Burg Stein (Thüringen)

Burgruine in Deutschland

Die Burg Stein ist eine abgegangene Höhenburg auf 401 m ü. NN in Nordwestthüringen oberhalb des Orts Lengenfeld unterm Stein im Unstrut-Hainich-Kreis.

Burg Stein
Burg Stein.jpg
Alternativname(n): Burg Bischofstein
Entstehungszeit: 1230 bis 1400
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Burgstall, Wälle und Gräben, Mauerreste
Ständische Stellung: Adlige, Klerikale, Herzog
Ort: Lengenfeld unterm Stein
Geographische Lage 51° 13′ 19″ N, 10° 12′ 23″ OKoordinaten: 51° 13′ 19″ N, 10° 12′ 23″ O
Höhe: 401 m ü. NN
Burg Stein (Thüringen)
Burg Stein

Geographische LageBearbeiten

Die Burg Stein befand sich auf dem Schlossberg unmittelbar nordwestlich von Lengenfeld etwa 15 km westlich von Mühlhausen und 10 km östlich der hessischen Kreisstadt Eschwege. Der komplett bewaldete Schlossberg (401,9 m) ist ein spornartiger Ausläufer der obereichsfelder Muschelkalkplatte am Uhlenstein (460,8 m). Die Burganlage selbst lag auf der äußersten Südwestspitze des Berges, die steilen Berghänge führen ins Effeldertal im Südosten, Friedatal im Süden und Bilztal im Nordwesten und Norden. Südlich am Fuße des Berges verläuft die Eisenbahnstrecke der ehemaligen Kanonenbahn, die heute als Draisinenstrecke genutzt wird und das im 18. Jahrhundert erbaute Schloss Bischofstein.

Von einer kleinen Abbruchkante an der Unteren Burg hat man eine Aussicht übers Friedatal bis zur Plesse und den Hülfensberg.

GeschichteBearbeiten

Das Gebiet um die Burg Stein war im Mittelalter Teil der Germarmark und geriet in Besitzansprüche zwischen den Landgrafen von Thüringen und den Grafen von Northeim.[1] Die Burg wurde vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut und hatte wechselnde Besitzer. Schriftlich erwähnt wurde sie unter anderem 1298 als castrum Steyn.[2] Anfangs erscheint nur der Name „Stein“, der aber auch bei anderen Burgen in Westthüringen und Nordosthessen vorkommt (Schloss Altenstein) und deshalb nicht immer der später Bischofstein genannten Burg zuzuordnen ist. Wahrscheinlich wohnte aber bereits ein Tuto de Lapide 1234 auf dem Felsen über Lengenfeld.

Erzbischof Gerhard I. von Mainz übertrug 1251 die Burg dem Edelherren Gottschalk von Plesse, der sie aber 1282 an Herzog Albrecht (der Lange) von Braunschweig verkaufen musste. Um 1300 gelangte die Burg an die Herren von Hardenberg, von denen sie Erzbischof Matthias von Buchegg 1326 zurückkaufte.[3] Bei dieser Gelegenheit wird auch das oppidum (Städtchen, Burgflecken) erwähnt, dessen Reste sich als Stadtwüstung unterhalb der Burg im Gelände erhalten haben. Ab dem 15. Jahrhundert wurde der Name Bischofstein gebräuchlich.[4] Im 17. Jahrhundert verfiel die Burganlage, wurde aber noch als Amtssitz benutzt.

Im 18. Jahrhundert wurde das heutige Schloss Bischofstein aus den Mauerresten der Burgruine Stein erbaut. Der Ort Lengenfeld unterm Stein hat seinen Namen von der Burg Stein. Auch ein in der Nähe liegender Felsvorsprung trägt den Namen „Stein“.

BurgmännerBearbeiten

Von den Besitzern der Burg wurden Burgherren oder Burgvögte zur Verwaltung von Burg und Gerichtsbezirk eingesetzt. Da die Burg zeitweise auch zwei oder mehrere Besitzer (auf der Oberburg und der Unteren Burg) gleichzeitig hatte bzw. Anteile verpfändet war, wohnten auch mehrere Burgherren zur gleichen Zeit auf dem Stein. Folgende Burgmänner sind nachweisbar:[5][6]

  • 1184 Berengar II., ein Bruder von Graf Ludwig III. von Lohra
  • 1251 Gottschalk von Plesse (Kurmainzer Burgmann)
  • 1282 Hugo von Stein
  • 1305 Konrad Arnold (Hardenbergscher Burgmann)
  • 1336 Dietrich und Hermann von Heringen
  • 1350 Reinhard Keudel
  • 1360 Eckert von Proyse neben anderen Rittern
  • 1364 Heinrich von Dingelstädt
  • 1364 Marold von Töpfer (Dopphirn)[7]
  • 1364 (nach?) Heinrich und Johann von Nazza (von der Necze)[8]
  • 1364 (nach?) Bertold von Volkerode, sein Vater und seine Brüder[9]
  • 1367 Otto und Johann von Ershausen (auf der unteren Burg)
  • 1380 Siegfried von Bültzingslöwen (die halbe Burg für 1574)
  • 1381 Gebrüder Eckard, Heinrich, Herdein und Appel von Proyse
  • danach Ulrich von Nesse, Herren von Volkerode, von Harstall
  • 1420 Herren von Ershausen
  • 1476 Herren von Hanstein

