Jimmy Wales

Jimmy Wales (2008)
Jimmy Wales, Im Jahr 2005 auf dem Holbeinsteg in Frankfurt am Main während einer Drehpause eines arte-Dokumentarfilms über Wikipedia

Jimmy Donal „Jimbo“ Wales (* 7. August 1966[1] in Huntsville, Alabama) ist ein US-amerikanischer Internet-Unternehmer, der besonders als Hauptgründer[2] der Online-Enzyklopädie Wikipedia bekannt wurde.

Leben

Jimmy Donal Wales ist der Sohn des Gemischtwarenhändlers Jimmy Wales senior und der Lehrerin Doris Wales, deren Privatschule schon von ihrer Mutter betrieben wurde. Im Alter von vier Jahren soll Wales zu lesen begonnen haben – am liebsten in der World Book Encyclopedia, die seine Mutter 1968 von einem Vertreter erstanden hatte.[3] Den High-School-Abschluss absolvierte er auf einer Privatschule, die im Gegensatz zu den meisten öffentlichen Schulen seit 1979 über Computer verfügte. Er studierte danach Finanzwirtschaft an der Auburn University und machte dort 1989 seinen Bachelor-Abschluss. Wales begann zwei Mal ein Promotionsstudium, zunächst an der University of Alabama, wo er den Master-Grad erhielt, danach an der Indiana University; eine Dissertation hat er jedoch nie eingereicht.

In seiner Freizeit beschäftigte sich Wales mit Diskussionsforen im Usenet und beteiligte sich dort. Besonders intensiv engagierte er sich in philosophischen Fragen. Wales bezeichnet sich als Anhänger des von der Schriftstellerin Ayn Rand begründeten Objektivismus.[4] 1992 gründete Wales sein erstes (von ihm selbst moderiertes) Forum. Alle Anfragen waren zuerst an ihn zu richten, was unsachliche Angriffe und chaotische Diskussionen unterbinden sollte. Dennoch scheiterte dieser Versuch, da die jeweiligen Fragen nicht einmütig beantwortet werden konnten.

1994 wurde Wales als Händler für Futures und Optionen an der Chicagoer Börse tätig. Er wurde dadurch vermögend, hält sich selbst jedoch nicht für reich.[5] Seit 2012 berät Wales unentgeltlich die britische Regierung.[6]

Bomis

1996 gründete Wales mit zwei Geschäftspartnern die Internetfirma Bomis. Dort konnte man kostenlos werbefinanzierte Foren zu den Themen Unterhaltung, Sport, Science-Fiction und Erotik besuchen. Wales ist seit 2006 nicht mehr aktiv am Unternehmen beteiligt.

Nupedia und Wikipedia

Im März 2000 begann er in seiner Firma Bomis mit Nupedia das erste Projekt einer englischsprachigen Internet-Enzyklopädie auf der Basis von Peer-Review und mit Experten als Autoren. Larry Sanger stellte er als Chefredakteur ein; die beiden hatten sich bei Diskussionen über Philosophie im Usenet kennengelernt. Im Januar 2001 schlug der Programmierer Ben Kovitz seinem Freund Sanger den Einsatz der Wiki-Software vor, um die Stagnation der Beteiligung bei Nupedia zu überwinden.[7] Sanger wiederum empfahl Wales am nächsten Tag, dieses Verfahren anzuwenden.

Am 15. Januar 2001 ließ Wales Wikipedia freischalten; zunächst war diese Plattform nur als eine versuchsmäßige Ergänzung zu Nupedia gedacht. Wales bestimmte die strategischen Ziele von Wikipedia, vor allem Neutralität bei der Darstellung eines Themas („neutral point-of-view“). Aufgrund des unerwartet schnellen Anstiegs der Zahl der Nutzer und ihrer Beiträge in Wikipedia wurde Nupedia im September 2003 eingestellt. Am 20. Juni 2003 gründete Wales die gemeinnützige Wikimedia Foundation, die er bis Ende 2006 leitete. Im Oktober 2006 trat Wales die Leitung des Vorstandes an die Französin Florence Nibart-Devouard ab, blieb jedoch als Chairman emeritus weiter im Vorstand.

