Esther Srul (* Datum und Ort unbekannt; † 15. September 1942 in Kowel, Wolhynien) war eine jüdische Bewohnerin des Ortes Kowel, die zusammen mit den anderen Juden des Ortes im September 1942 in der örtlichen Synagoge eingesperrt und von der deutschen Wehrmacht ermordet wurde.

Eine Inschrift in jiddischer Sprache als letzte Botschaft Esther Sruls wurde auf der Wand der Synagoge in Kowel gefunden.[1]

Kowel, eine Stadt in der ukrainischen Region Wolhynien, hatte eine große jüdische Gemeinde. Am 28. Juni 1941 wurde Wolhynien im Zuge des Unternehmens Barbarossa von der deutschen Wehrmacht besetzt. Im September 1942 wurden diejenigen der 17.000 jüdischen Einwohner von Kowel (50 Prozent der Bewohner), die von der deutschen Wehrmacht noch nicht massakriert worden waren, von den Deutschen festgenommen und in die Synagoge eingesperrt. Die Gefangenen wurden gruppenweise aus der Synagoge gelassen und erschossen. Die Synagoge wurde in Flammen gesteckt. Nur eine Frau überlebte; sie wurde wahnsinnig. In den Trümmern der Synagoge fand man Botschaften wie die von Esther Srul in jiddischer Sprache. Einige Inschriften an den Wänden waren mit Blut geschrieben.

Die Inschrift von Esther Srul auf der Wand der Synagoge lautet:

„Die Tore öffnen sich. Da sind unsere Mörder. Schwarz gekleidet. An ihren schmutzigen Händen tragen sie weisse Handschuhe. Paarweise jagen sie uns aus der Synagoge. Liebe Schwestern und Brüder, wie schwer ist es, vom schönen Leben Abschied zu nehmen. Die ihr am Leben bleibt, vergesst nie unsere unschuldige, kleine jüdische Strasse. Schwestern und Brüder, rächt uns an unseren Mördern. - Esther Srul, ermordet am 15. September 1942[2]

Der italienische Komponist Luigi Nono wählte aus dem Sammelband für den Text seines 1956 geschriebenen Chorwerkes Il canto sospeso zehn Abschiedsbriefe und letzte Botschaften von Frauen, Männern und Jugendlichen, die von der deutschen Wehrmacht und den Nationalsozialisten ermordet wurden,[3] darunter auch die Inschrift von Esther Srul.[4]

Übersetzungen der Inschrift von Esther Srul finden sich in mehreren Sprachen auf dem interaktiven italienischen Portal Canzoni contro la guerra.[5]

Weblinks Bearbeiten

Literatur Bearbeiten

  • Piero Malvezzi, Giovanni Pirelli (Hrsg.): Lettere di condannati a morte della resistenza europea – Briefe von zum Tode Verurteilten aus dem europäischen Widerstand, mit einem Vorwort von Thomas Mann, Verlag Giulio Einaudi, Turin 1954 (Erstausgabe)
  • Jean Lartéguy: Les jeunes du monde devant la guerre: documents. Gallimard, Paris 1955, ISBN 978-2-07-023750-0, S. 195, 200
  • Audio-CD Luigi Nono ‚Il canto sospeso’, Berliner Philharmoniker, Dirigent: Claudio Abbado, Sprecher: Susanne Lothar und Bruno Ganz – Sony Classical 1993 (Dokumentation Beiheft)
  • DVD Luigi Nono Il canto sospeso Sonderedition EU 2013 für deutsche Schulen im Ausland – Patronat: Guido Westerwelle, Bundesminister des Auswärtigen © Fondazione L’Unione Europea Berlin ISBN 978-3-943933-00-0

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Lettere di condannati a morte della Resistenza Europea | Letzte Briefe zum Tode Verurteilter aus dem europäischen Widerstand, herausgegeben von Piero Malvezzi und Giovanni Pirelli, Vorwort von Thomas Mann – Steinberg-Verlag Zürich 1955, S. 463 (auch: Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1962)
  2. Esther Srul, Luigi Nono. Il Canto Sospeso (Memento des Originals vom 5. September 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.incontri-europei.de
  3. Das Nonoprojekt, Bundeszentrale für Politische Bildung
  4. Basis des Textes der Komposition Nonos sind ferner die in dem Sammelband veröffentlichten Abschiedsbriefe von Anton Popov (Bulgarien), Andreas Likourinos (Griechenland), Eleftherios Kiossès (Griechenland), Konstantinos Sirbas (Griechenland), Chaim (Galizien) (Polen), Irina Malozon (UdSSR), Ljubow Grigorjewna Schewzowa (UdSSR), Eusebio Giambone (Italien) und Elli Voigt (Deutschland).
  5. Lettere