Maria Weiterer (geb. Tebbe) (* 18. Februar 1899 in Essen; † 1. Dezember 1976 in Berlin) war ein deutsche Kommunistin und zeitweise Leiterin einer Abteilung des Parteivorstandes der SED. Im Rahmen der Säuberungen im Zusammenhang mit Noel Field war sie zeitweise aus der SED ausgeschlossen.

Maria Weiterer wurde am 18. Februar 1899 als Maria Tebbe in Essen geboren. Ihr Vater war Buchhalter, die Mutter Hebamme, Maria war eines von sieben Kindern. Nach dem Besuch der Volksschule ging Weiterer noch für ein Jahr auf eine Präparandenanstalt und ein halbes Jahr auf eine kaufmännische Schule in Essen, bevor sie in den Kriegsjahren 1915/16 in verschiedenen Privatbetrieben arbeitete. Ab 1916 war sie während des 1. Weltkrieges in der Kriegsfürsorge der Stadt Bochum tätig. Nach Kriegsende heiratete sie den Arbeiter Mathias Weiterer und arbeitete einige Jahre in der Bochumer Firma Heinrich Uebbing. Im April 1921 trat sie in die KPD ein und arbeitete zunächst als Kindergruppenleiterin. Einige Zeit später wechselte Weiterer zunächst als Volontärin zur Essener KPD-Zeitung Ruhr-Echo, wo sie später unter anderem als Stenotypistin für Lex Ende tätig war. In der Folge übernahm sie Funktionen in der KPD-Bezirksleitung Ruhrgebiet, wo sie dem Frauensekretariat angehörte und Gauleiterin des Gaues Ruhr des nach 1925 gegründeten RFMB wurde. Nach dem XI. Essener Parteitag der KPD wurde Weiterer von ihrer Partei nach Berlin berufen, wo sie nunmehr als Bundessekretärin des RFMB tätig war. In Berlin lernte sie den KPD-Reichstagsabgeordneten Siegfried Rädel kennen, mit dem sie von da an zusammenlebte. Nachdem sich Weiterer mit Helene Overlach, die einen paramilitärischen Charakter des RFMB propagierte, überworfen hatte, mußte sie Ende 1928 ihre Funktion beim RFMB aufgeben. Sie hatte sich schon damals für eine politisch aufklärerische Frauenorganisation eingesetzt. Im gleichen Jahr begann sie daher eine Tätigkeit beim ZK der KPD in der Abteilung Gewerkschaften. Später arbeitete sie nach deren Gründung in der Reichsleitung der RGO, in der Organisationsabteilung des KPD-Unterbezirks Charlottenburg, als Frauenleiterin im KPD-Unterbezirk Berlin-Prenzlauer Berg und schließlich bis zum Parteiverbot als politische Leiterin in Berlin-Niederschöneweide. Gleichzeitig war sie zeitweise Sekretärin der kommunistischen Reichstagsabgeordneten Martha Ahrendsee. Nach dem Gang in die Illegalität im Frühjahr 1933 wurde Weiterer im September 1933 verhaftet und bis März 1934 im KZ Moringen inhaftiert. Nach ihrer Freilassung beschloss die KPD-Leitung ihre illegale Ausreise in die CSR nach Prag, wo sich bereits ihr Lebensgefährte Siegfried Rädel befand, der zu dieser Zeit die illegale Grenzarbeit in der CSR leitete. Das Paar unternahm nun bis Oktober 1934 gemeinsam die illegale Grenzarbeit, wobei Maria Weiterer im Oktober 1934 von den tschechischen Behörden verhaftet und bis November 1934 in U-Haft genommen wurde. Nach ihrer Entlassung reiste sie auf Parteibeschluß in die Sowjetunion aus, da ihr Lebensgefährte Rädel von seiner Funktion von Hans Beimler abgelöst wurde. In Moskau fand Weiterer bis Dezember 1935 Arbeit als Stenotypistin bei der Profintern. Im Laufe des Jahres 1935 fand sich nach einem Aufenthalt in Frankreich auch ihre lebensgefährte wieder in Moskau ein. Im Dezember 1935 erging der Parteibeschluß, dass das Paar zur westlichen Arbeit eingesetzt werden sollte. Dementsprechend reisten beide im Januar 1936 in die Schweiz, wo Siegfried Rädel als KPD-Abteilungsleiter Süd agierte und seine Lebensgefährtin als seine Mitarbeiterin fungierte. Den Schweizer Behörden blieb die kommunistsiche Tätigkeit des Paares jedoch nicht verborgen. Beide wurden im Oktober 1936 verhaftet und kurz darauf nach Frankreich ausgewiesen. Das Paar ging nach Paris, wo Rädel durch Franz Dahlem als Leiter der KPD-Emigrationsleitung und Maria Weiterer als Leiterin des Sozialausschusses der KPD-Emigrationsleitung eingesetzt wurde. Zudem führte sie im Auftrag des ZK der KPD das Kaderarchiv der deutschsprachigen Spanienfreiwilligen der Internationalen Brigaden. In der Folge bekommt auch Weiterer durch ihren Lebensgefährten Kontakt zu antfaschistischen Emigranten alelr Art, da Siegfried Rädel dem Lutetia-Kreis angehört. Nachdem er bereits am 1. September 1939 von den französischen Behörden verhaftet wurde, ereilte Maria Weiterer am 27. Januar 1940 dieses Schicksal. Sie wurde im südfranzösischen Frauenlager Rieucros interniert und im Frühjahr 1940 entlassen. In Südfrankreich hielt sie sich aus Furcht vor den deutschen Behörden bis 1941 auf, wo sie schließlich mit Hilda Maddalena in das Auswanderungslager im Marseiller Hotel Bompard einzog. Dort fand im Sommer 1941 ein erstes, arrangiertes Treffen mit Noel Field statt. In der Folge traf sie sich immer wieder mit Field in Marseille. Als die Vichy-Regierung im Herbst 1941 begann, gesuchte deutsche Antifaschisten nach Deutschland auszuliefern, reiste Weiterer mit Field sogar nach Vichy, um bei den zuständigen Behörden etwas für die Rettung ihres ebenfalls in Frankreich internierten Lebensgefährten Siegfried Rädel zu tun. Dies misslang jedoch, Rädel wurde ausgeliefert und am 10. Mai 1943 hingerichtet. eDa Weiterers Name auf Auslieferungslisten der Gestapo stand, wurde sie kurz darauf wieder nach Rieucros deportiert. Durch Fields Intervention wurde sie im November 1941 wieder nach Marseille gebracht und ihre Ausreise nach Mexiko vorbereitet. Da sich diese Pläne zerschlugen, floh Weiterer aus Bompard und lebte ein halbes Jahr illegal in Südfrankreich.