Zum engeren Kern der deutschsprachigen Wikipedia zählt Wales nur „etwa 800 bis 900“ Autoren, dies sind nach seiner Definition „Wikipedianer, die mehr als 100 Beiträge monatlich neu schreiben oder ändern“.[8] Über diese zentrale Gruppe meinte er im November 2007 in der New York Times, dass sie „in Wahrheit ganz schön eingebildet“ sei. Für das „größte Missverständnis über Wikipedia“ hält er die Annahme, dass sie demokratisch sei. „Wir glauben, einige Leute sind Idioten und sollten gar nicht schreiben.“[9] Eine weitere Beurteilung äußerte er 2006: Wikipedia sei „in vielerlei Hinsicht egalitaristisch und basisdemokratisch“, aber „auch elitär“.[8] Er gehe „vom Guten im Menschen“ aus und setze daher auf „offenen Austausch von Informationen“ und auf eine „breite öffentliche Beteiligung“.[8]

Nach den Aufbaujahren geht es Wales heute (2009) darum, nicht mehr nur die Zahl, sondern vor allem die Qualität der Artikel zu steigern: „Unser Anspruch muss es sein, so gut zu sein wie der Brockhaus!“[10] Daher begrüßt er es, wenn mehr akademische Spezialisten über ihr Fachgebiet in Wikipedia publizieren.

Mittlerweile gab Wales einige seiner Sonderrechte zurück, da er die Community mit unabgestimmten Löschungen brüskiert hatte. Es handelte sich dabei um das Löschen von – seiner Meinung nach – pornografischen Inhalten.[11]

Wikia

Hauptartikel: Wikia

2004 gründete er mit Angela Beesley das Internetportal Wikia, einen kostenlosen Hosting-Dienst für Wiki-Projekte und -Foren, das sich durch Werbung, zum Beispiel Google-Textwerbung, finanziert und mehrere kommerzielle Wikis betreibt.[12] 2007 startete Wales das Projekt Wikia Search, eine freie und kollaborative Alternative zur Internetsuchmaschine Google auf Wiki-Basis, in welchem das Ranking der Suchergebnisse durch die Internetbenutzer erfolgt. Das Projekt basiert auf den Open-Source-Programmen Lucene, Nutch und Hadoop.[13][14][15][16] Eine erste Alpha-Version von Wikia Search wurde am 7. Januar 2008 freigeschaltet. Nach rund 15 Monaten gab Wales in seinem Blog bekannt,[17] dass er den Betrieb der freien und kollaborativen Suchmaschine Wikia Search am 31. März 2009 eingestellt habe. Es waren im letzten halben Jahr monatlich nur 10.000 Besucher zu verzeichnen gewesen.[18] In erster Linie machte er die Wirtschaftskrise für die geringe Nutzung verantwortlich. Er wolle sich jedoch weiterhin für freie Suchmaschinenprojekte einsetzen.

Privatleben

Im März 1997 heiratete Jimmy Wales in zweiter Ehe Christine Rohan. Sie haben eine Tochter (* 2000),[19] leben aber mittlerweile getrennt.[20] Wales wohnt in Saint Petersburg, Florida, ist aber etwa 200[10] bis 250 Tage[21] im Jahr unterwegs, vor allem, um weltweit für Wikipedia zu werben. 2011 hat er an einer Prominenten-Kampagne für den Schweizer Uhrenhersteller Maurice Lacroix teilgenommen.[22] 2012 heiratete er in dritter Ehe Kate Garvey, mit der er eine Tochter hat.[23] Er lebt mit ihr in London.[24]

