Ähren-Grannenhafer

Art der Gattung Trisetum
(Weitergeleitet von Trisetum spicatum)

Der Ähren-Grannenhafer (Trisetum spicatum),[1] auch Ähriger Goldhafer[2] oder Ähren-Goldhafer, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Trisetum innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie kommt in Nord- und Südamerika sowie Eurasien natürlich vor.

Ähren-Grannenhafer
Ähren-Grannenhafer (Trisetum spicatum), Illustration

Ähren-Grannenhafer (Trisetum spicatum), Illustration

Systematik
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Tribus: Aveneae
Gattung: Trisetum
Art: Ähren-Grannenhafer
Wissenschaftlicher Name
Trisetum spicatum
(L.) K.Richt.

TrivialnamenBearbeiten

Ein weiterer für diese Pflanzenart belegter deutschsprachiger Trivialname ist für die Region Fusch im Pinzgau Marbelblüh.[3] Trivialnamen sind auf englisch: Narrow false-oat, französisch: Trisè à épi und in Inuktitut: Ivit iviksugait.[4]

BeschreibungBearbeiten

 
Grundständige, behaarte Laubblätter
 
Blütenstände
 
Rispige Fruchtstände mit Grannen
 
Illustration aus Aquatic and wetland plants of southwestern United States, 1972

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Der Ähren-Grannenhafer wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern. Es werden nur Faserwurzeln ausgebildet. Die aufrechten Halme sind im Querschnitt kreisförmig oder oval.[4] Unterhalb des Blütenstandes sind die Halme behaart[5].

Die hauptsächlich grundständig und wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Ränder der Blattscheide sind nur an ihrer Basis verwachsen und sie sind rau behaart. Die ausgefransten, behaarten Blatthäutchen (Ligulae) sind bei einer Länge von 0,8 bis 3 Millimetern schräg länglich mit spitzen bis gestutzten oberen Enden. Die am Halm anliegenden oder ausgebreiteten Blattspreiten sind bei einer Länge von 17 bis 85 Millimetern linealisch sowie nach oben eingerollt oder flach und dann 1,2 bis 2,2 Millimeter breit. Beide Spreitenflächen sind zottig oder kurz flaumig behaart.[4]

Generative MerkmaleBearbeiten

Der oft tief purpur-braune, dichte, rispige Blütenstand ist bei einer Länge von 2 bis 5 Zentimetern und einem Durchmesser von 5 bis 13 Millimetern zylindrisch oder eiförmig. Die Hauptblütenstandsachse ist dicht, flaumig lang behaart.[4] Die gelben, grünen und violett gefleckten[5] Ährchen sind bei einer Länge von 3,9 bis 6,6 (bis 7,5) Millimetern und einem Durchmesser von 1,5 bis 3 Millimetern lanzettlich oder eiförmig. Die erste Hüllspelze ist kahl, einnervig und bei einer Länge von 2,5 bis 4,5 Millimetern lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende sowie mit wenigen kurzen Haaren bewimperten Rändern. Die erste Hüllspelze ist kahl oder behaart, dreinervig und bei einer Länge von 3,4 bis 5,5 Millimetern lanzettlich. Die matte Deckspelze ist dreinervig und bei einer Länge von selten 3,5 bis meist 4,5 bis 5,3 Millimetern lanzettlich mit spitzem, glattem oberen Ende. Oberhalb der Mitte der Deckspelze ist eine gekniete, verdrehte, 2 bis 4 Millimeter lange Granne vorhanden. Die gut entwickelte Vorspelze ist 3,7 bis 4,2 Millimeter lang. Die Staubbeutel der drei Staubblätter sind selten 0,6 bis meist 1 bis 1,2 Millimeter lang.[4]

Die sitzende Karyopse ist 2,3 bis 2,7 Millimeter lang.[4]

