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Gesetz über den Fischereischein vom 19. April 1939 (Deutsches Reich)
Ein thüringischer Fischereischein

Der Fischereischein, in Österreich Fischerkarte (oder Fischereikarte, Fischerausweis), umgangssprachlich Angelschein oder Angelkarte,[1] ist eine Bescheinigung, die dem Inhaber erlaubt, zu angeln oder (beruflich) zu fischen. Voraussetzung ist im Allgemeinen eine bestandene Fischerprüfung.

Falls man nicht Eigentümer eines Fischereirechtes ist, ist eine weitere rechtliche Voraussetzung zum Fischen der Gewässerschein (Fischereilizenz, Fischerlaubnis). Hierbei handelt es sich um die schriftliche Genehmigung, an einem Gewässer zu fischen, das vom Inhaber des Fischereirechtes für dieses Gewässer ausgestellt wird.

Inhaltsverzeichnis

DeutschlandBearbeiten

Die Fischerprüfung kann je nach Bundesland bei der unteren Fischereibehörde oder dem Landessportfischerverband abgelegt werden.[2] Ausgestellt wird er von der Gemeinde, in Hamburg vom Verbraucherschutzamt des zuständigen Bezirksamtes sowie von den meisten Kundenzentren (Einwohnerdienststellen) der Bezirksämter.

2002 gab es 1,47 Mio. Fischereischeininhaber in Deutschland.[3]

Als Zugeständnis an den Tourismus haben einzelne Bundesländer (z. B. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein) Touristenfischereischeine eingeführt, die Angeln auch ohne Fischereischein mit bestimmten Einschränkungen ermöglichen. So können beispielsweise – auch von Einheimischen – zeitlich begrenzte Touristenfischereischeine gegen eine Gebühr erworben werden, bzw. das Angeln ist auf Friedfische beschränkt. Kritik des Bundesverbraucherministeriums und der Verbände an diesem Vorgehen blieb bislang ohne Folgen, obwohl nun Fische, und damit Wirbeltiere, auch von Personen ohne nachgewiesene Sachkunde getötet werden dürfen. Der Landesanglerverband gab dennoch bereits vor der Einführung des Scheins im Sommer 2005 bekannt, auf eine Klage gegen die Neuregelung verzichten zu wollen.

Weiterhin gibt es an den Grenzgewässern zu Luxemburg (Mosel, Sauer, Our) die Möglichkeit, ohne Ablegen einer Fischerprüfung zu angeln. In den Bundesländern Baden-Württemberg und Sachsen gibt es ferner Ausnahmeregelungen für das Angeln an bewirtschafteten Anlagen, welche ein Angeln ohne Fischereischein ebenso ermöglichen.[4]

Eine weitere Sonderstellung nimmt das Land Niedersachsen ein, wo im Fischereigesetz keine Fischereischeinpflicht (oder andere Dokumente außer dem Personalausweis) für die Ausübung einer Angeltätigkeit vorgeschrieben wurde. In den freien (nicht verpachteten) Gewässern Niedersachsens (Küste und Seeschifffahrtsstraßen wie die Elbe bis Hamburg) kann somit jeder scheinfrei angeln. Bei verpachteten Gewässern muss lediglich ein Fischereierlaubnisschein für das oder die Gewässer nachgewiesen werden.[5]

In Bremen ist es Einwohnern der Stadt möglich, bei der Behörde einen Stockangelschein ohne Prüfung zu erhalten, der jedoch nur zum Angeln in den tideabhängigen Teilen von Weser und Lesum berechtigt. Gewässerkarten für andere Gewässer können damit nicht erteilt werden.

ÖsterreichBearbeiten

In Österreich gibt es die eigentliche Fischerkarte und die Fischergastkarte, auf Landesebene unterschiedlich geregelt.[6]

