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Citybike Wien

Fahrradverleihsystem in Wien
Citybike-Verleihstation auf der Schönbrunner Brücke

Das Citybike Wien ist ein großflächig angelegtes Fahrradverleihsystem in Wien, das vom Werbeunternehmen Gewista betrieben wird. Ziel dieses an der Idee des Gratisrads angelehnten Systems ist es, den Umstieg auf das Fahrrad für kürzere und mittlere innerstädtische Wege zu erleichtern und das Angebot öffentlicher Verkehrsmittel zu ergänzen.

EntwicklungBearbeiten

Im Jahr 2001 wurde die Schaffung eines Gratisrad-Systems nach Kopenhagener Vorbild vereinbart, das jedoch zunächst scheiterte. Das 2002 gestartete, Viennabike genannte Projekt wurde von einem privaten Verein betrieben, der sich über Werbung auf den Fahrrädern und Zuschüssen von der Stadt Wien finanzierte. Im ganzen Bereich innerhalb des Gürtels wurden Fahrradständer errichtet, an denen mit einer Zwei-Euro-Münze als Pfand ein Fahrrad entriegelt werden konnte – genau nach dem gleichen System, wie es aus vielen Supermärkten mit Einkaufswagen bekannt ist. Die öffentlichen Appelle der Betreiber, die Gratisräder „fair“ zu benutzen, gingen aber nicht auf: Schon nach wenigen Wochen waren von den anfänglich 1500 Fahrrädern kaum noch welche in den Verleihstationen anzutreffen. Obwohl die Fahrräder einfach gehalten (drei Gänge) und mit auffälligen Werbetafeln versehen waren, ließen egoistische Benutzung, gepaart mit Vandalismus und Fahrraddiebstahl das Projekt scheitern. Mitarbeiter des Betreibers gingen noch ein paar Wochen auf Jagd nach zweckentfremdeten Viennabikes in Hinterhöfe und in die Außenbezirke (die Aufrufe, entwendete Viennabikes zu melden, wurden von einigen Seiten prompt als „Aufruf zur Denunziation“ kritisiert), bis die Fahrräder zu einer „Winterpause“ eingezogen wurden, aus der sie nicht mehr zurückkehrten. Die verbliebenen 1230 Fahrräder wurden im Internet versteigert.

In der Folge entwickelte sich ein politischer Disput, ob die Subventionen von 600.000 Euro durch die Stadt Wien für dieses Projekt gerechtfertigt waren. Bei der Suche nach einem alternativen Ersatzsystem erhielt das Werbeunternehmen Gewista, das in einem Naheverhältnis zur Stadt Wien steht, den Zuschlag. Im Jahr 2003 wurde das Citybike Wien vorgestellt.

Seit 2007 steht Citybike Wien das ganze Jahr über ohne Winterpause zur Verfügung.[1]

Im April 2006 registrierten die Citybike-Zentralrechner während Schönwetterperioden über 10.000 Fahrten pro Woche.

Im Juli 2013 wurde mit 129.279 Fahrten eine neue Rekordmarke zurückgelegt, dies entspricht einer Steigerung von 45 Prozent im Vergleich zum selben Nutzungszeitraum von 2012 mit dem Citybikes. Im September 2013 verfügte das System über insgesamt 2.750 Boxen an 111 Stationen und 1.300 Fahrrädern. Am weiteren Ausbau in den westlichen Innenbezirken und den Anschlüssen an neue Universitätsgebäude wie z. B. der Wirtschaftsuniversität wird gearbeitet (Stand: September 2013).

Im Dezember 2014 wurde mit der Eröffnung der 120. Station der vorläufige Endausbau erreicht und es sind vorerst keinen weiteren Stationen geplant.

Damit konnte die Prognose aus dem „Mobil in Wien Masterplan Verkehr 03/08“ S. 7 (2. Auflage; Stand 2010) mit 2.500 Fahrrädern nicht gehalten werden. Die Anzahl der Stationen wurde hingegen um eins übertroffen.

Auffallend ist, dass sich die Verteilung der Räder am Abend nach den Außenbezirken verlagert. Morgens sind oftmals bei den Fahrradständern der Innenbezirke kaum Fahrräder vorhanden.

FunktionsweiseBearbeiten

 
Verleih-Terminal

Gegen eine einmalige Anmeldegebühr von 1 Euro (anfangs zwei Euro), welche allerdings bei der ersten kostenpflichtigen Nutzung gut geschrieben wird, kann an Selbstbedienungsstellen mit Berührungsbildschirm rund um die Uhr an derzeit (März 2018) 121 Standorten ein Fahrrad ausgeliehen werden. Die Rückgabe erfolgt an jedem beliebigen Standort. Die Lage der Standorte, welche wie beim vorhergehenden System auf das zentrale Stadtgebiet beschränkt sind, die Anzahl der dort aktuell verfügbaren Räder und freien Bikeboxen (so werden die einzelnen Säulen genannt, an denen das Fahrrad verankert wird, um es gegen Diebstahl zu sichern, und die auch die Rückgabe eines Citybikes registrieren) kann von jedem Verleih-Terminal, aber auch über das Internet abgefragt werden.

