Anno Domini

Jahreszählung der christlichen Zeitrechnung

Die Bezeichnung Anno Domini, abgekürzt A. D. – von lateinisch anno Domini für „im Jahre des Herrn“, vom lateinischen vollständigen Ausdruck anno Domini nostri Iesu Christi, „im Jahre unseres Herrn Jesus Christus“ – kennzeichnet die Jahreszählung der christlichen Zeitrechnung, gezählt ab dem Jahr der Geburt Jesu Christi. Die Abkürzung wird dabei der Jahreszahl vorangestellt, etwa "A.D. 1981".
Im Gegenzug bezeichnet ante Christum natum – abgekürzt a. Chr. n., teils auch AC – die Zählung vor Christi Geburt, aber im Deutschen ist v. Chr. viel gebräuchlicher.

Schweizer Goldmünze mit der Inschrift Anno Domini 1712 auf der Rückseite

Die christliche Zeitrechnung kennt kein Jahr null. Das erste „Jahr des Herrn“ beginnt im Jahr der Geburt Jesu. Inhaltlich ähnliche Ausdrücke sind Anno Salutis („im Jahr des Heils“) oder Anno orbis redempti (abgekürzt A.O.R.).

Ähnlich wie Anno Domini gebildet, sind die Fügungen „Anno dazumal“, „Anno dunnemals“ und „Anno tobak“, alle mit der Bedeutung „damals“, „in vergangener Zeit“. Ähnliche Ausdrücke sind Anno Schnee (von Anno salutis abgeleitet) oder zu Olims Zeiten.

Auch in englischen Zeitangaben findet man AD als Abkürzung mit gleicher Bedeutung. Analog wird auch CE für Common Era, Current Era (gegenwärtige Era) or Christian Era (christliche Era) verwendet. (BC für Before Christ oder analog BCE für Before Common Era ist dann gleichbedeutend mit unserem AC oder vor Christi Geburt.)

GeschichteBearbeiten

Die Zeitrechnung „im Jahre des Herrn“ geht auf einen Vorschlag des Mönchs Dionysius Exiguus im Jahr 525 zurück. Davor hatten christliche Schreiber die Jahresangaben „seit Erschaffung der Welt“ Annus Mundi gesetzt, was in der Byzantinische Ära 5510 Jahre vor Christi Geburt lag. In der lateinischen Kirche setzte sich die Zeitrechnung ab dem 7. Jahrhundert durch, wurde ab der Historia ecclesiastica gentis Anglorum von 731 zur üblichen Jahresangabe in Westeuropa, und rückte ins Bewusstsein des Volkes mit der Kaiserkrönung Karls des Großen zu Weihnachten 800.

Im byzantinischen Reich wurde die alte Zählung „Anno Mundi“ weitergeführt und war auch noch nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) im russischen Exil in Gebrauch. Die Verbreitung der neuen Zählung „Anno Domini“ stützt sich auf die zunehmende Blockierung des Ostasienhandels bis 1500, die zur Finanzierung von Expeditionen und damit in das Zeitalter der Entdeckungen führten. Die westeuropäischen Reiche gründeten weltweit Handelsstützpunkte und Kolonien, in denen die Zeitrechnung zur Basis von Aufzeichnungen und Verträgen wurde. Die sich herausbildende Weltwirtschaft übernahm die Jahreszählung und ersetzte sie später durch Bezeichnungen ohne christlichen Bezug, insbesondere „unserer Zeitrechnung“ und „vor unserer Zeitrechnung“.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Carsten Colpe: Hintergründe der christlichen Zeitrechnung. Theologischer Begriff und politische Absicht im Kalender des Dionysius Exiguus. In: Berliner Theologische Zeitschrift. Bd. 16, 1999, ISSN 0724-6137, S. 232–357.
  • Hermann Grotefend: Taschenbuch der Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit, 14. Aufl. 2007.

WeblinksBearbeiten

Wiktionary: Anno Domini – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen