Torwartregeln (Fußball)

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Das Regelwerk für Torhüter im Fußball ist Bestandteil der Fußballregeln und dort nicht gesondert zusammengefasst. Die Torwartregeln wurden in den letzten Jahren mehrfach geändert, um das Spiel zu beschleunigen und attraktiver zu gestalten.

Speziell für Torhüter gelten die folgenden Regeln: Der Torwart ist der einzige Spieler einer Mannschaft, der den Ball im eigenen Strafraum – wenn auch mit Einschränkungen, s. u. – mit der Hand spielen darf. Ein Angriff auf einen Torwart ist verboten, wenn er den Ball mit der Hand kontrolliert, wobei bereits die Berührung des Balles als dessen Kontrolle gilt. Ebenfalls verboten ist das unsportliche Bedrängen des Torwartes, etwa im Zuge der Ausführung eines Eckstoßes. Daneben werden die Bestimmungen zum gefährlichen Spiel bei einem Torwart anders ausgelegt: Üblicherweise wird bei einem Spieler, der auf dem Boden liegt und den Ball blockiert oder sehr spielnah ist, wegen gefährlichen Spiels auf Regelverstoß gegen diesen Spieler entschieden. Beim Torwart ist dies anders, da es seiner Rolle im Spiel entspricht, eben auch bei Bedarf auf dem Boden zu liegen.

Das bereits genannte Verbot des unsportlichen Bedrängens des Torwartes, wobei die Schiedsrichter angewiesen sind, dies insbesondere im eigenen Torraum (umgangssprachlich 5-Meter-Raum) zu unterbinden, führt im volkstümlichen Regelwissen zur Annahme, der Torwart habe im Torraum Sonderrechte.

SystematikBearbeiten

Das Regelwerk ist in der Bezeichnung nicht konsequent und spricht teilweise vom Torwart, teilweise vom Torhüter; gemeint sind aber dieselben Spieler. Einige Bestimmungen zum Schutz des Torwartes sind unter der Überschrift Vergehen des Torhüters zu finden (IFAB-Anweisungen zur Regel 12).

BesonderheitenBearbeiten

  • In jeder Mannschaft muss ein Spieler Torwart sein, sonst kann das Spiel nicht stattfinden.
  • Bei einer Verletzung des Torwartes, bei der eine Behandlung erforderlich ist, muss dieser den Platz nicht verlassen. Das Spiel wird so lange unterbrochen, bis er wieder einsetzbar ist oder ein Ersatzmann eingewechselt wurde. Von dieser Besonderheit profitieren auch alle Spieler, die während der Behandlung des Torwartes ebenfalls einer Behandlung bedürfen, da sie während dieser Zeit das Feld ebenfalls nicht verlassen müssen.
  • Der Torhüter muss sich optisch von den Feldspielern beider Mannschaften und dem Schiedsrichter und dessen Assistenten unterscheiden. Er trägt daher ein Torwarttrikot mit einer deutlich anderen Farbe.
  • Der Torwart darf beim Abschlag aus der Hand von keinem Gegenspieler angegriffen, berührt oder gestört werden.
  • Erhält der Torwart den Ball in einer Art zugespielt, dass er den Ball sofort in die Hand nehmen könnte und er dies aber nicht gleich tut, sondern den Ball erst nur ohne Hilfe seiner Hände annimmt, so darf er den Ball in derselben Spielsituation weiterhin in die Hand nehmen.
  • Die Rückpassregel besagt, dass es dem Torwart nicht gestattet ist, den Ball mit seinen Händen aufzunehmen oder zu berühren, wenn es sich dabei um ein kontrolliertes Zuspiel mit dem Fuß oder einen Einwurf durch einen Mitspieler der eigenen Mannschaft handelt. Ein Zuspiel mit dem Kopf oder anderen Körperteilen hingegen ist erlaubt, sofern dies nicht in der Absicht der Umgehung der Regel erfolgt (z. B. Spieler 1 lupft den Ball in Kopfhöhe zu Spieler 2, welcher den Ball dann zum Torwart köpft).
  • Der Torwart darf den Ball maximal sechs Sekunden mit der Hand kontrollieren, danach muss er den Ball freigeben, anderenfalls ist ein indirekter Freistoß gegen seine Mannschaft zu verhängen.
  • Ein Torwart, der den Ball regelkonform mit der Hand kontrolliert, darf nicht mehr angegriffen werden. Als Kontrolle des Balles gilt in diesem Fall schon die reine Berührung mit nur einem Finger.
  • Das übliche Prellen eines Balles in der Abfolge Hand-Boden-Hand gilt nicht als Freigabe des Balles. Daher läuft die Zeit der maximal zulässigen Ballkontrolle hier weiter, gleichzeitig gilt dies aber auch nicht als erneute Ballaufnahme („Rückpassregel“), ebenso ist ein Angriff auf den Torwart weiterhin nur in der Form des korrekten Remplers zulässig.

StrafstoßBearbeiten

 
Torhüterin Bianca Henninger bewegte sich wie beim ersten auch bei diesem zweiten Strafstoß-Versuch Esther Sundays im Elfmeterschießen des U-20-WM-Spiels USA – Nigeria, gemäß Beurteilung der Schiedsrichterin regelwidrig vor die Torlinie, sodass Sunday nach zwei vergebenen Chancen den dritten Elfmeter verwandeln konnte.