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Sonstige Engagements

Wales setzt sich aktiv für die Menschenrechte ein. Im Jahr 2011 saß er in einer Jury bestehend aus renommierten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die an der Auswahl des universellen Logos für Menschenrechte beteiligt waren.[25] Seit 2012 ist Wales unentgeltlicher Berater der britischen Regierung. Er soll neue Wege für mehr Transparenz politischer Entscheidungsfindung und für mehr Bürgerbeteiligung bei Gesetzgebungsvorhaben entwickeln.[26][27]

Am 30. April 2012 war er Teilnehmer einer Tagung der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften zur Enzyklika „Pacem in terris“, die er als „heute noch aktuell“ würdigte. [28][29]

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Auszeichnungen

Jimmy Wales nimmt den Quadriga-Preis 2008 entgegen
Jimmy Wales bei der Gottlieb-Duttweiler-Preisverleihung 2011
Jahr/Datum Auszeichnung
2006 Pioneer of the Electronic Frontier von der Electronic Frontier Foundation (EFF)[30]
2006 TIME 100 „List of Most Influential People“ (Liste der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2006) Time Magazine[31][32]
2006 Ehrendoktorwürde des Knox Colleges[33]
2006 Wales wird mit Tim Berners-Lee zum Mitglied des neugegründeten Beirats des »MIT Center for Collective Intelligence« ernannt.[34]
2007 Young Global Leader vom Weltwirtschaftsforum[35]
2007 Das Forbes Magazine platziert Wales auf Rang 12 in seiner ersten Jahresliste »The Web Celebs 25« (Die 25 Prominenten des Internets).[36]
3. Oktober 2008 Verleihung des Quadriga-Preises Mission der Aufklärung an die Wikipedia, vertreten durch Jimmy Wales, als Gründer und Ehrenvorsitzender der Wikimedia Foundation[37]
2010 Millennium Vision Award des Deutschen Trendtages[38]
2010 Kulturpreis der Eduard-Rhein-Stiftung[39]
2011 Gottlieb-Duttweiler-Preis des Gottlieb Duttweiler Institut[40][41]
2011 Leonardo European Corporate Learning Award des HRM Research Institute[42]
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Schriften

  • Robert Brooks, Jon Corson, Jimmy Donal Wales: The Pricing of Index Options When the Underlying Assets All Follow a Lognormal Diffusion, in: Advances in Futures and Options Research 7, 1994, ISSN 1048-1559, Abstract.
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Weblinks

 Commons: Jimmy Wales – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Jimmy Wales – in den Nachrichten
Artikel
Interviews
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Einzelnachweise

