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Aduatuca

Aduatuca war der Name eines befestigten Platzes im Gebiet des keltischen Stammes der Eburonen, der zwischen den Flüssen Maas und Rhein vermutet wird.

Aduatuca oder Atuatuca war der Name eines befestigten Platzes im Gebiet des keltischen Stammes der Eburonen, die größtenteils zwischen den Flüssen Maas und Rhein wohnten.[1]

Aduatuca steht vor allem für die empfindlichste Niederlage, die Gaius Iulius Caesar während seiner Eroberungsfeldzüge gegen die keltischen Gallier 58 bis 50 v. Chr. erlitt. Eineinhalb Legionen, rund 7.000 Mann, wurden geschlagen. Nach Caesars De bello Gallico lag dieses castellum Aduatuca „inmitten des eburonischen Gebietes“ (in mediis Eburonum finibus)[2].

Keltische Festung AduatucaBearbeiten

Caesar berichtet, dass der keltische Stamm der Aduatuker im Jahr 57 v. Chr. zunächst den belgischen Nerviern zu Hilfe eilen wollte, sie aber auf halbem Wege wieder umkehrten, als sie von der siegreichen Schlacht Caesars gegen die Nervier hörten. Daraufhin gingen sie in ihr Gebiet zurück, verließen alle Wohnstätten und zogen sich mit ihrem gesamten Hab und Gut an einen Ort Aduatuca zurück.[3]

Beschaffenheit und OrtslageBearbeiten

Aduatuca im Gebiet der Eburonen war gemäß Caesar eine Stadt mit einer hervorragend geschützten Lage.[4] Sie hatte sehr hohe Felswände und eine gute Weitsicht. Von einer Seite war ein ansteigender Zugang vorhanden, der höchstens 200 Fuß (ca. 65 m) breit war. Dieser Zugang war mit einer Doppelmauer und schweren Felsstücken sowie zugespitzten Balken geschützt.[5]

Caesars Belagerung und EroberungBearbeiten

Nach dem Eintreffen von Caesar wurde sein Heer durch Ausfälle und kleinere Gefechte der Aduatuker gestört. Daraufhin ließ Caesar einen Rundwall um Aduatuca von 15.000 Fuß Umfang anlegen, der mehrere Stützpunkte besaß. Weiterhin ließ er Schutzdächer und einen hölzernen Turm anfertigen, der an die Festung herangeschoben werden sollte.[6] Caesar berichtet, dass sich die Aduatuker über den kleinen Wuchs der Römer lustig gemacht und sie verhöhnt hätten.[7]

Als Caesar den Turm an die Festung herangeführt hatte, wollten die Aduatuker über freies Geleit unter Besitz ihrer Waffen verhandeln. Doch Caesar antwortete, dass er den Stamm zwar schonen wolle, aber sie die Waffen übergeben müssten.[8] Die Aduatuker ergaben sich daraufhin und warfen einen Teil ihrer Waffen über die Mauer und Caesar nahm die Stadt ein.[9]

In der Nacht versuchten die Aduatuker einen verbissenen Ausfall mit zuvor versteckten Waffen, wurden aber von den Römern zurückgedrängt und geschlagen. Insgesamt wurden 4000 Mann getötet. Caesar drang in die Stadt ein und verkaufte nach seiner Aussage 53.000 Aduatuker an Aufkäufer, d. h., er ließ sie versklaven.[10]

Römisches Winterlager AduatucaBearbeiten

Im Jahr 54 v. Chr. entscheidet sich Caesar, aufgrund der anhaltenden Dürre und des Getreidemangels die Winterlager seines Heeres auf mehrere Standorte und Stämme der Gallier zu verteilen. Eines dieser Lager wurde bei den Eburonen zwischen Maas und Rhein in Aduatuca eingerichtet. Die Winterquartiere verteilte er so, dass sie im Umkreis (Durchmesser) von hundert Meilen (ca. 150 km) auseinanderlagen. Dieses Lager wurde mit einer Legion und fünf Kohorten besetzt.[11] Das Kommando erhielten die Legaten Quintus Titurius Sabinus und Lucius Aurunculeius Cotta.[1]

Niederlage gegen AmbiorixBearbeiten

In dem castellum Atuatuca sollten die Verbände überwintern.[1] Im November 54 v. Chr. wurde das Lager von den Eburonen unter ihrem Teilkönig Ambiorix überraschend angegriffen.[12] Durch eine List gelang es Ambiorix, die römischen Verbände aus dem befestigten Lager zu locken. Er nutzte dabei die Kopflosigkeit des Legaten Quintus Titurius Sabinus, der ausdrücklich gegen den Rat des zweiten, aber offenbar untergeordneten Legaten Lucius Aurunculeius Cotta handelte und den Abzug in Richtung des nächstgelegenen Winterlagers befahl, das 50 Meilen entfernt lag und unter dem Kommando von Quintus Tullius Cicero stand.[13]

Caesar gibt eine ausführliche und lebendige Schilderung der Auseinandersetzung zwischen Titurius und Cotta und der anschließenden Schlacht[14], die er selbst als calamitas („Unglück“) bezeichnet und die in zahlreichen Geschichtswerken der folgenden Jahrhunderte Erwähnung findet (Appian, Sueton, Cassius Dio, Eutropius, Florus, Plutarch).

