Atemwegsinfektion

Infektionskrankheit der Atemwege

Als Atemwegsinfektion bezeichnet man eine Infektion des Atemtraktes durch pathogene Erreger.

DALY der Atemwegsinfektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2002.
  • keine Daten
  • weniger als 100
  • 100–700
  • 700–1400
  • 1400–2100
  • 2100–2800
  • 2800–3500
  • 3500–4200
  • 4200–4900
  • 4900–5600
  • 5600–6300
  • 6300–7000
  • mehr als 7000
  • EinteilungBearbeiten

    Atemwegsinfektionen können grob in zwei Klassen eingeteilt werden:

    • Oberer Atemwegsinfekt: Infektion der oberen Atemwege, z. B. der Schleimhaut der Nase oder Nasennebenhöhlen. (engl. Upper Respiratory Tract Infection (URTI)); siehe auch Erkältung
    • Unterer Atemwegsinfekt: Infektion der unteren Atemwege, z. B. der Trachea und der Bronchien (engl. Lower Respiratory Tract Infection (LRTI))

    Atemwegsinfektionen können auch systematisch nach dem genauen Sitz der durch die Infektion ausgelösten Entzündung benannt werden. Damit ist allerdings in der Regel kein streng isolierter Befall des betreffenden Abschnitts verbunden, dieser ist klinisch die Ausnahme. Hier wird ausgedrückt, welcher Abschnitt der Atemwege hauptsächlich für die Symptomatik verantwortlich ist.[1]

    Daneben gibt es zahlreiche Mischformen, bei denen zwei oder mehr Abschnitte der Atemwege befallen sind, wie Rhinosinusitis, Tracheobronchitis, Laryngotracheitis usw. Die Entzündung des gesamten Lungengewebes bezeichnet man als Lungenentzündung (Pneumonie).

    Das Adjektiv „infektiös“ sollte immer mitgeführt werden, um die Entzündung von anderen Ursachen (z. B. Allergien oder Giften) abzugrenzen.

    DiagnostikBearbeiten

    Anhand der Symptome lassen sich die jeweiligen Erreger nicht voneinander unterscheiden. Moderne Multiplex-PCR-Verfahren zur Labordiagnostik decken zahlreiche Erreger ab. Zudem haben sie eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität. Hiermit lassen sich Viren, die etwa 80 % der Atemwegsinfektionen hervorrufen, aber auch schlecht anzüchtbare bakterielle Erreger nachweisen. Der Einsatz von Antibiotika, die bei viralen Erregern nicht indiziert sind, kann so durch ein effizientes Screening reduziert werden.[2]

    Monitoring in Deutschland: PraxisindexBearbeiten

    In Deutschland beteiligen sich seit 1994 rund 500 bis 600 Arztpraxen unentgeltlich an einem Meldesystem, bei dem wöchentlich Beobachtungsdaten über akute respiratorische Erkrankungen (ARE) gemeldet werden.[3][4] Der Praxisindex stellt die über alle Praxen gemittelte relative Abweichung der beobachteten Fälle von ARE einem für jede Praxis ermittelten "Normalniveau" gegenüber, wobei sowohl die Praxisspezialisierung berücksichtigt als auch eine gewisse Hintergrund-ARE-Aktivität angenommen wird[5]. Veröffentlicht wird der Praxisindex sowohl für die Bundesebene als auch Bundeslandsebene auf einer Website des Robert Koch-Instituts.

    Siehe auchBearbeiten

    LiteraturBearbeiten

    • Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 77–100 (Infektionen der Atemwege).

    WeblinksBearbeiten

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. http://www.onmeda.de/krankheiten/atemwegsinfektion-symptome-6837-4.html
    2. LADR informiert: Respiratorische Screening-PCR
    3. Uphoff, Helmut 1998: Der 'Praxisindex' als eine Größe für regionale Betrachtungen der Influenza-Aktivität, in: rki.de https://influenza.rki.de/Content/Praxisindex.pdf (abgerufen am 20. März 2020)
    4. RKI (Hrsg.) o. J.: Wie wird die Grippe-Aktivität in Deutschland erfasst? https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Influenza/FAQ06.html (abgerufen am 20. März 2020)
    5. RKI (Hrsg.) o. Jahr: Glossar (abgerufen am 20. März 2020) https://influenza.rki.de/Glossar.aspx