Mittlerweile ist es dem Torwart erlaubt, sich auf der Torlinie zu bewegen, er darf diese Linie aber weiterhin erst verlassen, wenn der Schütze den Ball berührt hat. Früher führte die Regel, dass er sich nicht bewegen durfte, immer wieder zu Diskussionen, sobald der Ball gehalten oder verschossen wurde. Hatte sich der Torwart tatsächlich zu früh bewegt, war der Strafstoß zu wiederholen, sodass die ausführende Mannschaft, die nicht zu einem Torerfolg gekommen war, nahezu regelmäßig eine zu frühe Bewegung des Torwartes reklamierte, was die verteidigende Mannschaft ebenso vehement bestritt. Seit den Regeländerungen im Sommer 2019 muss sich nur noch ein Fuß des Torwarts auf oder über der Torlinie befinden.

Indirekter FreistoßBearbeiten

Ein Torwart verursacht einen indirekten Freistoß für die gegnerische Mannschaft, wenn er innerhalb seines Strafraums einen der folgenden Verstöße begeht:

  • Er wartet mit dem Ball mehr als sechs Sekunden, während er den Ball mit seinen Händen kontrolliert, bevor er ihn für das Spiel freigibt.
    Seit der Einführung dieser Regel im Jahr 1997 wird das Verhalten des Torwarts nicht mehr durch die Schrittzahl beschränkt, wenn er den Ball mit den Händen oder Armen kontrolliert, wie es die Vier-Schritte-Regel von 1982/1985[1] bestimmt hatte. Er darf den Ball seither höchstens noch sechs Sekunden in den Händen halten, darf aber innerhalb dieser sechs Sekunden beliebig viele Schritte machen.
  • Er berührt den Ball mit der Hand, den ein Mitspieler absichtlich mit dem Fuß zugespielt hat. Dies gilt auch bei Einwürfen vom Mitspieler.
  • Hat der Torwart den Ball bereits mit den Händen kontrolliert und gibt den Ball frei, in dem er ihn beispielsweise mit dem Fuß dribbelt, so darf er den Ball nicht mehr aufnehmen. Das reine Prellen eines Balles gilt nicht als Freigabe.

SchiedsrichterballBearbeiten

Mit der Neuregelung des Schiedsrichterballes im Sommer 2019 wurde eingeführt, dass bei einem Schiedsrichterball im eigenen Strafraum ausschließlich der Torwart an diesem Schiedsrichterball teilnehmen darf, während alle anderen Spieler mindestens vier Meter Abstand einhalten müssen. Unverändert blieb, dass der Torwart den Ball nach einem Schiedsrichterball in die Hand nehmen darf.

TorwartwechselBearbeiten

Jeder Feldspieler darf seinen Platz mit dem Torhüter tauschen; dabei muss der neue Torwart durch seine Kleidung als solcher kenntlich werden, während der bisherige Torwart kleidungsmäßig eindeutig als Spieler erkennbar sein muss (Trikotwechsel). Ist das Auswechselkontingent einer Mannschaft erschöpft und der Torwart muss wegen einer Verletzung oder eines Feldverweises („Rote Karte“) ausscheiden, muss ein Feldspieler seine Funktion übernehmen, damit das Spiel fortgesetzt werden kann. Für diesen gelten fortan die Torwartregeln. Der Schiedsrichter muss über einen beabsichtigten Torwartwechsel vor dessen Durchführung informiert werden, gleichgültig, ob er mit einer Auswechslung verbunden ist oder nur zwei Spieler ihre Funktion tauschen. Seit Beginn der Saison 2017/2018 muss der Schiedsrichter nicht mehr informiert werden, wenn der Torwartwechsel während der Halbzeitpause, zwischen dem Ende der regulären Spielzeit und dem Beginn der Verlängerung oder nach dem Ende der Verlängerung und vor dem Beginn des Elfmeterschießens stattfindet.

HallenfußballBearbeiten

Fußballspiele in der Halle werden in der Regel nach den Fußballregeln und den speziellen Hallenregeln der Mitgliedsverbände ausgetragen. Jedoch kann es bei Hallenturnieren (in eher kleinen Hallen) zu Abweichungen kommen, die aber vorher in den Turnierbestimmungen niedergelegt sein müssen.

Mögliche Abweichungen wären zum Beispiel:

  • Abwürfe bzw. Abstöße durch den Torwart dürfen nicht ohne Boden- oder Spielerberührung über die Mittellinie erfolgen. Oft wird der Abwurf durch Einrollen ersetzt.
  • Der Torwart darf sein Tor nur bis zur Mittellinie oder den Torraum nur zu Abwehr eines Angriffes verlassen.
  • Beim Abstoß – auch wenn dieser durch einen Abwurf ersetzt wird – darf der Ball die Mittellinie erst überqueren, wenn er von einem beliebigen anderen Spieler berührt wurde.
  • Beim Futsal gilt eine verschärfte Rückpass-Regel: Kommt der Ball vom eigenen Torwart, darf dieser den Ball nur dann mit dem Fuß erneut spielen, wenn der Ball zwischenzeitlich vom Gegner berührt wurde. Der Torwart kann und wird ähnlich wie beim Handball durch einen weiteren Feldspieler ersetzt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Geschichte des Regelwerks 1980–1990

WeblinksBearbeiten