Stadt SteinBearbeiten

 
Standort der St. Georgskapelle innerhalb der Wüstung Stein

Am Fuße des Burgberges befand sich eine befestigte Siedlung, die vermutlich der Versorgung der Burg gedient hat. Die Siedlung war mit einer Mauer und Graben umgeben und direkt mit der Burg verbunden. Auf Grund der Hanglage unterhalb der Burg war die Bebauung auf Terrassen angelegt worden. Das „Oppidum“ war aber sicher keine Stadt im rechtlichen Sinne, sondern mehr ein befestigter Markt oder Wirtschaftshof. Archäologische Funde aus dem 13.–14. Jahrhundert befinden sich im Heimatmuseum Mühlhausen.[10] Auf einem Plateau befand sich die St. Georgs-Kapelle, ein Schuttwall deutet auf eine Größe von 15 × 5 Meter, unterhalb folgt ein weiterer Ringwall eines möglichen Friedhofes. Ein neuzeitlicher Friedhof besteht noch heute im unteren Bereich der Siedlung. 1420 wird die Burg und Stadt zum letztem Mal erwähnt. Wann die Siedlung aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Die Kapelle wurde 1611 wieder aufgebaut und im dreißigjährigen Krieg zusammen mit der Burg zerstört. Im Jahre 1708 wird die Kapelle in Zusammenhang einer kirchlichen Handlung erwähnt, danach wurde sie wohl abgebrochen.[11] Die Hagemühle im Friedatal gehörte ebenfalls zur Burg und der Stadt.

Das kurmainzische Amt BischofsteinBearbeiten

Nachdem die Mainzer Erzbischöfe die Burg und das Amt Stein erworben haben, wurde das kurmainzische Amt Bischofstein geschaffen. Zum Amt Bischofstein zählten die Dörfer Bebendorf, Diedorf, Döringsdorf, Ershausen, Faulungen, Geismar, Großbartloff, Heyerode, Hildebrandshausen, Katharinenberg, Krombach, Lehna, Misserode, Lengenfeld, Wilbich. 1583 wurden die Dörfer Frieda (ehemals eichsfeldisch) und Döringsdorf (ehemals hessisch) zwischen Kurmainz und dem hessischen Landgrafen getauscht. Weiterhin gehörten zum Amt Bischofstein unter anderem die heutigen Wüstungen Stadt Stein und Kubsdorf.[12] Ab dem 17. Jahrhundert wurde das benachbarte Amt Greifenstein vom Amt Bischofstein mit verwaltet. Nach Errichtung des Schlosses Bischofstein wurde die Burg Bischofstein komplett aufgegeben und die Verwaltung des Amtes in das Schloss verlegt.

Amtsleute waren in den Anfangsjahren unter anderem die Herren von Hanstein und von Bültzingslöwen, von Volkerode und Harstall. In späteren Jahren wurden Beamte des Kurfürsten eingesetzt. Die Behörde setzte sich aus folgenden Personen zusammen: dem Amtsvogt, dem Amtsrichter, dem Amtsaktuar, dem Amtsschreiber und dem Amtspedell. Dem Amt oblag auch die niedere Gerichtsbarkeit, auf dem Bischofstein befand sich auch ein Gefängnis.[4] Bis zur Aufgabe der Burg Stein sind folgende Burgherren und Amtsvögte bekannt:

 
Das kurmainzische Amt Bischofstein im Jahr 1759
  • 1532–1561 Kunz Gutjahr[13] (halbe Burgvogtei)
  • 1561–1574 Thomas Thombose[13] (halbe Burgvogtei)
  • 1574–1617 Philipp Falk[13] (ab 1574 immer die gesamte Burgvogtei)
  • 1617–1635 Johann Rabhun[13]
  • 1635–1660 Petrus Jodoci[13]
  • 1661–1663 Johannes Jodoci[13]
  • 1663–1675 Georg Wilhelm von Zwehl[13]
  • 1675–1706 Urban Ignaz Glesener[13]
  • 1708–1736 Karl Heinrich Helm[13]
  • 1736–1749 Johann Anselm Helm[13]

Adelsgeschlecht von SteinBearbeiten

Woher die Adelsfamilie von Stein stammte ist nicht bekannt, ob der im Jahre 1139 erwähnte Poppo von Stein[14] der hiesigen Burg Stein zugeordnet werden kann, ist nicht belegt. 1293 war ein Ritter Hugo von Stein als Burgvogt oder Ministeriale auf der Burg Stein eingesetzt. Darüber hinaus ist es möglich, das sich weitere Burgleute aus anderen Adelsfamilien nach der Burg benannten, auf der sie zeitweise wohnten. Weitere Namensträger sind:[15] (eine genaue Zuordnung zu einzelnen Adelsgeschlechtern ist nicht immer sicher möglich, da es im thür./hess. Grenzgebiet mehrere Burgen -stein gab)

