Rosswag GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 2. September 1911
Sitz Pfinztal, Deutschland
Leitung
  • Alexander Essig
  • Sven Donisi
  • Kirsten Walczak[1]
Mitarbeiterzahl 200 (2017)
Umsatz 38 Mio (2014)
Branche Warmumformung, Metall 3D-Druck
Website www.edelstahl-rosswag.de

Die Rosswag GmbH ist ein mittelständisches Schmiedeunternehmen mit Sitz in Kleinsteinbach (Teil der Gemeinde Pfinztal) im Landkreis Karlsruhe (Baden-Württemberg).

Das Unternehmen ist die größte Freiformschmiede Süddeutschlands und fertigt unter dem Namen Edelstahl Rosswag Bauteile für folgende Branchen: Kraftwerksbau, Pumpenbau, Sondermaschinenbau, Luftfahrt, Medizintechnik, Energietechnik, Getriebefertigung, Werkzeugbau und Fahrzeugbau. Im Jahr 2015 wurden ca. 200 Mitarbeiter in kaufmännischer Abteilung, Produktion (Schmiede, Metall-3D-Druck) und Fertigbearbeitung (Dreherei, Fräsbearbeitung, Erodieren) beschäftigt. Die gefertigten Produkte umfassen Prototypen, Kleinserien und Sonderanfertigungen.

Mit der Sparte „Rosswag Engineering“ hat die Rosswag GmbH ihre Aktivität unter anderem um die Bereiche Entwicklung und Beratung (Ingenieurdienstleistungen) sowie Selektives Laserschmelzen (SLM, Metall 3D-Druck) erweitert.

GeschichteBearbeiten

Edelstahl Rosswag[2]Bearbeiten

Am 2. September 1911 genehmigte das Großherzogliche Bezirksamt Durlach die Errichtung einer Façonschmiede und mechanischen Werkstätte. Die Gründer der Firma waren Ernst Wenz und August Roßwag. 1924 trat dessen Sohn, August Roßwag, als Lehrling in das väterliche Geschäft ein. Ein weiterer Schritt war im Jahr darauf (1925) der Neubau der mechanischen Werkstätte mitten in Kleinsteinbach (heute Teil der Gemeinde Pfinztal).

1972 wurde der gesamte Betrieb aus dem Ortsbereich verlegt; eine handgesteuerte Ringwalzanlage wurde 1979 in Betrieb genommen, die im Jahr 1984 durch ein numerisch gesteuertes Ringwalzwerk ersetzt wurde. In den späten 90er Jahren entstand eine Fertigungshalle für den Bereich der mechanischen Zerspanung.

Seit 2000 wurden der Erweiterungsbau für Schmiede, Wärmebehandlung und Sägerei eingeweiht und außerdem ein zusätzliches Ringwalzwerk in Betrieb genommen. Der Neubau des Verwaltungsgebäudes wurde 2008 abgeschlossen. Ebenfalls im Jahr 2008 fand der Neubau der Fertigbearbeitung statt. Seit 2009 kann das Unternehmen mit einer neuen hydraulischen Presse Teile mit bis zu 4 Tonnen Gewicht bearbeiten.

Rosswag EngineeringBearbeiten

2014 wurde eine neue Division unter der Bezeichnung Rosswag Engineering gegründet.[3] Die Mitarbeiter in diesem Bereich beschäftigen sich mit dem additiven Fertigungsverfahren Metall-3D-Druck (Selektives Laserschmelzen, SLM). Hierfür wurde eine SLM 280 HL der Firma SLM Solutions Group AG angeschafft und in Betrieb genommen. Anfang 2017 wurden zwei SLM 280 HL mit Doppel-Laser-System beschafft. Ende 2016 wurde zudem für den Bereich ein Neubau auf dem Betriebsgelände errichtet und Anfang 2017 eingeweiht. [4]

IndustriebereicheBearbeiten

Rosswag entwickelte in der über 100-jährigen Schmiedetradition Aktivitäten in zahlreichen Industriebereichen. Im Anlagen- und Kraftwerksbau finden sich ebenso Bauteile wie in den Bereichen Offshore-Windparks, Motorsport sowie in der Luft- und Raumfahrt. Daneben ist das Unternehmen auch im Sektor Energietechnik mit Bauteilen präsent. Im Intercity-Express (ICE) der Deutschen Bahn wie in der Ariane-Rakete der ESA oder im neuen Airbus A380 finden sich Bauteile, die bei Rosswag hergestellt werden.

