Hauptmenü öffnen

Affix (Linguistik)

unselbständiges Morphem
(Weitergeleitet von Affix)
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Affix (von lat. affigere, „anheften“; Partizipform: affixum, „angeheftet“) ist in der Linguistik die Bezeichnung für einen unselbständigen Bestandteil eines Wortes (ein gebundenes Morphem), der nicht selbst durch Anfügung anderer Elemente komplettiert werden kann, sondern nur umgekehrt zur Erweiterung eines vorhandenen Wortes bzw. Wortteiles dient.[1] Diese letztere Eigenschaft unterscheidet das Affix von einem gebundenen lexikalischen Morphem (wie Konfix, unikales Morphem), das ebenfalls nicht selbständig vorkommt, aber seinerseits als Wortstamm dienen kann.

Affixe haben dementsprechend meist keine lexikalische, sondern grammatische Bedeutung.[2] Affixe dienen vor allem zur Wortbildung und zur Flexion. Das Gegenstück zum Affix, also der Wortteil, mit dem ein Affix sich verbindet, heißt in allgemeiner Form die Basis der Affigierung, wobei es sich in den meisten, aber nicht allen Fällen um einen Wortstamm im strikten Sinn handelt (siehe dort für Einzelheiten).

Ein Begriff „Affix“ wird auch in der Informatik und Mathematik verwendet und hat dort eine Bedeutung, die Ähnlichkeiten zum linguistischen Begriff aufweist, aber im Einzelnen davon zu unterscheiden ist; siehe hierzu Affix (Naturwissenschaften/Informatik).

Inhaltsverzeichnis

Einteilung nach der StellungBearbeiten

Affixe können nach ihrer Basis (Suffix) oder davor (Präfix) angefügt werden, um ihre Basis herum (Zirkumfix) oder zwischen zwei Stämmen (Interfix); sie können sogar innerhalb der Basis (Infix) eingefügt oder dieser (Suprafix) übergestülpt werden.[1]

SuffixBearbeiten

Beispiel: „geh“: / „geh-en“. Der Verb­stamm ist geh (taucht alleine so auch im Imperativ auf), das Suffix -en dient zur Bezeichnung der Infinitiv-Form.

PräfixBearbeiten

Beispiel: „gehen“/„be-gehen“ Der Verbstamm ist geh-. Das Applikativ-Präfix be- wandelt das intransitive Verb gehen in ein transitives um.

ZirkumfixBearbeiten

Beispiel 1: „geleitet“ = Verbstamm „leit-“ (wie in „leiten“) mit dem gleichzeitigen Hinzutreten von „ge-“ und „-et“;

Beispiel 2: Negation im Guarani: ndaguatái Die Verbform aguata „ich gehe“ wird mit dem Zirkumfix nd-…-i negiert zu ndaguatái „ich gehe nicht“.

InterfixBearbeiten

Beispiel: „Friedenstaube“ hat das -s- als Interfix.

Das -s- wird auch als „Fugenelement“ bezeichnet.

InfixBearbeiten

Kommt in der deutschen Sprache nicht vor. Im Gegensatz zum Interfix, das zwischen zwei Wortstämmen auftritt, wird das Infix ins Innere eines anderen Morphems eingeschoben.

Beispiel 1: Im Kharia wird der Nominalisierer -nV- vor die Koda der ersten Silbe eingefügt: gɔj „sterben“ – j „Tod“, jib „anfassen“ – jinib „Berührung“[3]

Beispiel 2: Aktor-Fokus im Tagalog: bumilí Der Verbstamm ist bilí „kaufen“, das Infix -um- gibt an, dass der Fokus auf das Agens gerichtet ist: bumilí „kaufen (jemand kauft)“.

SuprafixBearbeiten

Durch Suprafixe oder Suprasegmentalia wird die (neutrale) Aussprache eines Wortstamms ggf. systematisch durch gewisse Lauteigenschaften abgeändert: z. B.: Stimmhöhe, Rhythmus, Intonation, Stimmhöhenverlauf etc.

Beispiel: Suprafixe können im Deutschen nachfragende oder hervorhebende Bedeutung geben.

Beispiel 1: Ansteigender Stimmverauf in: "Morgen?" im Gegensatz zu gleichbleibender Stimmhöhe in "Morgen."

Beispiel 2: Das ist die Mode! in der Bedeutung die maßgebliche Mode.

Einteilung nach der Funktion (Flexions- und Derivationsaffixe)Bearbeiten

Affixe können auch nach ihrer Funktion eingeteilt werden:

  • Affixe, die der Bildung von Wortformen dienen (der „Beugung“, also Flexion): Flexionsaffixe (auch Flexeme oder Flexive genannt),
  • Affixe, die der Wortbildung dienen: Derivationsaffixe (selten auch: Derivateme).

Flexionsaffixe sind im Deutschen in der Regel Suffixe.

Beispiel: „geht“ = geh-t mit „t“ als Flexionssuffix.

Derivationsaffixe können im Deutschen Suffixe oder Präfixe sein.

Beispiel 1: „Lehrer“ = Lehr-er mit „-er“ als Derivationssuffix.

Beispiel 2: „zergehen“ = zer-geh-en mit „zer-“ als Derivationspräfix und „-en“ als Flexionssuffix.

Affixe in den romanischen SprachenBearbeiten

Die Affixe können durch ihre Position und nach ihrer Funktion – aus grammatischer Sicht betrachtet – im Wort in den romanischen Sprachen klassifiziert werden. Hinsichtlich der Scheidung nach ihrer Position ist in den romanischen Sprachen die Differenzierung nach Suffix und Präfix von Bedeutung.[4] Der Suffix wird als ein Affix gesehen, der hinter der Wortwurzel steht. Dabei sind Suffixkettenbildungen möglich. Der Präfix wiederum kann als Affix angesehen werden, der vor der Wurzel eines Wortes steht.

Beispiele von Suffixen als Affixe: spanisch centr-al oder als Suffixkette centr-al-iz-a-ción. Ferner, hier an der spanischen Sprache dargestellt, lässt sich die Verbindung der Suffixe mit den Eigenschaften charakteristischer Wortarten benennen:

Beispiele von Präfixen als Affixe: spanisch re-animación.

Betrachtet man die Funktion der Affixe sind für die weiteren Überlegungen die Begriffe Flexion und Derivation von Bedeutung. Die romanischen Sprachen realisieren die Flexion einzig durch die Beteiligung von Suffixen. Sie besetzen dabei das äußerste rechte Ende des grammatischen Worts und folgen also auch den vorangestellten Derivationssuffixen.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Affix – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b A. Carstairs-McCarthy: Affixation. In: Encyclopedia of Language and Linguistics. 2. Auflage. Elsevier, 2005, ISBN 0-08-044299-4, S. 83 ff. (englisch).
  2. Allerdings werden in Sprachen mit Inkorporation auch gebundene Nomina bzw. Verben als Affixe bezeichnet. Siehe Diane Massam: Noun Incorporation: Essentials and Extensions. In: Language and Linguistics Compass. Bd. 3, Nr. 4, 2009, S. 1076–1096, doi:10.1111/j.1749-818X.2009.00140.x.
  3. John Peterson: A Grammar of Kharia. A South Munda Language (= Brill's Studies in South and Southwest Asian Languages. 1). Brill, Leiden u. a. 2011, ISBN 978-90-04-18720-7.
  4. Christoph Gabriel, Trudel Meisenburg: Romanische Sprachwissenschaft (= UTB. 2897, Basics). Fink, Paderborn 2007, ISBN 978-3-7705-4325-0, S. 155 f.