Brillenhelm

Hörnerhelm

Der Hörnerhelm ist


Leif Eriksson mit gehörntem Wikingerhelm (Gemälde aus einem Buch von 1909)

Der Brillenhelm wird landläufig verallgemeinernd als Wikingerhelm bezeichnet.

Das heute populäre Bild des Wikingers mit Hörnerhelm ist nicht historisch, sondern eine moderne Legende. Es geht auf Richard Wagner zurück, der sie wegen des schönen Bühneneffekts auf die Helme setzte. In seinem „Der Ring des Nibelungen“, speziell bei den Den Walküren tauchte erstmals sein Hörnerhelm auf. Ein Helm mit Hörnern könnte jedoch seiner primären Schutzfunktion nicht gerecht werden, da er den Schwertschalg des Gegner zum Kopf hin umlenken würde, statt vom Kopf weg.

Die wenigen Funde von Hörnerhelmen und Statuetten mit Hörnerhelmen aus der nordischen Bronzezeit zeigen, dass es sich eher um rituelle Gegenstände handelte. Außerdem werden innerhalb der Seevölker die Hörnerhelme nur von den [[Šardana|Schardana] getragen. Im Gegensatz zu den anderen Seevölkerstämmen sind die Schardana schon seit der 18. Dynastie bekannt, also vor der "großen Wanderung". Bronzezeitliche Statuetten mit entsprechenden Hörnerhelmen wurden in Sardinien gefunden. Der keltische Gott Cernunnos trug Hirschhörner auf seinem Hlm. Diese Funde fallen jedoch nicht in die Wikingerzeit (ganz grob ca. 500 bis 1000 n. Chr.).

Trinkhorn Dadurch, das ich aus dem Horn eines mächtigen Tieres trinke, eigne ich mir ein wenig dieser Macht an. Vielleicht ist die Vorstellung, alle Germanen würden Hornhelme tragen, von verallgemeinernden Beobachtungen der Kulthandlungen gekommen.

Überbleibsel des europaweiten Stierkultes, den es vor der Götterverehrung gab

Hörner stehen für den Stier, der Stier für Kraft und Fruchtbarkeit.

die Helme der Germanen seien mit Büffelhörnern geschmückt gewesen, und so wurde der "Hörnerhelm" germanisches Charakteristikum aller ernstgemeinten und nicht so ernstgemeinten Germanendarstellungen. Historisch wie waffentechnisch ist dieser "Hörnerhelm" absoluter Schwachsinn!


Sinn und Zweck eines Helmes ist, eine feindliche Waffe vom Kopf abzulenken, und dies erreicht man seit eh und jeh am besten dadurch, das der Helm möglichst glatt und rundlich ist, um besagte Waffe abgleiten zu lassen (vom Helm der Bronzezeit bis zum heutigen Stahlhelm hat sich an diesem Prinzip nichts geändert). Der angeblich germanische "Hörnerhelm" wäre nun das exakte Gegenbeispiel (so es ihn gegeben hätte), denn der Ansatzpunkt Hel-Horn hätte mit unfehlbarer Sicherheit das feindliche Schwert bzw. die gegneriche Axt nicht am Helm entlang, sondern an der Ansatzstelle in den Helm und damit in den Kopf des Trägers hinein-(!)-geleitet.

gab es seit der mittleren Bronzezeit, d.h. seit etwa 1000 v. Chr. "Hörnerhelme"- die kultischen Helme wie wir sie auf Felszeichnungen (z.B. Kalleby, Schweden) auf dem Kopf von Lurenbläsern, oder eben durchaus real auf den beiden Helmen, die man im Moor von Veksö fand, kennen-, wobei es sich in jedem dieser Fälle ganz eindeutig um kultische Zeremonial- und keinesfalls um Kampfhelme handelt."

Hörner an den Helmen gab es in der jüngeren Bronzezeit in Dänemark. Zwei sehr gut erhaltene Stücke die für kultische Zwecke benutzt wurden hat man 1942 bei Veksö auf Nordseeland gefunden und sie sind jetzt im dänischen National Museum in Kopenhagen zu sehen. Aus der Wikingerzeit gibt es keine Helme dieser Art.

das Richard Wagner einen bedeutenden Einfluss darauf hatte (jedenfalls im deutschen Bereich), wie seine Zeitgenossen sich den alten Germanen/Wikinger vorstellten.

Wagner war nicht nur Komponist, er war auch bestimmend in der Frage der Ausstattung seiner Stücke

An einem Horn bleibt eine in feindlich Absicht geschwungene Axt viel zu leicht hängen und reißt im günstigsten Fall den Helm vom Kopf.

Vermutlich stammt das Bild mit gehörnten Helmen aus dem 19. Jahrhundert. Damals waren romantische Vorstellungen von Germanen Mode. Angeblich hat der Komponist Richard Wagner Hörner und Federschmuck an Helmen eingeführt. So sah der Hagen-Darsteller mit schwarzen Federn am Helm einfach noch finsterer aus. Vielleicht wurden damals auch Kelten (die hatten vermutlich für kultische Handlungen Helme mit Hörnern) mit Germanen gemixt.

Hörner auf Helmen sindim Kampf eher hinderlich.

mit ausladenden Hörnern bestückter Helm

“Erfunden” wurde der Hörnerhelm im 19. Jahrhundert, also etwa 700 Jahre nach der Wikingerzeit. Es war das Zeitalter der Romantik (ca.1790 - 1880), in der das Mittelalter geradezu mystifiziert und verklärt wurde.

im Jahr 1811, wurde in Schweden der Götiska Förbundet (Gotischer Bund) gegründet. Es war eine Vereinigung von schwedischen Schriftstellern, die den Geist der nordischen Mythologie in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts einbringen wollten. Angefangen hat es, als sich einige (ehemalige) Kommilitonen regelmäßig trafen, um die "alten Nordländer" zu feiern. Sie trugen bei diesen Treffen Wikinger-Helme, tranken aus Hörnern und gaben sich alt-nordische Namen. Mit der Zeit entwickelte sich bei den Treffen der gemeinsame Gedanke, der skandinavischen Bevölkerung den Geist der Nordländer durch Gedichte und Erzählungen wieder nahe zubringen. Sie vermischten in ihren Gedichten altnordische mit keltischen, griechischen und römischen Elementen, wodurch sie die alte Welt des Nordens zum Gegenstand dichterischer Behandlung und historischer Forschung zu machen suchten. Dieser Bund veranstaltete regelmäßig Feste, an denen die Gesellschaft rege teilnahm. Seinen Höhepunkt feierte der Bund im Jahre 1869 mit einem Kostümball in Stockholm, zu dem die Besucher mit Hörnerhelm, Schild und Speeren erschienen. Dieses gesellschaftliche Ereignis wurde über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Viele Menschen in anderen Ländern nahmen die Kostümierung wohl eher als authentische Kleidung der Wikinger an, da der Veranstalter ja ein Bund gebildeter Menschen war und hochgestellte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens daran beteiligt waren - und in Skandinavien, dem Ursprung der Wikinger, musste man ja wissen, wie die Wikinger gekleidet waren.

Am 22. September 1869 fand unter der Leitung von Franz Wüllner die Uraufführung von Wagners “Rheingold” statt. Ludwig II. hatte gegen Wagners Wunsch auf die Leitung Wüllners bestanden, da dieser die bekannt düster - melancholischen Vorlieben des Königs umsetzte. Entsprechend üppig und heroisch fielen Bühnenbilder und Kostüme aus. Dank Richard Wagner und seinem Nibelungen – Zyklus wußte nun jeder, wie man sich eine Walküre oder den nordischen Gott Odin vorzustellen hat: Hünenhafte Gestalten mit überdimensionalen Flügelhelmen geisterten damals - und teilweise auch heute noch - durch die Köpfe des Lesers, wenn er sich den Abenteuern des Recken Siegfried widmet oder den Donnergott Thor auf seinen Reisen zu den Riesen begleitet. Es wurden sogar Postkarten von diesen Aufführungen erstellt. Gleichzeitig wurde der Markt mit Gemälden von Künstlern aller Herren Länder überschwemmt, die häufig die Motive des wagnerschen Nibelungen – Zyklus als Thema hatten. Zudem wurden von dem schwedischen Maler August Malstöm 1820 erstmals Sagas aus der EDDA illustriert. Hierzu griff er auf damals bereits gängige Germanen-Klischees zurück, nämlich den Hörnerhelm.

Die erste bekannte Abbildung eines Kriegers mit Hörnerhelm stammt von dem Historiker Philipp Clüver, der mit seinem sechsbändigen Werk Introductio in Universam Geographiam (Einführung in die universelle Geographie) eine Einführung in die Länder mit Schwerpunkt auf eine menschlich - historische Betrachtung verfasst hat. In dem ersten Band Germania Antiqua, der 1616 erschien, sind Stiche von Germanen mit Hörnerhelmen bzw. Fellüberwürfen enthalten. Dieses Werk Clüvers blieb aber bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ein Standardwerk der Geschichte und Geographie und man kann davon ausgehen, dass die damaligen Maler und Illustratoren bei ihren Darstellungen von den Abbildungen in diesem Werk stark beeinflusst wurden. Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald, zwischen 1838 und 1875 nach Entwürfen von Ernst von Bandel erbaut, ist ein bekanntes Beispiel für damalige Darstellung der germanischen Krieger. Diese Ereignisse, der Götiska Förbundet, Wagners Nibelungen - Zyklus und die darstellende Kunst in Verbindung mit der Romantik brachten den Hörnerhelm für die Wikinger. Bis heute hat sich dieser Helm als „Wahrzeichen“ der Wikinger gehalten. Bei vielen Veranstaltungen in den skandinavischen Ländern wird der Hörnerhelm immer noch von den Besuchern mit Begeisterung getragen und ist so zu einem Markenzeichen geworden. Wikinger trugen keine Hörnerhelme - nur Hägar und Wiki - aber die dürfen das.


das sich Waffen im Hörnerhelm verfangen können was einen schnelleren Genickbruch bedeuten konnte als manch einem Krieger lieb war. Daher: Unzweckmässig!

Geflügelter Helm: Flügel von großen Vögeln können ausgebreitet eine beachtliche Größe erlangen. Ein derartiger Helm kann durchaus Einschüchternd wirken aber es können sich nur schwer Waffen des Gegners darin verhaken weil einfache Knochen eines Vogels (z.B. Schwan) doch recht schnell brechen. Daher: Um den Gegner zu beeindrucken liegt es im Bereich des möglichen. Da sich keine Waffen darin verhaken können ist die Benutzung auch verhältnismäßig sicher!

Ansonsten kann man diese Helme getrost als Königs- oder Ritualhelme betrachten.

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