Andreas Blau

deutscher Unternehmer im westlichen Erzgebirge

Andreas Blau, zeitgenössisch Endres Plaue oder Endres Plaw,[1] war ein frühneuzeitlicher Unternehmer im westlichen Erzgebirge.

Hammerwerk Blauenthal, Lithographie von 1841
Hausmarke des Andreas Blau aus Nürnberg

LebenBearbeiten

Er stammte aus Nürnberg und handelte mit Zinn. Blau ließ sich in Sosa bei Eibenstock nieder, wo er einen Freihof erwarb, als dessen Besitzer er 1518 erwähnt wird. Nach anderen Angaben kam er erst 1530 nach Sosa und heiratete in den dortigen Freihof ein.[2] Nordwestlich von Sosa, im Tal der Zwickauer Mulde, kaufte er eine Mahl- und Brettmühle.[3] In deren Nähe legte er um 1530[4][5] zwei Hammerwerke an, die bald nach ihm Ober- und Unterblauenthal genannt wurden.[6] Daraus gingen die Orte Wolfsgrün und Blauenthal hervor. In seinen Hammerwerken begann er nach Amberger Vorbild die Weißblechfabrikation.[1] Dies dürfte in größerem Umfang im Erzgebirge die Weißblechproduktion in anderen Hammerwerken zur Folge gehabt haben. Blau brachte für seine Werke sogar aus der Oberpfalz fachlich versierte Arbeiter mit[3] Zusammen mit seinem Bruder Balthasar betrieb er in Schneeberg eine Handelsfirma für Zinn und andere Metalle.[2][1] Er kaufte als Zinnhändler 1533/34[2] große Teile des Zinns der Eibenstocker Schmelzhütte auf[2] und gründete 1537[2] die Neue Gesellschaft des Blechhandels,[3] der der sächsische Kurfürst einen Vorschuss von 7000 Gulden gab[2] und beitrat.[3] Diese war eine Konkurrenzorganisation zu der in der Oberpfalz bestehenden vergleichbaren Organisation,[3] wahrscheinlich der Amberger Zinnblechhandelsgesellschaft. Streit mit den Mitgesellschaftern ließen Blau 1541 nach Nürnberg fliehen. Nach seiner Rückkehr entdeckte er wertvolle Erzlagerstätten.[3] Die Neue Gesellschaft war eine Vorläuferin der Erzgebirgischen Blechcompagnie. Mit der Errichtung der Eisenhämmer werden auch die Blechzeichen entstanden sein, mit denen man die Fässer der für den Versand vorgesehenen verschiedenen Blechsorten versah. Für diesen Blechhandel hatten Andreas Blau und seine Gesellschafter eine Art Monopol im ernestinischen Kursachsen erhalten.[7] In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lösten sich dann die Blau'schen Unternehmungen auf.[4]

 
Holzordnung von 1560 für das Amt Schwarzenberg – Andreas Blau wird genannt

Ein Andreas Blau wird in der Holzordnung des sächsischen Kurfürsten von 1560 für das Amt Schwarzenberg erwähnt.[8] Siegfried Sieber hält diesen für einen Sohn des Gründers von Blauenthal, der 1561 seine Besitzungen veräußerte,[9] bezeichnet ihn als Hammermeister und sieht in ihm gleichzeitig den Südtiroler Leibarzt Dr. Andreas Plawenn von Erzherzog Ferdinand in Innsbruck.[9]

August Schumann schreibt über Andreas Blau:

„Es war im J. 1518, als sich im Dorfe Sosa eine nürnbergische Familie, namens Blau, aufhielt, darunter Andreas und Balthasar Blau, als starke Verleger aller Zwitterzechen in der Umgegend, das eingehandelte Zinn nach Nürnberg schickten. Sie ließen sich endlich in Sosa häuslich nieder, kauften sich Güter an, und Andreas Blau erlangte durch Heirath den Freihof Sosa mit allem Zubehör. Blau und seine Consorten bauten sich dann an der Mulde an, und gaben der Gegend den Namen Blauthal (Blauenthal). Oberhalb nur 1/4 Stunde entfernt von demselben liegt das jetzige Hammergut Wolfsgrün (oder Oberblauenthal), welches ebenfalls gedachte Blaue erbaueten, und daselbst, wie zu Unterblauenthal, einen Hammer anlegten. Genug, die Begründer der beiden Hammerwerke sind die nürnberger Handelsleute Blaue. Wie lang aber das blau’sche Geschlecht Unterblauenthal im Besitz gehabt hat, ist nicht sicher bekannt. Schon im J. 1630 findet man die Familie Stegel als Besitzer.“[10]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg, Bde. 58/59, S. 70 Digitalisat
  2. a b c d e f Siegfried Sieber und Martin Leistner:Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967, S. 120.
  3. a b c d e f Autorenkollektiv: Brockhaus Reisehandbuch Erzgebirge Vogtland, VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig 1976, S. 265
  4. a b Erich Matthes: Alte Eisenhütten- und Waffenschmiedemarken des sächs. Erzgebirges. In: Glückauf. Zeitschrift des Erzgebirgsvereins Nr. 10/1939, S. 219–224.
  5. Carl Friedrich Mosch: Zur Geschichte des Bergbaues in Deutschland, Erster Band, Liegnitz 1829, S. 233 Digitalisat, abgerufen am 23. Februar 2015
  6. Johann Paul Oettel: Alte und neue Historie der Königl. Pohln. und Churfürstl. Sächß. freyen Berg-Stadt Eybenstock im Meißnischen Ober-Erz-Gebürge. S. 284f.
  7. Vertrag vom 27. Oktober 1537, Torgau
  8. Forst- und Holtz-Ordnung des Kurfürsten August zu Sachsen vom 8. September 1560, in: Georg Viktor Schmid: Handbuch aller seit 1560 bis auf die neueste Zeit erschienenen Forst- und Jagd-Gesetze des Königreichs Sachsen, Erster Theil Forstgesetze, bei F. W. Goedsche, Meißen 1839, S. 40 Digitalisat, abgerufen am 31. Juli 2015
  9. a b Siegfried Sieber und Martin Leistner:Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock (= Werte der deutschen Heimat. Band 11). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1967, S. 121.
  10. August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Band 12, Verlag Schumann, Zwickau 1825, S. 125 Digitalisat, abgerufen am 31. Juli 2015