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Andartis

Griechischer Widerstand im zweiten Weltkrieg
Die Gruppe des Andarten Kapitän Vardas (um 1906)
Die Ruinen von Sagoritschani nach dem Andartenangriff 1905

Andartis, Plural Andarten, (griechisch Αντάρτης) ist die griechische Bezeichnung für einen Partisanen. Sie entstanden in Verbindung mit dem griechischen Kampf um Makedonien (griechisch Μακεδονικός αγώνας) im 19. Jahrhundert.

Inhaltsverzeichnis

Andarten im 19. JahrhundertBearbeiten

Als Gründer der andartischen Bewegung wird der griechische Metropolit von Kastoria, Germanos Karavangelis, angesehen, der die Interessen der griechischen Bevölkerung im osmanisch besetzten Makedonien und des griechisch geprägten ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel vertrat. Er vertrat diese Interessen im Sinne der "Großen Idee" (Befreiung aller griechischen Siedlungen im zerfallenden Osmanischen Reich) und gegen die Interessen der türkischen Großgrundbesitzer insbesondere in Makedonien aber auch gegen die Interessen Bulgariens und des Bulgarischen Exarchats in der Region.

Andarten im Zweiten WeltkriegBearbeiten

Andarten kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen die deutsche Besatzung. Die wichtigsten Partisanengruppen waren die ELAS und die EDES auf dem Festland und verschiedene in der EOK zusammengeschlossene Gruppen auf Kreta.

Das Erscheinungsbild der Andarten war bunt, sie trugen mindestens drei verschiedene Uniformen. Demobilisierte Soldaten der griechischen Armee trugen die griechische Uniform, aber auch aus Plünderungen stammende italienische und deutsche Uniformen kamen vor, außerdem Uniformen der Gendarmerie, Bauernkleidung, Anzüge oder der Männerrock, der Fustanella. Damit entsprachen sie nicht den Haager Konventionen, denen zufolge Aufständische als Kombattanten nur unter dem Schutz des Kriegsvölkerrechts stehen, wenn sie eine eindeutig erkennbare Uniform oder Kennzeichnung tragen. Wegen ihrer Raubzüge und Überfälle, die sich im ersten Jahr nach der griechischen Kapitulation fast ausschließlich gegen griechische Landsleute richteten, galten sie den Besatzern als Partisanen. Ihr Verhältnis zur Landbevölkerung hing davon ab, ob diese ihnen Lebensmittel freiwillig oder nur unter Druck gaben. Wenn sie kein Geld hatten, führten sie eine obligatorische Abgabe auf die Ernte der Bauern ein, 10–20 Prozent. Weil die italienischen und deutschen Besatzer Dörfer niederbrannten, die Andarten mit Lebensmittel versorgten, nahm die Zahl der Bauernhöfe ab. Dorfbewohner, denen die Flucht gelang, schlossen sich den Andarten an. Mit der wachsenden Größe der Andartenbewegung wurde die Beschaffung von Lebensmitteln immer schwieriger, in einigen Regionen fiel die Ernte total aus. Andartengruppen rivalisierten auch um die Dörfer und deren Lebensmittel und versuchten andere Gruppen in ihrer Nähe zu vernichten, indem sie die Häuser ihrer Unterstützer verbrannten und ihre Lager ausraubten.[1]

Die deutschen Besatzer gingen mit äußerster Brutalität gegen die Andarten und die gesamte Bevölkerung vor. Viele Dörfer wurden vollkommen zerstört und deren Bewohner zumeist ermordet. Die Zerstörung der Dörfer Kandanos, Distomo, Kalavryta, Viannos und Anogia seien hier nur beispielhaft erwähnt. Solche „Strafaktionen“ der deutschen Besatzungstruppen sollten die Bevölkerung einschüchtern und deutlich machen, dass von der deutschen Besatzung alle Zivilisten als mögliche Widerstandskämpfer betrachtet wurden.[2]

SkulpturBearbeiten

 
Andartis – Monument für den Frieden von Karina Raeck

Andartis – Monument für den Frieden ist der Name einer Landschaftsskulptur, die als Mahnung zum Frieden am 23. Juni 1991 auf der Nida-Hochebene (Kreta) an der Nordseite des Psiloritis eingeweiht wurde. Die Zerstörung des Dorfes Anogia am 13. August 1944 durch deutsche Truppen war der äußere Anlass zur Errichtung des Denkmals an dieser Stelle.

Das Monument für den Frieden wurde von der Berliner Künstlerin Karina Raeck geschaffen und ist 32 Meter lang sowie 9 Meter breit. Etwa 5.000 Natursteine wurden so auf den Boden gelegt, dass sie das Abbild eines beflügelten Andartis (Partisan) in die Landschaft zeichnen. Während der Zeit der Besetzung hatten die Bewohner die Steine auf der Ebene verteilt, um das Landen von deutschen Flugzeugen zu verhindern. In Erinnerung daran half die Bevölkerung der Künstlerin bei der Umsetzung der Idee eines Monuments.

LiteraturBearbeiten

  • Karina Raeck: Andartis – Monument für den Frieden. 2. Aufl. Biblioekdotike, Athen 2005, ISBN 3-9804575-2-4 (Texte in altgriechischer, neugriechischer und deutscher Sprache von Stefanie Endlich, Rainer Höynck, Eberhard Rondholz, Marlen von Xylander).
  • Mark Mazower: Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944, S. Fischer Verlag Frankfurt 2016, ISBN 978-3100025074

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mark Mazower: Griechenland unter Hitler: Das Leben während der deutschen Besatzung 1941-1944, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-10-002507-4, S. 167f.
  2. Bericht der Süddeutschen Zeitung über Mazowers Buchberichte zur dt. Besetzung Griechenlands