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Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Das Fachgebiet des Facharztes für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist die Psychosomatik. Sie befasst sich mit Krankheiten und Leidenszuständen, an deren Verursachung psychosoziale und psychosomatische Faktoren (einschließlich dadurch bedingter körperlich-seelischer Wechselwirkungen) maßgeblich beteiligt sind. Die Aufgabe des Facharztes ist daher die Erkennung, psychotherapeutische Behandlung, Vorbeugung und Rehabilitation dieser Erkrankungen.

Der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wurde 2003 eingeführt und ersetzte den bis dahin nach Musterweiterbildungsordnung erwerbbaren Arzt für Psychotherapie. Laut einer Übergangsbestimmung sind Kammerangehörige mit der Facharztbezeichnung Psychotherapeutische Medizin berechtigt, stattdessen die Facharztbezeichnung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie zu führen.

Inhaltsverzeichnis

FacharztausbildungBearbeiten

In DeutschlandBearbeiten

 
Anzahl in der Psychosomatik tätiger Personen mit abgeschlossener Facharzt-Weiterbildung (Stand: 1.1.2001).

Um in der Bundesrepublik Deutschland als Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie tätig zu werden, bedarf es heute einer insgesamt 11-jährigen Aus- und Weiterbildungszeit (6 Jahre Medizinstudium, 5 Jahre Facharztweiterbildung, frühere Weiterbildungen waren zum Teil kürzer).

Voraussetzung für den Beginn der Facharztweiterbildung ist die Approbation. Während der heute 5-jährigen Weiterbildungszeit sollen nach der beispielhaften Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer jeweils folgende Mindestanforderungen erfüllt werden:[1]

  • 3 Jahre Psychosomatische Medizin
  • 1 Jahr Psychiatrie und Psychotherapie
  • 1 Jahr Innere Medizin

1/2 Jahr Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie kann auf das Jahr in der Psychiatrie angerechnet werden; ebenso 6 Monate in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung (z. B. Dermatologie oder Gynäkologie oder Neurologie oder Orthopädie oder Pädiatrie) auf die Zeit in der inneren Medizin. Die Weiterbildung muss bei einem Weiterbildungsbefugten an von einer Landesärztekammer anerkannten Weiterbildungsstätte stattfinden. Zwei Jahre dürfen zudem bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.

Die Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie umfasst eine fundierte psychotherapeutische Weiterbildung, so sollen mindestens 1500 psychotherapeutische Behandlungsstunden unter regelmäßiger Supervision erbracht werden. Dazu gehören:

Es sollen jeweiligen Mindestanzahlen für die jeweiligen Einzelpsychotherapien unterschiedlicher Länge (Kurzzeittherapie, mittellange Therapien, Langzeittherapien), Gruppentherapien, Paar- und Familientherapien. Zudem müssen mind. 100 psychosomatische bzw. psychotherapeutische Untersuchungen, sowie definierte Mindestanzahlen an Kriseninterventionen und Konsildiensttätigkeiten erworben werden.

In ÖsterreichBearbeiten

Um die Kompetenz der Ärzteschaft im psychosozialen, -somatischen und -therapeutischen Bereich zu verbessern, gibt es in Österreich seit 1989 drei postpromotionelle aufeinander aufbauende PSY-Diplom-Lehrgänge:

  1. PSY 1: ÖÄK-Diplom für Psychosoziale Medizin (Dauer ca. 1 Jahr)
  2. PSY 2: ÖÄK-Diplom für Psychosomatische Medizin (Dauer ca. 2 Jahre)
  3. PSY 3: ÖÄK-Diplom für Psychotherapeutische Medizin (Dauer ca. 4 Jahre).

Diese Fortbildungsdiplome sind allen Fachärzten und Allgemeinmedizinern zugänglich und vermitteln die genannten Kenntnisse und Fertigkeiten. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es jedoch keinen Facharzt für Psychosomatische Medizin.

Facharztzahlen für DeutschlandBearbeiten

Im Jahr 2015 gab es nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer 1.216 berufstätige Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Davon waren 653 ambulant, 523 stationär, 11 in Behörden und 29 in sonstigen Bereichen tätig.[3]

AbgrenzungBearbeiten

Der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ist der Spezialist, wenn es sich um eine psychosomatische, somatopsychische oder um eine eine spezialisierte Psychotherapie erfordernde Störung handelt. Das Spektrum umfasst zudem u. a. auch die Psychoonkologie und die Schmerztherapie. Nach den gängigen Weiterbildungsordnungen ist er einer der am breitesten ausgebildete Psychotherapeuten der Versorgungslandschaft. So haben die neuen Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie u. a. verschiedene Psychotherapie-Schulen, wie Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie, systemische Ansätze und das Arbeiten in verschiedenen Settings (wie Einzel-, Gruppen-, Paar- und Familientherapie), aber auch spezialisierte psychotherapeutische Ansätze, wie z. B. Sexual- oder Traumatherapie auf dem Lernplan. Allerdings ist ihnen, anders als für Fachärzte für Psychiatrie, kein Rotationsjahr in die Neurologie vorgeschrieben.