ChromosomensatzBearbeiten

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7. Es liegt oft Tetraploidie vor, also eine Chromosomenzahl von 2n = 28,[2] es gibt auch Formen mit Hexaploidie, also 2n = 42.[4]

ÖkologieBearbeiten

Der Ähren-Grannenhafer ist ein Hemikryptophyt.[2] Er ist eine Pionierpflanze auf gestörten sandigen oder schluffigen Böden etwa auf Moränen. Diese relativ niedrig wachsende Grasart wird später von höher wachsenden Grasarten wie Poa glauca verdrängt.[4]

VorkommenBearbeiten

Trisetum spicatum kommt ursprünglich im nördlichen Nord- und südlichen Südamerika sowie im nördlichen Eurasien und außerdem im südöstlichen Australien und in Neuseeland vor.[6] Trisetum spicatum besitzt eine zircumpolare oder zircumboreale, arktisch-alpine und trans-tropische sowie bipolare Verbreitung. Fundorte gibt es im nördlichen Island, nördlichen Fennoskandinavien, KaninPetschora, SvalbardFranz-Joseph-Land, im polaren Ural – Nowaja Semlja, JamalGydan, TaimyrSewernaja Semlja, AnabarOlenjok, Charaulach, JanaKolyma, Wrangelinsel, West-Tschukotka, Süd-Tschukotka, Ost-Tschukotka, westlichen Alaska, nördlichen Alaska – Yukon, zentralen Kanada, LabradorHudson Bay, Ellesmere IslandPeary-Land, westlichen sowie östlichen Grönland.[4] Es gibt einige zerstreute Vorkommen in den Alpen.

In Deutschland gibt es nur Fundorte im Allgäu und bei Garmisch.[5] In den Allgäuer Alpen kommt Trisetum spicatum nur in Höhenlagen oberhalb 2000 Metern vor.[7]

Der Ähren-Grannenhafer gedeiht in Mitteleuropa in Steinschuttrasen der alpinen und nivalen Höhenstufe auf frischen. basenreichen. neutralen, modrig-humosen oder humusarmen seltener kalkarmen Böden.[5] Trisetum spicatum ist eine Charakterart des Trisetetum spicati aus dem Verband Drabion hoppeanae, kommt aber auch im Elynetum vor.[8]

TaxonomieBearbeiten

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Aira spicata durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 64. Die Neukombination zu Trisetum spicatum (L.) K.Richt. wurde 1890 durch Karl Richter in Plantae Europeae, Band 1, S. 59 veröffentlicht. Für Trisetum spicatum (L.) K.Richt. gibt es viele weitere Synonyme.[6]

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 14. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2, S. 591.
  • S. G. Aiken, M. J. Dallwitz, L. L. Consaul, C. L. McJannet, R. L. Boles, G. W. Argus, J. M. Gillett, P. J. Scott, R. Elven, M. C. LeBlanc, L. J. Gillespie, A. K. Brysting, H. Solstad & J. G. Harris: Poaceae of the Canadian Arctic Archipelago: Datenblatt – Trisetum spicatum (L.) K. Richter.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Trisetum spicatum (L.) K. Richt., Ähren-Grannenhafer. FloraWeb.de
  2. a b c Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
  3. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 54, online.
  4. a b c d e f g h i S. G. Aiken, M. J. Dallwitz, L. L. Consaul, C. L. McJannet, R. L. Boles, G. W. Argus, J. M. Gillett, P. J. Scott, R. Elven, M. C. LeBlanc, L. J. Gillespie, A. K. Brysting, H. Solstad & J. G. Harris: Flora of the Canadian Arctic Archipelago: Datenblatt – Trisetum spicatum (L.) K. Richter.
  5. a b c d Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 14. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2, S. 591.
  6. a b Rafaël Govaerts (Hrsg.): Trisetum spicatum. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew, abgerufen am 4. November 2016.
  7. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 167.
  8. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 244–245.

WeblinksBearbeiten

Commons: Ähren-Grannenhafer (Trisetum spicatum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien