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EinDollarBrille (Verein) ist ein gemeinnütziger deutscher Entwicklungshilfe-Verein, der möglichst viele der von Martin Aufmuth für die Bevölkerung der ärmsten Länder der Welt konstruierte, dort herstellbare und dort bezahlbare EinDollarBrillen in diesen Ländern vertreiben will.

EinDollarBrille
Logo
Rechtsform Gemeinnütziger eingetragener Verein (e. V.)
Gründung Juni 2012
Gründer Martin Aufmuth
Sitz Erlangen
Personen Martin Aufmuth, Alex Armbruster, Brigitte Weis, Markus Urff
Aktionsraum Die armen Länder der Welt
Freiwillige >200
Angestellte 6
Mitglieder >50 (Mitglied = Mitarbeiter)
Website EinDollarBrille

Inhaltsverzeichnis

HintergrundBearbeiten

Einer Studie der WHO zufolge leiden 158 Millionen Menschen unter Kurzsichtigkeit und rund 544 Millionen bräuchten eine Lesebrille. Viele davon leben von weniger als einem US-Dollar am Tag und haben entweder überhaupt keinen Zugang zu Sehhilfen oder ihnen fehlt das Geld, um sich eine „normale“ Brille (ab etwa 40 US-Dollar) kaufen zu können. Der geschätzte Einkommensverlust, der dadurch entsteht, dass Menschen nicht oder nicht mehr arbeiten können und dass junge Menschen nichts lernen können, beträgt alleine bei den 158 Millionen Kurzsichtigen rund 202 Milliarden US-Dollar pro Jahr.[1] Das ist mehr als die gesamte weltweit gezahlte Entwicklungshilfe, die im Jahr 2011 beispielsweise 134,04 Milliarden US-Dollar betrug.

VereinBearbeiten

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Der EinDollarBrille e. V. ist eine konfessionell und politisch unabhängige, gemeinnützige und nichtstaatliche Hilfsorganisation der Entwicklungszusammenarbeit.

GeschichteBearbeiten

Der EinDollarBrille e. V. wurde im Juni 2012 gegründet. Er hat seinen Sitz in Erlangen und ist als gemeinnützig anerkannt.[2] Dieser entstand durch eine Ausgründung von Enactus der TUM.[3][4]

ZieleBearbeiten

Der Verein baut in Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort Strukturen in Entwicklungsländern auf, die langfristig eine finanziell unabhängige Versorgung der Menschen mit günstigen, qualitativ hochwertigen und vor Ort produzierten Brillen sicherstellen sollen.[5]

OrganeBearbeiten

Der Verein wird von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet. Erster Vorstand ist seit 2012 Martin Aufmuth, zweiter Vorstand Alex Armbruster und Schatzmeisterin Brigitte Weis.[6] Gemäß § 8 der Satzung sind die Organe des Vereins die Mitgliederversammlung und der Vorstand. Die Funktion dieser Organe ist in § 9 und §10 der Satzung beschrieben.[7]

Mitglieder und MitarbeiterBearbeiten

Zum 1. Januar 2018 arbeiten zwei Vorstände und zwei weiterer Mitarbeiter hauptamtlich, ein Vorstand und fünf Mitarbeiter in Teilzeit und elf Mitarbeiter auf Basis eines Minijobs für den Verein. Zusätzlich engagieren sich zu diesem Zeitpunkt mehr als 200 ehrenamtliche Mitarbeiter allein in Deutschland für die Ziele des Vereins.[6]

SpendenBearbeiten

Der EinDollarBrille e. V. finanziert seine Arbeit bislang hauptsächlich durch Spenden. Im Jahr 2017 betrugen die Einnahmen 2.359.362 Euro.[8]

AuszeichnungenBearbeiten

2017 wurde Martin Aufmuth als Gründer der EinDollarBrille die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste verliehen. Außerdem wurde Martin Aufmuth zum Ashoka Fellow ernannt. Ashoka ist die größte und älteste Organisation zur Förderung von Sozialunternehmern weltweit. Ende 2017 wurde die EinDollarBrille zudem mit dem renommierten Next Economy Award in der Kategorie „People“ ausgezeichnet.

Arbeit in DeutschlandBearbeiten

Die Organisationsstrukturen in Deutschland konnten 2014 optimiert werden; Arbeitsabläufe wurden systematisiert, Maschinen und Spezialwerkzeuge weiterentwickelt.

In den Altmühltal-Werkstätten, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gibt es ein neues Zentrallager für das Material, was Mitarbeiter der Werkstätten verpacken und versenden.

VorgehensweiseBearbeiten

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Daten zu 9 Projektländern (Stand 2013)
Land BIP* Rang** Einwohner Fläche
(km²)
Malawi 223 1 14.212.000 118.480
Burkina Faso 729 21 16.751.000 274.400
Äthiopien 542 10 96.633.000 1.104.300
Ruanda 698 19 11.400.000 26.338
Benin 805 23 8.971.000 112.622
Bangladesch 904 26 161.000.000 147.570
Nicaragua 1840 50 5.728.000 129.494
Bolivien 2700 59 10.060.000 1.098.581
Brasilien 11311 125 202.740.000 8.514.215
 * Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013 pro Kopf in US-Dollar[9]
** Weltweiter Rang nach dem niedrigsten BIP pro Kopf

In vielen Ländern mit einkommensschwacher Bevölkerung wurden und werden über Kontakte mit den Gesundheitsministerien Organisatoren sowie Helfer gesucht und von deutschen ehrenamtlichen Entwicklungshelfern ausgebildet. Für jedes Land werden, abhängig von gesetzlichen Rahmenbedingungen und persönlichen Unterstützern, unterschiedliche Strategien zum Aufbau der Brillenproduktion und zur Verteilung der Brillen genutzt.

In diesen Ländern gab es 2013 zusammen 511 Mio. Einwohner (zum Vergleich: 505 Mio. Einwohner in der EU) auf einer Fläche von 11 Mio. km² (zum Vergleich: 13 Mio. km² umfasst der asiatische Teil Russlands).

Die Nachhaltigkeit der Versorgung soll in allen Zielländern durch eine Finanzierung aller laufenden Kosten aus den Verkaufserlösen der Brillen sichergestellt werden. Spenden sollen nur für den Aufbau und den Ausbau der lokalen Strukturen eingesetzt werden sowie für die Zurverfügungstellung der Werkzeuge.

Damit wird nicht nur erreicht, dass fehlsichtige Menschen preiswerte Brillen erhalten, sondern auch, dass für die Produzenten und Verkäufer Arbeitsplätze entstehen.

Idealerweise trägt sich das System nach einer gewissen Anlaufzeit von selbst. Die Brillen werden in drei Größen (für verschiedene Augenabstände) vorgefertigt von angelernten Einheimischen. Dafür werden bevorzugt Behinderte eingestellt, die sonst überhaupt keine Chancen hätten. Diese körperlich behinderten Mitarbeiter engagieren sich besonders.[8]

Beim Verkauf vor Ort muss der Patient noch die Farben der Schmuckkugeln und des Schrumpfschlauches wählen; dann erfolgt nur noch das Aussuchen und Einsetzen der Gläser sowie die Längenanpassung der Bügel; es ist nur eine Anreise nötig.

SchwerpunktländerBearbeiten

In Malawi und Burkina Faso sind die Aktivitäten am weitesten gediehen.

