Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

Die Alexander-Newski-Kathedrale in Paris

Erzbistum der orthodoxen russischen Gemeinden in Westeuropa ist der heutige Name einer orthodoxen kirchlichen Organisation mit der Alexander-Newski-Kathedrale in Paris als Zentrum (juristisch organisiert als "Union Directrice Diocésaine des Associations orthodoxes russes en Europe Occidentale"; UDAOREO). Das Erzbistum unterstand als Exarchat dem Ökumenischen Patriarchat Konstantinopel, bis die Synode von Konstantinopel am 27. November 2018 beschloss, das Erzbistum aufzulösen. Seither haben sich 2019 der Bischof Johannes von Charioupolis (jetzt Metropolit von Dubna) sowie ein Teil des Klerus und der Gemeinden dem Moskauer Patriarchat der Russischen Orthodoxen Kirche unterstellt. Weitere Fragen, auch solche staatskirchenrechtlicher Art, sind derzeit ungelöst.

GeschichteBearbeiten

Nach der Oktoberrevolution 1917 flohen viele Russen aus ihrer Heimat. Aus den Gemeinden in Westeuropa, die sie gründeten, entstand das Erzbistum der orthodoxen russischen Gemeinden in Westeuropa. Es unterstand bis zum 7. Oktober 2019 dem Ökumenischen Patriarchen, da das Moskauer Patriarchat lange Zeit durch die sowjetischen Kommunisten kontrolliert wurde. Seit dem 7. Oktober 2019 untersteht es zum großen Teil dem Moskauer Patriarchat.

BischöfeBearbeiten

  • 1921–1946 Metropolit Eulogios von Paris (Euloge Géorguievski)
  • 1946–1959 Metropolit Vladimir von Paris (Vladimir Tikhonicky)
  • 1960–1981 Erzbischof Georg von Syrakus (Georges Tarassov)
  • 1981–1993 Erzbischof Georg von Eudokias (Georg Wagner)
  • 1993–2003 Erzbischof Sergius von Eukarpia (Serge Konovalov)

Ab 2003 war Erzbischof Gabriel von Komana (Guido de Vijlder) Exarch, er bat 2013 krankheitshalber um Entbindung von seinen bischöflichen Aufgaben († 26. Oktober 2013). Als Locum tenens wurde am 16. Januar 2013 Erzbischof Emmanuel, griechisch-orthodoxer Metropolit von Frankreich, bis zur Neuwahl eines neuen Erzbischofs des Exarchats eingesetzt. Dieser konnte am 2. November 2013 in der Person von Archimandrit Job Getcha gewählt und bestätigt werden. Als Erzbischof Job von Telmessos wurde er am 5. Dezember 2014 inthronisiert. Am 28. November 2015 wurde Erzbischof Job nach Auseinandersetzungen um seinen Leitungsstil durch die Heilige Synode des Ökumenischen Patriarchats von seinen Aufgaben als Exarch entbunden und zum Vertreter des Ökumenischen Patriarchats beim Weltkirchenrat ernannt.[1] Im April 2016 wurde Johannes von Charioupolis offiziell sein Nachfolger als Exarch.[2] Mit Übertritt zur Russischen Orthodoxen Kirche führt er die Bezeichnung "Erzbischof von Dubna" und erhielt den Ehrentitel eines Metropoliten.

OrganisationBearbeiten

Das Exarchat verfügt derzeit über mehrere Dekanate in Frankreich. Außerdem gibt es Dekanate für Belgien, die Niederlande, Italien, Deutschland, Spanien, Skandinavien sowie Großbritannien und Irland.[3]

Die meisten Gemeinden hat das Exarchat in Frankreich. Die einzige Pfarrei in Deutschland war lange Zeit die Orthodoxe Parochie zu den heiligen Erzengeln in Düsseldorf, die von Erzpriester Peter Sonntag geleitet wird. Über viele Jahre hinweg war Erzpriester Sergius Heitz Pfarrer dieser Gemeinde. Seit einigen Jahren existiert in Stuttgart eine Gemeinde in der ehemaligen Friedhofskirche im Pragfriedhof, die von Priester Johannes Kaßberger geleitet wird.[4] Seit Juni 2007 gibt es in Albstadt eine Gemeinde, die von Erzpriester Michael Buk geleitet wird. Am 12. Mai 2012 wurde von Erzbischof Gabriel mit einem festlichen Gottesdienst die Kirche in Balingen eingeweiht. Die neue Gemeinde feiert ihre Gottesdienste in der Siechenkapelle in Balingen.[5]

Ferner gehört zum Erzbistum das Institut de Théologie Orthodoxe Saint-Serge in Paris, eine Hochschule, die die bedeutendste orthodoxe Bildungseinrichtung in Westeuropa darstellt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Samuel Lieven: Mgr Job démis de ses fonctions à la tête de l’archevêché russe-orthodoxe. In: La Croix 30. November 2015.
  2. Lebenslauf
  3. Vgl. Verzeichnis der Gemeinden
  4. Vgl. Webseite.
  5. Vgl. Webseite.

WeblinksBearbeiten