Die Benutzung des Rades ist für die erste Stunde gratis. Die zweite Stunde kostet 1 Euro, die dritte 2 Euro, ab der vierten Stunde kostet es vier Euro. Bei Überschreitung von 120 Stunden oder Verlust des Fahrrades werden 600 Euro verrechnet.

Zur Vermeidung von Diebstahl und Vandalakten ist eine Identifizierung erforderlich, die mittels einer österreichischen Maestro-Karte (gemeinhin Bankomat-Karte genannt), internationalen Kreditkarten (Visa, MasterCard), der Citybike-Card, einem Mobiltelefon oder, speziell für Touristen, der Citybike Tourist Card erfolgen kann. Die meisten Benutzer nutzen die Bankomat-Karte (75 Prozent), gefolgt von Kreditkarten (17 Prozent), der Citybike-Card (fünf Prozent) und der Tourist Card (drei Prozent).[2] Zusätzlich muss bei jedem Entlehnvorgang ein bei der Anmeldung festgelegtes Passwort eingegeben werden. Bei der Rückgabe muss das Rad dann lediglich mit der vorgesehenen Halterung in einem Terminal einrasten. Eventuell anfallende Verleihgebühren können bei der nächsten Nutzung beglichen werden. Um kostenlose Fahrten über mehrere Stunden hinweg zu unterbinden, müssen zwischen zwei Entleihvorgängen mindestens 15 Minuten liegen. Nach einer internen Statistik enden 95 Prozent aller Fahrten innerhalb einer Stunde und damit kostenlos für den Nutzer, die durchschnittliche Entleihdauer beträgt 22,5 Minuten, die häufigste 10 Minuten.[2]

StatistikBearbeiten

In der nachfolgenden Tabelle werden die jährlichen Veränderungen aufgeführt. Der Quelle für die Fahrten und ungefähre Jahreskilometer Werten für 2003 bis 2018 laut Antwort auf Email-Anfrage[3].

Jahr Fahrräder Stationen Boxen Fahrten km Quelle
2003 214 12 4.689 19.039
2004 747 41 78.821 230.462
2005 874 48 199.380 568.308
2006 897 49 277.759 867.299
2007 1.015 54 336.787 1.077.190 [4]
2008 1.251 60 363.428 1.141.630
2009 1.282 61 397.778 1.317.111 [2]
2010 1.200 78 434.296 1.392.467 [5]
2011 1.200 92 2.176 571.334 1.876.979 [6]
2012 1.200 102 2.471 714.141 2.320.064 [7]
2013 1.300 111 2.750 790.084 2.579.111 [8][9]
2014 1.500 120 3.065 980.361 3.166.099 [10]
2015 1.500 121 3.097 1.014.532 3.287.588 [11][12]
2016 1.500 121 3.115 1.066.703 3.654.960 [13]
2017 ~1.500 121 1.013.369 3.464.740 [14]
2018 ~1.500 121 1.005.992 3.517.317 [15]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wien mit dem Citybike entdecken – Die interessantesten Routen zu Kultur, Natur und Genuss; Metro Citybook, Metroverlag 2014; ISBN 978-3-99300-171-1

WeblinksBearbeiten

  Commons: Citybike Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jubiläumsjahr 2018: Citybike Wien feiert 15-jähriges Bestehen (Memento des Originals vom 10. April 2018 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gewista.at In: gewista.at, 5. Februar 2018, abgerufen am 10. April 2018.
  2. a b c Citybike Wien, Presseinformation 1. Januar 2010
  3. Citybike Wien Antwort auf Email-Anfrage 2003 bis 2018
  4. Gewista Magazin – Eine Erfolgsstory – Citybike Wien
  5. Citybike Wien: Mit Vöslauer durch die Stadt - Gewista. Abgerufen am 5. Juli 2017.
  6. Jahresbilanz 2011 - Citybike Wien. Abgerufen am 5. Juli 2017.
  7. Jahresbilanz 2012 - Citybike Wien. Abgerufen am 5. Juli 2017.
  8. Jahresbilanz 2013 - Citybike Wien. Abgerufen am 5. Juli 2017.
  9. Citybike Wien - Nutzungsdaten 2013. Abgerufen am 2. Mai 2018.
  10. Jahresbilanz 2014 - Citybike Wien. Abgerufen am 5. Juli 2017.
  11. Jahresbilanz 2015 - Citybike Wien. Abgerufen am 20. April 2017.
  12. Citybike Wien - Nutzungsdaten 2015. Abgerufen am 2. Mai 2018.
  13. Jahresbilanz 2016 - Citybike Wien. Abgerufen am 20. April 2017.
  14. Jubiläumsjahr 2018: Citybike Wien feiert 15-jähriges Bestehen. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 10. April 2018; abgerufen am 7. Mai 2018.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/gewista.at
  15. Jahresbilanz 2018. Abgerufen am 31. Januar 2019.