MalawiBearbeiten

 
Malawi: Suche nach der richtigen Brillenstärke I
 
Malawi: Suche nach der richtigen Brillenstärke II
 
Malawi: Sichtbare Freude über eine neue Brille

Malawi, ein Land mit der ärmsten Bevölkerung in der Welt. Der Mehrheit der Bevölkerung dort steht weniger als einen US-Dollar pro Tag und Kopf zur Verfügung. Seit Januar 2015 wurde, in Zusammenarbeit mit Augenärzten und Optikern, vor Ort ein Netzwerk zur Verteilung von kostenlosen Brillen an Schüler geschaffen und der Brillenvertrieb startete. Ein Team hat das – begleitet von RTL – seit September 2014 vor Ort vorbereitet und dabei u. a. fehlsichtigen Schülern einer Schule eine Brille kostenlos angemessen. Es gibt in Malawi nur wenig Lehrbücher. Die Wissensvermittlung geschieht nur über das, was der Lehrer an die Tafel schreibt: Wer das nicht lesen kann, hat nicht viel vom Unterricht. RTL hat seinen Beitrag (im Rahmen von „Stern-TV“) am Mittwoch, den 26. November 2014 gegen 23 Uhr gesendet.

Brillen dürfen in Malawi nur an Personen verkauft werden, die eine Verordnung durch einen Optometristen hierzu vorweisen können. Deswegen hat der Verein die Ausbildung für bisher 10 Optometristen finanziert, welche nach Ende ihrer Ausbildung nunmehr verordnungsberechtigt sind. Auf diese Weise wird ein Multiplikatoreffekt für Brillenverordnungen erzielt.

Burkina FasoBearbeiten

In Burkina Faso wurden 2014 die ersten Brillen abgegeben. Bis Dezember stiegen die Verkaufszahlen auf monatlich mehr als 300.[8]

Weitere Länder mit AktivitätenBearbeiten

ÄthiopienBearbeiten

Im Jahr 2014 fanden erste Trainings in Äthiopien statt.[8]

RuandaBearbeiten

Auch in Ruanda begann die Brillenproduktion. Ausgebildete Eindollarbrillenoptiker aus Ruanda wurden dabei auch als Ausbilder in Burkina Faso und Malawi eingesetzt.[8]

BeninBearbeiten

Im Jahr 2014 begann das Training auch in Benin.[8]

BangladeschBearbeiten

Erste Trainings in Bangladesch fanden 2014 statt.[8]

NicaraguaBearbeiten

2014 begann in Nicaragua das Training von Einheimischen.[8]

BolivienBearbeiten

In Bolivien wurde 2014 an zwei Standorten mit der Brillenanfertigung begonnen und den ersten 1.000 fehlsichtigen Menschen konnte geholfen werden.[8]

BrasilienBearbeiten

In Brasilien müssen Brillen in Stufen von 0,25 Dioptrien zu Verfügung stehen – deshalb wurde das Sortiment angepasst und steht nunmehr für einen Bereich von −10 bis +8 Dioptrien zur Verfügung. Geeignete Obdachlose aus São Paulo wurden in der Brillenfertigung ausgebildet. Dabei half die brasilianische studentische Organisation „Enactus Insper“. Menschen in einer sehr abgelegenen Region am Amazonas wurden ebenfalls bereits mit günstigen Brillen versorgt.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. T. R. Fricke et al.: Global cost of correcting vision impairment from uncorrected refractive error Bulletin of the World Health Organization 2012;90:728–738 (PDF).
  2. EinDollarBrille e.V. Deutschland eindollarbrille.de
  3. Enactus World Cup · OneDollarGlasses. Abgerufen am 5. April 2019.
  4. Kai Hübner: Erfolg mit der „Ein-Dollar-Brille“. Technische Universität München, abgerufen am 5. April 2019.
  5. Globale Strategie eindollarbrille.de. Siehe auch das dort verlinkte Strategiepapier (PDF) vom Mai 2017.
  6. a b Unser Team eindollarbrille.de
  7. Satzung des Vereins vom 5. März 2016
  8. a b c d e f g h i Jahresberichte 2013, 2014 und 2017
  9. World Economic Outlook Database, April 2014 (Veröffentlichung des IWF, siehe auch Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf)