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Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Die Facharztbezeichnung des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wurde 2003 eingeführt und ersetzte den bis dahin nach Musterweiterbildungsordnung erwerbbaren Arzt für Psychotherapie. In einer Übergangsbestimmung wurde festgelegt, dass Kammerangehörige, die die Facharztbezeichnung Psychotherapeutische Medizin besitzen, berechtigt sind, stattdessen die Facharztbezeichnung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie zu führen.

Inhaltsverzeichnis

FachgebietBearbeiten

Das Fachgebiet des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie umfasst die Erkennung, psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation von Krankheiten und Leidenszuständen, an deren Verursachung psychosoziale und psychosomatische Faktoren einschließlich dadurch bedingter körperlich seelischer Wechselwirkungen maßgeblich beteiligt sind.

FacharztausbildungBearbeiten

Die Weiterbildung kann nach einem 6-jährigen Medizinstudium und der Approbation als Arzt erfolgen. Sie umfasst laut Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer mindestens fünf weitere Weiterbildungsjahre bei einem Weiterbildungsbefugten an von einer Landesärztekammer anerkannten Weiterbildungsstätte.

  • 3 Jahre Psychosomatische Medizin,
  • 1 Jahr Psychiatrie und Psychotherapie, hierauf anrechenbar sind
    • 1/2 Jahr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
  • 1 Jahr Innere Medizin, hierauf anrechenbar sind

Zwei Jahre dürfen zudem bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.

Die Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie umfasst dabei eine fundierte psychotherapeutische Weiterbildung. Während der mindestens 5-jährigen Weiterbildungszeit müssen gemäß Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer 1500 Behandlungsstunden unter regelmäßiger Supervision, ferner 240 Stunden Psychotherapietheorie, Balintgruppenarbeit, Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Hypnose), Untersuchungen im psychosomatischen Konsil- und Liaisonsdienst, 10 Kriseninterventionen unter Supervision und Selbsterfahrung in der verhaltenstherapeutischen Weiterbildung oder in der psychodynamischen/tiefenpsychologischen Weiterbildung erworben werden.[1]

Anzahl der Fachärzte in DeutschlandBearbeiten

Im Jahr 2015 gab es nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer 1.216 berufstätige Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Davon waren 653 ambulant, 523 stationär, 11 in Behörden und 29 in sonstigen Bereichen tätig.[2]

AbgrenzungBearbeiten

Der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist der Spezialist, wenn es um eine psychosomatische, somatopsychische oder um eine eine spezialisierte Psychotherapie erfordernde Störung handelt. Das Spektrum umfasst zudem u.a. auch die Psychoonkologie und die Schmerztherapie. Nach den gängigen Weiterbildungsordnungen ist er der umfassendste ausgebildete Psychotherapeut in der Versorgungslandschaft. So erlernen Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie In der Weiterbildungszeit unter anderem die verschiedenen Psychotherapie-Schulen, wie Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie, systemische Ansätze und das Arbeiten in verschiedenen Settings (wie Einzel-, Gruppen-, Paar- und Familientherapie), aber auch spezialisierte psychotherapeutische Ansätze, wie z.B. Sexual- oder Traumatherapie. Neben dieser psychotherapeutischen Kernkompetenz verfügt der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie durch das vorausgehende Medizinstudium und die Facharztweiterbildung über sehr gute Kenntnisse in der Diagnostik und der Behandlung von Störungen und Erkrankungen aus allen medizinischen Gebieten, in denen es Überschneidungen zur Psychosomatik gibt (z.B. HNO, Neurologie, Orthopädie).[3] Deshalb ist auch die Abklärung und Einschätzung, ob bei im psychosomatischen Bereich häufig vorkommenden körperlich schwer kranken Patienten die Symptome eine körperliche oder eine psychische Ursache haben, eine zentrale Aufgabe von Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie[4].

Der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat mit verwandten Fachärzten wie dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, dem Facharzt für Innere Medizin, dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie gemeinsam das 6-jährige Medizinstudium, den Erwerb der Approbation und eine sich anschließende jeweils fachspezifische 5-jährige Facharztweiterbildung. Aufgrund des Medizinstudiums dürfen alle drei genannten Fachärzte Medikamente (Psychopharmaka, aber auch Medikamente für somatische Erkrankungen) verschreiben und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

Auch Psychologische Psychotherapeuten sind qualifiziert zur Durchführung von Psychotherapie in der vertragsärztlichen Versorgung. Die Tätigkeiten Psychologischer Psychotherapeuten konzentrieren sich dabei auf die Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen. Psychologische Psychotherapeuten üben keine ärztlichen Tätigkeiten aus (zB. Krankschreibungen, Verordnung von Psychopharmaka).[5] Die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten erfordert zunächst ein bestandenes Diplom oder Master im mindestens 5-jährigen Studiengang Psychologie einschließlich des Fachs Klinische Psychologie. Anschließend erfolgt eine mindestens 3-jährige Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG).[6] Die gesamte durchschnittliche Ausbildungsdauer beträgt 12 Jahre.[7][8] Mit der Ausbildung erlangen Psychologische Psychotherapeuten die Befähigung zur eigenständigen Durchführung von Psychotherapie (Approbation).

KontroverseBearbeiten

Heftige Kritik gab es von Seiten der Interessenvertretungen der Fachärzte für Psychosomatische Medizin (DKPM, DGPM) an dem Beschluss der Interessenvertretung der Fachärzte für Psychiatrie (DGPPN) die Bezeichnung Psychosomatik im Namen zu führen.[9][10][11] Die Fachgesellschaft für Psychiatrie würde es zudem begrüßen, wenn es zusammen mit der Psychosomatik einen gemeinsamen großen Facharzt geben würde, dessen Name noch zu bestimmen sei. Die Bundesärztekammer hat jedoch betont, dass weiterhin sowohl der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie als auch der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bestehen bleiben sollen. Im Rahmen der Novellierung der Musterweiterbildung wird nun für die Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie diskutiert das bisher vorgesehene Psychiatrieweiterbildungsjahr abzuschaffen und dafür neben 1 Jahr Innere Medizin 4 Jahre Psychosomatik vorzusehen.[12]

FachgesellschaftenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten