Das Lächeln einer Sommernacht

Film von Ingmar Bergman (1955)

Das Lächeln einer Sommernacht (Originaltitel: Sommarnattens leende) ist eine in Schwarzweiß gedrehte schwedische Filmkomödie von Ingmar Bergman aus dem Jahr 1955. Der Film war Bergmans erster großer internationaler Erfolg.[1]

Filmdaten
Deutscher TitelDas Lächeln einer Sommernacht
OriginaltitelSommarnattens leende
ProduktionslandSchweden
OriginalspracheSchwedisch
Erscheinungsjahr1955
Länge108 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieIngmar Bergman
DrehbuchIngmar Bergman
ProduktionAllan Ekelund
MusikErik Nordgren
KameraGunnar Fischer
SchnittOscar Rosander
Besetzung
Synchronisation

HandlungBearbeiten

Schweden im Sommer 1901.[2] Der Anwalt Frederik Egerman kommt gut gelaunt nach Hause und kündigt seiner 19-jährigen Frau Anne, mit der er in zweiter Ehe verheiratet ist, mit ihr ins Theater zu gehen. Obwohl sie bereits seit längerem verheiratet sind, ist die Ehe zwischen den beiden noch nicht vollzogen. Fredrik hat aus erster Ehe den Sohn Henrik, einen angehenden Theologiestudenten, der unglücklich in seine Stiefmutter verliebt ist und sich daher mit der sinnlichen jungen Familiendienerin Petra abzulenken versucht. Anne liebt heimlich aber auch Henrik, der ihr in Alter und Weltsicht näher steht als der mittelalte, zynische Fredrik.

Im Theater wird ein Stück gespielt, in dem Frederiks einstige Geliebte Desiree Armfeldt die Hauptrolle spielt. Die beiden hatten eine zweijährige Affäre nach dem Tod von Fredriks Frau, die Desiree schließlich beendet hatte. Im Theater will Anne noch vor dem Ende nach Hause, denn sie begreift, dass ihr Mann, der sie im Halbschlaf „Desiree“ genannt hatte, noch immer in die Schauspielerin verliebt ist. Frederik bringt Anne nach Hause, doch kehrt er heimlich wieder ins Theater zurück, um noch einmal mit Desiree zu sprechen. Sie lädt ihn zu sich nach Hause ein.

Auf dem Weg zu Desiree fällt Frederik in eine Pfütze. Seine Kleider werden von Desiree zum Trocknen aufgehängt, sie gibt ihm Nachthemd und Morgenmantel. Ein Junge kommt herein, Desirees Sohn: Dieser trägt den Namen Fredrik und wurde kurz nach dem Ende ihrer Affäre geboren, aber Desiree verrät dem Anwalt nicht endgültig, ob er der Vater ist. Später kommt Desirees aktueller Liebhaber, der aufbrausende Militäroffizier Graf Malcolm. Er zwingt Frederik, nur mit dem Nachthemd bekleidet nach Hause zu gehen. Am nächsten Tag berichtet Graf Malcolm berichtet seiner Ehefrau Charlotte von seiner Affäre und ordnet sie an, Anne von der angeblichen Untreue ihres Ehemannes zu erzählen. Charlotte liebt ihren Ehemann trotz seiner außerehelichen Affären und stattet Anne Bericht ab. Beide Frauen wundern sich über den Charakter von Desiree, die offenbar problemlos Männer unter ihren Einfluss bringen kann.

Desiree lädt unterdessen am Mittsommerfest die beiden Ehepaare Malcolm und Egerman sowie Frederiks erwachsenen Sohn Henrik auf den Landsitz ihrer Mutter ein. Der Gräfin Malcolm verspricht sie, dass sie ihren Mann zurückbekäme, denn sie wolle es noch einmal mit Frederik versuchen. Nach einem Streit mit seinem Vater will sich Henrik erhängen, kommt aber versehentlich an einen Mechanismus, der Annes Bett im benachbarten Zimmer in sein Zimmer befördert. Die beiden schlafen miteinander und fahren in der Sommernacht mit einer Kutsche davon, unterstützt durch die Dienerin Petra, die inzwischen eine stürmische Beziehung mit Frid, einem Diener der Armfeldts, begonnen hat. Frederik sucht Trost bei der Gräfin, woraufhin Desiree den Grafen alarmiert. Dieser fordert Frederik zum russischen Roulette heraus. Als Frederik abdrückt, löst sich ein Schuss, doch er bleibt unverletzt – der Graf hatte die Waffe nur mit Ruß geladen. Das Aristokratenpaar versöhnt sich und Desiree kümmert sich um Frederik.

