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Die Direct Line Insurance Group ist eine britische Versicherungsgesellschaft, die im Jahr 2012 durch den Verkauf der Versicherungssparte der Royal Bank of Scotland (RBS) im Rahmen eines Börsengangs gegründet wurde.

Direct Line Insurance Group
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gehandelt als GB00BY9D0Y18
Hauptsitz Bromley, England, Vereinigtes Königreich
Schlüsselpersonen Mike Biggs

Paul Geddes[1]

Produkte Allgemeine Versicherungen, Finanzen
Einnahmen £ 3.202,8 million (2016)[2]
Betriebsergebnis £ 390,2 million (2016)[2]
Nettoeinkommen £ 278,8 million (2016)[2]
Zahl der Angestellten 10.000 (2017)[3]
Tochtergesellschaften Direct Line

Churchill Green FLag Privilege NIG

Website www.directlinegroup.com

Bis 2013 war die Direct Line Insurance Group Teil der Royal Bank of Scotland (RBS). Am 12. März 2013 wurde bekannt, dass die RBS ihren Mehrheitsanteil an Direct Line durch einen Verkauf von 15,3 Prozent ihrer Aktienanteile aufgegeben hat. Im Oktober 2012 hatte sich die RBS bereits von 30 Prozent ihrer Anteile getrennt. 2014 trennte sich die RBS von den letzten Anteilen der Direct Line Insurance Group.

Das Unternehmen besitzt eine Reihe von Tochtergesellschaften, darunter Direct Line und Churchill, die verschiedene Versicherungsprodukte anbieten, sowie den Pannenhilfe- und Fahrzeugverwertungsanbieter Green Flag.

Die Gruppe ist an der Londoner Börse notiert und ist Bestandteil des FTSE 100 Index.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das Unternehmen wurde ursprünglich 1985 von Peter Wood und Martin Long mit 20 Millionen Pfund als Versicherungsabteilung der Royal Bank of Scotland Group (RBS) gegründet. Es war die erste Versicherung in Großbritannien, die direkt per Telefon verkaufte.[4] Das Unternehmen war auch der erste britische Versicherer, der sein Büro abends und am Wochenende öffnete und der erste, der eine 24-Stunden-Hotline anbot.[5] Die Versicherungsgesellschaft wuchs durch Werbung in der nationalen Presse, im Fernsehen und im Marketing für RBS-Kunden. 1990 brachte das Unternehmen ein Maskottchen in Form eines roten Telefons auf Rädern auf den Markt, das schnell einen hohen Wiedererkennungswert bei den Verbrauchern gewann.[6]

Mit einer Reihe neuer Ableger expandierte das Unternehmen in den 1990er Jahren. 1995 hat Linea Direct, ein spanischer Ableger, eine Kfz-Versicherung in Spanien angeboten. 1996 gab es Erweiterungen in Form von Reiseversicherungen, 1997 Haustierversicherungen und Direct Line Breakdown bietet seit 1998 eine Pannenversicherung an. 1993 starteten Direct Line Financial Services ihr erstes Produkt abseits von Versicherungen: Direct Line Personal Loan. Im folgenden Jahr begannen sie, Hypotheken anzubieten. Ab 1995 verkaufte Direct Line Life Lebensversicherungen, 1996 lancierte das Unternehmen Sparkonten und ab 1998 bot es auch Renten an. Die erste Website des Unternehmens, directline.com, wurde 1999 lanciert. Die Neuerungen erstreckten sich bis in die 2000er Jahre: mit der Einführung der ersten Online-Registrierung und -Verfolgung von Versicherungsansprüchen für Kfz-Versicherte im Jahr 2001 und der 2003 eingeführten Notfallversicherung Home Response 24.[7]

Im September 2012 kündigte Paul Geddes, der Vorstandsvorsitzende der Gruppe, an, dass das Geschäft "als eigenständiges Versicherungsunternehmen betrieben wird", bevor die RBS Group in der Zukunft vollständig veräußert wird.[8] Die Gesellschaft wurde im Oktober 2012 Gegenstand eines Börsengangs (IPO).[9] RBS verkaufte einen Anteil von 30 Prozent und weitere 17 Prozent im März 2013, wodurch sich die Beteiligung an der Gesellschaft auf 48,5 Prozent verringerte.[10] Im September 2013 veräußerte RBS weitere 20 Prozent[11] und im Februar 2014 den Rest seiner Beteiligung.[12] Direct Line Group wurde zur Muttergesellschaft der Direct Line Insurance Ltd sowie einer Reihe weiterer Tochtergesellschaften, wie Churchill Insurance. Das Unternehmen traf Anfang 2010 auch einige harte finanzielle Entscheidungen, darunter die Aufgabe einiger Geschäftszweige, die Entlassung von Mitarbeitern und die Schließung von 14 ihrer 27 britischen Büros.[13]

