Buddhistische Wirtschaftslehre

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Wie jede der großen Weltreligionen, so trifft auch der Buddhismus Aussagen zum wirtschaftlichen Handeln der Menschen, die sich aus seinen ethischen Lehren ergeben. Die buddhistische Wirtschaftslehre, auch als buddhistische Ökonomie bezeichnet, ist ein spiritueller Ansatz für die Wirtschaft. Buddha verkündete zahlreiche ökonomische Handlungsgebote, zum Beispiel nicht mit Fleisch, lebenden Tieren oder Waffen zu handeln. Es gab zudem recht präzise Empfehlungen für das Verhältnis von Ausgaben für eigene Zwecke, Gaben an andere und stets zu bildende Sparrücklagen. Auch vor Verschwendung und dem Schwelgen in Luxus wird in den Sutren gewarnt und ein rücksichtsvoller Umgang mit Menschen und Naturstoffen angemahnt. Gleichzeitig wird jedoch übertriebene Sparsamkeit und Geiz kritisiert. Wer über Mittel verfügt, soll sie nicht schatzbildnerisch horten, sondern sie stets in neue produktive Kreisläufe eintreten und damit auch anderen zugutekommen lassen. Zwischen den beiden Extremen der Hingabe an sinnliche Genüsse einerseits und selbstquälerischer Askese andererseits lehrt der Buddhismus den mittleren Weg. Während Buddha für das wirtschaftliche und soziale Handeln sowohl der Ordinierten als auch der Laien vor dem Hintergrund der alten indischen Gesellschaft eine ganze Reihe sehr konkreter Empfehlungen gab,[1] besitzt die moderne buddhistische Wirtschaftslehre vor dem Hintergrund globalisierter Gesellschaften (noch) kein theoretisches Fundament, aber es zeigen sich erste Ansätze.[2] Das buddhistische Verständnis der Wirtschaft versucht, Klarheit darüber zu schaffen, inwiefern Produktion und Verbrauch schädlich oder nützlich sind; letztlich soll dies zur Reifung des Menschen beitragen. Es geht darum, einen "mittleren Weg" zu finden zwischen einer rein weltlichen und einer extrem asketischen Lebensweise. Häufig wird die buddhistische Wirtschaftslehre als Gegenteil der westlichen Wirtschaftslehre gesehen, da nicht Wirtschaftswachstum im Vordergrund steht, sondern Einfachheit, Genügsamkeit und Gewaltlosigkeit. Die buddhistische Wirtschaftslehre ist vor allem eine Lehre von Absicht und Motivation im Wirtschaftshandeln, sie liefert aber kein alternatives Erklärungsmodell etwa der Produktion, des Güteraustausches auf Märkten oder der Preisbildung. Als Ethiklehre ist sie normativ im Sinne von Empfehlungen für das rechte wirtschaftliche Handeln als Teil des "rechten Lebenserwerbs" (ein Glied des Edlen Achtfachen Pfades).[3]

GeschichteBearbeiten

Der Begriff wurde 1955 von Ernst Friedrich Schumacher als „Buddhist Economics“ geprägt, während er sich als Wirtschaftsberater von Premierminister U Nu in Burma aufhielt. Seither verwenden ihn seine Anhänger und auch Autoren des Theravada-Buddhismus, wie z. B. Prayudh A. Payutto. Schumachers Aufsatz "Buddhistische Wirtschaftslehre" erschien erstmals 1966 in seinem Werk Asia: A Handbook und später auch in seinem bekannten Werk Die Rückkehr zum menschlichen Maß. Alternativen für Wirtschaft und Technik, das unter seinem englischen Titel Small Is Beautiful[4] bekannt wurde (auf Deutsch 1977 erschienen).[5]

Ansätze der buddhistischen WirtschaftslehreBearbeiten

Rationale Entscheidungen des Wirtschaftens sind nach dieser Auffassung nur möglich, wenn wir verstehen, wodurch Irrationalität entsteht. Wenn die Menschen begreifen, wodurch Verlangen entsteht, dann erkennen sie, dass aller Reichtum der Welt dieses Verlangen nicht befriedigen kann. Wenn die Menschen die Allgegenwart von Ängsten verstehen, entwickeln sie Mitgefühl gegenüber allem Lebendigen. Dieser spirituelle Ansatz der Wirtschaftslehre stützt sich nicht auf Theorien und Modelle, sondern auf die Anschauung der buddhistischen Lehre, wie z. B. Mitgefühl und Zurückhaltung.[6]

