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Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Kunstmuseum in Rolandseck, Deutschland
Das Arp Museum, im September 2007

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck wurde am 28. September 2007 im Remagener Ortsteil Rolandseck eröffnet. Das Museum setzt sich aus dem klassizistischen Bahnhofsgebäude und dem „harmonisch“[1] in die Natur eingefügten Neubau des amerikanischen Architekten Richard Meier zusammen. Insgesamt besitzt es vier Ausstellungsebenen, die mit wechselnden Präsentationen bespielt werden. Das Programm des Drei-Sparten-Hauses umfasst Ausstellungen mit internationaler bildender Kunst, klassische Konzerte sowie ein sommerliches Kammermusikfestival mit bekannten Ensembles und Solisten, Künstlergespräche sowie Lesungen prominenter Autoren. Im Zentrum stehen die Kunst von Hans Arp und von Sophie Taeuber-Arp. In Sonderausstellungen werden im Dialog mit diesen Werken Skulpturen und Malereien zeitgenössischer Künstler gezeigt. Darüber hinaus präsentiert das Museum Gemälde vom Mittelalter bis in die Moderne aus der Sammlung Rau für UNICEF. Direktor des Museums ist Oliver Kornhoff.

GeschichteBearbeiten

 
Bahnhof Rolandseck

Seit 1964 wurde der Bahnhof Rolandseck unter der Leitung von Johannes Wasmuth zu einem Zentrum kulturellen Lebens. Konzerte und Ausstellungen fanden dort statt und Künstler lebten und arbeiteten im Gebäude des Bahnhofs. Nach dem Tod von Johannes Wasmuth endete erst einmal das kulturelle Leben im Bahnhof. Am 22. Oktober 2004 wurde der Bahnhof als Arp-Museum Bahnhof Rolandseck wieder eröffnet, am 28. September 2007 folgte der Neubau von Richard Meier am Hang oberhalb des Bahnhofs. Nach dem ursprünglichen Konzept sollten die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e. V. und das Land Rheinland-Pfalz das Museum gemeinsam betreiben. Die Stiftung stellte zunächst ihre Sammlung mit Werken von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp für Ausstellungen zur Verfügung. Nach massiven Streitigkeiten über die Vertragstreue der Stiftung, die der Gründungsdirektor Klaus Gallwitz als „erklärten Krieg“ bezeichnete, erklärten die Partner im Juli 2008 die Zusammenarbeit für beendet; die Stiftung zog die ihr gehörenden Werke aus dem Museum ab. Das Land erklärte daraufhin, den Bau mit den rund 400 Werken Arps in Landesbesitz und Leihgaben anderer Sammler und Museen bestücken zu wollen.[2] 2010 war das Museum mit 61.000 Besuchern das meistbesuchte Kunstmuseum in Rheinland-Pfalz.[3]

EröffnungBearbeiten

Der Neubau des US-amerikanischen Architekten Richard Meier oberhalb des Bahnhofes hatte am 18. Oktober 2005, nur knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung am 23. Oktober 2004, Richtfest. Mit der Eröffnung des Museums im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde das neue Gebäude am 29. September 2007 eingeweiht.

Für die gesamte Baumaßnahme wurden 33 Mio. Euro veranschlagt, von denen 14,3 Millionen Euro aus Ausgleichsmitteln des Berlin/Bonn-Gesetzes (Vereinbarung über die Ausgleichsmaßnahmen für die Region Bonn) zur Verfügung gestellt wurden, die andere Hälfte stammt vom Land Rheinland-Pfalz, das auch der Bauherr ist.

Die Ausstellungsfläche im Neubau umfasst 2900 Quadratmeter. Die Kosten für den Neubau betrugen 25,4 Mio. €. Davon trugen der Bund 17,6 Mio. € und das Land Rheinland-Pfalz 7,8 Mio. €. Der restliche Betrag in Höhe von 7,4 Mio. € diente der Renovierung des Bahnhofs.

Neubau und historisches Bahnhofsgebäude sind durch einen Tunnel und einen Aufzug miteinander verbunden. Dieser Tunnel ist ein nachgebauter Eisenbahntunnel (jedoch kein Teil der echten ehemaligen Gleisstrecke). Er wird durch eine 17 m lange Neon-Leuchtspirale von Barbara Trautmann (Kaa, benannt nach der Schlange im Dschungelbuch, Installation von 2007) erhellt.

Der Museumsbau von Richard Meier

AusstellungenBearbeiten

In der Eröffnungsausstellung waren neben Werken von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp Arbeiten von Anselm Kiefer, Johannes Brus, Yvonne Fehling, Jennie Peiz, Anton Henning und Barbara Trautmann zu sehen. An der Ausstellung wurde in Feuilletons Kritik geübt: dem Werk von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp sei zu geringer Platz eingeräumt worden, die Wahl der anderen Künstler sei beliebig gewesen und die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e. V. habe Werke, die nach dem Tod der Künstler entstanden seien, als Originalwerke ausgegeben.[4]

Es folgten Ausstellungen von Anselm Kiefer, Kurt Kocherscheidt und Elfie Semotan, Jonathan Meese, Steiner/Lenzlinger, K.O. Götz, Tara Donovan, Barbara Hepworth (2016), Henry Moore (2017/18), Otto Piene (2019/20) u. a. In den Räumen des ehemaligen Bahnhofs finden regelmäßig Wechselausstellungen zu einzelnen zeitgenössischen Künstlern oder zu unterschiedliche Themen statt.

