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Bristle Blasting (Verfahrensbezeichnung: Drahtspannstrahlen) ist ein Verfahren zur Bearbeitung metallischer Oberflächen mittels eines speziell entwickelten rotierenden und mit Drähten bestückten Bandes. Es wird angewendet, um Korrosion oder eine eventuell vorhandene Oberflächenbeschichtung zu entfernen und gleichzeitig eine Oberflächenreinheit und -rauheit zu erzeugen. Der Begriff Bristle Blasting deutet darauf hin, dass mit diesem Verfahren eine mit durch Sandstrahlen (blasting) bearbeitete vergleichbare Oberfläche erzielt wird, die jedoch durch das Aufschlagen von Borsten (bristles) anstelle Einsatzes eines Strahlmittels entsteht.

Inhaltsverzeichnis

PrinzipBearbeiten

Ein mit Drähten bestücktes Band (flexible Ringbürste) rotiert auf einem Werkzeugkopf eines pneumatisch oder elektrisch betriebenen, handgehaltenen Antriebsaggregates. Während der Rotation werden die Borsten über ein Hindernis (sog. Beschleunigungsstab) geführt, wodurch die Borsten im sie verankernden Trägermaterial zurückgebogen und somit gespannt werden. Durch das Spannen wird den Drahtborsten zusätzliche potenzielle Energie übertragen, die sich nach Passieren des Beschleunigungsstabs entlädt (d. h. in kinetische Energie umgewandelt wird), wodurch die Borsten mit erhöhter Aufprallkraft auf die Oberfläche des bearbeiteten Werkstücks auftreffen. Die Aufschlagenergie der Borstenspitzen ist mit derjenigen in Strahlprozessen vergleichbar.Unmittelbar nach dem Aufschlagen springen die Borstenspitzen zurück, wobei Korrosion, Zunder oder eine etwaig vorhandene Beschichtung entfernt und gleichzeitig ein winziger Krater auf der Oberfläche und damit eine Rautiefe erzeugt wird.[1][2]

Unterscheidung von rotierenden BürstbändernBearbeiten

Der Unterschied zu (schleifenden) Drahtbürstbändern liegt insbesondere in der Form sowie in der Art der Verankerung der Drahtborsten am Bandkörper. Im Gegensatz zu Bürstbändern, bei denen eine möglichst steife Verankerung erzielt werden soll, sind für den Prozess Bristle Blasting einzelne U-förmige Drahtborsten elastisch in einem Polyamidband befestigt. Die flexible Verankerung sowie die abgewinkelte Form der Drahtborsten bewirkt ein eher senkrechtes anstelle tangentiales Auftreffen der Borstenspitzen, wodurch die Borsten zurückprallen und anstelle eines Schleifmusters (Riefen) winzige Krater auf der Oberfläche erzeugen. Ein sogenannter Beschleunigungsstab spannt die Borsten und erhöht zusätzlich die kinetische Energie des Auftreffens der Borsten auf der Oberfläche.[3]

AnwendungsgebieteBearbeiten

Bristle Blasting wird vor allem zur Oberflächenvorbereitung metallischer Oberflächen vor dem Auftragen einer Korrosionsschutz-Beschichtung verwendet, wobei die Oberfläche gereinigt d. h. alte Beschichtung, Rost oder Zunder entfernt und gleichzeitig eine Rautiefe erzeugt werden soll. Auf Stahloberflächen ist mit Bristle Blasting üblicherweise ein Reinheitsgrad vergleichbar Sa 2 ½ bis Sa 3 zu erreichen; die Rautiefe wird als Sekundarrauheit erzeugt, d. h. überlagert eine etwaig vorhandene primäre Oberflächenstruktur. Aufgrund der im Vergleich zu anderen Strahlverfahren langsameren Arbeitsgeschwindigkeit (ca. 1,1 m² pro Stunde – abhängig von Material und Beschaffenheit der Oberfläche) kommt das Verfahren vor allem für punktuelle Reparaturen zum Einsatz oder dort, wo aufgrund gesetzlicher oder sicherheitstechnischer Bestimmungen der Einsatz von Sandstrahlen nicht erlaubt ist. Einsatzgebiete finden sich unter anderem in der Öl- und Gas-Industrie (Reinigen und Aufrauen von Schweißnähten), Reparaturarbeiten und Wartung von Stahlkonstruktionen an Offshore-Anlagen im Brücken-, Schiff- und Stahlwasserbau.[4]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten