Boris Yoffe

russischer Komponist

Boris Yoffe (geboren am 21. Dezember 1968 in Leningrad) ist Komponist.

Boris Yoffe (2014)

LebenBearbeiten

Yoffe emigrierte 1990 aus Russland nach Israel und zog 1997 nach Deutschland. Seine Kompositionslehrer waren Adam Stratievsky und Wolfgang Rihm. Yoffes Kompositionen wurden in den EU-Ländern, der Schweiz, Israel, Russland und USA aufgeführt; Rundfunkaufnahmen (BBC, SWR, Radio France, DRS, Israelische Rundfunk) und CDs dokumentieren seine Arbeit. Yoffe war Stipendiat verschiedener Stiftungen; im Jahr 2000 erhielt er den Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Yoffe ist auch Autor von zahlreichen Arrangements und Bearbeitungen, sowie von einigen musikwissenschaftlichen und philosophischen Essays.

Seine nächsten „musikalischen Verwandten“ unter den modernen Komponisten sind wahrscheinlich Galina Ustwolskaja, Morton Feldman und Juri Chanon;[1] man könnte aber auch seine Musik als eine Art Opposition zur etablierten „neuen Musik“ wahrnehmen. Die zentralen Mittel sind die Formbildung und die Polyphonie. Wichtig ist auch die Auseinandersetzung mit der Musik des Barock und der Klassik; fast völlig vernachlässigt sind die Virtuosität sowie die Arbeit mit den Klangeffekten.

„… Boris Yoffe hat bei mir Komposition studiert und ist sicher einer der begabtesten und eigenwilligsten Erscheinungen unter den Komponisten seiner Generation. Seine Arbeiten zeichnen sich durch außergewöhnliche Konzentration aus. Sein Klangsinn ist außerordentlich, aber nicht im Sinne gefälliger Klanggewandung, sondern aus den Linienzügen heraus entwickelt. Das ist heute sehr selten. Neben seiner kompositorischen Arbeit ist Yoffe ein hochsensibler Instrumentalist und ein tiefsinniger Theoretiker.[2]

Wolfgang Rihm, Komponist, laut Yoffes Webseite

Yoffe hat diverse Aufsätze, Essays und Schriften verfasst und publiziert. Im Jahr 2012 erschien . Yoffe behandelt hier in sechs Essays u. a. die musikalische Semantik, die Verwendung von „fremden“ musikalischen Material (Zitate) und die Notenschrift.[3]

Nach umfassenden Recherchen über sowjetische Musik erschien 2014 Im Fluss des Symphonischen. Das Buch gehört zu den wenigen umfassenden Schriften in deutscher Sprache über die Musik der Sowjetunion, wie der Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov in seinem Beitrag in Musik & Ästhetik feststellte.[4][5]

Musikalische WerkeBearbeiten

An dem Quartettbuch der Gedichte, einem „Work in progress“, begann Yoffe im Jahr 1995 zu schreiben. Es ist eine Sammlung von kurzen Stücken für Streichquartett oder auch Gambenconsort, zu der fast an jedem Tag ein neuer Beitrag entsteht. Das Quartettbuch ist so etwas wie ein Stamm, von dem sich fast alle andere Kompositionen Yoffes verzweigen. Meistens sind dies instrumentale und vokale Kammermusikwerke, die Yoffe als Auftragskompositionen für bestimmte Musiker oder Musikinstitutionen schrieb:

 
Boris Yoffe, 2000
  • Sonnet (Lautespieler) für Gamba solo,
  • Baum für Fagott solo,
  • Oratio de hominis dignitate für Gitarre
  • 6 Entwürfe für Sonate de Vinteuil für Geige solo,
  • Leicht, aber mit Hingabe für Geige solo,
  • Volksweise für Geige solo,
  • 6 Entwürfe für Cello solo,
  • Klagenspiel für Blockflöte solo,
  • Sonata ricercata für Klavier,
  • Bagatellen für Klavier
  • Essay für Geige und Klavier,
  • 9 Widmungen für Geige und Klavier
  • Caprichos für Cello und Gitarre,
  • Bracha für Blockflöte und Cembalo,
  • Rede für Klarinette, Bratsche und Klavier,
  • Aria für Streichtrio,
  • Romanze für Klaviertrio,
  • Bagatellen für drei Blockflöten,
  • Meisterwerke der naiven Malerei für Bratsche, Cello und Kontrabass,
  • Nachtmusik (Kirchenfenster bei Nacht) für Horn, zwei Celli und Kontrabass
  • Tanka für vier Celli,
  • 16 Stücke für Harfe, Flöte, Oboe und Bass-Klarinette
  • Ich durste! für Geige, Bratsche, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott
  • Variationen für Streichquartett, Klavier, Flöte, Bassetthorn und Tuba
  • Air and Angels (Donne) für Sopran und Chor
  • Russische Musik (Platonov) für Alt und Bläserquintett,
  • Stopping by Woods on a Snowy Evening (Frost) für Gesang und Streichquartett
  • Mein Gebet (F. Schubert) für Gesang, Oboe, Geige und Cello,
  • Volksweise (Rilke) für Gesang, Flöte und Harfe,
  • VIER, ein Liederzyklus für Mezzosopran und drei Instrumente: Villon – Mandelstamm - Ise Monogotari, Kapitel I - Der Herr der Burg
  • 3 Canzoni für Geige und Streicher,
  • Kommentare für ein zweites Cello auf die Ricercari für Cello solo von Domenico Gabrielli
  • Kadenzen für das Klavierkonzert KV. 537 von W. A. Mozart
  • Kinderstück Von Prinzen, Prinzessinnen für Sprecher und Orchester

OrchesterwerkeBearbeiten

  • Motette für Geige und Orchester (UA: 2005, Patricia Kopatschinskaja, Baden-Badener Philharmonie)

OpernBearbeiten

  • Esther de Racine, für vier Sänger und sieben Barock-Instrumente (UA: 2006, Ensemble Muscadin, Basel)
  • Madame Lenin, für vier Sänger
  • Die Geschichte von dem Rabbi und seinem Sohn, nach der Erzählung von Rabbi Nachman aus Brazlaw.

Daneben existieren zahlreiche Bearbeitungen von Yoffe, unter anderem eine Kammermusikfassung von Bizets Oper Carmen.

BuchveröffentlichungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Boris Yoffe. «Die absteigende Treppe — herauf» (Bekenntnis-Entwurf. Skizze).
  2. offizielle Webpräsenz «borisyoffe.de»: über Boris Yoffe
  3. Musikalischer Sinn – Inhaltsverzeichnis. Abgerufen am 7. Oktober 2018.
  4. Jascha Nemtsov: »Das Erwachen der Musik« - Eine Entdeckungsreise durch die sowjetische Symphonie. In: Ludwig Holtmeier, Richard Klein, Eckehard Kiem, Claus-Steffen Mahnkopf (Hrsg.): Musik & Ästhetik. Heft 73. Klett-Cotta, Stuttgart 2015, S. 100–107.
  5. Boris Yoffe: Im Fluss des Symphonischen - Inhaltsverzeichnis. Abgerufen am 7. Oktober 2018.