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Auguste Chauveau

französischer Tierarzt, Mikrobiologe und Physiologe
Auguste Chauveau

Jean-Baptiste Auguste Chauveau (* 21. November 1827 in Villeneuve-la-Guyard, Département Yonne; † 4. Januar 1917 in Paris) war ein französischer Tierarzt, Immunologe und Bakteriologe und Professor an der Ecole nationale vétérinaire in Lyon (ENVL), dazu Präsident der Académie des sciences und der Académie nationale de médecine. Unter anderem führte er den Herzkatheter in die physiologische Forschung ein. Clostridium chauvoei, der Erreger des Rauschbrands, ist nach ihm benannt.

BiographieBearbeiten

 
Seitliche Ansicht des Axis eines Pferdes; publiziert in Chauveaus Traité d'anatomie comparée des animaux domestiques.

Chauveau wurde am 21. November 1827 als Sohn eines Hufschmieds in Villeneuve-la-Guyard geboren.[1] Ab 1844 studierte er Veterinärmedizin an der Tierarzneischule in Maisons-Alfort bei Paris, wo er seinen Lehrer Henri Marie Bouley beim Verfassen eines Werks über die Anatomie des Hufes unterstützte.[2][3] Im Alter von 21 Jahren schloss er sein Studium an der ENVL in Lyon ab. Dort erhielt er eine Anstellung als Chef der praktischen Arbeiten in Anatomie und Physiologie.

1863 erhielt Chauveau eine Professur für Anatomie und Physiologie; im Jahr darauf heiratete er Justine Mery und wurde er zum Mitglied der Académie nationale de médecine gewählt. 1875 erhielt der den Posten des Rektors der EVNL, ab 1877 war er für die Ausbildung in vergleichender und experimenteller Medizin verantwortlich und erhielt einen Ehrendoktor.

Bei der Entdeckung der Impfung gegen den Milzbrand 1880 verteidigte er seinen ehemaligen Schüler Henry Toussaint gegen Louis Pasteur, der behauptete, den Impfstoff zuerst entwickelt zu haben. Er belebte Toussaints Forschungsprojekt neu und konnte 1882 belegen, dass dessen Methode der Impfstoffherstellung tatsächlich älter war als diejenige Pasteurs.[4]

Am 19. April 1886 wurde Chauveau als Nachfolger seines Lehrers Bouley in die Académie des sciences aufgenommen.[5] Gleichzeitig wurde er Generalinspekteur der Tierarzneischulen Frankreichs und Professor für vergleichende Pathologie am Pariser Naturhistorischen Museum.[2] Seine Aufgaben an der ENVL wurden von Chauveaus Schüler und Freund Saturnin Arloing übernommen. 1907 wurde Chauveau als Nachfolger von Henri Poincaré zum Präsidenten der Académie gewählt.[6] Am 12. Mai 1889 wurde er als Auswärtiges Mitglied in die Royal Society aufgenommen.[7]

1911 ließ sich Chauveau pensionieren, wurde im selben Jahr aber noch zum Präsidenten der Académie nationale de médecine gewählt. Er verstarb am 4. Januar 1917 in Paris.

ForschungstätigkeitBearbeiten

 
Chauveau mit Assistenten bei der Herzkatheteruntersuchung eines Pferdes
 
Durch Marey erstelltes intrakardiales Kardiogramm

Chauveaus Traité d'anatomie comparée des animaux domestiques, ein zuerst 1857 publiziertes Lehrbuch der Tieranatomie, wird auch heute noch als wichtiges Werk der Tiermedizin angesehen.[8] Es war noch 50 Jahre nach der Erstauflage im Druck.[1]

Ab 1855 forschte Chauveau zur Physiologie des Herzens. Zusammen mit Etienne-Jules Marey erforschte er den Mechanismus der Blutzirkulation, und gemeinsam mit diesem entwickelte er zwischen 1861 und 1863 die intrakardiale Kardiografie, bei der der Blutdruck innerhalb des Herzens mittels Herzkathetern gemessen wird. Dazu führte er in jede Herzseite einen Katheter ein: Die linke Herzkammer erreichte er über die Arteria carotis externa, die rechte über die Vena jugularis externa.[9] Durch diese Forschungen konnte er die Theorien Beaus widerlegen, wonach die Herztöne während der Diastole entstünden. Marey und Chauveau publizierten basierend auf ihren Experimenten 1862 und 1863 zwei Bücher über das Herz-Kreislauf-System.[1]

1865 ging Chauveau zum Studium eines Ausbruchs der Rinderpest nach England. Hier entdeckte er die Möglichkeit der Ansteckung über den Verdauungstrakt und stellte die Hypothese auf, dass eine solche Ansteckung auch zwischen verschiedenen Arten stattfinden könne. Gegen 1866 entwarf er eine Theorie über verschiedene Viren und den Einfluss verschiedener Ansteckungswege auf deren Virulenz. Durch die Reproduktion von Toussaints Arbeit zum Milzbrand gelang ihm der Nachweis, dass dieser zuerst einen Impfstoff gegen die Krankheit entwickelt hatte.[2]

Aufgrund seiner Forschungen über Infektionen empfahl Chauveau ab 1872 die Einführung einer systematischen Fleischbeschau und betrieb die Aufnahme einer solchen in den Lehrplan der französischen Tierarzneischulen.[10]

Auszeichnungen und EhrungenBearbeiten

Am 4. August 1907 wurde Chauveau zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.[11] 1926 wurde ihm zu Ehren in Lyon eine Statue errichtet und eine Straße nach ihm benannt.[2]

Werke (Auswahl)Bearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c W. B. Fye: Jean-Baptiste Auguste Chauveau. In: Clinical cardiology. Band 26, Nummer 7, Juli 2003, S. 351–353, ISSN 0160-9289. PMID 12862303.
  2. a b c d L. Bornarel: Biographie de Jean-Baptiste Chauveau (Memento des Originals vom 25. Juli 2008 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.millenaire3.com (PDF; 52 kB) (französisch)
  3. Traité de l'organisation du pied du cheval
  4. Hervé Bazin: L'histoire du vaccin. John Libbey Eurotext, Paris 2008, ISBN 978-2-7420-0705-9
  5. Mitgliederliste der Académie seit 1666 (PDF; 91 kB)
  6. Liste der Präsidenten und Vizepräsidenten der Académie des sciences (Memento vom 2. Juli 2015 im Internet Archive)
  7. Liste der Fellows der Royal Society 1660–2007 (PDF; 1,1 MB)
  8. Biographie Chauveaus auf Larousse.fr
  9. Les sondes intracardiaques d’Auguste Chauveau et la cardiographie intracardiaque (Memento des Originals vom 21. Juni 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/physiologie.envt.fr auf der Seite der Veterinärmedizinischen Universität Toulouse
  10. Journée du Comité d’Histoire des sciences et d’Épistémologie de l’Académie des sciences (Memento vom 26. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF; 122 kB)
  11. Eintrag zu Chauveau auf der Webseite der Ehrenlegion