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Altenfeld ist ein Ortsteil der Landgemeinde Stadt Großbreitenbach und staatlich anerkannter Erholungsort im Ilm-Kreis in Thüringen.

Altenfeld
Landgemeinde Stadt Großbreitenbach
Wappen von Altenfeld
Koordinaten: 50° 33′ 53″ N, 10° 57′ 39″ O
Höhe: 600 m
Fläche: 17,05 km²
Einwohner: 927 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte: 54 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2019
Postleitzahl: 98701
Vorwahl: 036781

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Altenfeld ist der südlichste Ort im Ilm-Kreis. Das Dorf erstreckt sich im Talkessel der Oelze in West-Ost-Richtung. Geologisch gesehen gehört diese Region bereits zum Thüringer Schiefergebirge, allerdings geht dieses nordwestlich des Dorfes in den Thüringer Wald über, wobei sich beide Gebirge nicht exakt trennen lassen.

Altenfeld liegt in 550 bis 650 m ü. NHN und wird im Norden von der Haube (810,8 m ü. NHN), im Westen vom Kohlhieb (790 m ü. NHN), im Osten vom Hohen Wald (693,6 m ü. NHN) und im Süden von dem 743 Meter hohen Decemhieb begrenzt. Nordwestlich des Ortes liegt Neustadt am Rennsteig, im Nordosten die Stadt Großbreitenbach. Dem Flusslauf der Oelze folgend führt nach Südosten die Harztalstraße zum 150 Meter niedriger liegenden Ortsteil Oelze der Gemeinde Katzhütte. Südlich und westlich liegen ausgedehnte Fichtenwälder und der Rennsteig. Das Gemeindegebiet ist fast vollständig (83 %) bewaldet. Vorherrschende Baumart ist die Fichte. Lediglich im Talkessel rund um den Ort befinden sich einige Wiesenflächen, die zur Weideviehhaltung genutzt werden. In Altenfeld herrscht ein raues Mittelgebirgsklima mit kühlen, feuchten Sommern und schneereichen Wintern.

NachbarorteBearbeiten

Neustadt am Rennsteig Großbreitenbach
 
Gießübel Masserberg Katzhütte

GeologieBearbeiten

Von Wissenschaftlern der Bergakademie Freiberg wurden 1988 in den Altenfelder Schichten des Thüringer Schiefergebirges die ältesten Spuren des Lebens (pflanzliches Plankton) in dunkelgrauem bis schwarzem Kieselschiefer auf dem Gebiet der ehemaligen DDR nachgewiesen. Der Kieselschiefer gehört geologisch dem Präkambrium an und besteht überwiegend aus dem Material Quarz. Er verdankt seine dunkle Farbe dem relativ hohen Gehalt an Kohlenstoff.

GeschichteBearbeiten

Die Gemeinde wurde 1492 erstmals urkundlich erwähnt. In dem Dokument ist die Rede von Schneidemühlen am "Clemenstein" und "auf dem alten Felde", dessen genauer Standort unbekannt ist. Hinweise aus dem Jahr 1490 auf eine wüste Dorfstatt gelegen an der oberen Oelze, genannt "altes Feld", legen den Schluss nahe, dass der Ort Altenfeld auf einer alten Wüstung seinen Ausgangspunkt nahm und demzufolge wesentlich älter als urkundlich bezeugt sein muss.

Im April 1525 brach in Thüringen der Bauernaufstand aus, in dessen Folge sich die Siedler der Walddörfer zu einem sogenannten "evangelischen Bruderbund", auch Waldbund genannt, zusammengeschlossen. Im Zuge der Auseinandersetzung besetzten die Truppen der Fronherren auch das "alte Feld". 1550 wurde auf dem Gebiet des heutigen Ortes am Zusammenfluss von Reischelbach und Oelze eine Schmelzhütte errichtet, in welcher das in der Umgebung abgebaute Silber- und Kupfererz geschmolzen wurde. Von etwa 1600 bis 1646 war Altenfeld eine Wüstung. Im Jahre 1646 führte das Ansiedeln einer Glashütte „auf dem alten Felde“, einer verlassenen Bergarbeitersiedlung, zur Wiederbesiedelung des Ortes. Von dieser Glashütte ging eine Entwicklung zum bald größten Dorf im damaligen Amt Gehren in der Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen aus.

Die Glasherstellung blieb neben der Ziegelbrennerei, Schachtelmacherei und Muldenhauerei bis heute der wichtigste Wirtschaftszweig des Ortes. Kaufleute aus Thüringen brachten das Glas bis nach Holland, seit etwa 1690 kamen holländische Kaufleute auch hierher.

