-55673-9

WeblinksBearbeiten

  Commons: Fortune Playhouse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. die Angaben in der Encyclopædia Britannica auf [1]. Abgerufen am 21. Januar 2019. Die dortige Schreibweise des Bauleiters lautet Peter Street. Siehe auch Helmut Castrop: Das elisabethanische Theater. In: Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Kröner, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 71–116, hier S. 77.
  2. Vgl. Helmut Castrop: Das elisabethanische Theater. In: Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Kröner, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 71–116, hier S. 77, sowie Wolfgang Weiß: Das Drama der Shakespeare-Zeit. Versuch einer Beschreibung. Kohlhammer Verlag, Stuttgart et al. 1979, ISBN 3-17-004697-7, hier Kapitel 1.2: Die Londoner Bühnen, S. 30f. Siehe ebenso die Angaben in der Encyclopædia Britannica auf [2]. Abgerufen am 21. Januar 2019.
  3. Siehe Helmut Castrop: Das elisabethanische Theater. In: Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Kröner, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 71–116, hier S. 80f.
  4. Vgl. Helmut Castrop: Das elisabethanische Theater. In: Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Kröner, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 71–116, hier S. 77.
  5. Siehe Wolfgang Weiß: Das Drama der Shakespeare-Zeit. Versuch einer Beschreibung. Kohlhammer Verlag, Stuttgart et al. 1979, ISBN 3-17-004697-7, hier Kapitel 1.2: Die Londoner Bühnen, S. 30ff. sowie Kapitel 1.3.1: Zuschauerzahlen und Preise, S. 49f. Vgl. ebenso Helmut Castrop: Das elisabethanische Theater. In: Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare-Handbuch. Die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Kröner, 5., durchgesehene und ergänzte Auflage, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2, S. 71–116, hier S. 84ff. Siehe ebenso die Angaben in der Encyclopædia Britannica auf [3]. Abgerufen am 21. Januar 2019.
  6. Vgl. die Angaben in der Encyclopædia Britannica auf [4]. Abgerufen am 21. Januar 2019.

Koordinaten: 51° 31′ 22″ N, 0° 5′ 38″ W