Das Kind und der Schulmeister

Das Kind und der Schulmeister (franz. L’Enfant et le Maître d’école) ist die 19. Fabel im ersten Buch der Fabelsammlung von Jean de La Fontaine.[1] Nicht alle seine Fabeln befassen sich mit Tieren. Wie in dieser kommen manchmal auch Kinder darin vor.

L’enfant et le maître d’école

In Enfant et le maître d’école bittet ein Kind, das in den Fluss fiel, einen vorbeikommenden Schulmeister um Hilfe. Doch der als ein „gewisser Dummkopf“ vorgestellte Lehrer protestiert zuerst einmal wichtigtuerisch gegen das Bitten des Jungen. Er bedauert dessen Dummheit und drückt sein Mitleid mit denen aus, die sich um solche Kinder kümmern müssen, bevor er das Kind endlich in Sicherheit bringt.

Entgegen der Erziehungsmethoden seiner Zeit schlägt sich La Fontaine auf die Seite der Kinder, er verurteilt nicht die Nachlässigkeit des Kindes, sondern die lächerliche Pedanterie des Erwachsenen. La Fontaine macht jedoch deutlich, dass Schulmeister hier nicht das einzige Ziel seiner Satire sind, sondern dass diese Anekdote eine allgemeine Kritik an mehr Leuten als man denkt ist, für ihren selbstgerechten und selbstverherrlichenden Wortreichtum, denn diejenigen, die am meisten sprechen, sind nicht unbedingt diejenigen, denen zuzuhören sich lohnt. Ähnlich stellt der Dichter in seiner Fabel L’Alouette et ses petits, avec le maitre d’un champ die gereizte Stimme des Bauern der rationalen, beruhigenden Stimme des Muttervogels gegenüber.[2]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jean de La Fontaine (übersetzt von Ernst Dohm): Lafontaine's Fabeln. S. 43–44, abgerufen am 4. Juli 2020.
  2. Penelope E. Brown: A Critical History of French Children's Literature: Volume One: 1600–1830. Routledge, 2008, ISBN 978-1-135-87201-4, S. 61 (google.de [abgerufen am 4. Juli 2020]).