Biographische Angaben aus dem Handbuch „Wer war wer in der DDR?“:

Geb. in Essen (Ruhr); Vater Buchhalter, Mutter Hebamme; 1906 – 15 Volksschule, Präparandaranstalt, ein halbes Jahr kfm. Schule; 1915/16 Arbeit in versch. Privatbetrieben; ab 1916 in der Kriegsführsorge der Stadtverw. Bochum; 1921 KPD Essen; Mitarb. der Red. »Ruhr-Echo«, Stenotypistin bei Lex Ende; Funktionärin der KPD-BL Berlin u. im Ruhrgeb.; Roter Frauen- u. Mädchenbund (RFMB); bis 1928 Gaultr. des RFMB; 1928 Mitgl. der Bundesltg. des RFMB; 1928 Mitarb. der Abt. Gewerkschaften des ZK der KPD; Lebensgem. mit Siegfried Rädel; Mitarb. in der Reichsltg. der RGO; später in der Org.-Abt. des KPD-UB Berlin-Charlottenburg; anschl. Frauenltr. im KPD-UB Berlin-Prenzlauer Berg; zul. bis 1933 Pol.-Ltr.; 1933 illeg. pol. Arbeit; Sept. 1933 verhaftet, Sept. 1933 – März 1934 Haft im KZ Mohringen (Solling); 1934 illeg. in die ČSR (Prag); Grenzarbeit im tschech.-dt. Grenzgeb.; Okt. 1934 verhaftet u. U-Haft in Prag; Nov. 1934 in die UdSSR; 1934/35 Stenotypistin bei der Profintern in Moskau; Jan. 1936 in die Schweiz; dort Grenzarbeit; Mitarb. der KPD-Abschnittsltg. Süd; Okt. 1936 verhaftet u. nach Frankr. ausgewiesen; Ltr. des Sozialaussch. der KPD-Emigr.-Ltg. u. Ltr. d. Kaderarchivs d. dt.-spr. Spanienfreiwilligen; Jan. 1940 verhaftet u. im Lager Rieucros intern., ab 1941 im Auswanderungslager Bompard in Marseille; Kontakte zu Noel H. Field; aus dem Lager geflohen u. illeg. in Frankr.; ab Dez. 1941 illeg. in die Schweiz (Genf), dort zus. mit Leo Bauer Abwehrarbeit für die KPD-Emigration; Ende 1944 wieder in Paris, dort Mitarb. des Unitarian Service Committee (USC). Aug. 1945 Rückkehr nach Dtl.; 1945/46 Gewerkschafts-Sekr., Ltr. des Frauensekr. des DGB-KV Heidelberg u. Mitgl. des Sekr. der KPD-KL Heidelberg; Juni 1946 Übersiedl. nach Berlin; 1946 Hauptref. im Frauensekr. der SED, zuständig für die Westzone; 1947 – 49 gemeinsam mit Marie Hartung Ltr. der Frauenabt. des PV der SED (Nachf. von Elli Schmidt u. Käthe Kern); 1947 Mitbegr. u. Gen.-Sekr. des DFD, nach Konflikten mit der Vors. Anne-Marie Durand-Wever zurückgetreten; 1949/50 Bundessekr. im Sekr. des DFD-BV; 24.8.1950 wegen ihrer Zusammenarbeit mit Noel H. Field aus SED u. VVN ausgeschl. u. von allen Funktionen entbunden; 1950 – 52 Buchhalterin bzw. Statistikerin in der Seidenweberei Novotex in Berga (Elster); 1952 – 55 Abt.-Ltr. des VEB Novotex in Berga (Elster); 1954 Wiederaufn. in die SED, parteiintern teilweise u. 1956 voll rehabil.; 1956 – 59 Sekr. der BPO im VEB Novotex; 1959 – 63 Hauptref. in der HV Verlage u. Buchhandel des Min. für Kultur, Ltr. des Ressorts private Verlage; Mitgl. der SED-Ltg. der VVB Verlage; 1962 Clara-Zetkin-Medaille; 1963 – 65 Hauptref. in der Kaderabt. der HV Verlage u. Buchhandel; 1964 VVO; April 1965 Rentnerin; 1967 Mitgl. der SED-KL Berlin-Köpenick; 1969 VVO; gest. in Berlin.

Publ.: Fölster, E. / M. W.: Siegfried Rädel. Berlin 1980. Sek.-Lit.: Lewis, F.: Bauer im roten Spiel. Berlin, Frankfurt (Main), Wien 1965; Kießling, W.: Partner im »Narrenparadies«. Berlin 1994; Bart, B.-R., Schweizer, W. (Hrsg.): Der Fall Noel Field. Schlüsselfigur der Schauprozesse in Osteuropa. 2 Bde. Berlin 2005 u. 2007. BRB