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Deutscher Hochseesportverband HANSA

Segelverein

Der Deutsche Hochseesportverband HANSA e. V. (DHH) ist ein gemeinnütziger Verein, der auf Segelausbildung ausgerichtet ist. Er hat rund 16.000 Mitglieder.

Deutscher Hochseesportverband HANSA e. V.
(DHH)
DHH Deutscher Hochseesportverband Hansa e. V. Logo.svg
Zweck: Förderung des Segelsports, der internationalen Jugendbegegnung und des Mitgliedersegelns
Vorsitz: Hans-Christian Bentzin
Geschäftsführer: Lutz-Henning Müller
Gründungsdatum: 1925
Mitgliederzahl: > 16.000[1]
Sitz: Hamburg
Website: www.dhh.de

Inhaltsverzeichnis

BetätigungsfeldBearbeiten

Der Verein betreibt zwei Segelschulen:

Zur DHH-Flotte gehören mehr als 200 Boote, vom einfachen Ausbildungsboot bis zu großen seegängigen Yachten. Der DHH beschäftigt rund 30 festangestellte Mitarbeiter und 500 ehrenamtliche Saisonsegelausbilder aus dem Mitgliederkreis. Er bietet Kurse an den Segelschulen für alle Sportbootführer- und Sportschifferscheine, Fernkurse (u. a. auch für die Funkzeugnisse), Segelferien und Trainings an und veranstaltet Segeltörns in vielen Revieren weltweit.

11 Zweigstellen in Deutschland und eine in Wien widmen sich hauptsächlich der Theorieausbildung im Winter; 18 Seglertreffs[4] veranstalten gesellige Abende. Nach Angaben des Vereins nehmen jährlich 6.000 Segler an diesen Veranstaltungen teil. Nach Abschluss ihrer Ausbildung in den verschiedenen Praxis- und Theoriekursen legen jährlich über 1.200 Teilnehmer erfolgreich ihre Segelscheinprüfungen ab.

Der DHH ist als gemeinnützig anerkannt. Er fördert den Segelsport, die internationale Jugendbegegnung und das Mitgliedersegeln. Im Jahr 2011 initiierte er den European Sailing Academies Cup, bei dem jährlich Ausbilderteams renommierter Segelschulen in Regatten gegeneinander antreten. Die Regattagruppe des DHH ist als Segelverein Mitglied des Deutschen Segler-Verbandes. Die Yachtschule in Glücksburg ist immer wieder Veranstaltungsort für die Prüfung zur DSV-Segellehrerlizenz oder auch für Regatten im Rahmen der deutschen Segel-Bundesliga.

Der DHH finanziert sich aus den Kursgebühren, Mitgliedsbeiträgen und privaten Spenden. Letztere werden primär dazu eingesetzt, die Flotte der eigenen Ausbildungsschiffe und die Infrastruktur an den Yachtschulen zu erhalten bzw. zu modernisieren. So wurden mit der Anschaffung von zahlreichen Yachten, mit Umbauten an der CYS in den vergangenen Jahren große Investitionen umgesetzt; an der HYS wurde im November 2017 der Bau einer neuen Bootshalle fertiggestellt.

Sowohl der Verein, als auch seine Regattagruppe werden seit 1997 von der Eberhard Wienholt-Stiftung[5] unterstützt. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Hochsee-Segelsport im Bereich der Ausbildung Jugendlicher zu fördern.

GeschichteBearbeiten

Der Verein wurde im Jahr 1925 von Adolf Lebrecht von Trotha, als 1. Vorsitzendem[6], aus Mitteln des Ruhrfonds als klandestine „wehrsportliche Schulungseinrichtung“[7] der Reichsmarine gegründet und war ab 1934 Teil des Reichsbunds Deutscher Seegeltung.[8] Bereits in den Anfangsjahren stand die Ausbildung der deutsch gesinnten jungen Leute[9] unter dem Motto: „Unbedingte Unterordnung, Pflichttreue und Pünktlichkeit“. Ab dem Jahr 1933 verlor der militärische Schulungszweck seine Priorität; das Damensegeln wurde mehr und mehr popularisiert, und der Verein baute eine enge Kooperation mit der NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude (KDF) auf.[10] Die KDF-Organisation konnte auf die Segelschulen und hochseetauglichen Yachten des DHH zugreifen, und im März 1938 wurde der Verein korporativ der Kraft durch Freude eingegliedert.[11] Adolf von Trotha blieb 1. Vorsitzender bis zum Jahr 1940.

Auch beim Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg war der militärische Ausbildungsstil bis in die 1970er Jahre vorherrschend. Mitte der 1960er Jahre war der Konteradmiral Bernhard Rogge 1. Vereinsvorsitzender; Schulleiter der Hanseatischen Yachtschule war von 1953 bis 1958 der ehemalige Schnellboot-Kommodore Rudolf Petersen. Im Jahr 1974 verwahrte sich der DHH gegen die Unterstellung eines paramilitärischen Ausbildungsstils: „Daß wir ein Kommißverein sind, das ist kompletter Unsinn, den Kommißton gibt es bei uns schon lange nicht mehr.“[12]