Wie schwer Caesar die Niederlage von Aduatuca nahm, hat Sueton in seinen Kaiserbiographien überliefert. Dort heißt es, Caesar habe nach der Niederlage des Sabinus sein Bart- und Haupthaar wachsen lassen und es nicht eher abnehmen lassen, als bis er sich gerächt hätte.[15]

Überfall der Sugambrer auf AtuatucaBearbeiten

Eine zweite militärische Auseinandersetzung bei Aduatuca fand 53 v. Chr. statt: Der germanische Stamm der Sugambrer war „auf Schiffen und Kähnen“ über den Rhein gekommen, um das Gebiet der Eburonen zu plündern. Eburonische Gefangene wiesen auf das nur drei Reitstunden entfernte Lager der Römer hin, wo viel reichere Beute zu machen sei und wo bei geringer Besatzung der gesamte Tross des römischen Heeres lagere.[16]

Die Sugambrer wandten sich daraufhin gegen das Lager Aduatuca, das von Quintus Tullius Cicero befehligt wurde. Durch einen militärischen Fehler Ciceros, indem er fünf Kohorten zum Getreideholen auf die Felder schickte, kam die Besatzung des Lagers in große Gefahr.[17] Die verbliebenen römischen Soldaten konnten jedoch mit Mühe und Not den Ansturm der Reiter eine Zeitlang aufhalten.[18] Nur ein Teil der von den Feldern zurückeilenden Römer konnte wieder heil ins Lager zurückkehren. Die laut Caesar noch unerfahrenen Soldaten wurden von den „Barbaren“ umringt und niedergemacht.[19] Caesar berichtet, dass die Germanen nun doch an der Belagerung des Lagers verzweifelten und mit ihrer erlangten Beute über den Rhein in ihr Gebiet zurückkehrten.[20]

Erst Caesar konnte nach seiner baldigen Rückkehr der Angst der Römer ein Ende machen.[21] Vom römischen Lager Aduatuca aus setzte er anschließend die Verwüstung des eburonischen Stammesgebietes fort, seine unerbittliche Rache für die Katastrophe vom November 54 v. Chr., die sein Heer bei Aduatuca erlitten hatte.[22]

Lokalisierung von AduatucaBearbeiten

Caesar ist sehr detailliert in seiner Art und in seinen Ausführungen, Volksstämme und Wirkungsstätten des Gallischen Krieges zu beschreiben. Historiker zweifeln oft seine Aussagen an, wenn diese nicht in ihr Denkschema passen und im Konflikt zu ihren Hypothesen stehen. Wenn es um die Lokalisierung von Aduatuca geht, sollten die folgenden Kriterien berücksichtigt werden, die von Caesar eindeutig beschrieben sind:

Aus dem zweiten Buch

  • Das keltische Aduatuca war eine Stadt, die durch ihre Lage natürlich geschützt („natura munitum“) war.[23]
  • Die Festung Aduatuca hatte sehr hohe Felswände und ein gutes Blickfeld nach unten.[24]
  • Es waren abgebaute Felsvorkommen vorhanden, denn die Burgfestung war mit schweren Felsstücken geschützt.[25]
  • Über einen ansteigenden Zugang von 200 Fuß Breite (ca. 65 Meter) konnte ein Holzturm herangeführt werden.[26]
  • Es muss sich um einen isolierten Berg gehandelt haben, denn Caesar ließ einen Rundwall von 15.000 Fuß (ca. 4400 m) Umfang anlegen.[27]
  • Im Ort gab es offensichtlich Versteckmöglichkeiten für Waffen, die die Römer nach Einnahme der Stadt nicht sofort fanden.[28]
  • Bei der Eroberung von Aduatuca wurden 4.000 Aduatuker getötet. Die übrigen wurden in die Festung zurückgeworfen. Am folgenden Tag sprengten die Römer die Tore und stürmten ohne Widerstand hinein; Cäsar ließ die Beute aus dieser Stadt insgesamt verkaufen. Die Käufer gaben ihm die Zahl der verkauften Einwohner auf 53.000 Köpfe an.[29] Also hatte Aduatuca auch eine gewisse Größe.