Das Unternehmen ist unter der Marke Edelstahl Rosswag mit über 100-jähriger Schmiedetradition aber auch bei historischen Produkten aktiv. Die Klöppel für die wieder errichtete Frauenkirche in Dresden wurden hier ebenso gefertigt wie der 380 kg schwere Klöppel für die Gloriosa im Erfurter Dom. Dazu entwickelte das Unternehmen einen speziellen Feinkornbaustahl (RSK 100), der Glocken (meist aus Bronze) beim Auftreffen des Klöppels weniger mechanisch beansprucht und somit eine längere Lebensdauer ermöglicht. Weitere nennenswerte Auftragsarbeiten im Bereich der Glockenklöppel waren im Jahr 2011 ein neuer Klöppel für die Pummerin im Wiener Stephansdom sowie Schmiedearbeiten an einem neuen Klöppel für die St. Petersglocke des Kölner Domes.[5] 2016 wurden 15 neue Klöppel für die Glocken im Freiburger Münster geschmiedet.[6] 2017 wurde der Klöppel für die Kathedrale der Erlösung des rumänischen Volkes in Bukarest geschmiedet.[7]

Die Division Rosswag Engineering baut auf diesem traditionellen Geschäftsbetrieb auf und erschließt darüber hinaus neue Industriebereiche wie den Werkzeug- und den Sondermaschinenbau. Der Fokus liegt in der Beratung, Prozess- und Produktentwicklung im Bereich des Metall 3D-Drucks und nicht ausschließlich auf der Fertigung von Großserienbauteilen. 

PrämierungenBearbeiten

Das Unternehmen beteiligt sich regelmäßig an Wettbewerben. Folgende Erfolge sind zu verzeichnen (Stand 2017).

2016 erhält das Unternehmen den Deutschen Rohstoffeffizienzpreis 2016 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Eingereicht wurde ein Gemeinschaftsprojekt von Edelstahl Rosswag und Rosswag Engineering, bei dem Schmiedereste zu Metallpulver recycelt werden. Damit werden anschließend auf geschmiedete Grundkörper komplexe, funktionsoptimierte Strukturen aufgebaut, wodurch ein hybrides Schmiede-SLM-Bauteil entsteht. Bei der Preisverleihung am 16. Februar 2017 wurde das Unternehmen als eines von fünf Gewinnern ausgezeichnet.[8]

Mit dem Hybridbauteil ForgeBrid erreichte die Rosswag GmbH das Finale des deutschen Innovationspreises 2016.[9]

Im Oktober 2016 wurde die Rosswag GmbH als eines der 100 ressourceneffizienten Betriebe von Baden-Württemberg ausgezeichnet. Bei dem eingereichten Projekt handelte es sich ebenfalls um die innovative Fertigungskette hinter dem ForgeBrid.[10]

Im April 2016 erhält Rosswag den „ThinKing-Preis“ von Leichtbau BW, für die Leichtbaulösung des Monats April.[11]

Rosswag erhielt 2012 die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg[12] und 2018 den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.edelstahl-rosswag.de/impressum/index.php
  2. Rosswag GmbH: Historie | Rosswag GmbH. Abgerufen am 10. April 2017.
  3. Fallstudie: Rosswag | SLM Solutions. Abgerufen am 10. April 2017.
  4. Rosswag Engineering: Eröffnung des Rosswag InnovationsCentrums (RIC) - 3Druck.com. In: 3Druck.com - Das Magazin für 3D-Drucktechnologien. 27. Februar 2017 (3druck.com [abgerufen am 10. April 2017]).
  5. Cologne Digital Medienproduktion GmbH, Köln: Der Hohe Dom zu Köln - Kathedrale und Weltkulturerbe – Gebaut für Gott und die Menschen. (koelner-dom.de [abgerufen am 10. April 2017]).
  6. dnw: Klöppel für Freiburger Münster kommen aus dem Pfinztal. In: regio-news.de. (regio-news.de [abgerufen am 10. April 2017]).
  7. Spezialschmiede Rosswag in Pfinztal: Ein Klöppel für die größte Glocke der Welt | Karlsruhe | SWR Aktuell. In: swr.online. (swr.de [abgerufen am 10. April 2017]).
  8. BGR – Preisträger. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 1. März 2017; abgerufen am 10. April 2017.
  9. Innovationspreis 2016: Diese Unternehmen kämpfen um den Titel. Abgerufen am 10. April 2017.
  10. Baden-Württemberg sucht: 100 Betriebe für Ressourceneffizienz | Preisträger | Pure BW Portal. Abgerufen am 10. April 2017.
  11. ThinKing April - Hybrid kombiniert Vorteile von Schmieden und Selektivem Laserschmelzen » Leichtbau BW. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 10. April 2017; abgerufen am 10. April 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.leichtbau-bw.de
  12. Schmid verleiht Wirtschaftsmedaille an Persönlichkeiten aus der Südwest-Wirtschaft. (baden-wuerttemberg.de [abgerufen am 10. April 2017]).

Koordinaten: 48° 57′ 28,5″ N, 8° 32′ 34,2″ O