Andronikos Palaiologos (Schwiegersohn Theodors I.)

byzantinischer Despot in Nikaia, Schwiegersohn und Thronfolger von Kaiser Theodor I. Laskaris

Andronikos Palaiologos (mittelgriechisch Ἀνδρόνικος Παλαιολόγος; † wohl um 1216) war ein Schwiegersohn des byzantinischen Kaisers Theodor I. Laskaris und kurzzeitig Thronfolger im Exilreich von Nikaia.

LebenBearbeiten

Über die Person des Andronikos gibt es nur wenige gesicherte Fakten, auch seine Herkunft innerhalb der Palaiologenfamilie liegt im Dunkeln. Selbst über den Namen besteht Unklarheit, denn der Metropolit von Ephesos, Nikolaos Mesarites, der seine Hochzeitszeremonie leitete, nennt ihn in einer Predigt Konstantin Dukas Palaiologos. Jedoch heißt er, beginnend mit Georgios Akropolites als Hauptquelle, bei allen byzantinischen Chronisten Andronikos, so dass in der Forschung überwiegend davon ausgegangen wird, dass der abweichende Name im Bericht des Mesarites auf der Verschreibung eines späteren Kopisten beruht.[1]

Andronikos Palaiologos erscheint bei Akropolites erstmals 1211 als Teilnehmer des Feldzugs gegen das Lateinische Kaiserreich, der mit der Niederlage der Nikäer in der Schlacht am Rhyndakos endete. Im Verlauf dieser Kampagne eroberte der lateinische Kaiser Heinrich von Flandern auch Lentiana und Poimanenon. Andronikos war offenbar einer der führenden Kommandeure während der Belagerung von Lentiana; er wurde von den Lateinern gefangen genommen, aber später wieder freigelassen.[2]

Umstritten ist auch das Datum der Eheschließung des Andronikos mit Irene Laskarina, der ältesten Tochter Kaiser Theodors I. Während die Chronologie bei Akropolites die Hochzeit in die zeitliche Nähe der Ereignisse von 1211 rückt,[3] datierte sie August Heisenberg aufgrund der Angaben bei Mesarites deutlich später auf Februar 1216.[4] Wahrscheinlich anlässlich seiner Heirat wurde Andronikos die herausragende Hofwürde eines despotes verliehen. Da die beiden Söhne des Kaisers, Nikolaos und Johannes, schon jung gestorben waren, avancierte Andronikos damit zum präsumtiven Thronfolger. Doch starb er auch schon kurze Zeit später; Akropolites zufolge erlag er einer unbekannten Geschlechtskrankheit. Irene wurde daraufhin mit dem Protovestiarios Johannes Dukas Batatzes verheiratet, der Theodor I. 1222 als Kaiser nachfolgte.[5]

QuellenBearbeiten

  • Georgios Akropolites 15–16 (ed. Peter Wirth, übers. Wilhelm Blum, BGL Bd. 28, 1989)
  • Nikolaos Mesarites, Der Bericht des Nikolaos Mesarites über die politischen und kirchlichen Ereignisse des Jahres 1214, S. 59–61 (ed. August Heisenberg, Neue Quellen zur Geschichte des lateinischen Kaisertums und der Kirchenunion, Teil 3, in: SBAW Phil.-hist. Klasse, 3. Abt., 1923)

LiteraturBearbeiten

  • Dimiter Angelov: Imperial Ideology and Political Thought in Byzantium, 1204–1330. Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-85703-1, S. 121–122.
  • Michael Angold: A Byzantine Government in Exile. Government and Society under the Laskarids of Nicaea, 1204–1261. Oxford University Press, London 1975, ISBN 0-19-821854-0, S. 41, 62.
  • Jean-Claude Cheynet, Jean-François Vannier: Études prosopographiques (= Publications de la Sorbonne. Série Byzantina Sorbonensia. Bd. 5). Publications de la Sorbonne Centre de Recherches d'Histoire et de Civilisation Byzantine, Paris 1986, ISBN 2-85944-110-7, S. 172–174 Nr. 30.
  • Божидар Ферјанчић: Деспоти у Византији и Јужнословенским земљама (= Посебна издања. Bd. 336; Византолошки институт. Bd. 8). Српска академија наука и уметности, Београд 1960, S. 35.
  • Michael F. Hendy: Catalogue of the Byzantine coins in the Dumbarton Oaks Collection and in the Whittemore Collection. Vol. 4: Alexius I to Michael VIII, 1081–1261, Part 2: The Emperors of Nicaea and Their Contemporaries (1204–1261). Dumbarton Oaks Research Library and Collection, Washington D.C. 1999, ISBN 0-88402-233-1, S. 451 (als Constantine Palaeologus).
  • Ruth Macrides: George Akropolites: The History – Introduction, Translation and Commentary. Oxford University Press, Oxford 2007, ISBN 978-0-19-921067-1.
  • Demetrios I. Polemis: The Doukai. A Contribution to Byzantine Prosopography. Athlone Press, London 1968, ISBN 0-485-13122-6, S. 156 Nr. 140.
  • Vincent Puech: The Aristocracy and the Empire of Nicaea. In: Judith Herrin, Guillaume Saint-Guillain (Hrsg.): Identities and Allegiances in the Eastern Mediterranean After 1204. Ashgate, Farnham 2011, ISBN 978-1-4094-1098-0, S. 69–80, hier: S. 71.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Vgl. Macrides, George Akropolites, S. 149 f. FN 3; Cheynet/Vannier, Études, S. 172 f.
  2. Vgl. Macrides, George Akropolites, S. 148–150, 153 f.; Cheynet/Vannier, Études, S. 173 f.
  3. Vgl. Cheynet/Vannier, Études, S. 173.
  4. Vgl. Macrides, George Akropolites, S. 149 f. FN 3.
  5. Vgl. Macrides, George Akropolites, S. 148, 149 f. FN 3.