Für die Fischerkarte (in Kärten: Jahresfischerkarte, in Tirol: Namenskarte, in Vorarlberg: Fischerausweis), die eine dauerhaftere Ausübung gewährleistet, wird üblicherweise für ein Jahr ausgestellt. Es sind die rechtlichen, theoretischen und praktischen Kenntnisse nachzuweisen (fischereiliche Eignung). Dies erfolgt entweder über die berufliche Ausbildung, oder eine Unterweisung. Diese Unterweisung findet meist in Form einer Prüfung (schriftliche Fischer[ei]prüfung, in Kärten nur Unterweisung mit Bestätigung)[7] durch die Landesfischereiverbände statt, in Wien durch den Wiener Fischereiausschuss,[8] in Tirol durch die örtlichen Fischereirevierausschüsse (Unterweisung mit Bestätigung);[9] nur im Burgenland ist kein Eignungsnachweis notwendig. Die Eignungsnachweise werden durchwegs in den anderen Bundesländern anerkannt. Diese Unterweisung ist meist unnötig, wenn man schon innerhalb gewisser Fristen vorher eine Fischerkarte besessen hat (etwa drei mal innerhalb von zehn Jahren in Kärnten).[7]
Jugendliche, die prinzipiell von einer qualifizierten Aufsichtsperson begleitet werden müssen, brauchen unter einem gewissen Alter keine Fischereikarte (zwischen 10 und 14 Jahre, je nach Bundesland).[6] Berufsfischer und deren Gehilfen benötigen zur Ausübung des Fischfangs im betreffenden Fischereirevier durchwegs ebenfalls keine Fischereikarte.
In Vorarlberg ist innerhalb einer Zwei-Wochen-Frist lediglich die schriftliche Erlaubnis des Bewirtschafters des Fischereireviers notwendig.[10] Die Ausweise werden teils durch die Fischereiverbände direkt ausgestellt, in einigen Ländern aber durch die Bezirksverwaltung (Bezirkshauptmannschaften oder Magistrate).[6]

Die Fischergastkarte (in Tirol: Gastkarte) wird vom Fischereiausübungsberechtigten an Fischergäste weitergegeben. Sie gilt je nach Land tageweise (z. B. Salzburg)[11], meist ein- oder mehrwochenweise, bis jahresweise (z. B. Tirol);[9] in Vorarlberg entfällt die Gastkarte aufgrund der Zwei-Wochen-Frist. Der Gast muss die Eignung im Allgemeinen ebenfalls vorweisen können.

Länder ohne AngelkartenpflichtBearbeiten

In der Mehrzahl der europäischen Nachbarstaaten ist der Besitz eines Fischereischeins zum Angeln nicht notwendig. Zeitlich befristete Angellizenzen werden dort in der Regel ohne vorherige Prüfung bei Gemeindeverwaltungen, Postämtern oder in Tabakgeschäften verkauft. In Dänemark kann man sie seit Oktober 2011 per Handy kaufen; via GPS kann man zudem sehen, ob man in einer erlaubten Zone angelt.[12]

JugendfischereischeinBearbeiten

Jugendfischereischeine werden an Kinder zwischen dem vollendeten 10. Lebensjahr bis zum 16. Lebensjahr ohne Nachweis einer Fischereiprüfung ausgegeben. Sie berechtigen zum Fischen in Begleitung einer volljährigen Person mit Fischereischein (§ 28 Ziff. 1 Hessisches Fischereigesetz). In Bayern wird der Jugendfischereischein bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ausgestellt.

QuellenBearbeiten

  1. Wo brauche ich einen Angelschein und wie bekomme ich diesen? In: angel-und-fischen.com. Abgerufen am 6. Oktober 2017.
  2. Übersicht Angelkurse für Anfänger: Angelschein-Kurse für Fischerprüfung - Angelschein machen.
  3. Robert Arlinghaus: Angelfischerei in Deutschland - eine soziale und ökonomische Analyse (Memento des Originals vom 14. Juli 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.panafrica.de 18/2004. S. 35
  4. Angeln ohne Angelschein in Deutschland! - So gehts!.
  5. Archivlink (Memento des Originals vom 29. Dezember 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vdsf.de
  6. a b c Fischen in Österreich: Folgende Grundsätze können für alle Bundesländer festgehalten werden. help.gv.at, Stand 1. April 2015.
  7. a b Fischen in Kärnten – Berechtigung und Dokumente. oesterreich.gv.at (abgerufen 12. Juni 2019).
  8. Fischerprüfung. wiener-fischereiausschuss.at, Stand 25. März 2019 (abgerufen 12. Juni 2019).
  9. a b Fischen in Tirol – Berechtigung und Dokumente. oesterreich.gv.at (abgerufen 12. Juni 2019).
  10. Fischen in Vorarlberg – Berechtigung und Dokumente. oesterreich.gv.at (abgerufen 12. Juni 2019).
  11. Fischen in Salzburg – Berechtigung und Dokumente. oesterreich.gv.at (abgerufen 12. Juni 2019).
  12. Reiseführer Dänemark A - Z Urlaubstipps & Infos.