Im Verlauf der Weißen Nacht scheinen sich die Dilemmas der vier Liebespaare aufgelöst zu haben – Frid erzählt Petra von den drei Lächeln der Sommernacht: das erste Lächeln scheint für die wenigen wirklich Liebenden, das zweite Lächeln für die meisten Menschen, die Liebe vortäuschen oder sich einbilden, das dritte schließlich für die Unglücklichen und Traurigen.

HintergrundBearbeiten

Produktion und FilmstartBearbeiten

Das Lächeln einer Sommernacht entstand zwischen Juni und August (mit zwei zusätzlichen Drehtagen im November) 1955 in den Råsunda Filmstudios in Filmstaden, Solna, feierte am 26. Dezember desselben Jahres seine schwedische Premiere und startete am 31. Januar 1958 in den deutschen Kinos.[3][4]

Die Schauspielerinnen Birgitta Valberg und Bibi Andersson, die auch in anderen Bergman-Filmen spielten, sind kurz als Mitschauspielerinnen von Desiree auf der Bühne zu sehen.

Position in Bergmans WerkBearbeiten

Der Film war der vierte und erfolgreichste in einer Reihe von für Bergman ungewohnt komödiantischen Arbeiten, in denen er das Gespann Eva Dahlbeck/Gunnar Björnstrand zusammenbrachte; angefangen mit der „Fahrstuhlepisode“ aus Sehnsucht der Frauen (1952) und fortgesetzt mit Lektion in Liebe (1954) und Frauenträume (1955). Der internationale Erfolg des Films und seine Auszeichnung auf den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1956 ermöglichten Bergman, sein Wunschprojekt Das siebente Siegel bei Carl Anders Dymling, Leiter der Filmproduktionsgesellschaft Svensk Filmindustri, durchzusetzen.[5]

Deutsche FassungBearbeiten

Der Film wurde 1965 anlässlich der deutschen Wiederaufführung von der Berliner Synchron GmbH neu synchronisiert.[6][7]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Anne Egerman Ulla Jacobsson Marianne Lutz
Desirée Armfeldt Eva Dahlbeck Edith Schneider
Petra Harriet Andersson Heidrun Kussin
Charlotte Malcolm Margit Carlqvist Sabine Eggerth
Fredrik Egerman Gunnar Björnstrand Holger Hagen
Carl Magnus Malcolm Jarl Kulle Lothar Blumhagen
Frid Åke Fridell Martin Hirthe
Henrik Egerman Björn Bjelfvenstam Thomas Danneberg
Frau Armfeldt Naima Wifstrand Ursula Krieg
Köchin Beata Jullan Kindahl Anneliese Würtz
Malla Gull Natorp Elfe Schneider

KritikenBearbeiten

„Ingmar Bergmans um die Jahrhundertwende angesiedelte Gesellschaftskomödie zeigt sich inspiriert von Schnitzler und Strindberg, nimmt darüber hinaus Bezug auf ShakespearesSommernachtstraum‘, dessen heiter-melancholischer Tonfall allerdings mit einem Schuß Bitterkeit versetzt wird. Eine elegant inszenierte Studie über die Wechselbeziehungen zwischen Vernunft und Eros, Sinnlichkeit und Askese.“

Auszeichnungen (Auswahl)Bearbeiten

NachwirkungBearbeiten

Der US-amerikanische Komponist Stephen Sondheim schrieb 1973 gemeinsam mit Hugh Wheeler das Musical A Little Night Music, das auf Bergmans Film basiert. 1977 entstand wiederum eine Filmversion des Musicals, ebenfalls unter dem Titel Das Lächeln einer Sommernacht.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einführung zu Das siebente Siegel auf der Webseite der Ingmar-Bergman-Stiftung, abgerufen am 9. Juli 2012.
  2. John Simon: Smiles of a Summer Night: Midsummer Merry-Go-Round. Abgerufen am 10. April 2020 (englisch).
  3. Das Lächeln einer Sommernacht auf der Webseite der Ingmar-Bergman-Stiftung, abgerufen am 9. Juli 2012.
  4. a b Das Lächeln einer Sommernacht im Lexikon des internationalen FilmsVorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet.
  5. Hauke Lange-Fuchs: Ingmar Bergman: Seine Filme – sein Leben, Heyne, München 1988, ISBN 3-453-02622-5, S. 110–121.
  6. Das Lächeln einer Sommernacht auf Filmstarts.de, abgerufen am 27. Juli 2012.
  7. Das Lächeln einer Sommernacht auf Synchrondatenbank.de, abgerufen am 9. Juli 2012.