SelbstdarstellungBearbeiten

Bei der Darstellung seiner Vergangenheit setzt der DHH auf ein reputationsorientiertes, geschöntes Geschichtsbild und feiert regelmäßig seine jeweiligen Jubiläen unter Beteiligung der Presse; die NS-Zeit wird dabei übersprungen. Offenbar musste der Verein in dieser Zeit gar nicht „gleichgeschaltet“ werden, wie in der Vereinszeitschrift Der Blaue Peter 2013[13] behauptet wird, wenn sowohl der 1. Vorsitzende von Trotha als auch der Geschäftsführer Rudolf Niemann[14][15] NSDAP-Parteigenossen waren; Niemann war auch in der Zeit von 1956 bis 1967 wieder Geschäftsführer[16]. In scheinbar unpolitischen Retrospektiven werden diese Tatsachen nach wie vor verdrängt {Blauer Peter Januar 2019: „Wer den DHH damals „beauftragt“ hat, sagt die Chronik nicht. (Ich kann es mir denken – aber das ist ein anderes Kapitel in der Geschichte des DHH.)“}. Die Behauptung in der Presseerklärung vom Juli 2015, der DHH sei bei seiner Gründung gemeinnützig gewesen[17], ist falsch - auch ein Mythos; ein militärischer Zweck gehört nicht zu den förderungswürdigen Zielen[18]. Im Widerspruch zu den oben genannten Tatsachen lautete die Presseinformation anlässlich seines 85-jährigen Bestehens zum 29. September 2010: „Vor allem junge Menschen für den Segelsport begeistern, sie kompetent ausbilden und ihnen persönlichkeitsbildende Werte vermitteln: Das waren die Ziele bei der Gründung des DHH im Jahre 1925.“

PublikationenBearbeiten

Der Verein ist Herausgeber des Buches Seemannschaft, Handbuch für den Yachtsport. Die 1. Auflage erschien 1929 unter dem Titel Seemannschaft. Handbuch für Segler und Motorbootfahrer für den Unterricht an der Hanseatischen Yachtschule Neustadt in Holstein. Die 2. Auflage von 1932 hatte den Titelzusatz „mit Einschluß der terrestrischen Navigation“. Ab der 8. Auflage 1955 wurde der Untertitel zu Handbuch für Segler verkürzt und 1969 mit Erscheinen der 13. Auflage in Handbuch für den Yachtsport geändert. 2016 erschien die 31. Auflage.

Von 1960 bis 1976 hat der DHH Das kleine Handbuch der Seemannschaft für Binnensegler in sechs Auflagen herausgegeben.

Der Blaue PeterBearbeiten

 
Signalflagge P, Namensgeber der Mitgliederzeitschrift

Der Blaue Peter ist die Mitgliederzeitschrift des Vereins. Sie erscheint viermal jährlich. Der Titel leitet sich vom Blauen Peter – der Signalflagge P – ab, der, wenn ein Schiff ihn setzte, ansagte, es werde binnen 24 Stunden den Hafen verlassen – wichtig für Lieferanten, die noch Außenstände einzutreiben hatten sowie für Mannschaftsmitglieder auf Landurlaub. Seit 2011 beinhaltet Der Blaue Peter die Beilage Segeln extra bzw. Segeln kompakt.

  • 1925–1929: Nachrichten des Deutschen Hochseesportverbandes Hansa e. V. bzw. Mitteilungen …. [5 Jahrgänge]
  • 1930–1933: Der Blaue Peter. Zeitschrift für Segeln und Seefahrt. Organ d. Deutschen Hochseesportverbandes Hansa e. V. und seiner Yachtschulen. [Jahrgang 6 bis 9]
  • 1934–1939: Die Flagge. [gilt als Parallelausgabe des Blauen Peter, Jahrgang 10 bis 15]
  • ab 1953: Der Blaue Peter. Autorisierte ISSN 0006-4637. [2013 = 70. Jahrgang; der DHH zählt aber 2013 den 68. Jahrgang]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutscher Hochseesportverband HANSA e.V. www.dhh.de, abgerufen am 20. Januar 2019.
  2. Hanseatische Yachtschule (HYS): Portrait - Die größte Segelschule Deutschlands. In: www.dhh.de. Abgerufen am 31. Oktober 2016.
  3. Chiemsee Yachtschule (CYS): Portrait. In: www.dhh.de. Abgerufen am 31. Oktober 2016.
  4. DHH-Programm 2017. Abgerufen am 1. Februar 2017.
  5. dizk Organisationsprofil: Eberhard Wienholt-Stiftung. In: kulturfoerderung.org. Deutsches Informationszentrum Kulturförderung, abgerufen am 26. Januar 2017.
  6. Vereinsbroschüre 1931 online
  7. Die Flagge 3, 1938
  8. Hansa, Deutsche Schiffahrtszeitschrift 1934, S. 1355 online
  9. Yacht Nr. 19, 1925, S. 42 online
  10. Yacht Nr. 14, 1935 S. 6 online
  11. Rüdiger Hachtmann in Frank Becker, Ralf Schäfer (Hrsg.): Sport und Nationalsozialismus. Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1923-3, S. 44
  12. Yacht 1974 Nr. 12 S. 112 online
  13. Der Blaue Peter 2013 Nr. 1 S. 34 online
  14. Yacht 1936 Nr. 3 S. 22 online
  15. Die Flagge 1935 Nr. 5 S. 2 archive.org
  16. Der Blaue Peter 2014 Nr. 4 S. 12 online
  17. 90 Jahre DHH, 90 Jahre HYS Glücksburg. In: dhh.de. Deutscher Hochseesportverband HANSA e. V., 28. Juli 2015, abgerufen am 23. Dezember 2016.
  18. §52 Abgabenordnung