Im September 2014 wurde bekannt gegeben, dass Mapfre die italienischen und deutschen Unternehmen von Direct Line für einen Betrag von 550 Millionen Euro übernehmen würde.[14]

Direct Line DeutschlandBearbeiten

Direct Line war ab 2002 mit dem berühmten Logo, dem roten Telefon, auch auf dem deutschen Versicherungsmarkt tätig. Davor war das Unternehmen als Allstate Direct (1996 bis 2002) aktiv. Bei der Übernahme von Mapfre im Jahr 2014 war Direct Line Deutschland mit einem Marktanteil von etwa 13 Prozent, einem Prämienaufkommen von 251 Millionen Euro und fast 600.000 Kunden die drittgrößte deutsche Kfz-Direktversicherung.[15] Seit dem 14. Juni 2017 heißt die deutsche Gesellschaft Verti Versicherung AG.

ProdukteBearbeiten

2002 startete das Unternehmen mit dem Vertrieb von Kfz-Versicherungsprodukten (Kfz-Haftpflicht-, Teilkasko- und Vollkaskoversicherung sowie Schutzbrief- und Kfz-Unfallversicherung) und führte in Deutschland erstmals den Zweitwagentarif ein. Der Zweitwagen profitiert dabei von den guten „Prozenten“ (Schadenfreiheitsklasse) des Erstwagens.[16] Im Jahr 2005 erweiterte Direct Line ihr Produktangebot um die Verkehrs-Rechtsschutzversicherung, 2006 folgten Privat-Rechtsschutz- und Privat-Haftpflicht-Versicherung.[17] 2007 sind die Motorradversicherung und der Zweitwagentarif für die Motorradversicherung als neue Produkte hinzugekommen.[18] Im Jahr 2009 erweiterte Direct Line seine Produktpalette um den Rabattschutz „Nix-Passiert-Tarif“, der nun ebenfalls für eine Vollkaskoversicherung galt. Dabei hat der Kunde einen Unfall pro Jahr frei und wird in der Schadenfreiheitsklasse nicht zurückgestuft. Außerdem ist die neue Familienschutzversicherung „Kind & Kegel“ mit vielen Sonderleistungen hinzugekommen. Sie schließt alle Mitfahrer, egal ob Mensch oder Haustier, in den Versicherungsschutz mit ein.[19] Mit dem im Jahr 2009 eingeführten „12 für 10“ Neuwagenrabatt war Direct Line zudem der erste Kfz-Versicherer, der auf die Einführung der Umweltprämie zur Unterstützung der Automobilindustrie reagiert hatte.[20] Seit 2010 bietet Direct Line eine weitere Innovation für seine Kunden: Als eine der ersten deutschen Versicherungen führten sie eine kostenlose Auto-Unfall-App ein.[21]

UmsatzentwicklungBearbeiten

Seit 2002 machte Direct Line auf dem deutschen Versicherungsmarkt einen imposanten Aufschwung mit. Die britische Direct Line Group selbst hatte bereits einiges vorgelegt und im Jahr 2002 einen Gewinn vor Steuern von 355 Millionen Pfund erreicht, 36 Prozent mehr als im Jahr zuvor.[22] Die deutsche Direct Line steigerte seine Bruttobeitragseinnahmen von gut 60 Mio. Euro aus dem ersten Jahr über 75 Mio. Euro im Folgejahr bis hin zu 91 Mio. Euro im Jahr 2004.[23] Auch die weiteren Jahre verzeichneten einen Erfolgskurs. 2008: Nach sechs Jahren am deutschen Markt konnte der Versicherer die Bruttobeitragseinnahmen auf 127,9 Mio. Euro erweitern – ein erneutes Wachstum um 8,4 Prozent zum Jahr davor. Der Policenbestand erhöhte sich zudem auf über 400.000 Stück.[24] Um weitere 10 Prozent stiegen die Bruttobeitragseinnahmen im Jahr darauf, auf 140 Mio. Euro.[25] Zum zehnjährigen Jubiläum im Jahr 2012 glänzte das Unternehmen mit über 350 Mitarbeitern und über 450.000 versicherten Fahrzeugen.[26] Noch im selben Jahr ging die Direct Line Insurance Group plc an die Börse.[27] 2014 übernahm der spanische Finanzdienstkonzern Mapfre die deutsche Direct Line.[27] Im selben Jahr stellt die Direct Line Versicherung AG einen Rekord auf: Zum Geschäftsjahr 2014 stiegen die Bruttobeitragseinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 15 % von 217,9 Millionen auf 250,7 Millionen Euro.[28] Im Jahr 2015 stiegen sie weiter auf 277 Mio. Euro.[27]

