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Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser

Völkerrechtlicher Vertrag
(Weitergeleitet von Partieller Teststopp-Vertrag)
Präsident John F. Kennedy unterzeichnet am 7. Oktober 1963 den Vertrag im Weißen Haus
Atmosphärisches 14C, in Neuseeland[1] und Österreich[2]. Durch die Kernwaffentests wurde bis 1963 die 14C-Konzentration relativ zu 12C fast verdoppelt. Dies hat bedeutende Konsequenzen für die Radiokohlenstoffdatierung. So erlaubt es unter anderem eine präzisere Datierung von Proben aus der Zeit nach 1963. Siehe auch Kernwaffen-Effekt
Vertragsstaaten
  • Unterzeichnet und ratifiziert
  • Beitritt oder Nachfolge
  • Nur unterzeichnet
  • nicht unterzeichnet
  • Der Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser, auch Moskauer Atomteststoppabkommen, oft als LTBT (Limited Test Ban Treaty), NTBT (Nuclear Test Ban Treaty) oder PTBT (Partial Test Ban Treaty) abgekürzt, jedoch nicht zu verwechseln mit dem Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (Comprehensive Test Ban Treaty), wurde am 5. August 1963 zur Unterzeichnung freigegeben und trat am 10. Oktober 1963 in Kraft. Er wurde ursprünglich zwischen Großbritannien, der Sowjetunion und den USA geschlossen. Von den restlichen Staaten mit Nuklearwaffen unterzeichneten Indien (1963), Israel (1964) und Pakistan (1988) den Vertrag, Pakistan hat ihn noch nicht ratifiziert. Die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnete den Atomteststoppvertrag am 19. August 1963.[1]

    Der Vertrag verbietet Atomwaffentests und andere Kernexplosionen, die in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser (Hoheitsgewässer und Hohe See) durchgeführt werden, sowie Explosionen, in deren Folge radioaktiver Niederschlag (Fallout) außerhalb der Grenzen des Landes gelangt, das die Explosion durchführt.

    Sein Zustandekommen im Kalten Krieg war auch durch die damals festgestellte besorgniserregende Zunahme der Radioaktivität in der Erdatmosphäre motiviert. Dieser Anstieg war auf Kernwaffenexplosionen zurückzuführen, die im Rahmen militärischer Testprogramme der Großmächte bis Anfang der 1960er Jahre in großer Zahl stattgefunden hatten. Eine 1958 von dem Biochemiker Herman Moritz Kalckar angeregte[2] Untersuchung hatte außerdem ergeben, dass der Gehalt des radioaktiven Fallout-Isotops Strontium-90 in Milchzähnen von Kindern in der Hochphase der Kernwaffenversuche dramatisch zugenommen hatte;[3] ein Faktor, der mit einer Häufung von frühen Krebserkrankungen korreliert.[4] Das Hauptziel des Vertrages war deshalb, die Freisetzung des mit Nuklearwaffentests verbundenen radioaktiven Fallouts zu verhindern und damit auch das Wettrüsten einzudämmen. Letzteres ging zwar nahezu ungebremst weiter, jedoch fanden nun Testexplosionen der Vertragsparteien immer unterirdisch statt, so dass diese Länder keinen weiteren Fallout mehr erzeugten.

    Großbritannien führte den letzten atmosphärischen Test am 23. September 1958 durch, die USA am 9. Juni 1963 und die UdSSR am 25. Dezember 1962. Die zuvor fast auf das Doppelte des natürlichen Levels angestiegene Radioaktivität in der Atmosphäre geht deshalb seit Inkrafttreten des Vertrages wieder zurück.

    Nur die Volksrepublik China und Frankreich, die dem Vertrag bis heute nicht beigetreten sind, testeten oberirdisch weiter. Frankreich führte vom 2. Juli 1966 bis zum 14. September 1974 41 Tests durch, China zwischen dem 16. Oktober 1964 und dem 16. Oktober 1980 22 Tests.

    Ein möglicher Verstoß gegen den Vertrag war ein möglicher Nuklearwaffentest Israels und/oder Südafrikas (Vela-Zwischenfall) am 22. September 1979 im südlichen Indischen Ozean, der von einem US-amerikanischen Vela-Satelliten entdeckt wurde.

    Siehe auchBearbeiten

    WeblinksBearbeiten

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. "Kalenderblatt: 50 Jahre Atomteststopp-Vertrag", seniorbook im August 2013
    2. Herman Kalckar: An International Milk Teeth Radiation Census. In: Nature Publishing Group (Hrsg.): Nature. 182, 2. August 1958, S. 283–284. bibcode:1958Natur.182..283K. doi:10.1038/182283a0. Abgerufen im April 2019.
    3. Rosenthal H. L. : Implications of environmental Strontium-90 accumulation in teeth and bone of children. Proceeding of the Sixth Berkeley Symposium on Mathematical Statistics and Probability. University of California Press, 1970; 465–476
    4. JM Gould et al.: Strontium-90 in deciduous teeth as a factor in early childhood cancer.. In: Int J Health Serv.. 30, Nr. 3, 2000, S. 515–539..