In den Jahren 1738 bis 1741 wurde auf einem hervorspringenden Felsen die heute denkmalgeschützte Kirche erbaut.

Aufgrund der Lage im Gebirge ohne ausreichende Ackerflächen kam es in Altenfeld wiederholt zu Hungersnöten, zuletzt 1772 als 72 Menschen verhungerten. 1846 verwüstete ein Brand das Dorf, welchem 17 Häuser vollständig zum Opfer fielen.

Im späten 19. Jahrhundert arbeitete nur noch eine Glashütte; erst um 1900 kam es zu Hüttenneugründungen.

1901 wurde ein Glasmacherverband und 1905 eine Ortsgruppe der SPD gegründet. Im Jahre 1911 sprach Wilhelm Pieck in einer Wahlversammlung zu den Arbeitern Altenfelds. 1919 beteiligte sich der Altenfelder Arbeiter- und Soldatenrat an der Absetzung des Gehrener Landrates, 1920 waren Altenfelder Glasmacher am Generalstreik gegen den Kapp-Putsch beteiligt. 1954 wurde die Auszeichnung „Staatlich anerkannter Erholungsort“ an Altenfeld erstmals vergeben. Im Jahre 1998 bekam die Gemeinde vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur dieses Prädikat dann dauerhaft zugesprochen.[1]

1994 kam Altenfeld zum Ilm-Kreis und zur Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach. Der Verwaltungssitz war in der Stadt Großbreitenbach. Zum 1. Januar 2019 wurde die Verwaltungsgemeinschaft in die Landgemeinde Stadt Großbreitenbach umgewandelt.[2]

Territoriale ZugehörigkeitBearbeiten

Seit 1599 gehörte Altenfeld der Grafschaft, dem späteren Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen an, welches 1918 in den Freistaat Schwarzburg-Sondershausen aufging, ab 1922 gehörte der Ort zum Landkreis Arnstadt, aus dessen südlichen Teil 1952 der Kreis Ilmenau gebildet wurde, dem Altenfeld dann angehörte. 1994 wurde der Ilm-Kreis gegründet, zu dem Altenfeld heute gehört.

 

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Quelle: ab dem Wert für das Jahr 1994 Thüringer Landesamt für Statistik[3]

Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Grafik
1843 711[4] 1996 1.201 2004 1.121 2012 1.062
1939 1.819[5] 1997 1.184 2005 1.103 2013 988
1955 1.750 1998 1.192 2006 1.090 2014 940
1977 1.573 1999 1.178 2007 1.075 2015 951
1987 1.500 2000 1.166 2008 1.051 2016 960
1989 1.287[6] 2001 1.166 2009 1.066 2017 927
1994 1.233 2002 1.150 2010 1.062
1995 1.218 2003 1.133 2011 1.126[7]

PolitikBearbeiten

Ehemaliger BürgermeisterBearbeiten

Während der Bürgermeisterwahl am 6. Juni 2010 wurde Peter Grimm (SPD und Freunde der SPD) mit 93,7 % der Stimmen als ehrenamtlicher Bürgermeister wiedergewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 40,0 %.[8]

Ehemaliger GemeinderatBearbeiten

Der Rat der Gemeinde Altenfeld bestand aus 12 Ratsfrauen und Ratsherren.

Parteien und Wählergemeinschaften Stimmen
2009
Sitze
2009
%
2009
Stimmen
2014
Sitze
2014
%
2014
GUV
 %
CDU 145 1 10,3 - - - −10,3
SPD und Freunde 670 6 47,4 494 5 42,8 −4,6
Unabhängige Liste „Bürger für Altenfeld“ 453 4 32,0 533 6 46,2 +14,2
Bürgergemeinschaft 146 1 10,3 162 1 10,2 −0,1
Gesamt: 1414 12 100,0 1153 12 100,0
Wahlbeteiligung in %: 60,1 % 50,7 %

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014[9])

OrtspartnerschaftenBearbeiten

Seit 1990 besteht eine Partnerschaft mit der Gemeinde Eschenburg in Hessen.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kirche in Altenfeld

MuseenBearbeiten

  • Das Glasmuseum Altenfeld zeigt das gesamte Spektrum der Glasherstellung, wie Gebrauchs- und Kunstglas. U. a. sind Thermometer aus fünf Jahrzehnten zu besichtigen.
  • Kleine Galerie im Bürgerhaus
  • Musikautomaten-Museum Eger mit einer Sammlung alter Musikautomaten aus der Zeit von 1888 bis 1924