In der modernen westlichen Wirtschaftswissenschaften ist der Faktor "Arbeit" mit Kosten für die Arbeitgeberseite verbunden. Für Arbeitnehmer dient Arbeit der Lebenserhaltung. Nach der buddhistischen Sichtweise hat Arbeit drei Funktionen: Sie soll dem Menschen helfen, seine Fähigkeiten zu nutzen und zu entwickeln; sie soll ihm helfen, seine Ichbezogenheit zu überwinden, indem er sich mit anderen zu gemeinsamem Tätigkeiten zusammenschließt; und sie soll die Waren und Dienstleistungen hervorbringen, die für ein Dasein erforderlich sind.[7] Aufgrund dieser Funktionen kann das Ziel des Wirtschaftens nur Vollbeschäftigung sein und nicht Konsum sowie Gewinnmaximierung, die den Gütern einen höheren Rang als den Menschen einräumen, was zu Unmenschlichkeit führt.[4]

Im Gegensatz zum Materialisten, der Güter als höchsten Wert erachtet, sucht der Buddhist die Befreiung vom Reichtum, die er im "mittleren Weg" findet. Einfachheit und Gewaltlosigkeit sind die Kernelemente der buddhistischen Wirtschaftslehre.

Die Wirtschaft ist nach Ansicht der Buddhisten nicht zu trennen von anderen Wissensgebieten. Sie ist Bestandteil einer gemeinschaftlichen Anstrengung, die Probleme der Menschheit zu lösen. Dazu leistet die buddhistische Wirtschaftslehre ihren Beitrag zu gesellschaftlicher, individueller und ökologischer Genügsamkeit.

Unterschiede zur westlichen WirtschaftslehreBearbeiten

Die Grundgedanken der Einfachheit und Gewaltlosigkeit stehen im Gegensatz zu den Vorstellungen der westlichen Wirtschaftslehre, die eine permanente Gewinnmaximierung vorsieht und einen höheren Lebensstandards mit mehr Konsum verbindet. In der buddhistischen Wirtschaftslehre wird im Gegensatz dazu versucht, Güter mit möglichst geringen Mitteln und Arbeitsaufwand zu erstellen.[4]

Konsum gilt in der modernen Wirtschaftslehre als glücksverheißend. Dementgegen versucht die buddhistische Wirtschaftslehre, Leiden und Wünsche zu minimieren. Außerdem ist die Gedankenwelt der modernen Wirtschaftswissenschaft Ich-bezogen und auf die Eigeninteressen der einzelnen Individuen ausgerichtet. Konträr dazu gelten Großzügigkeit und Fürsorge für andere in der buddhistischen Lehre als befriedigend.[8] Die Buddhistische Ökonomie steht für Ganzheitlichkeit und ein achtsames Wirtschaftshandeln. Während die herkömmlichen Wirtschaftswissenschaften im menschlichen Begehrungsvermögen einen positiven Antrieb zu sinnlichen Lebensfreuden, Wohlstand, Reichtum und Glück sehen, erkennt der Buddhismus im Begehren die Wurzel allen Leidens und in der Überwindung menschlicher Begehrensstrukturen den Weg zu wahrem, bleibendem Glück und zu spiritueller Befreiung. Anstelle des Verlangens nach immer mehr steht das Ziel der Reinigung und Läuterung des Geistes.[9]

In diesem Zusammenhang steht das Bedürfnis der buddhistischen Wirtschaftslehre nach Nachhaltigkeit und Schonung der Umwelt sowie der Ressourcen. "Vom Standpunkt der buddhistischen Wirtschaftslehre her ist also die Produktion aus am Ort verfügbaren Mitteln für am Ort entstehende Bedürfnisse die vernünftigste Art des Wirtschaftslebens, während Abhängigkeit von Einfuhren, die von weither kommen, und die sich daraus ergebende Notwendigkeit, für die Ausfuhr an unbekannte und weit entfernt lebende Völker zu produzieren, in hohem Maße unwirtschaftlich und nur in Sonderfällen und in kleinem Rahmen zu rechtfertigen ist."[4] Ferner stellt die dauerhafte Verwendung begrenzter Ressourcen, wie z. B. Öl und Kohle, ein Gewaltakt gegen die Natur dar, der wiederum zu Ressourcenkämpfen und damit zu Gewalt unter den Menschen führt.[4]

