Argyrosaurus ist eine Gattung sauropoder Dinosaurier aus der Gruppe der Titanosauria. Fossilien dieser Gattung stammen aus der Oberkreide (Campanium oder Maastrichtium) von Argentinien.

Argyrosaurus
Zeitliches Auftreten
Oberkreide (Campanium oder Maastrichtium)[1]
83,6 bis 66 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Dinosaurier (Dinosauria)
Sauropodomorpha
Sauropoda
Macronaria
Titanosaurier (Titanosauria)
Argyrosaurus
Wissenschaftlicher Name
Argyrosaurus
Lydekker, 1893
Art
  • Argyrosaurus superbus

Argyrosaurus wurde 1893 von Richard Lydekker anhand eines Vorderbeins erstmals wissenschaftlich beschrieben, einzige Art ist Argyrosaurus superbus. Weitere Knochenreste, die zu dieser Gattung gestellt wurden, stammen insbesondere aus der Bajo-Barreal-Formation. Der Name Argyrosaurus (gr. argyros – „silber“, gr. saura – „Echse“) bedeutet so viel wie „Silberechse“ und verweist auf das Land Argentinien („Land des Silbers“), wo die Fossilien gefunden wurden.[2][3]

MerkmaleBearbeiten

Argyrosaurus war ein großer Titanosaurier. Von anderen Gattungen lässt er sich durch besonders hohe und kurze Wirbelbögen abgrenzen. Das aus Elle (Ulna) und Speiche (Radius) bestehende Unterbein war robust, die Mittelhandknochen waren wie bei anderen Vertretern der Macronaria lang. Der Oberarmknochen (Humerus) zeigt ein rechteckiges oberes Ende, ähnlich wie bei den fortgeschrittenen (abgeleiteten) Titanosauriern Saltasaurus und Opisthocoelicaudia. Ein wichtiges Merkmal, das die Einordnung innerhalb der Titanosauria bestätigt (Synapomorphie), ist ein ausgeprägter Knochensporn am oberen Ende der Elle (Olekranon).[3]

Forschungsgeschichte und Validität der GattungBearbeiten

Richard Lydekker beschrieb Argyrosaurus 1893 auf Basis eines artikulierten Vorderbeins inklusive Handskelett, das im Gebiet des Río Chubuts entdeckt wurde.[4] Bei seiner Erstbeschreibung ordnete er zwei weitere Funde aus anderen Fundstellen ebenfalls dieser Gattung zu. Diese Funde – ein Oberschenkelknochen (Femur) vom Río Senguerr sowie zwei große Schwanzwirbel aus Santa Cruz – ähnelten sich laut Lydekker zwar in Farbe und Mineralzusammensetzung, die Zuordnung dieser Funde zu Argyrosaurus konnte von jüngeren Untersuchungen jedoch nicht bestätigt werden. Powell (1986) und Bonaparte (1996) schrieben dieser Gattung drei Rückenwirbel, drei Schwanzwirbel, ein Schulterblatt, ein Oberarmknochen, Elle und Speiche beider Vorderbeine sowie Oberschenkelknochen und Schienbein (Tibia) zu, die in der Bajo-Barreal-Formation gefunden wurden.[3][5]

Upchurch und Kollegen (2004) bemerken, das der Status der Gattung zweifelhaft sei. So finden sich die einzigen diagnostischen Merkmale an den vorderen Schwanzwirbeln, die jedoch nicht zur Typserie gehören. Somit muss Argyrosaurus in Zukunft möglicherweise als Nomen dubium (zweifelhafter Name) geführt werden.[3]

SystematikBearbeiten

Die systematische Position dieser Gattung innerhalb der Titanosauria ist unklar. Von den meisten Autoren wurde Argyrosaurus zu den Titanosauridae gestellt, einer Gruppe fortschrittlicher Titanosauria. Der Name Titanosauridae wird von vielen Forschern derzeit nicht mehr anerkannt – stattdessen wurde der Name Lithostrotia vorgeschlagen[5][3]. Upchurch und Kollegen (2004) klassifizieren Argyrosaurus außerhalb der Lithostrotia[3]. Powell (1986) stellte Argyrosaurus in eine eigene Unterfamilie, die Argyrosaurinae. Der Name Argyrosaurinae wurde zwar von einigen späteren Autoren benutzt (beispielsweise Bonaparte, 1996), fand jedoch keine breite Verwendung.[6]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gregory S. Paul: The Princeton Field Guide To Dinosaurs. Princeton University Press, Princeton NJ u. a. 2010, ISBN 978-0-691-13720-9, S. 206, Online.
  2. Ben Creisler: Dinosauria Translation and Pronunciation Guide. Archiviert vom Original am 20. November 2010; abgerufen am 28. August 2014.
  3. a b c d e f Paul Upchurch, Paul M. Barrett, Peter Dodson: Sauropoda. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 259–324.
  4. Richard Lydekker: Contributions to the study of the fossil vertebrates of Argentina. I. The dinosaurs of Patagonia. In: Anales del Museo de La Plata. Paleontología Argentina. Bd. 2, 1893, ZDB-ID 438149-x, S. 1–14.
  5. a b Jeffrey A. Wilson, Paul Upchurch: A Revision of Titanosaurus Lydekker (Dinosauria - Sauropoda), the first dinosaur genus with a ‚gondwanan‘ distribution. In: Journal of Systematic Palaeontology. Bd. 1, Nr. 3, 2003, ISSN 1477-2019, S. 125–160, doi:10.1017/S1477201903001044.
  6. Argyrosaurus. In: The Paleobiology Database. Abgerufen am 19. Oktober 2010.