SportBearbeiten

  • 3-Felder Beachvolleyball-Anlage
  • Waldschwimmbad im Bettelmannstal
  • Kegelbahn
  • Mehrzweckhalle
  • Sportplatz
  • Zahlreiche Wander- und Skiwanderwege
  • Skilift

BauwerkeBearbeiten

Wirtschaft und VerkehrBearbeiten

In Altenfeld war früher, wie in den anderen Orten der Umgebung, die Heimarbeit weit verbreitet. Hergestellte Produkte waren hier vor allem Waren des Haushaltsbedarfs wie z. B. Streichhölzer, Löffel und andere Holzprodukte. Diese Heimarbeiter zählten zu den ärmsten Menschen in Thüringen, genauso wie das Schiefergebirge lange Zeit als ärmste Region des Landes galt. Neben der Heimarbeit war die Glasindustrie ein wichtiger Erwerbszweig des Ortes, sie bestand hier bis in die DDR-Zeit hinein. Produkte waren hier neben gewöhnlichem Haushaltshohlglas auch Thermometer und andere Glasmessgeräte.

Heute ist der größte Arbeitgeber des Ortes die in Anhausen ansässige Remy & Geiser GmbH, welche im Bereich der Produktion von Kunststoff- und Glasverpackungen für die Pharmazie tätig ist und seit 1991 durch die Übernahme des Standortes Altenfeld der Glasring Thüringen AG hier ein Werk betreibt.

Durch Altenfeld verläuft die Landesstraße L2648, über welche Verbindungen nach Kahlert am Rennsteig (dort weiter nach Neustadt am Rennsteig, Masserberg oder Gießübel) und Großbreitenbach bestehen. Von dieser zweigt eine Kommunalstraße nach Katzhütte/Oelze ab. Der nächste Bahnanschluss liegt ebenfalls fünf Kilometer östlich in Katzhütte an der Schwarzatalbahn. Etwa zwei Kilometer östlich des Ortes befindet sich die Oelzetalbrücke der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt, die im Gemeindegebiet ansonsten durch Tunnel geführt wird.

Busverbindungen werden durch die Linien 304 (Großbreitenbach–Ilmenau) und 308 (Altenfeld–Herschdorf–Königsee) der IOV Omnibusverkehr GmbH Ilmenau realisiert.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Traugott Ochs (1854–1919), Hofkapellmeister, Organist und Dirigent[10]
  • Franz Eger (1889–1956), Politiker, Oberbürgermeister von Hildesheim, geboren in Altenfeld
  • Fritz Grunert (1930–2001), Politiker (SPD), Mitglied des Brandenburger Landtags, geboren in Altenfeld
  • Manfred Geyer (* 1951), ehemaliger Biathlet, derzeit Trainer der Biathlon-Nationalmannschaft Südkoreas

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Altenfeld auf Thüringen.info. Abgerufen am 25. Juni 2013.
  2. Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 1. Januar 2019
  3. Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Thüringer Landesamt für Statistik, veröffentlicht am 27.06.2013. Abgerufen am 6. Juli 2013.
  4. Quelle für schwarzburgische und sächsische Orte: Johann Friedrich Kratzsch: Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der Deutschen Bundesstaaten. Naumburg, 1843. Online abrufbar bei Google Books. Quelle für preußische Orte: Handbuch der Provinz Sachsen. Magdeburg, 1843. Online abrufbar bei Google Books
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Einwohnerzahlen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Bevölkerungsentwicklung ab 1989 (TLUG) (Memento des Originals vom 29. Oktober 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tlug-jena.de (PDF; 18 kB)
  7. aktualisierte Daten nach dem Zensus 2011@1@2Vorlage:Toter Link/www.statistik.thueringen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Bürgermeisterwahlen am 06.06.2010 in Thüringen. Abgerufen am 29. Mai 2014.
  9. Gemeinderatswahl 2014 in Thüringen. Abgerufen am 28. Mai 2014.
  10. Eintrag über Traugott Ochs auf requiemsurvey.org (engl.). Abgerufen am 29. Juni 2013.

LiteraturBearbeiten

Horst H. Müller (Hrsg.): Thüringer Wald und Randgebiete (= Reisehandbuch). Tourist-Verlag, Berlin, Leipzig 1988, ISBN 3-350-00263-3, S. 209–210.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Altenfeld – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Altenfeld – Reiseführer