Vertreter der buddhistischen WirtschaftslehreBearbeiten

Bhutans König Jigme Singye Wangchuck hat im Jahr 1972 das Bruttonationalglück in seinem Land eingeführt, das ein Gegenkonzept zum Bruttoinlandsprodukt darstellt. Im weitesten Sinn könnte man damit Bhutan als Staat bezeichnen, der versucht, der buddhistischen Wirtschaftslehre zu folgen.[10][11] Die "Glücksökonomie" ist jedoch ein schwieriges Unterfangen, das nicht unbedingt von Erfolg gekrönt ist. Das grundsätzliche Problem solcher Betrachtungen liegt in der fraglichen Annahme, dass Glück ein Ergebnis wirtschaftlichen Handels sei, darüber hinaus auch in der Schwierigkeit, Glücksgefühle in Geld zu messen. Heraus kommen dann oft Untersuchungen, wie zum Beispiel die von Betsey Stevenson und Justin Wolfers von der University of Pennsylvania aus dem Jahr 2008[12], die Glück mit Einkommenshöhe in Beziehung setzen und damit beispielsweise belegen wollen, dass sich in den Industrieländern die Höhe des Einkommens ab ca. 9.000 Euro nicht mehr signifikant auf das Glück aus(wirkt). In der ökonomischen Glücksbetrachtung bleibt zumeist offen, was Glück wirklich ist, bzw. was wirkliches Glück ist. Obwohl der Buddhismus danach strebt, dass alle Wesen glücklich sind, sieht die Lehre jedoch im (wirtschaftspraktischen) Handeln das vorrangige Ziel in der Vermeidung bzw. Verminderung des Leidens. Leiden ist eindeutiger zu bestimmen (d. h. „operationalisierbar“ in den Begriffen der Ökonomie) als Glück.[13]

In deutscher Sprache gibt es inzwischen eine Reihe von Veröffentlichungen zum Thema.[14][15] Darüber hinaus existieren auch zwei Websites mit praxisbezogenen Materialien für den Schulunterricht zu diesem Thema.[16]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Drechsler: The Reality and Diversity of Buddhist Economics. Working Papers in Technology Governance and Economic Dynamics, Nr. 69, 2016. [1] neuer Überblick.
  • Prayudh A. Payutto: Buddhistische Ökonomie. Mit der rechten Absicht zu Wohlstand und Glück. Fischer Media, Großenhain 1999, ISBN 978-3-85681-407-6.
  • Ernst Friedrich Schumacher: Small Is Beautiful: A Study of Economics As If People Mattered. Blond & Briggs, 1973, ISBN 978-0-06-091630-5.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Aussagen zum ethisch richtigen Wirtschaften finden sich vor allem in den folgenden Sutren (Pali: Sutta) bzw. Sammlungen: dem Agganna Sutra, Anguttara Nikaya, Dhana Sutra, Dhanajani Sutra, Digha Nikaya, Parabhava Sutra, Sakammapa Sutra, Samyutta Nikaya, Sigolavada Sutra, Suttanipatta, Ugga Sutra, Vasettha Sutra und dem Yygghapajja Sutra.
  2. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 5. Januar 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buddhistische-akademie-bb.de
  3. vgl. Wagner, Hans-Günter: Geld, Arbeit und Natur in der Buddhistischen Ökonomie, in: Zeitschrift für Sozialökonomie, 47. Jg. (Oktober 2012), 174/175. Folge, S.46–56, S. 46.
  4. a b c d e Ernst Friedrich Schumacher: Small Is Beautiful: A Study of Economics As If People Mattered. Blond & Briggs, 1973, ISBN 978-0-06-091630-5.
  5. http://www.52wege.de/buddhistische-wirtschaftslehre
  6. siehe zum Beispiel Naess, Arne (1989): Ecology, Community and Lifestyle - Outline of an Ecosophy. Cambridge; Macy, Joanna (1994): Die Wiederentdeckung der sinnlichen Erde. Wege zum ökologischen Selbst. Zürich und München.
  7. http://www.52wege.de/buddhistische-wirtschaftslehre
  8. Laszlo Zsolnai: Buddhist Economics for Business. (pdf) S. 1, abgerufen am 5. Januar 2016 (englisch).
  9. Wagner, Hans-Günter: Buddhistische Wirtschaftslehre, in: Buddhismus und Wirtschaft. Reihe sozial und ökologisch engagierter Buddhismus (Band 2) - hrsg. vom Öko-Büro Hanau, ISBN 3-921697-02-6, Hanau 2000, S. 5–12
  10. http://www.grossnationalhappiness.com/
  11. http://www.policyinnovations.org/ideas/briefings/data/000098/:pf_printable
  12. Betsey Stevenson & Justin Wolfers (2008): "Economic Growth and Subjective Well-Being: Reassessing the Easterlin Paradox," Brookings Papers on Economic Activity, Economic Studies Program, The Brookings Institution, Vol. 39(1), S. 1–102, Spring.
  13. siehe zum Beispiel Wagner, Hans-Günter: „Glücksökonomie“ statt Wachstumswahn?, in: Buddhismus aktuell, Ausgabe 1 (2011), S. 42–46.
  14. http://www.buddhanetz.org/texte/brodbeck_oekonomie.htm
  15. Karl-Heinz Brodbeck: Beiträge zur Grundlegung einer buddhistischen Ökonomie. (pdf) (Nicht mehr online verfügbar.) 2007, archiviert vom Original am 5. Januar 2016; abgerufen am 5. Januar 2016 (deutsch).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.buddhistische-akademie-bb.de
  16. http://kommundsieh.de/wirtsch.html; http://buddhismus-deutschland.de/unterrichtsmaterialien/