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Eine Entscheidungsvorlage ist eine Vorlage, die entscheidungsrelevante Sachverhalte vollständig und knapp zusammenfasst und Entscheidungsträgern in Unternehmen und Behörden zur Grundlage von Entscheidungen dient.

Inhaltsverzeichnis

AllgemeinesBearbeiten

Die Entscheidungsvorlage dient der Vorbereitung von Entscheidungen. Sie ist in der Ablauforganisation von Unternehmen und Behörden als Information „von unten nach oben“ vorgesehen und teilweise in Arbeitsanweisungen beschrieben. Die mit einem bestimmten Sachverhalt befasste Stelle hat danach die Aufgabe, bestimmte Informationen entscheidungsreif zusammenzufassen und einem mit Entscheidungskompetenzen ausgestatteten Entscheidungsträger vorzulegen. Der Entscheidungsträger kann aufgrund der Entscheidungsvorlage eine Entscheidung treffen, indem er diese Vorlage genehmigt, modifiziert genehmigt oder ablehnt. Hieraus ergibt sich, dass Entscheidungsvorlagen lediglich bei Fremdentscheidungen erforderlich sind, wenn der Ersteller der Entscheidungsvorlage nicht gleichzeitig auch der Entscheidungsträger ist.

InhaltBearbeiten

Die Entscheidungsvorlage soll sämtliche Entscheidungskriterien enthalten, die der Entscheidungsträger für seine Entscheidung benötigt. Insbesondere hat sie die möglichen Handlungsalternativen aufzuführen, wobei es statthaft sein kann, dass sie dem Entscheidungsträger eine bestimmte Alternative vorschlägt. So genannte „weiche“ Entscheidungsvorlagen sind sehr allgemein gehalten und befassen sich häufig mit Strategiefragen, „mittlere“ beschäftigen sich mit Kosten- oder Nutzenfragen und „harte“ beinhalten konkrete Maßnahmen wie etwa die Kostensenkung bei den Personalkosten der Produktion.[1] Die Entscheidungsvorlage sollte sich auf die wesentlichen relevanten Punkte konzentrieren und nicht entscheidungsrelevante Sachverhalte weglassen.[2]

FunktionBearbeiten

Die Entscheidungsvorlage ist das Ergebnis einer Ideenbewertung. Sie stellt die untersuchten Alternativen nebeneinander und stellt die Bewertungen des Antragstellers im Hinblick auf Chancen/Risiken, Kosten/Erlöse oder sonstige entscheidungsrelevante Sachverhalte dar. Regelmäßig beinhaltet sie eine Empfehlung, welche Entscheidung getroffen werden soll.[3]

OrganisationsfragenBearbeiten

Entscheidungsvorlagen sind organisatorisch sinnvoll, wenn wesentliche strategische oder taktische Entscheidungen getroffen werden sollen und weniger erforderlich, wenn lediglich operative Tagesentscheidungen anstehen. Jedoch gibt es Unternehmensarten, bei denen bestimmte Sachverhalte zwar zu den Tagesentscheidungen gehören, aber dennoch wegen der Bedeutung Entscheidungsvorlagen erstellt werden. Dazu gehören die Kreditvorlagen für Kreditentscheidungen in Kreditinstituten, Kreditversicherungen oder Exportkreditversicherungen. Da die Entscheidungsvorlage ein wichtiger Bestandteil unternehmerischer Entscheidungen (etwa Kreditentscheidung) oder behördlicher Verwaltungsakte darstellt, unterliegt sie als Dokument einer Aufbewahrungspflicht. Vielfach bestehen innerhalb einer Organisation standardisierte Vorlagen zur einheitlichen Gestaltung von Entscheidungsvorlagen.

AntragstellerBearbeiten

Die Berechtigung zur Erstellung einer Entscheidungsvorlage ist ein wesentlicher Machtfaktor in Entscheidungsprozessen. Historisch war es der Vortragende Rat, der das Recht hatte, dem Monarchen Entscheidungsvorlagen zu unterbreiten.

Entsprechend lag das Initiativrecht, also das Recht, Entscheidungsvorlagen über Gesetzesentwürfe oder die Themen, mit denen sich das Parlament beschäftigen durfte, vorzulegen, im Frühkonstitutionalismus nicht etwa beim Parlament, sondern bei der Regierung.

Auch heute ist die Frage, wer Entscheidungsvorlagen vorlegen darf, üblicherweise über die Linienorganisation definiert.

Einzelne Formen von EntscheidungsvorlagenBearbeiten

GesetzgebungBearbeiten

Der Gesetzgebungsprozess sieht mehrere Schritte der Entscheidung vor, bei der jeweils eine Entscheidungsvorlage erstellt wird. Zunächst einmal wird auf Ebene des Fachministeriums ein Referentenentwurf erstellt. Der Referent erstellt auf dieser Basis eine Entscheidungssvorlage für den Minister. Nach Zustimmung wird er als Kabinettsvorlage dem Kabinett vorgelegt. Dieser leitet es als Gesetzesvorlage an das Parlament weiter.

ProjektmanagementBearbeiten

Im Projektmanagement nennt man eine Entscheidungsvorlage über Änderungen im Projekt Änderungsanforderung oder englisch Change Request.

KreditentscheidungsprozessBearbeiten

In Kreditinstituten spielt der Kreditentscheidungsprozess eine zentrale Rolle. Je nach Höhe des Kredites liegt die Kreditkompetenz, also die Berechtigung, über einen Kredit zu entscheiden, bei einzelnen Mitarbeitern, Kreditausschüssen oder dem Vorstand. Basis der Kreditentscheidung ist als Entscheidungsvorlage der Kreditantrag.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Matthias Siebold, Business Cases im Controlling, Haufe, München 2015, ISBN 978-3-64806-325-5, S. 35 (Vorschau in der Google-Buchsuche)
  2. Hans Jochen Koop/K. Konrad Jäckel/Anja L. van Offern, Erfolgsfaktor Content Management, Vieweg+Teubner, Wiesbaden 2001, ISBN 978-3-32289-912-5, S. 262 (Vorschau in der Google-Buchsuche)
  3. Jacqueline M. Groher: Jacques’ Erfolgsstrategien: Die besten Managementmethoden für den Alltag, Gabal, Offenbach 2011, ISBN 978-3-86936-237-3, S. 99 (Vorschau in der Google-Buchsuche)