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Bewehrung

Verstärkung eines Objekts durch ein anderes
Bewehrung eines Brückenpfeilers der Talbrücke Brünn

Bewehrung oder Armierung bezeichnet die Verstärkung von Betonbauteilen zur Erhöhung der Tragfähigkeit. Dabei handelt es sich um einen Verbundwerkstoff.

Die bekannteste Anwendung ist der im Stahlbeton eingegossene Bewehrungsstahl. Auch die Einbettung von Geotextilien im Erdbau zur Herstellung von bewehrter Erde gewinnt an Bedeutung.

Die Bewehrung in diesen Beispielen erhöht jeweils die Widerstandsfähigkeit des Materials gegenüber Zugspannungen. Im weiteren Sinne kann eine Bewehrung auch gegen Schlag-, Biege- und Druckbelastungen oder andere Umwelteinflüsse wirksam werden.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Begriffe Armierung oder Bewehrung kommen aus der Militärtechnik, wo eine Bewaffnung (franz. armement) ebenso wie eine Befestigungsanlage zur Verstärkung bzw. zur Abwehr von Angriffen dient.

Bewehrungen im BauwesenBearbeiten

Beton ist relativ druckfest, reißt jedoch, wenn er durch Zugkräfte oder Biegemomente belastet wird. Er wird daher durch Baustahl (Bewehrungsstahl bzw. Betonstahl), sowie neuerdings durch Glasfasern (AR-Glas aus alkaliresistenter Faser) oder Kohlenstofffasern (Carbon) verstärkt, die in der Lage sind, die Zugkräfte aufzunehmen. Der resultierende Verbundwerkstoff wird als Stahlbeton bzw. Textilbeton bezeichnet.

Vor der Verlegung der Bewehrung wird ein Bewehrungsplan erstellt. Vorfabrizierte Betonstahlmatten können Zugkräfte in zwei Richtungen aufnehmen und erleichtern das Verlegen. Die Bewehrung kann zur Aufnahme von Zugkräften (meistens aus Biegung bzw. Biegezug) oder von Druckkräften angeordnet werden (z. B. in hochbelasteten Stützen). Wird die Bewehrung vor der Aushärtung des Betons mechanisch vorgespannt, spricht man von Spannbeton.

Die Verwendung von GFK-Bewehrungsstäben, sowie Glasfaser- oder Kunstfasergeweben ist zurzeit noch auf spezielle Anwendungen beschränkt, ebenso wie die Zumischung von kurzen Stahl-, Kunststoff- oder Glasfasern bei der Herstellung von Faserbeton. Anschlüsse an bestehende Stahlbetonbauteile durch nachträglich eingemörtelte Bewehrungsstäbe, bezeichnet man als Bewehrungsanschluss. Eine sichere Verbindung wird durch die Verwendung hochfester Verbundmörtel erreicht.

Im Tunnelbau werden unter anderem Spritzbeton (etwa bei der Neuen Österreichischen Tunnelbaumethode) und Anker eingesetzt, im Erdbau, auf Rutschhängen oder beim Umweltschutz verschiedene Geotextilien. Siehe hierzu auch: Bewehrte Erde

Wand- und Deckenputz wird in Gebäuden in kritischen Bereichen durch die Einlage von Jute- oder Kunststoff-Gewebematten oder Streckmetallgitter verstärkt. Die Bewehrung verringert die Rissbildung der Putze, was besonders bei Wärmedämmverbundsystemen wichtig ist. Rabitzgitter dient bei der Erstellung von Rabitz als Putzträger und Armierung.

Estrich wird ebenfalls zur Vermeidung von Rissen bewehrt, besonders wenn rissempfindliche Bodenbeläge (z. B. Fliesen) darauf verlegt werden sollen. Es kommen einfache Stahlgitter oder Kunststoffgewebe zum Einsatz, in jüngster Zeit auch eingestreute, kurze Fasern aus Stahl, Glasfasern oder Kunststoff. Siehe auch: Glasfaserverstärkter Kunststoff und Faserzement

Bewehrung im MaschinenbauBearbeiten

In der Gießereitechnik werden stark belastete Kerne mit Kerneisen verstärkt.

Holz-, Metall- (z. B. Aluminium) oder Kunststoffteile werden mit Glas- oder Carbonfasersträngen bzw. -matten umspannt und zur Verfestigung mit Kunstharz (z. B. Epoxidharz) getränkt. Das Anwendungsfeld reicht vom Bootsbau bis zur Raumfahrt.

Hauptartikel: Faser-Kunststoff-Verbund

Siehe auchBearbeiten

BildergalerieBearbeiten