  1. „Die Entdeckung des Elfenbeinspechts“, Berliner Zeitung, 11. Oktober 2008, Interview mit Jimmy Wales
  2. Brian Bergstein: „Sanger says he co-started Wikipedia. Wales insists Sanger was employee and not deserving of co-founder status“, Associated Press / MSNBC, 26. März 2007
  3. Kerstin Kohlenberg: „Die anarchische Wiki-Welt“, Die Zeit, 7. September 2006, Nr. 37, S. 17–19
  4. The free-knowledge fundamentalist, in The Economist, 5. Juni 2008
  5. Brian Lamb: „Q&A: Jimmy Wales, Wikipedia founder“, C-SPAN, 25. September 2005
    „I made enough money – I used to be a futures and options trader and I‘m not a wealthy person but I‘m a person who lives within my means. So I have enough money to live and I can‘t think of anything cooler to be doing so this is what I do.“
  6. Wikipedia-Gründer berät britische Regierung, Handelsblatt vom 12. März 2012.
  7. Marshall Poe: „The Hive“, The Atlantic, September 2006
  8. abc „Wir glauben an das Gute“, Die Welt, 26. Juni 2006, Interview
  9. Teilzitiert in:  Jimmy Wales. In: Der Spiegel. Nr. 50, 2007, S. 185 (online). Originalquelle: „The Encyclopedist’s Lair“, NYT, 18. November 2007
    „We aren’t democratic. Our readers edit the entries, but we’re actually quite snobby. The core community appreciates when someone is knowledgeable, and thinks some people are idiots and shouldn’t be writing.“
  10. ab Mark Diening: „Von wegen Guru. Der Missionar. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales will die Welt mit Wissen überziehen“, Tagesspiegel, 7. April 2009
  11. Porno-Streit in Wikipedia eskaliert, Heise vom 9. Mai 2010.
  12. Süddeutsche Zeitung vom 16. September 2010: Wikipedia-Gründer: «Bücher sind eine tolle Sache»
  13. Heise online: Suchmaschine zum Mitmachen, 23. Dezember 2006
  14. AP: „Viel Wirbel um Anti-Google-Projekt“, 11. Januar 2007
  15. Roland Lindner: „Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. Der Besserwisser“, FAZ, 22. Januar 2007
  16. Roland Lindner: „Google ist nicht gut genug“, FAZ, 22. November 2007
  17. Jimmy Wales: „Update on Wikia – doing more of what’s working“, blog.jimmywales.com, 31. März 2009
  18. Ben Schwan: „WikiSearch am Ende. Vom Scheitern im Web 2.0“, die tageszeitung, 1. April 2009
  19. Jimmy Wales, whoswho.de
  20. Ryan Kim: „Allegations swirl around Wikipedia's Wales“, San Francisco Chronicle, 5. März 2008
  21. Edward Lewine: „The Encyclopedist’s Lair“, New York Times, 18. November 2007
  22. Maurice Lacroix - Ambassadors (Englisch, eingesehen am 16. September 2012)
  23. http://www.nypost.com/p/pagesix/wiki_wales_to_wed_iZoLin6K3PEc9oceiU4BBO
  24. http://www.telegraph.co.uk/technology/wikipedia/8867079/Jimmy-Wales-Wikipedia-can-topple-tyrants.html
  25. The jury
  26. Jimmy Wales: Wikipedia chief to advise Whitehall on policy, The Daily Telegraph, 12. März 2012 (mit Nachträgen vom 13. März 2012)
  27. Jimmy Wales: Wikipedia-Gründer berät britische Regierung, Handelsblatt, 13. März 2012
  28. Wikipedia-Gründer würdigt Papst-Enzyklika, Radio Vatikan, 3. Mai 2012
  29. Fundador de Wikipedia elogia encíclica „Pacem in Terris“ del Papa Juan XXIII, Aciprensa, 3. Mai 2012
  30. Electronic Frontier Foundation: „EFF Honors Craigslist, Gigi Sohn, and Jimmy Wales with Pioneer Awards“, 3. Mai 2006
  31. Time Magazine: „The People Who Shape Our World“, 8. Mai 2006
  32. Time Magazine: „TIME Magazine Celebrates New 'TIME 100’ List of Most Influential People With Star-Studded Event April 19th“, 15. April 2006
  33. Knox College Honorary Degrees
  34. Advisory Board, MIT Center for Collective Intelligence und MIT Reports to the President 2006–2007 (PDF; 542 kB), S. 26
  35. Speakers. Jimmy Wales, World Economic Forum, 2007
  36. David M. Ewalt: „The Web Celeb 25“, Forbes Magazine, 23. Januar 2007
  37. Preisträger des Quadriga-Preises 2008
  38. Pressemitteilung vom 8. Juli 2010
  39. Wikipedia-Gründer wird ausgezeichnet, Oberbayerisches Volksblatt, 15. Oktober 2010
  40. Pressemitteilung vom 8. Oktober 2010
  41. Migros-Magazin vom 31. Januar 2011 (PDF; 526 kB)
  42. Pressemitteilung vom 21. September 2011
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Zuletzt geändert am 10. März 2013 um 00:42