Aus dem fünften Buch

  • Das römische Lager Aduatuca lag mit den anderen Winterquartieren (bei den Morinern, Remern, Treverern und Belgern) in einem Umkreis (Durchmesser) von hundert Meilen (148 km).[30]
  • Der Abzug erfolgte in Richtung eines nahen Winterlagers. Das im Stammesgebiet der Nervier lag 50 Meilen (74 km) entfernt, und stand unter dem Kommando von Quintus Tullius Cicero Das andere bei den Remern, im Stammesgebiet der Treverer, lag mehr als 50 Meilen (74 km) entfernt und stand unter dem Kommando von Titus Labienus.[31]
  • In einer Entfernung von zwei Meilen muss ein Wald gelegen haben, in dem sich die Männer um Ambiorix versteckten.[32]
  • In der Nähe, nur wenige Wegstunden vom römischen Lager Aduatuca entfernt, lag ein langes Tal, das eine Legion und fünf Kohorten, sowie den zugehörigen Tross aufnehmen konnte.[33] Die Römer brachen im Morgengrauen auf[34] und der Kampf mit den Eburonen unter Ambiorix dauerte vom Morgen bis zur achten Stunde.[35]
  • Einige wenige, konnten aus der Schlacht entkommen waren. Sie gelangten auf Irrwegen durch die Wälder in das Winterlager des Legaten Titus Labienus im Land der Remer, dem sie die Vorfälle berichteten.[36]
  • Stolz auf diesen Sieg zog Ambiorix bald Tag und Nacht ohne Unterlass mit seiner Reiterei zu den Aduatukern, den Nachbarn seines Landes: das Fußvolk musste folgen. Nachdem er den Aduatukern seinen Sieg geschildert und sie zum Kampf aufgestachelt hatte, zog er am folgenden Tag in das Gebiet der Nervier weiter.[37] Demnach lebten die Aduatuker am Rand des Landes der Eburonen in der Nachbarschaft der Nervier.

Aus dem sechsten Buch

  • Der Ort lag zwischen Maas und Rhein fast im Zentrum des Gebiets der Eburonen.[38]
  • Bei der Verfolgung von Ambiorix entlang des Flusses Scaldis, der in die Maas fließt („quod influit in mosam“), bis an die Ausläufer der Ardennen, wollte Caesar nach einer Woche wieder zum Lager Aduatuca zurückkehren.[39]
  • In der nächsten Umgebung von Aduatuca gab es fruchtbare Felder, auf denen genügend Getreide angebaut wurde, das von den Römern eingetrieben wurde.[40]
  • In der Gegend gab es Hügel, so dass die Getreideeinholer keine direkte Sicht auf ihr Lager hatten.[41]
  • Nachdem Cäsar das Land der Eburonen verheert hatte, zog er nach dem Verlust von zwei Kohorten sein Heer nach Durocortorum, heute Reims, im Land der Remer zurück.[42]

Antike Quellen zu AduatucaBearbeiten

  • Gaius Iulius Caesar: Commentarium libri VII de bello Gallico, Buch 5, 24–37; 6, 32–40 [Hauptquelle]
  • Appian: Bellum Civile, II, 29, 150
  • Sueton: De vita Caesarum, Divus Iulius, 25, 67
  • Cassius Dio: Römische Geschichte, Buch 40, 5, 6
  • Eutrop: Breviarium historiae Romae, VI, 17
  • Florus: Epitoma de Tito Livio bellorum omnium annorum, VII Bellum Gallicum, XLV
  • Plutarch: Vitae parallelae, Caesar, 23
  • Ptolemaeus: Geographia – Germania Magna

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Atuatuca – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

AnmerkungenBearbeiten

  1. a b c C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 24.
  2. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 32.
  3. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29.
  4. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29.
  5. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29.
  6. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 30.
  7. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 31.
  8. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 32.
  9. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 3.
  10. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 33.
  11. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 24.
  12. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 26.
  13. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 28–32.
  14. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 26–37.
  15. Otto Schönberger: Der Gallische Krieg. Akademie Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-05-006417-8, S. 564.
  16. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 35.
  17. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 36.
  18. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 38.
  19. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 40.
  20. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 41.
  21. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 41.
  22. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 43–44.
  23. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29.
  24. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29.
  25. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29.
  26. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 29–31.
  27. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 30.
  28. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 32.
  29. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 2, 33.
  30. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 24.
  31. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 27–37.
  32. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 32.
  33. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 33.
  34. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 31.
  35. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 35.
  36. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 37.
  37. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 5, 38.
  38. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 32.
  39. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 33.
  40. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 36.
  41. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 39–40.
  42. C. Julius Caesar: De bello Gallico. 6, 44.