SammlungenBearbeiten

Sammlung RauBearbeiten

Am 29. Oktober 2008 unterzeichneten das Land Rheinland-Pfalz und die UNICEF eine Vereinbarung, nach der die „Kunstsammlung Rau“ mit derzeit rund 230 Werken von Künstlern wie Lucas Cranach, Claude Monet, Paul Cézanne, Max Liebermann und August Macke im Schätzwert von mehreren hundert Millionen Euro künftig im Arp Museum ausgestellt wird. Die Sammlung wurde vom 2002 verstorbenen Arzt Gustav Rau zusammengetragen und testamentarisch der UNICEF vermacht. 95 von Rau selbst als Kern der Sammlung angesehene Werke müssen bis 2026 zusammenbleiben, die anderen 135 Werke sollen nach und nach zugunsten des UNICEF-Stiftungsvermögens verkauft werden.[5]

Von 2009 bis 2012 wurden bisher im Arp-Museum in sechs Teil-Ausstellungen Werke der „Kunstkammer Rau“ unter folgenden Aspekten gezeigt:

  • „Tiepolo und das Antlitz Italiens“ (6 große Fresken von Giandomenico Tiepolo und italienische Kunst von der Frührenaissance bis zum Barock), 2009
  • „Das Auge des Sammlers“ (Dokumentation seiner Auswahlkriterien und Motive), 2010
  • „Superfranzösisch“ (französische Kunst aus allen Epochen vom Mittelalter bis zum Impressionismus), 2010
  • „Horizonte“ (Landschaftsmalerei), 2010
  • „Köstlich!“ Stillleben von Frans Snyders bis Giorgio Morandi, 2012
  • „Lichtgestöber.“ Der Winter im Impressionismus, 2012
  • „Das inszenierte Ich“, 2013
  • „Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz“, 2014
  • „Menschenskinder. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, 2015

Sammlung MeerweinBearbeiten

2015 stiftete der Mainzer Kunstsammler, Architekt, Innenarchitekt und emeritierte Fachhochschul-Professor Gerhard Meerwein dem Arp Museum seine Sammlung aus über 350 Collagen, die er in den letzten 40 Jahren zusammengetragen hat. Werke von Jiří Kolář, Walter Dexel, Wolf Vostell, Raymond Hains, Joseph Beuys, Max Ernst und El Lissitzky sind in der Sammlung Meerwein vertreten.[6]

Skulpturenufer RemagenBearbeiten

Seit 2000 entwickelt das Arp Museum in Zusammenarbeit mit der Stadt Remagen das Skulpturenufer Remagen. Es besteht aus bisher dreizehn Skulpturen der Künstler Hans Arp, Lajos Barta, Bittermann & Duka, Eberhard Bosslet, Johannes Brus, Hamish Fulton, Thomas Huber, Peter Hutchinson, Res Ingold, Otmar Sattel, Erwin Wortelkamp und Aron Demetz.

 
Festsaal, Museumscafé

Museumscafé und BistroBearbeiten

Das Museumscafé und Bistro befindet sich im restaurierten ehemaligen Festsaal des Bahnhofs (Mitte 19. Jh.) mit Stuckdecken, großen Kristalllüstern und Außenterrasse mit Blick auf den Rhein und das Siebengebirge mit dem Drachenfels. Es war der Empfangssaal für die Prominenz, die hier einst von der Bahn auf das Rheinschiff wechselte sowie Schauplatz von Konzerten und Theateraufführungen.

Das Bistro wurde von Anton Henning ausgestaltet, der auch 2012 die Fensterbemalung im Durchgang zum Küchentrakt ausgeführt hat.

QuellenBearbeiten

  1. Rheinland-Pfälzisches Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur: Grundsteinlegung für Arp-Museum - Bahnhof Rolandseck wird eröffnet, 22. Oktober 2004
  2. dpa: Rheinland-Pfalz betreibt Arp-Museum künftig allein, 2. Juli 2008 17:36
  3. Arp Museum ist meistbesuchtes Kunstmuseum in Rheinland-Pfalz. (Memento vom 17. April 2015 im Internet Archive) In: Monopol, 8. März 2011, abgerufen am 16. September 2011.
  4. Thomas Kliemann: Irrungen, Wirrungen und ein Kürbis in Rolandseck. In: General-Anzeiger, 27. September 2007, abgerufen am 10. Oktober 2017
  5. dpa: Kunstsammlung Rau kommt ins Arp Museum. 28. Oktober 2008 14:12
  6. Martina Conrad: Die Sammlung Meerwein Kultur Regional vom 27. August 2015 (abgerufen am 27. August 2015)

LiteraturBearbeiten

  • Ossenbrink, Frank [Hrsg]; A dream becomes reality. The Arp Museum, Friday 29th September 2007; [Eröffnungsdokumentation Arp-Museum Bahnhof Rolandseck.] Berlin, DMC, o. J.
  • Arp Museum Bahnhof Rolandseck. Ein Museum und seine Geschichte. Hrsg. von Klaus Gallwitz. Remagen 2008. ISBN 978-3-933085-30-6

WeblinksBearbeiten

  Commons: Arp Museum Bahnhof Rolandseck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 37′ 53″ N, 7° 12′ 25″ O