Neben der psychotherapeutischen Kompetenz verfügt der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie durch das vorausgehende Medizinstudium und die Facharztweiterbildung auch über Kenntnisse in Diagnostik und Behandlung anderer, insbesondere internistischer Erkrankungen, mit denen es Überschneidungen zur Psychosomatik gibt (z. B. HNO, Neurologie, Orthopädie).[4] Deshalb ist auch die Abklärung und Einschätzung, ob bei im psychosomatischen Bereich häufig vorkommenden körperlich schwer kranken Patienten die Symptome eine körperliche oder eine psychische Ursache haben, eine zentrale Aufgabe von Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie[5].

Die Facharztdisziplin Psychosomatische Medizin und Psychotherapie hat mit verwandten Disziplinen wie dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, dem Facharzt für Innere Medizin, dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie das 6-jährige Medizinstudium und eine darauf aufbauende, heutzutage meist fünfjährige Facharztweiterbildung gemeinsam, wobei Fachärzte früher meist deutlich kürzere Weiterbildungen absolviert haben, praktische Ärzte hingegen gar keine echte Weiterbildung. Alle Ärzte dürfen aufgrund Ihrer ärztlichen Approbation auch Medikamente wie Psychopharmaka, aber grundsätzlich auch Medikamente für somatische Erkrankungen verschreiben und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen.

KontroversenBearbeiten

Heftige Kritik gab es von Seiten der Interessenvertretungen der Fachärzte für Psychosomatische Medizin (DKPM, DGPM) an dem Beschluss der Interessenvertretung der Fachärzte für Psychiatrie (DGPPN) die Bezeichnung Psychosomatik im Namen zu führen.[6][7][8]

Die Fachgesellschaft für Psychiatrie würde es zudem begrüßen, wenn es zusammen mit der Psychosomatik einen gemeinsamen großen Facharzt geben würde, dessen Name noch zu bestimmen sei. Die Bundesärztekammer hat jedoch betont, dass weiterhin sowohl der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie als auch der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bestehen bleiben sollen. Im Rahmen der Novellierung der Musterweiterbildung wird nun für die Weiterbildung zum Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie diskutiert das bisher vorgesehene Psychiatrieweiterbildungsjahr abzuschaffen und dafür neben 1 Jahr Innere Medizin 4 Jahre Psychosomatik vorzusehen.[9]

FachgesellschaftenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bundesärztekammer (Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern): (Muster-)Weiterbildungsordnung 2003 (in der Fassung vom 25.06.2010). S. 126–128, archiviert vom Original; abgerufen am 3. Januar 2018.
  2. Bundesärztekammer, Musterweiterbildungsordnung (Memento vom 21. Januar 2012 im Internet Archive) (PDF; 759 kB)
  3. Bundesärztekammer (2018): Die ärztliche Versorgung in Deutschland. Quelle: Ärztestatistik 2015 Gesamtergebnisse, Tabelle 3, Blatt 6.
  4. DGPM, Landesverband Bayern: Was macht der Psychosomatiker? (Memento des Originals vom 17. Oktober 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dgpm-bayern.de
  5. https://www.aerzteblatt.de/archiv/147029/Psychosomatische-Medizin-und-Psychotherapie-Spezialist-fuer-Koerper-und-Seele
  6. Ingeborg Bördlein: Psychosomatik: „Feindliche“ Übernahme. In: Deutsches Ärzteblatt PP, 12. Jg., Ausgabe Januar 2013, S. 21.
  7. Claudia Schumann, Martina Rauchfuß, Wolfgang Lütje: Psychosomatik: Konstruktive Kooperation gefordert. In: Deutsches Ärzteblatt, 110. Jg., Nr. 11, A-509 (Leserbrief).
  8. Wolfgang Kämmerer: Eigenständiges Fachgebiet. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: Eine Standortbestimmung nach 20 Jahren. In: Niedersächsisches Ärzteblatt, Nr. 03/2013.
  9. Johannes Kruse: Bericht über Erstbesprechung zur Weiterentwicklung der Musterweiterbildungsordnung in der Bundesärztekammer (Memento des Originals vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dgpm.de. Website Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e. V. Abgerufen am 21. Dezember 2013.