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Dehqān (auch Dihqān, Mittelpersisch Dahigān) ist die historische Bezeichnung für lokale adelige Landbesitzer im spätantiken Sassanidenreich und noch im frühislamischen Persien.

Diese Gruppe stellte nach den Reformen des Perserkönigs Chosrau I. Mitte des 6. Jahrhunderts das militärische und fiskalische Fundament des Sassanidenreichs dar. Als relevante soziale Gruppe erscheinen sie erst in spätsassanidischen sowie später dann in neupersischen und frühislamischen Quellen. Dieser kleinere Landadel ist nicht mit dem Hochadel zu verwechseln, der ebenfalls und vor allem über wesentlich größeren Landbesitz verfügte. Chosrau I. wies den Dehqāns eine wichtige und zudem erbliche Funktion bei der Bewältigung lokaler Aufgaben zu, vor allem bei der Steuererhebung, wobei die Bauern ihren Anweisungen zu folgen hatten. Dehqāns stellten damit eine örtliche staatliche Verwaltung dar, auf die sich der König stützen konnte.

Im Verlauf der arabischen Expansion nahm die Bedeutung der Dehqāns noch zu, da sie nach dem Zusammenbruch der sassanidischen Reichsverwaltung auf lokaler Ebene oft der einzige politische Akteur waren. In den Quellen erscheinen sie als wichtige Ansprechpartner für die (zunächst kaum ausgeprägte) arabische Reichsverwaltung in den Gebieten des ehemaligen Sassanidenreichs. Sie schlossen mit den muslimischen Eroberern teils Verträge bzw. Vereinbarungen ab. Sie waren weiterhin für die Steuererhebung verantwortlich, ebenso für Instandhaltungsarbeiten und die Landkultivierung.

Gleichzeitig pflegten Dehqāns aber auch ihr persisches kulturelles Erbe, das ganz wesentlich von sassanidischen Traditionen geprägt war. Sie wirkten in diesem Zusammenhang als zentrale persische Kulturvermittler gegenüber den neuen muslimischen Herren, was bei diesen einen teils starken Eindruck hinterließ. Nicht wenige folgende arabische Herrscher (teils auch auf lokaler Ebene) erschien die Pracht des Sassanidenreichs als Vorbild (siehe Samaniden und Abbasiden). Ebenso bewahrten sie viele ältere persische Erzählungen unterschiedlichster Art. Diese flossen wiederum folgenden Generationen im iranische Kulturraum zu. Das persische Nationalepos Schāhnāme des Firdausi ist ohne diese Vermittlungstätigkeit kaum vorstellbar, der Dehqāns oft als seine Quelle angibt.

Im 11. Jahrhundert verloren sie zunehmend an Einfluss, bevor sie als politisch relevante soziale Gruppe verschwanden. In späterer Zeit wurden mit diesem Begriff im persischsprachigen Raum schlicht Landwirt/Bauern bezeichnet.

LiteraturBearbeiten

  • Aḥmad Tafażżolī: Sasanian Society. New York 2000, S. 38ff.
  • Aḥmad Tafażżolī: Dehqan. In: Encyclopædia Iranica. Band 7 (1996), S. 223–226.