  • Tuto (dictus de lapide) (1272)[16]
  • Henrich und (der oben genannte) Hugo von Stein (siegeln 1282)
  • Eberhard von Stein (1289), Propst in Dorla
  • Heinrich von Stein (de Lapide 1294), Scholaster am Marienstift in Erfurt, ein Bruder von Hugo (vermutlich der oben genannt)

LiteraturBearbeiten

  • Rolf Aulepp: Mittelalterliche Wüstungen im Eichsfelder Teil des Kreises Mühlhausen, (Wüstung Stadt Stein) – In: Eichsfelder Heimathefte Heft 1/1989, S. 89ff.
  • Rolf Aulepp: Mittelalterliche Wüstungen im Eichsfelder Teil des Kreises Mühlhausen, (Burg Stein) – In: Eichsfelder Heimathefte Heft 2/1989, S. 180ff.
  • Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen und Schlösser in Thüringen, Wartberg-Verlag Gudensberg 2000, S. 308–309.
  • Paul Grimm, Wolfgang Timpel: Die ur- und frühgeschichtlichen Befestigungen des Kreises Mühlhausen, Mühlhausen 1972, S. 51f.
  • Hans Patze, Peter Aufgebauer (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 9: Thüringen (= Kröners Taschenausgabe. Band 313). 2., verbesserte und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 50f.
  • Raymund Falk: Die Burg Bischofstein und ihre Beziehungen im Mittelalter. UE 1 (1992), S. 15–22.
  • Anton Fick: Lengenfeld/Stein und das Amt Bischofstein im Eichsfeld. Heiligenstadt 2006, 272 Seiten, 2 Pläne, ISBN 978-3-935782-12-8
  • Anton Fick: Schloss Bischofstein im Eichsfelde nach archivalischen und geschichtsliterarischen Quellen bearbeitet. I. Teil (Bis zum Jahre 1360), Selbstverlag Duderstadt 1959
  • Elmar Golland: Von der Burg Stein zum Bischofstein. In: EJb 12 (2004), S. 37–58.
  • Roland Pudenz: Die Türkensteuerlisten der kurmainzischen Ämter Bischofstein und Greifenstein von 1542. In: Eichsfeld-Jahrbuch 10 (2002), S. 119–130

WeblinksBearbeiten

 Commons: Burg Stein (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. [1] eichsfeld-archiv.de
  2. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1793, Band 2, 3. Abschnitt, Seite 3: "castrum Stein situm apud cenobium Sanktimonialium dictus Celle"
  3. Landgrafen-Regesten online Nr. 3218 (Kauf von Burg und Stadt Bischofsstein im Eichsfeld durch den Mainzer Erzbischof). Regesten der Landgrafen von Hessen. (Stand: 17. Februar 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. a b Nikolaus Görich: Das Amt Bischofstein. In: Unser Eichsfeld, Mecke Verlag Duderstadt 1921, Seite 7–9
  5. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819 (Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel, als Beitrag zu dessen Geschichte. §7 Seite 40)
  6. Verschiedene Seiten eichsfeld-archiv.de
  7. RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2770, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bdab2ad5-47e7-4f5d-b953-5fb77d6c702c (Abgerufen am 17. August 2017)
  8. RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2771, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bb0e30dd-dc98-4280-80a2-4033fa037866 (Abgerufen am 17. August 2017)
  9. RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 2774, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b2e0b5a1-383b-4ea1-80a9-92ba6484708d (Abgerufen am 17. August 2017)
  10. [2] eichsfeld-archiv.de
  11. Rolf Aulepp: „Mittelalterliche Wüstungen im Eichsfelder Teil des Kreises Mühlhausen.“ In: Eichsfelder Heimathefte, Hrsg. Pädagogisches Kreiskabinett Worbis, Eichsfelddruck Heiligenstadt 1988, Seiten 180ff.
  12. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 2, 3. Abschnitt, Seiten 5–8
  13. a b c d e f g h i j Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968
  14. [3] auf eichsfeld-archiv.de
  15. Johann Wolf: Eichsfeldisches Urkundenbuch nebst der Abhandlung von dem Eichsfeldischen Adel. Göttingen 1819, Seite 49
  16. Levin von Wintzingeroda-Knorr: Die Wüstungen des Eichsfeldes: Verzeichnis der Wüstungen, vorgeschichtlichen Wallburgen, Bergwerke, Gerichtsstätten und Warten innerhalb der landrätlichen Kreise Duderstadt, Heiligenstadt, Mühlhausen und Worbis. Göttingen (O. Hendel) 1903, Seite 117