2011 2012 2013 2014 2015 Veränderung 2015 zum Vorjahr in %
Gebuchte Brutto-Beiträge (in Mio. EUR) 162,0 171,3 216,4 250,1 277,3 10,9
Anzahl der Verträge (in Tsd. Stück) 883 931 1.125 1.223 1.339 9,5
Anzahl der Angestellten (Durchschnitt pro Jahr) 350 358 390 404 430 6,4

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. "Board". Direct Line Group. 2012. Abgerufen am 12. Dezember 2017.
  2. a b c Annual Report & Accounts 2016. Direct Line Group. Abgerufen am 12. Dezember 2017 (PDF).
  3. "Group profile". Direct Line Group. Abgerufen am 12. Dezember 2017.
  4. Teresa Hunter: Halifax opens fire in motor cover war. In: The Telegraph (online). 10. Januar 2001, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  5. Superbrands case studies: Direct Line Archived (01.03.2004) In: Wayback Machine. Campaign. Abgerufen am 12.12.2017.
  6. Superbrands case studies: Direct Line Archived (01.03.2004) In: Wayback Machine. Campaign. Abgerufen am 12.12.2017.
  7. Royal Bank of Scotland - Heritage - Companies - Direct Line Archived (2013) In: Wayback Machine. RBS.com. Abgerufen am 12.12.2017.
  8. Direct Line nears RBS separation. In: BBC.com. 3. September 2012, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  9. Direct Line IPO 'priced to go' at 175p. In: The Telegraph (online). 11. Oktober 2012, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  10. Steve Slater: RBS races ahead with Direct Line sell-off. In: Reuters.com. 13. März 2013, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  11. RBS makes £630m from sale of 20% of Direct Line. In: BBC.com. 20. September 2013, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  12. RBS set to make £1bn from remaining Direct Line stake. In: BBC.com. 26. Februar 2014, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  13. Matt Scott: Inside a turnaround: The Direct Line story. In: Managers.co.uk. 14. März 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  14. Paul Day, Karen Rebelo: Spain's Mapfre to buy Direct Line's German, Italian units for $700 million. In: Reuters.com. 25. September 2014, abgerufen am 12. Dezember 2017 (englisch).
  15. Mapfre schließt den Erwerb von Direct Line in Deutschland und Italien ab. In: presseportal.de. 29. Mai 2015, abgerufen am 12. Dezember 2017.
  16. Neue Kfz-Versicherung auf dem deutschen Markt (20.02.2002) In: presseportal.de. Abgerufen am 13.12.2017.
  17. Direct Line erweitert Produktangebot. Neue Produktlinien in Privat-Haftpflicht und Privat-Rechtsschutz (04.10.2006) In: presseportal.de. Abgerufen am 13.12.2017
  18. Freiheit, Freizeit, Fahrspaß. Direct Line führt Motorradversicherung ein. Günstig mit Zweitfahrzeug-Tarif versichern (08.05.2007) In: presseportal.de. Abgerufen am 13.12.2017.
  19. Neue Produkte bei Direct Line: Mit dem Familienschutz "Kind & Kegel" und dem Nix-Passiert-Tarif für Vollkasko sicher in den Herbst (06.10.2009) In: presseportal.de. Abgerufen am 13.12.2017.
  20. Der Jahresbericht 2008 ist da: Wachstum trotz Krise, neue Strukturen und innovative Produkte bei der Direct Line (16.07.2009) In: presseportal.de. Abgerufen am 13.12.2017.
  21. Auf der Überholspur: Direct Line Deutschland feiert 10-jähriges Jubiläum (29.02.2012) In: presseportal.de. Abgerufen am 13.12.2017.
  22. Direct Line Group 2002 erneut mit Rekordergebnis. Gewinn um 36 Prozent auf 355 Millionen Pfund gesteigert. In: presseportal.de. 23. April 2003, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  23. Autoversicherer Direct Line weiter auf Erfolgskurs. Über 20 Prozent Prämienwachstum. In: presseportal.de. 3. März 2005, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  24. Der Jahresbericht 2008 ist da: Wachstum trotz Krise, neue Strukturen und innovative Produkte bei der Direct Line. In: presseportal.de. 16. Juli 2009, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  25. Jahresbericht 2009: Direct Line stärkt erneut Position im Markt. In: presseportal.de. 19. August 2010, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  26. Auf der Überholspur: Direct Line Deutschland feiert 10-jähriges Jubiläum. In: presseportal.de. 29. Februar 2012, abgerufen am 14. Dezember 2017.
  27. a b c Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2015. In: verti.de. Abgerufen am 14. Dezember 2017 (PDF).
  28. Rekord im Neugeschäft: 15 Prozent Einnahmeplus bei Bruttobeiträgen. Vorsteuerergebnis verdreifacht. In: presseportal.de. 16. März 2015, abgerufen am 14. Dezember 2017.